Marc Storace
Manche Stimmen erkennt man nach zwei Sekunden. Die von Marc Storace gehört dazu. Seit über vier Jahrzehnten prägt er die Schweizer Hard-Rock-Szene und zählt zu den markantesten Rockstimmen Europas. Seine Geschichte ist dabei ein einziger schöner Widerspruch: ein Malteser, der über London in die Schweiz kam, hier sein eigentliches Zuhause fand und mit Krokus die erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten mitprägte.
Voller Name | Mark Anthony Storace (Crockford) |
|---|---|
Künstlername | Storace |
Geboren | 7. Oktober 1951 in Sliema, Malta |
Nationalität | maltesisch-schweizerisch |
Wohnort | Oberwil, Baselland |
Ehefrau | Cornelia Storace |
Kinder | Luca und Giuliana |
Bands | Krokus, TEA, Eazy Money, Blue u. a. |
Solo-Alben | Live and Let Live (2021), Crossfire (2024) |
Offizielle Website |
Marc Storace
Biografie
Marc Storace kam am 7. Oktober 1951 in Sliema auf Malta zur Welt, als fünftes von sechs Kindern. Musik lag in der Familie: sein Vater sang Tenor, seine Mutter und seine Schwester studierten klassischen Gesang an der Royal School of Music in London. Klassik wäre also der naheliegende Weg gewesen. Dass es anders kam, lag an einer Musikbox. Sie stand in einer Bar am Ende der Strasse, gleich gegenüber der Kirche, und dort hörte der junge Marc zum ersten Mal Elvis, die Beatles und die Rolling Stones. Ab da war die Sache gelaufen.
Mit 14 stand er zum ersten Mal auf der Bühne, mit zwei lokalen Bands namens Stonehenge Union und The Boys. Ende der 1960er tauften sich The Boys in Cinnamon Hades um und spielten fortan Led Zeppelin, Jimi Hendrix und The Who.
Nur liess sich auf Malta damit kaum leben. Wer auf der Insel mit Musik Geld verdienen wollte, spielte Tanzmusik für Touristen, in Cabaret-Clubs und Hotels. Damit konnte Storace nichts anfangen.
Meine Philosophie passte nicht dazu, ich war ein Rebell und wollte Rocksänger werden.
Die Lösung kam übers Meer: Cinnamon Hades spielte auf einem Kreuzfahrtschiff, und damit verdiente er genug, um die Insel zu verlassen. 1970 zog er nach London und versuchte dort sein Glück.
Der junge Marc Storace
In London lernte er eine Baslerin kennen, und die brachte alles ins Rollen. In der Schweiz warteten viele Musiker auf einen Sänger wie ihn, sagte sie ihm. Storace fuhr hin und blieb. Die Beziehung zur Baslerin hielt nur einen Monat, die zur Schweiz ein Leben lang. Er selbst sieht darin bis heute einen Glücksfall.
Ende 1971 stieg er bei der Schweizer Progressive-Rock-Band TEA ein. Mit ihr tourte er durch Europa, unter anderem an der Seite von Queen und Nazareth, und nahm drei Studioalben auf: TEA, The Ship und Tax Exiles. Produziert hat sie Dieter Dierks, derselbe Mann, der auch die Scorpions betreute. Eine Weile galt TEA als Schweizer Rock-Aushängeschild und spielte in Hamburg, London, Glasgow und sogar auf Malta.
Nach TEA ging er zurück nach England und gründete Eazy Money. Ihr Song «Telephone Man» landete auf der Compilation Metal for Muthas Vol. 2. Und dann ist da noch die Geschichte, die er selbst am liebsten erzählt: Ritchie Blackmores Rainbow luden ihn zum Vorsingen ein. Deep-Purple-Songs kannte er zuhauf, von Rainbow aber keinen einzigen auswendig. Die Band nahm Graham Bonnet.
Ich war sehr nervös und fühlte mich wie ein Anfänger unter Mega-Rockstars, aber alle waren sehr höflich, und Ritchie selbst bot mir einen Whisky an, Storace sagte höflich ab.

Eazy Money - Telephone Man
Persönliches Leben
So wild seine Rockbiografie ist, so ruhig ist sein Privatleben. Bei einem Musiker seiner Generation ist das alles andere als selbstverständlich. Storace lebt in Oberwil im Baselland, zusammen mit seiner Frau Cornelia, einer diplomierten Kosmetikerin aus dem nahen Binningen. Kennengelernt haben sich die beiden im legendären Basler Musikklub Atlantis, verheiratet sind sie seit über 30 Jahren.
Vor dreissig Jahren habe ich Cornelia geheiratet. Sie ist die Liebe meines Lebens und die Mutter meiner inzwischen erwachsenen Kinder Luca und Giuliana, sagt er.
Vater wurde er erst mit 40, ganz bewusst.
Ich wollte nicht Kinder machen und abhauen, sagt er, Ich habe Luca und Giuliana aufwachsen sehen.
In einer Szene, in der reihenweise Ehen zerbrachen, hat Storace seine gehalten. Vor der Krokus-Reunion war er sogar ein paar Jahre lang Hausmann, weil Cornelia als Kosmetikerin mehr verdiente. Für einen, der später wieder monatelang auf Tour ging, ist so ein Familienfundament eine eigene Leistung.
Angekommen ist er in der Schweiz auch ganz wörtlich. Storace hat den Schweizer Pass, wohnt seit Jahrzehnten im Baselland und nennt die Schweiz sein eigentliches Zuhause, trotz maltesischer Geburt und Londoner Jahre. Nach Malta fährt er trotzdem regelmässig in die Ferien und spricht von der Insel liebevoll als seiner «alten Heimat». Zwei Heimaten also, aber der Lebensmittelpunkt ist klar.
Musikalische Karriere
1979 klopfte Krokus an. Die Band suchte einen neuen Sänger und lud Storace zu einem Wochenend-Jam in die Schweiz ein. Kurz zuvor hatte er ja bei Rainbow vorgesungen, und einen Monat später meldete sich Chris von Rohr erneut:
Das neue Songmaterial von Krokus gefiel mir. Kein Minestrone mehr wie früher, die Songs hatten eine klare Linie.
Storace sagte zu. Damit begann eine internationale Erfolgsgeschichte.
Von 1980 bis 1988 tourte Krokus durch die USA und Kanada, teils neun Monate am Stück. Parallel entstanden sechs Studioalben, darunter Hardware, One Vice at a Time und Headhunter. Das goldene Jahrzehnt der Band.
Den Anfang machte Metal Rendez-Vous (1980), das erste Album mit Storace. In der Schweiz holte es prompt vierfach Platin, «Bedside Radio» und «Tokyo Nights» verkauften sich millionenfach, und die Band tourte mit Nazareth und Rainbow. Ein Jahr später kam Hardware (1981) mit Riffs wie «Easy Rocker», die um die Welt gingen. Den grössten Erfolg brachte Headhunter (1983): Krokus stand nun auf einer Bühne mit Rainbow, Judas Priest, Van Halen und Gary Moore.

Krokus - Headhunter (Live 1984) (HD 60fps)
Ein Thema begleitete ihn dabei ständig, der Vergleich mit Bon Scott, ab und zu auch mit Robert Plant. Seine hohe, raue Stimme klang tatsächlich ähnlich, doch Storace pochte immer auf seine eigene Identität. Anfangs störte ihn der Vergleich, später sah er ihn gelassener und meinte, man habe die Nähe zu AC/DC durchaus als Kompliment genommen, ohne blosse Kopie sein zu wollen.
Hört euch mein Debütalbum mit Krokus an, Metal Rendez-Vous, dann merkt ihr den grossen Unterschied zwischen Krokus und AC/DC.
Als Bon Scott 1980 starb, fragte man Storace über eine gemeinsame Produktionsfirma indirekt an, ob er nicht für AC/DC vorsingen wolle. Er sagte Nein, aus Respekt vor Scott und weil es mit Krokus gerade steil bergauf ging.
Ich war auf Wolke sieben mit Krokus.
Danach wurde es turbulent. Nach Headhunter stieg er ein erstes Mal aus, kam in den 1990ern und 2000ern in wechselnden Besetzungen zurück und mischte bei Seitenprojekten wie Biss und Warrior mit. 1991 nahm er mit der Band Blue das gleichnamige Album auf, samt dem Hit «You Can't Stop The Rainfall».

Blue - You Can't Stop the Rainfall
Mit Rock the Block (2003) holte Krokus dann den ersten Nummer-1-Platz in den Schweizer Charts. Es folgten Hoodoo (2010) und Dirty Dynamite (2013), dessen Gesang er übrigens in den Londoner Abbey Road Studios einsang.
2019 kam der grosse Abschied. Die «Adios Amigos»-Tour endete mit einem Headliner-Auftritt auf dem Wacken-Festival vor 85'000 Zuschauern, dazu ein ausverkauftes Hallenstadion in Zürich. Ein Ende mit Tränen, wie Storace später zugab. Nur war es kein endgültiges.
Nebenher lief immer auch die Solokarriere. Schon 1991 nahm er mit Gitarrist Vic Vergeat das Album The Blue Album / When A Man auf, mit soulig gefärbten Rocksongs. 2021 kam dann sein erstes grosses Soloalbum unter dem Namen Storace: Live and Let Live, in der Schweiz und Anfang Februar 2022 auch in den USA. Drei Jahre später legte er nach. Sein zweites Album Crossfire (November 2024, Frontiers Music) produzierte Tommy Henriksen aus der Alice-Cooper-Band, gemischt hat es Olle Romo, der Toningenieur von Mutt Lange. Die Kritik überschlug sich fast und schrieb, Storace klinge mit über 70 «wie ein junger Gott».
Fürs Kino arbeitete er auch. Storace komponierte Musik für mehrere schweizerisch-deutsche Filme und spielte 2006 im deutschen Film «Anuk» einen Medizinmann. Sein Credo bleibt dabei dasselbe:
Ich bin ein Rocksänger, ich will auf der Bühne stehen und mein Musikerleben bis ins Grab leben.
Und genau das tut er. Trotz Krokus-Abschiedstour steht er weiter auf der Bühne, mit Krokus wie auch solo. Krokus nahm nach dem «Abschied» 2019 den Betrieb faktisch wieder auf, mit der Tour «In Rock We Trust» 2022 und umjubelten Konzerten in Bochum und Zürich 2023. Ende 2025 stand er bei den «Rock Monsters of Switzerland»-Shows in Bern und Zürich auf der Bühne, gemeinsam mit Gotthard, mit denen er sogar eine Neuauflage des Songs «Liverpool» einsang. Aufhören sieht anders aus.

Krokus - Long Stick Goes Boom Wacken Live 2019
Konzerte und Touren
Auf der Bühne ist Storace in seinem Element, das spürt jeder, der ihn einmal live gesehen hat. Er ist kein Studiomusiker, der Konzerte über sich ergehen lässt, sondern einer, der die Energie des Publikums geradezu braucht. «Wenn ich aufhöre zu singen, geht meine Stimme kaputt», hat er einmal gesagt, und genau so wirkt er. Seine hohe, raue Stimme trägt nach über 50 Jahren immer noch, und seine Auftritte leben von dieser Mischung aus Kraft und Spielfreude. Zu seinen emotionalsten Momenten zählt der Wacken-Auftritt 2019 vor 85'000 Leuten, aber auch die Rückkehr ins Zürcher Hallenstadion, das er selbst den «Tempel des Rock» nennt.
Mit seinem eigenen Projekt STORACE ist er auch 2026 unterwegs. Die Band mischt neues Material von Crossfire und Live and Let Live mit Klassikern aus über fünf Jahrzehnten. Ein Termin sticht heraus: am 10. Oktober 2026 feiert er im Z7 in Pratteln seinen 75. Geburtstag mit einem eigenen Konzert.
Konzert | Datum | Ort | Tickets |
|---|---|---|---|
Headbangers Open Air | 24. Juli 2026 | Deutschland | |
Summerstage Open Air | 7. August 2026 | Regensburg, DE | storace.ch |
Rock at the Market Square | 8. August 2026 | (siehe Veranstalter) | storace.ch |
Zeeltje Festival | 15. August 2026 | Niederlande | storace.ch |
75th Birthday Celebration | 10. Oktober 2026 | Z7, Pratteln, CH | |
Mill Hunziken | 16. Dezember 2026 | Rubigen, CH | storace.ch |
Pont Rouge | 18. Dezember 2026 | Monthey, CH | storace.ch |
Die Liste wächst im Lauf der Saison meist noch. Für den tagesaktuellen Stand lohnt sich ein Blick auf storace.ch.
Marc Storace auf der Bühne
Diskografie
Die Übersicht zeigt Storace' Soloarbeiten, nicht sein umfangreiches Werk mit Krokus.
Album / Single | Jahr | Label | Bekannte Titel |
|---|---|---|---|
The Blue Album / When A Man (mit Vic Vergeat) | 1991 / 1998 | — | |
Live and Let Live | 2021 | Frontiers / Vertrieb CH | «Carry the Burden», «High On Love» |
Crossfire | 2024 | Frontiers Music | «Screaming Demon», «Rock This City», «We All Need The Money» |
Auszeichnungen
Der grösste Teil von Storace' Gold- und Platin-Auszeichnungen stammt aus seiner Zeit mit Krokus, wo er als Sänger im Zentrum stand. Die wichtigsten Erfolge mit ihm als Frontmann:
Auszeichnung | Jahr | Kontext |
|---|---|---|
4× Platin (Schweiz) | ab 1980 | für Metal Rendez-Vous, sein erstes Album mit Krokus |
Bester Schweizer Sänger («POP»-Magazin) | 1970er | mehrfach zum besten Schweizer Sänger gewählt |
Gold- & Platin-Auszeichnungen | 1980er | für mehrere Krokus-Alben mit Storace als Sänger |
Nr. 1 Schweizer Charts | 2003 | mit Rock the Block, erster Nr.-1-Erfolg |
Platin-Status (Reunion) | ab 2008 | für zwei neue Studioalben der Reunion-Ära |
Interessante Fakten
- Storace singt mit über 70 noch in einer Tonlage, für die andere Sänger viel Training bräuchten. Bei Crossfire attestierten ihm Kritiker, seine Stimme habe über die Jahrzehnte kaum etwas verloren. Dabei plagen ihn privat Ischias, Rheuma und Arthrose, wie er offen erzählt. Bremsen lässt er sich davon nicht.
- Fürs neue Album holte er sich prominente Hilfe. Produzent Tommy Henriksen tourt sonst mit Alice Cooper und den Hollywood Vampires, machte für Crossfire aber extra Zeit frei. Am Songwriting sass auch der frühere Krokus-Schlagzeuger Pat Aeby mit im Boot.
- Die Musik blieb bei ihm auch daheim präsent. Während des Lockdowns 2020 filmte Storace spontane Duette mit seiner Tochter Giuliana und stellte sie online. Die Reaktionen waren so gross, dass daraus TV-Auftritte und ein gemeinsames Bühnenprojekt namens Acoustical Mountain wurden. Sohn Luca wiederum arbeitet als IT-Spezialist und spielt Schlagzeug.
- Wie tief seine Wurzeln in der Schweizer Rockgeschichte sitzen, zeigte 2025 der gemeinsame Song «Liverpool» mit Gotthard. Zwei der markantesten Schweizer Rockstimmen, Nic Maeder und Marc Storace, standen dafür zusammen im Studio. Und nebenbei ist Storace auch ein kleiner Filmschauspieler: neben «Anuk» (2006) trat er im Spielfilm «Handyman» auf.
Marc Storace
Soziale Medien
FAQ
Wann stiess Marc Storace zu Krokus?
1979. Die Band suchte einen neuen Sänger und lud ihn zu einem Wochenend-Jam in die Schweiz ein. Kurz danach sagte er zu, und mit Metal Rendez-Vous (1980) begann der internationale Aufstieg.
Mit wem wird Storace' Stimme verglichen, und wie steht er dazu?
Am häufigsten mit Bon Scott von AC/DC, hin und wieder auch mit Robert Plant. Die Ähnlichkeit bestreitet Storace nicht, pochte aber immer auf seine eigene Identität. Anfangs störte ihn der Vergleich, später nahm er ihn eher als Kompliment. Als Beleg für den Unterschied nennt er sein Album Metal Rendez-Vous.
Mit welchen Bands trat Storace ausser Krokus auf?
Vor Krokus mit den maltesischen Bands Stonehenge Union, The Boys und Cinnamon Hades, dann mit der Schweizer Band TEA und mit Eazy Money in England. Später kamen Blue sowie Seitenprojekte wie Biss und Warrior dazu, und seit 2021 tourt er mit seiner eigenen Band unter dem Namen STORACE.
Hat Marc Storace ein Soloalbum?
Ja, sogar mehrere. Sein erstes grosses Soloalbum Live and Let Live erschien 2021, das zweite, Crossfire, im November 2024. Früher entstand ausserdem The Blue Album zusammen mit Gitarrist Vic Vergeat.
War Storace im Film zu sehen?
Ja. 2006 spielte er im deutschen Film «Anuk» einen Medizinmann, dazu trat er im Spielfilm «Handyman» auf. Ausserdem komponierte er Musik für mehrere schweizerisch-deutsche Filme.







