Persönlichkeiten

Lara Gut-Behrami

von Elena Keller

Inhaltsverzeichnis
Lara Gut-Behrami

Es gibt Sportlerinnen, die gewinnen. Und es gibt Sportlerinnen, die den Sport definieren. Lara Gut-Behrami gehört zur zweiten Gruppe. 48 Weltcupsiege, zwei Gesamtweltcup-Titel, Olympiagold in Peking – und zweimal ein gerissenes Kreuzband im selben Knie. Im November 2025 endete die Saison nicht mit dem Abschlussrennen, das sie sich vorgestellt hatte, sondern mit einem Sturz im Training in Copper Mountain. Die Karriere, die sie mit einem grossen Finale beenden wollte, wartet nun auf ein anderes Ende.

Vollständiger Name

Lara Gut-Behrami

Geburtsdatum

27. April 1991

Geburtsort

Comano, Kanton Tessin, Schweiz

Alter

34 Jahre

Land

Schweiz

Disziplinen

Super-G, Abfahrt, Kombination, Riesenslalom

Ehemann

Valon Behrami

Wohnort

Udine / London

Olympisches Gold

Peking 2022 (Super-G)

Weltcupsiege

48

Lara Gut-Behrami - Schweizer Ski-Ikone und Olympiasiegerin

Lara Gut-Behrami

Biografie

Lara Gut-Behrami wurde am 27. April 1991 in Comano geboren, einem kleinen Ort im Kanton Tessin – dem südlichsten und einzigen vorwiegend italienischsprachigen Kanton der Schweiz. Wer dort aufwächst, kennt beides: Schweizer Disziplin und mediterrane Wärme. Diese Kombination prägt Laras Persönlichkeit bis heute. Auf der Piste eisenhart, abseits davon zugänglich und direkt.

Ihr Vater Pauli Gut war von Anfang an dabei – als Trainer, als Vater, als erster Mensch, der wusste, was sie brauchte. Eine Doppelrolle, die von aussen manchmal kritisch beäugt wurde. Swiss Ski und Pauli Gut hatten über die Jahre kein einfaches Verhältnis – mal als geduldetes Privatteam, mal auf Mandatsbasis. Lara selbst empfand das nie als Problem.

Auf Ski stand sie schon im Vorschulalter. Als Teenager trainierte sie bereits mit Erwachsenen. Und dann ist da diese Geschichte, die heute fast legendär ist: mit 16 bat sie den Weltmeister Daniel Albrecht um ein Autogramm. Albrecht schaute ihr beim Fahren zu und antwortete:

Nein, eigentlich solltest du mir ein Autogramm geben.

Man kann das als nette Anekdote abtun. Oder als frühen Hinweis darauf, was noch kommen würde. Noch ein Detail zur nationalen Zugehörigkeit: in den frühen Jahren ihrer Karriere, bis 2007, startete Gut-Behrami kurzzeitig für Italien – wegen ihrer Tessiner Wurzeln und familiärer Verbindungen. Dann wechselte sie dauerhaft unter die Schweizer Flagge.

Lara Gut-Behrami - Schweizer Sportlerin

Lara Gut-Behrami

Karriere

Mit 16 Jahren stand sie bereits auf dem Weltcuppodium. Mit 18 holte sie ihren ersten Weltcupsieg. Die Disziplinen, in denen sie sich am schnellsten behauptete, waren Super-G und Abfahrt – Geschwindigkeit, Präzision, Risikobereitschaft. Das Profil passte.

2013 kam der erste grosse Einbruch: Kreuzbandriss am rechten Knie. Schwer, schmerzhaft, und gleichzeitig der erste Beweis, wie sie auf Rückschläge reagiert. Sie kam zurück. Nicht vorsichtig, sondern entschlossen.

Die Saison 2015/16 brachte die erste grosse Krönung: den Gesamtweltcup. Als erste Schweizerin seit Vreni Schneider gewann sie die grosse Kristallkugel – nicht als Spezialistin in einer Disziplin, sondern als die Konstanteste über die gesamte Saison hinweg.

Dann kam der 9. Februar 2017. Heim-WM in St. Moritz, Aufwärmen vor dem Kombinationsslalom. Kein Rennunfall. Sie fiel bei der Einwärmphase – und das linke Knie hielt nicht. Kreuzbandriss, Meniskusschaden. Was diese Verletzung neben dem sportlichen Rückschlag auslöste: Lara lernte während der Reha den Tessiner Valon Behrami kennen. Ein Treffen, das mehr veränderte als jeder Weltcupsieg.

Die Jahre danach waren geduldig. Gute Ergebnisse, aber keine Dominanz. Bis 2020/21 – eine Saison, die alles auf einmal brachte. Vier Super-G-Siege in Folge im Weltcup. Bei der WM in Cortina d'Ampezzo Gold im Super-G und Gold im Riesenslalom, dazu Bronze in der Abfahrt. Und der zweite Gesamtweltcup. Drei WM-Medaillen in einem einzigen Titelkampf. Gut-Behrami akkumuliert nicht – sie explodiert, wenn der Moment da ist.

Lara Gut-Behrami: Goldmedaille | Riesenslalom der Frauen | FIS Alpine Ski-Weltmeisterschaften 2021

Peking 2022, Super-G, 7. Februar. Lara Gut-Behrami als Olympiasiegerin. Als amtierende Weltmeisterin im Super-G auch Olympiasiegerin zu werden – das hatte vor ihr seit Annemarie Moser-Pröll 1980 niemand mehr geschafft. Wenige Tage später noch Bronze im Riesenslalom. Zwei Medaillen in Peking, aber die goldene war die, die zählte.

Lara Gut-Behrami fährt eine perfekte Fahrt und gewinnt ihre 6. Super-G-Kristallkugel | FIS Alpiner Ski-Weltcup 2024/25

2023, WM in Méribel: Gold in der Kombination. Eine Disziplin, die Technik und Geschwindigkeit verbindet – und die zeigt, dass sie mehr ist als eine Speed-Spezialistin.

Vor der Saison 2025/26 sprach Gut-Behrami offen: das soll die letzte sein. Die Olympischen Spiele in Cortina d'Ampezzo als grosses Finale. Parallel dazu gab sie die Trennung von Kopfsponsor Ragusa bekannt – nach zwölf gemeinsamen Jahren. Ein symbolischer Einschnitt, der auf das Ende einer Ära hindeutete. Und dann kam ein anderer Einschnitt.

Verletzungen

Die erste schwere Verletzung ihrer Karriere erlitt Gut-Behrami 2013 – Kreuzbandriss am rechten Knie. Monatelange Reha, danach Rückkehr. 2017 folgte das linke Knie: Kreuzbandriss und Meniskusschaden beim Aufwärmen vor dem WM-Kombinationsslalom in St. Moritz. Wieder monatelange Arbeit, wieder Rückkehr.

November 2025, Copper Mountain in Colorado. Training. Gut-Behrami blieb mit der Hand an einem Tor hängen, verlor die Balance und wurde wegkatapultiert. Abseits der Kameras, ohne Publikum. Nach der Rückkehr in die Schweiz und den Untersuchungen kam das Ergebnis: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Meniskusriss – alles am linken Knie, dieselbe Seite wie 2017. Die Operation folgte innerhalb weniger Tage.

Das bedeutete: die gesamte Saison 2025/26 verpasst. Und die Olympischen Spiele 2026 in Mailand/Cortina d'Ampezzo, die als letztes grosses Karriereziel geplant waren, fallen weg.

Gut-Behrami kommentierte das öffentlich mit einer Direktheit, die vielen imponierte:

Wir haben in letzter Zeit dramatische Ereignisse erlebt in unserem Sport, tödliche Unfälle junger Athletinnen und Athleten. Ich bin der Meinung, dass eine Knieverletzung, so komplex sie auch sein mag, nicht als Tragödie betrachtet werden kann.

Ob sie danach weitermacht, blieb offen:

Mein Ziel ist, mich vollständig von dieser Verletzung zu erholen und wieder meine volle Leistungsfähigkeit zu erreichen. Erst dann werde ich wissen, was die Zukunft für mich bereithält.

Falls sie zurückkommt, wäre die WM 2027 in Crans-Montana ein naheliegender Anker – zehn Jahre nach St. Moritz, wo eine ähnliche Verletzung die Karriere hätte beenden können und es nicht tat.

Lara Gut-Behrami - erfolgreiche Schweizer Skirennfahrerin

Lara Gut-Behrami

Persönliches Leben

Lara Gut-Behrami ist seit 2018 mit dem ehemaligen Schweizer Fussballprofi Valon Behrami verheiratet. Die beiden lernten sich während Laras Reha nach dem Kreuzbandriss 2017 kennen – ein Treffen, das aus zwei Tessiner Wurzeln eine gemeinsame Geschichte machte.

Valon Behrami wurde am 19. April 1985 in Mitrovica im Kosovo geboren und wuchs in Stabio im Tessin auf. Als Fussballprofi absolvierte er 83 Länderspiele für die Schweiz und nahm an vier Weltmeisterschaften teil. 2025 trat er die Stelle als stellvertretender Sportdirektor beim FC Watford in England an.

Ende März 2018 machten sie die Beziehung öffentlich, und bereits am 11. Juli 2018 heirateten sie in Lugano auf dem Monte Brè, im engsten Kreis.

Laras Worte zur Hochzeit:

Du und ich, unsere Familien und unsere engsten Freunde... Ich kann mir keine schönere Art vorstellen, ‹Ich will› zu sagen.

Für die Zeit von Valons Engagements in der Serie A kauften sie gemeinsam ein Haus in Udine in Norditalien – praktisch zwischen dem Tessin und den Spielorten gelegen. Mit dem Wechsel nach Watford 2025 plante Lara, nach London zu folgen. Ihr Standpunkt dazu:

Mein Zuhause ist dort, wo meine Familie ist.

Kinder haben die beiden bisher nicht. Lara spricht offen darüber – sie sieht es als kaum machbar, Spitzensport auf diesem Niveau und Mutterschaft gleichzeitig zu leben. Das Ende der aktiven Karriere ist auch damit verbunden.

Lara Gut-Behrami gemeinsam mit Valon Behrami

Lara Gut-Behrami und Valon Behrami

Was die Öffentlichkeit betrifft: im Oktober 2018, nach 300'000 Followern auf Instagram, löschte sie den Account – und auch Twitter. Zu viel Oberflächlichkeit, zu viele verletzende Kommentare. Facebook behielt sie. Eine persönliche Entscheidung, die sie nie erklärt, nie widerrufen hat.

Zur Sponsorenfrage: zwölf Jahre lang war Ragusa auf ihrem Helm. Der Schokoladenhersteller Camille Bloch zahlte ihr zuletzt einen mittleren sechsstelligen Betrag pro Jahr. Im Oktober 2024 endete die Zusammenarbeit – keine Einigung bei den Vertragsverhandlungen. Gut-Behrami startete in Sölden zum ersten Mal mit einem schlichten schwarzen Helm ohne Aufschrift. Einen neuen Kopfsponsor hatte sie zum Zeitpunkt des Sturzes in Copper Mountain noch nicht gefunden. Ihre bleibenden Partner: der Ski-Ausrüster Head und die Uhrenmarke Rolex.

Auszeichnungen

Titel / Auszeichnung

Jahr

Details

Gesamtweltcup

2016

Erster Gesamtweltcup-Titel

Gesamtweltcup

2021

Zweiter Gesamtweltcup-Titel

Olympiabronze (Abfahrt)

2014

Winterspiele Sotschi

Olympiagold (Super-G)

2022

Winterspiele Peking

Olympiabronze (Riesenslalom)

2022

Winterspiele Peking

Weltmeisterin Super-G

2021

WM Cortina d'Ampezzo

Weltmeisterin Riesenslalom

2021

WM Cortina d'Ampezzo

Weltmeisterin Kombination

2023

WM Méribel

48 Weltcupsiege

2007–2025

Super-G, Abfahrt, Riesenslalom, Kombination

Lara Gut-Behrami - olympische Medaillen

Lara Gut-Behrami

Interessante Fakten

  • Die Episode mit Daniel Albrecht ist keine nachträgliche Selbstmythologisierung – Albrecht hat sie in Interviews selbst bestätigt. Er war zu jener Zeit einer der besten Abfahrtsläufer der Welt, und er meinte es ernst.
  • An der WM 2021 in Cortina gewann Gut-Behrami zwei Goldmedaillen – Super-G und Riesenslalom. Zwei Goldmedaillen in zwei verschiedenen Disziplinen bei einem einzigen Titelkampf ist im alpinen Skisport aussergewöhnlich.
  • In Peking 2022 als amtierende Super-G-Weltmeisterin auch Olympiasiegerin in derselben Disziplin zu werden – das hatte vor ihr seit 1980 niemand mehr geschafft. 42 Jahre Lücke.
  • Valon Behrami nahm an vier Fussball-Weltmeisterschaften teil. Zusammen repräsentieren die beiden wohl das sportlich erfolgreichste Paar, das der Schweizer Sport in dieser Generation hervorgebracht hat.

FAQ

Wird Lara Gut-Behrami bei den Olympischen Spielen 2026 starten?

Nein. Der Sturz in Copper Mountain im November 2025 und die Dreifachverletzung am linken Knie – Kreuzbandriss, Innenbandriss, Meniskusriss – bedeuten den kompletten Ausfall für die Saison 2025/26. Die Olympischen Spiele in Mailand/Cortina sind damit Geschichte.

Ist das der erste Kreuzbandriss?

Nein. Den ersten erlitt sie 2013 am rechten Knie. 2017 folgte das linke Knie in St. Moritz. Copper Mountain 2025 war wieder das linke Knie – diesmal mit drei gleichzeitigen Verletzungen.

Hat Lara Gut-Behrami ihre Karriere beendet?

Offiziell nein. Sie hat die Frage offen gelassen und erklärt, erst nach der vollständigen Rehabilitation entscheiden zu wollen. Vor der Verletzung hatte sie die Saison 2025/26 als ihre letzte angekündigt.

Wer ist ihr Hauptsponsor?

Nach dem Ende der Ragusa-Partnerschaft im Oktober 2024 startete sie ohne Kopfsponsor in die neue Saison. Head und Rolex bleiben als Partner.

Wie viele Weltcupsiege hat Lara Gut-Behrami?

48 – verteilt auf Super-G, Abfahrt, Riesenslalom und Kombination. Damit zählt sie zu den erfolgreichsten alpinen Skirennläuferinnen der Geschichte.