Chris von Rohr
Es gibt Musiker, die in einer Karriere alles ausschöpfen. Und dann gibt es Chris von Rohr. Er war Schlagzeuger, Bassist, Gründer, Produzent, Buchautor und TV-Juror – und das war kein Plan, sondern die Konsequenz eines Mannes, der nie aufgehört hat, neugierig zu sein. Solothurn hat ihn hervorgebracht, Memphis ihn zum Ehrenbürger gemacht. 15 Millionen verkaufte Tonträger, über 50 Gold- und Platinauszeichnungen. Und er ist noch lange nicht fertig.
Vollständiger Name | Chris von Rohr |
|---|---|
Geburtsdatum | 24. Oktober 1951 |
Geburtsort | Solothurn, Schweiz |
Wohnort | Villa Montechristo, Solothurn; und Kreta |
Genre | Hard Rock, Mundart-Rock, Pop |
Rolle bei Krokus | Gründer, Bassist, Keyboarder, Backing Vocals |
Als Produzent | Krokus, Gotthard, Polo Hofer, Patent Ochsner, Lovebugs |
Auszeichnungen | über 50× Gold/Platin, inkl. USA und Kanada; Ehrenbürger Memphis TN |
Partnerin | Patricia Linder |
Tochter | Jewel |
Bücher | Hunde wollt ihr ewig rocken, Bananenflanke, Sternenstaub, Götterfunken, Himmel Hölle Rock 'n' Roll |
Chris von Rohr
Biografie
Chris von Rohr wurde am 24. Oktober 1951 in Solothurn geboren. Katholisch, konservativ, überschaubar – das war Solothurn damals. Und das war genau der Widerspruch, der ihm geholfen hat. Wer aus einem solchen Umfeld raus in den Rock will, braucht entweder Zufälle oder Charakter. Von Rohr hatte beides.
Er stammt aus einer bürgerlichen Familie. Seinen Halbbruder Stephan von Rohr kennen manche aus anderen Zusammenhängen – die Brüder teilen die Heimatstadt, aber nicht den Weg. Der erste musikalische Kontakt war das Klavier der Eltern. Kein Konservatorium, keine Musikstunde. Einfach die Hände auf den Tasten – und etwas, das hängenblieb.
Ein Abstecher ins Internat Lyceum Alpinum Zuoz brachte ihn zum Schlagzeug. Sein Vater schenkte ihm daraufhin sein erstes eigenes Drumkit. Das war kein Bekenntnis zur Musikerkarriere – das war ein Geschenk. Aber es veränderte alles.
1967 gründete er seine erste Band: The Scouts. Nicht aus Zufall, sondern aus dem klaren Willen, Musik zu machen. Und diesen Willen hat er seither nie verloren.
Nach zwei Jahren an der Handelsschule in Neuenburg widmete sich Chris von Rohr ganz der Musik. Er gründete nacheinander die Bands Plastic Joints und Inside und arbeitete gleichzeitig als Koch im Restaurant und Hotel Kreuz in Solothurn, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Später spielte er kurz bei der Tanzband On the Road und gründete anschliessend zusammen mit dem Keyboarder Michi Szabo das Duo Night Train.
Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Deshalb kehrte von Rohr vorübergehend in seinen Beruf als Koch zurück. Gleichzeitig suchte er nach neuen musikalischen Perspektiven und besuchte für ein Semester die Jazzschule in Bern.
Chris von Rohr
Persönliches Leben
Von Rohr ist ein Solothurner, dem die halbe Welt gehört hat – und der immer zurückgekehrt ist. Heute lebt er in seiner Villa Montechristo, einem herrschaftlichen Patrizierhaus mit Tonstudio und Bandproberaum.
Nach vielen Reisen der perfekte Ort zum Leben und Arbeiten, sagt er.
Dazu kommt Kreta als zweiter Wohnsitz für ruhigere Zeiten. Ein Mann mit zwei Zuhausen – und keinem, der ihn wirklich festnageln kann.
Seine Tochter Jewel ist seit vielen Jahren der ruhende Pol in seinem Leben. Als sie jünger war, verbrachte sie drei Tage pro Woche bei ihm, die anderen Tage lebte sie gleich um die Ecke bei ihrer Mutter. Von Rohr selbst sagt, worauf er wirklich stolz ist. Nicht die Plattenverkäufe, nicht die Auszeichnungen – sondern wenn jemand sagt:
Du bist ein guter Vater und ein Freund von Mensch und Tier.
Dann ist da Patricia Linder. Die Geschichte ihrer Beziehung klingt wie ein Roman – was vielleicht kein Zufall ist, bei einem Mann, der Bücher schreibt. Fünf Jahre nach einem misslungenen ersten Versuch auf einem Date besuchte sie, ohne vorherigen Kontakt, das Abschiedskonzert von Krokus am 7. Dezember 2019 im Zürcher Hallenstadion. Danach flog sie nach Asien – und nahm von Rohrs Autobiografie als Reiselektüre mit. Sie las, und schickte ihm Seite für Seite WhatsApp-Nachrichten. Das Buch gab den Anlass, aus dem etwas Echtes wurde.
Über Geld spricht er nicht. «Über Zahlen reden nur Amateure», hat er einmal gesagt – und dabei geendet. Was man weiss: 15 Millionen verkaufte Tonträger, über 50 Gold- und Platinauszeichnungen, Produktionstantiemen, Buchhonorare, TV- und Rednerauftritte. Genaue Zahlen veröffentlicht er nicht. Das ist sein Recht.
Chris von Rohr und Tochter
Karriere
Bevor Krokus existierte, gab es Kaktus – eine Band, die von Rohr gemeinsam mit Tommy Kiefer spielte. Der Schritt zu Krokus war keine Revolution, sondern die logische Weiterentwicklung einer Freundschaft und eines gemeinsamen Willens, mehr zu wollen. 1975 gründeten von Rohr und Kiefer Krokus in Solothurn, zusammen mit Sänger Peter Richard und Bassist Remo Spadino. Von Rohr war zunächst Schlagzeuger und Pianist. Die Rollen verschoben sich im Laufe der Jahre: Als Freddy Steady die Drums übernahm, griff von Rohr zum Mikrofon. Als Mandy Meyer als Gitarrist dazustiess, wechselte er dauerhaft an den Bass.
Als von Rohr sein erstes Krokus-Kapitel beendet hatte, folgte der nächste grosse Schritt – diesmal vom anderen Ende des Mischpults. Eine Gruppe junger Musiker aus dem Tessin suchte Orientierung. Von Rohr nahm sie unter seine Fittiche, produzierte, schrieb Songs – und schlug vor, den Bandnamen von «Krak» in «Gotthard» zu ändern. Der Gotthard-Hit «Heaven» wurde übrigens auf dem Klavier in seiner Villa in Solothurn komponiert. Das Klavier steht noch dort. Der Tod von Leadsänger Steve Lee 2010 bei einem Motorradunfall in Nevada traf von Rohr tief. Wer ihn dazu befragt, antwortet mit wenigen Worten – die dann mehr sagen als ein langer Satz.
Als Produzent hat von Rohr ein ungewöhnliches Gespür für Vielfalt: Krokus, Gotthard, Polo Hofer, Patent Ochsner, Lovebugs. Das ist keine Nische, das ist eine Bandbreite. Hart, mittel, mundart, pop, indie – und das alles auf Niveau. Das schaffen die wenigsten.
Chris von Rohr
In den ersten zwei Staffeln von «MusicStar» auf SF DRS sass er als Juror. Streng, direkt, ohne Kompromisse. Sein Slogan «Meh Dräck» wurde zum geflügelten Wort – und im Dezember 2004 zum Schweizer Wort des Jahres gekürt. Was damals als Juror-Ausspruch begann, wurde zur Kultformel. Anfang 2004 erschien sogar ein gleichnamiger Song, der Platz 14 der Schweizer Hitparade erreichte. Aus einem TV-Moment wurde ein Chart-Eintrag. Das ist von Rohr in einem Satz.
Mit Roman Kilchsperger moderierte er «Black 'n' Blond» – ein Format, das vom Kontrast zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern lebte. Dazu regelmässige Auftritte in «Tonspur» auf 3sat, ORF und Schweizer Fernsehen. Und seit über sechs Jahren monatlich eine Kolumne in der Schweizer Illustrierten – neben Peter Bichsel, Helmut Hubacher und Peter Scholl-Latour eine der meistgelesenen Kolumnen des Landes. Er analysiert, was die Schweiz beschäftigt. Direkt, manchmal unbequem, immer lesbar.
Krokus
Krokus wurden 1975 in Solothurn gegründet. Die frühen Jahre waren keine Erfolgsstory – sie waren Tourneen, Besetzungswechsel und die langsame Arbeit an einem Sound, der international funktionieren sollte. Das war damals keine Selbstverständlichkeit für eine Schweizer Rockband.
Die frühen 1980er-Jahre brachten den Durchbruch. «Headhunter» (1983) ist das Schlüsselalbum – ein Hard-Rock-Werk, das in den USA und Kanada funktionierte und Krokus auf eine Ebene hob, die wenige Schweizer Bands je erreicht haben. «Eat the Rich» und «Long Stick Goes Boom» gehören zum Kern des Krokus-Repertoires. Krokus wurden Ehrenbürger der Stadt Memphis, Tennessee – eine Auszeichnung, die für Rockbands ausserhalb des amerikanischen Mainstreams kaum vergeben wird.

Krokus - Headhunter (Live 1984)
Von Rohrs erster Abgang nach «Headhunter» hatte einen konkreten Hintergrund. Tourneenmanager Butch Stone trieb die Band ohne Pause seit «Metal Rendez-vous». Und als Krokus 1983 vom Lineup eines grossen Hard-Rock-Touren mit Def Leppard gestrichen wurden, war das der finale Bruch. 1987 kehrte von Rohr zurück, verliess die Band 1989 erneut – und kam 2008 wieder, im wiedervereinigten klassischen Lineup.
Am 7. Dezember 2019 spielte Krokus ihr Abschiedskonzert im ausverkauften Zürcher Hallenstadion. Eine Halle voller Menschen, die diese Musik über Jahrzehnte begleitet hat. Ein Ende, das eines war. Aber kein Ende der Musik.
Bücher
Von Rohr hat immer mit Worten gearbeitet. Irgendwann wurden die Worte länger als ein Songtext oder eine Kolumne. Und wurden Bücher.
«Hunde wollt ihr ewig rocken» und «Bananenflanke» sind Kultbücher – Krokus aus der Innenperspektive. Touren, Exzesse, Glanz und Absturz. Roh, direkt, lesbar. «Sternenstaub» ist seine gesammelte Kolumnenarbeit. Der Titel ist kein Zufall: Von Rohr sagt, wenn wir sterben, kehren wir zurück zum Sternenstaub. Das ist kein esoterischer Gedanke, das ist sein Bild von Anfang und Ende.
«Götterfunken» sucht das Göttliche im Alltäglichen – eine Anspielung auf Schiller und Beethoven. Eine Liebeserklärung an das Leben, direkt und ohne Kompromisse. Und «Himmel Hölle Rock 'n' Roll» ist die grosse Autobiografie, erschienen 2019, pünktlich zum Abschiedskonzert. Über 600 Seiten, 2300 Stunden Arbeit, Platz 1 der Schweizer Sachbuch-Bestsellerliste. Schriftsteller Pedro Lenz schrieb, das Buch habe «das Zeug dazu, die Jugend anzurühren und der älteren Leserschaft Lebensfreude zu spenden». Nicht schlecht für einen Rockbassisten aus Solothurn.
Die Bücher sind über den Giger Verlag und den Buchhandel erhältlich.
Bücher von Chris von Rohr
Auszeichnungen
Auszeichnung | Jahr | Kontext |
|---|---|---|
Ehrenbürger von Memphis, Tennessee | 1980er | Zusammen mit Krokus für den Erfolg in den USA |
Schweizer Wort des Jahres («Meh Dräck») | 2004 | Als Juror bei «MusicStar» auf SF DRS |
über 50× Gold/Platin | seit 1980 | Als Produzent und Musiker, inkl. USA und Kanada |
Interessante Fakten
- Der Gotthard-Hit «Heaven» entstand auf dem Klavier in von Rohrs Villa Montechristo in Solothurn. Das Klavier steht noch dort. Wer das Haus besucht, sitzt an demselben Instrument, das einen der erfolgreichsten Schweizer Rocksongs produziert hat.
- Von Rohr verbrachte 2300 Stunden mit dem Schreiben seiner Autobiografie – und nannte diese Zeit «verlorene Lebenszeit». Das Ergebnis war Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste. Die Rechnung ging auf, auch wenn der Weg dorthin lang war.
- Aus dem TV-Juror-Ausspruch «Meh Dräck» wurde 2004 ein Charterfolg. Der gleichnamige Song erreichte Platz 14 der Schweizer Hitparade. Slogan, Wort des Jahres, Chartsong – in einem Jahr.
- Die Liebesgeschichte mit Patricia Linder begann nicht mit einer Verabredung oder einem Abendessen. Sie begann mit WhatsApp-Nachrichten aus Asien, Seite für Seite, zu seinem Buch. Das ist vielleicht die literarischste Art, eine Beziehung anzufangen.

Late Night Switzerland: Gespräch mit Chris von Rohr
Soziale Medien
FAQ
Wie viele Tonträger hat Chris von Rohr als Musiker und Produzent verkauft?
15 Millionen Tonträger – als Krokus-Gründer, Bassist und Produzent für Krokus, Gotthard, Polo Hofer, Patent Ochsner, Lovebugs und weitere. Dazu über 50 Gold- und Platinauszeichnungen, auch in den USA und Kanada.
Hat Chris von Rohr einen persönlichen Slogan – und was bedeutet er?
«Meh Dräck» – auf Schweizerdeutsch: mehr Schmutz, mehr Ecken, mehr Rohheit. Von Rohr rief das als Juror bei «MusicStar» aus. Der Slogan wurde zum Schweizer Wort des Jahres 2004. Anfang 2004 erschien sogar ein gleichnamiger Song, der Platz 14 der Hitparade erreichte.
Worum geht es in «Götterfunken»?
«Götterfunken» sucht das Göttliche im Alltag – eine Anspielung auf Schiller und Beethoven. Eine Liebeserklärung an das Leben, bunt, direkt, ohne Kompromisse.
Welcher war der grösste Krokus-Hit?
«Eat the Rich» und «Long Stick Goes Boom» vom Album «Headhunter» (1983) gelten als bekannteste Songs. «Headhunter» war das Album, das Krokus in den USA und Kanada etablierte.
Welche Rolle spielte Chris von Rohr bei der Entstehung von Gotthard?
Von Rohr produzierte Gotthard, schrieb Songs und schlug vor, den Bandnamen von «Krak» in «Gotthard» zu ändern. Er formte Sound und Identität der Band in den entscheidenden Anfangsjahren.
Wie viele Bücher hat Chris von Rohr geschrieben – und wo kauft man sie?
Fünf Bücher: «Hunde wollt ihr ewig rocken», «Bananenflanke», «Sternenstaub», «Götterfunken» und «Himmel Hölle Rock 'n' Roll». Erhältlich über den Giger Verlag und im Buchhandel.







