Gian-Luca Privitelli
Es gibt einfachere Jobs, als beim amtierenden Schweizer Meister anzufangen. Gian-Luca Privitelli tut genau das. Der FC Thun hat gerade den grössten Erfolg seiner Geschichte hinter sich, im Jahr nach dem Aufstieg wurden die Berner Oberländer völlig überraschend Meister, und ausgerechnet jetzt übernimmt Privitelli das Steuer. Ein Sprung ins kalte Wasser? Nicht ganz. Für ihn ist es vor allem eines: eine Rückkehr.
Der 48-jährige Italo-Schweizer war schon einmal in Thun, von 2018 bis 2021, im Nachwuchs. Und er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er irgendwann ins Berner Oberland zurückwollte. Jetzt ist es so weit. Privitelli folgt auf Mauro Lustrinelli, der den Verein zum Titel führte und danach vom Bundesligisten Union Berlin abgeworben wurde. Er unterschrieb einen Dreijahresvertrag bis Sommer 2029 und bringt frische Erfahrung mit, denn zuletzt betreute er zwei Jahre lang die Schweizer U20-Nationalmannschaft. Sein Ruf: einer, der junge Spieler entwickeln kann und für offensiven, intensiven Fussball steht.
Vollständiger Name | Gian-Luca Privitelli |
|---|---|
Geboren am | 4. März 1978 |
Geburtsort | Muri AG (Kanton Aargau), Schweiz |
Staatsbürgerschaft | Schweizerisch und italienisch (Italo-Schweizer) |
Grösse | 1,70 m |
Frühere Spielerposition | Stürmer |
Aktuelle Funktion | Cheftrainer FC Thun (ab Saison 2026/27) |
Vertrag | drei Jahre, bis Sommer 2029 |
Vorgänger in Thun | Mauro Lustrinelli |
Frühere Trainerstationen | SV Lyss, FC Breitenrain (2016–2018), Nachwuchs FC Thun (U18/U21), FC Basel (Ausbildungschef, U21 ad interim), Schweiz U20 (2023–2026) |
Stationen als Spieler | FC Biel-Bienne, SV Lyss, FC Diessbach, FC Solothurn |
Status des Klubs | amtierender Schweizer Meister (Super League) |
Gian-Luca Privitelli
Biografie
Gian-Luca Privitelli kam am 4. März 1978 in Muri im Kanton Aargau zur Welt. Geboren ist er also im Aargau, mit italienischen Wurzeln und zwei Pässen, ein Italo-Schweizer, wie es im Schweizer Fussball viele gibt. Sportlich aber ist er ein Mann des Seelands und des Berner Oberlands, dort spielte sich fast seine ganze Laufbahn ab. Die einen Medien nennen ihn Seeländer, die anderen Berner, und beides passt irgendwie.
Als Spieler war Privitelli Stürmer. Mit 1,70 Metern kein Hüne, aber ein Angreifer durch und durch. Die meisten Partien machte er laut Transfermarkt für den FC Biel-Bienne, den grossen Klub der Region, gegen den er unter anderem auch gegen den FC Thun auflief. Dazu kamen der FC Diessbach, der FC Solothurn und der SV Lyss. Mit Solothurn spielte er 1998 zweimal in der Challenge League, der zweithöchsten Liga, sein kurzer Ausflug in den bezahlten Fussball. Seine aktive Zeit beendete er um 2013, letzter Klub war der SV Lyss.
Und genau dort, in Lyss, begann die zweite Karriere. In jenem Verein, für den er zuvor selbst gestürmt hatte, stand Privitelli nach dem Rücktritt zum ersten Mal als Trainer an der Seitenlinie. Ein nahtloser Übergang vom Platz auf die Bank, im vertrauten Umfeld. Rückblickend war das der Start eines Wegs, der ihn über mehrere Stationen bis zum Meister führen sollte.
Persönliches Leben
Beim Privaten wird es kurz, und das aus gutem Grund. Über Privittellis Familie, über Frau oder Kinder, gibt es öffentlich keine verlässlichen Informationen, und was sich nicht belegen lässt, sollte man auch nicht behaupten. Sicher sagen lässt sich nur, woher er kommt. Privitelli ist Italo-Schweizer, geboren im aargauischen Muri, mit italienischen Wurzeln und zwei Pässen. Eine Biografie der zweiten Generation, wie sie den Schweizer Fussball seit Jahrzehnten prägt, und ein Teil davon, wer er ist.
Es gibt aber eine Verbundenheit, die man persönlich nennen darf, und die betrifft das Berner Oberland. Privitelli selbst sagt, für ihn sei immer klar gewesen, dass er eines Tages dorthin zurückkehren werde. Und Präsident Andres Gerber brachte es auf den Punkt: «Mit Gian-Luca kehrt ein Freund zum FC Thun zurück.» Das sagt einiges. Thun ist für ihn keine beliebige Zeile im Lebenslauf, sondern ein Ort, mit dem ihn etwas verbindet.
Gian-Luca Privitelli
Karriere als Trainer
Der Start als Trainer fiel, wie gesagt, in Lyss. Dort machte Privitelli nach dem Ende seiner Spielerzeit die ersten Schritte an der Linie. Sein erstes richtiges Ausrufezeichen setzte er dann anderswo, und das darf man nicht unterschlagen. Von 2016 bis 2018 trainierte Privitelli den FC Breitenrain in der Promotion League, der dritthöchsten Liga.
Im September 2016 gelang ihm dort eine echte Cup-Sensation. Mit Breitenrain warf er den Super-Ligisten Servette aus dem Schweizer Cup. Im selben Wettbewerb stand er mit dem Klub gegen Aarau (0:1) und gegen die Young Boys (0:3) an der Seitenlinie. 2018 endete sein Engagement in Bern.
Danach kam die erste Zeit beim FC Thun, von 2018 bis 2021. Privitelli arbeitete im Nachwuchs, und die Quellen beschreiben seine Rolle etwas unterschiedlich. Meist ist von einem Stürmertrainer die Rede, dazu betreute er die U18 und die U21 und stand zwischendurch als Cheftrainer der U21 an der Seitenlinie. Eines ist sicher: er arbeitete erfolgreich mit vielen Talenten und lernte die Strukturen und die Philosophie des Klubs von Grund auf kennen. Genau das kommt ihm heute zugute.
Es folgte der Wechsel zum FC Basel. Dort wurde Privitelli Ausbildungschef, war also für die Entwicklung des Nachwuchses zuständig, und stand ad interim auch als Cheftrainer der U21 an der Linie. Rund drei Jahre sammelte er so Erfahrung in einer leitenden Rolle in der Akademie eines der grössten Klubs des Landes. Für einen Trainer, der auf die Ausbildung setzt, war das eine prägende Zeit.
Im Sommer 2023 kam die nächste Stufe. Privitelli übernahm die Schweizer U20-Nationalmannschaft und betreute sie rund zweieinhalb Jahre. Auf höchstem Nachwuchsniveau arbeitete er mit den besten jungen Spielern des Landes und schärfte sein Profil als Entwickler von Talenten weiter. Kurios dabei: auf dem Radar der grossen Trainersuche stand er lange nicht. Bis einen Tag vor der Unterschrift in Thun hatte kaum jemand mit ihm gerechnet, während Namen wie Martin Schmidt, Mario Frick oder Ludovic Magnin durch die Medien geisterten.
Gian-Luca Privitelli
Dann kam der grosse Schritt zurück nach Thun, und der Kontext dazu lohnt sich. Der FC Thun hatte gerade den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert. Im Jahr nach dem Aufstieg in die Super League wurden die Berner Oberländer unter Mauro Lustrinelli völlig überraschend Meister. Prompt schnappte sich der Bundesligist Union Berlin den erfolgreichen Trainer. Thun suchte einen Nachfolger, und am 4. Juni 2026 machte der Klub es offiziell: Gian-Luca Privitelli wird neuer Cheftrainer. Er unterschrieb einen Dreijahresvertrag bis Sommer 2029 und stieg mit der Saisonvorbereitung für 2026/27 ein, der Start fiel in die Monatsmitte Juni. Die Wahl erinnert übrigens an die Verpflichtung von Lustrinelli 2022. Auch damals holte Thun einen Trainer, der als Trainer noch kein grosser Name war.
Die Verantwortlichen liessen keinen Zweifel an ihrer Begeisterung. Sportchef Dominik Albrecht sagte:
Mit Gian-Luca Privitelli haben wir unseren absoluten Wunschkandidaten gefunden. Er kann junge Spieler hervorragend entwickeln, steht für einen offensiven und intensiven Fussball und kennt unsere Strukturen und Arbeitsweisen bereits.
Präsident Andres Gerber ergänzte, mit Privitelli kehre ein Freund zum FC Thun zurück, er passe menschlich und fachlich perfekt ins Profil. Und Privitelli selbst zeigte sich hochmotiviert. Die Aufgabe reize ihn enorm, er könne sich voll und ganz mit den Werten und der Ausrichtung des FC Thun identifizieren, und gemeinsam wolle man den eingeschlagenen Weg weiterführen und die Spielphilosophie weiterentwickeln.
Gian-Luca Privitelli beim FC Thun
Leicht wird das nicht. Einen Meister zu übernehmen, noch dazu nach einem erfolgreichen Vorgänger, bringt Druck mit sich, und die Erwartungen sind hoch. Dazu kommt der volle Terminkalender, denn Thun spielt europäisch. Privitelli steigt also sofort in einen intensiven Rhythmus ein, und seine Heimspiele bestreitet er künftig im Visana Stadion.
Fasst man sein Profil zusammen, ergibt sich ein stimmiges Bild. Privitelli entwickelt junge Spieler, mag offensiven und intensiven Fussball, und er kennt die Strukturen in Thun wie kaum ein anderer. Er passt damit exakt zum Kurs eines Klubs, der bewusst auf die Jungen setzt.
Teams von Gian-Luca Privitelli
Verein / Team | Rolle | Zeitraum |
|---|---|---|
FC Biel-Bienne / FC Diessbach / FC Solothurn / SV Lyss | Spieler (Stürmer) | bis ca. 2013 |
SV Lyss | erste Trainerstation | nach der Spielerkarriere |
FC Breitenrain | Cheftrainer (Promotion League) | 2016–2018 |
FC Thun (Nachwuchs, U18/U21) | Nachwuchs- bzw. Stürmertrainer | 2018–2021 |
FC Basel | Ausbildungschef, U21 ad interim | ca. 2021–2023 |
Schweiz U20 | Cheftrainer | 2023–2026 |
FC Thun (1. Mannschaft) | Cheftrainer | seit 2026/27 (Vertrag bis 2029) |
Gian-Luca Privitelli
Interessante Fakten
- Seine Trainerkarriere begann dort, wo seine Spielerkarriere endete. Der SV Lyss war Privittellis letzter Klub als Spieler und zugleich seine erste Station als Trainer. Ein fliessender Übergang, wie man ihn selten so sauber sieht.
- Sein grösster Coup als Trainer liegt schon Jahre zurück. Im September 2016 warf er mit dem Drittligisten FC Breitenrain den Super-Ligisten Servette aus dem Schweizer Cup, eine der schönsten Überraschungen jener Cup-Saison.
- Den FC Thun kennt er aus zwei ganz verschiedenen Blickwinkeln. Erst formte er im Nachwuchs die Talente von morgen, jetzt kehrt er als Cheftrainer der ersten Mannschaft zurück. Wer die Strukturen eines Vereins so gut kennt, tut sich beim Einstieg leichter.
- Als Spieler schnupperte er nur kurz in den bezahlten Fussball. Mit dem FC Solothurn machte er 1998 zwei Partien in der Challenge League, der zweithöchsten Liga.
- Auf dem Zettel hatte ihn niemand. Während bei der Trainersuche grosse Namen wie Martin Schmidt oder Mario Frick kursierten, tauchte Privittellis Name erst einen Tag vor der Unterschrift auf. Am Ende bekam der stille Kandidat den Zuschlag.
- Ihm folgt kein Unbekannter nach, sondern ein Freund. Als Präsident Gerber die Verpflichtung kommentierte, sprach er nicht von einem neuen Angestellten, sondern von einem Freund, der zurückkehrt.
FAQ
Seit wann ist Privitelli Cheftrainer des FC Thun?
Seit der Saison 2026/27. Offiziell verkündet wurde die Verpflichtung am 4. Juni 2026, den Einstieg machte er mit Beginn der Saisonvorbereitung Mitte Juni.
Welche Teams hat Privitelli vorher trainiert?
Er begann beim SV Lyss, trainierte von 2016 bis 2018 den FC Breitenrain in der Promotion League, arbeitete danach im Nachwuchs des FC Thun (U18/U21), war Ausbildungschef beim FC Basel und dort ad interim auch U21-Cheftrainer, und betreute zuletzt ab 2023 die Schweizer U20-Nationalmannschaft.
War Privitelli früher selbst Fussballprofi?
Er war Stürmer und spielte unter anderem für den FC Biel-Bienne, den FC Diessbach, den FC Solothurn und den SV Lyss. Mit Solothurn machte er 1998 zwei Spiele in der Challenge League. Seine aktive Karriere beendete er um 2013.
Woher stammt Gian-Luca Privitelli?
Er kam am 4. März 1978 in Muri im Kanton Aargau zur Welt und ist Italo-Schweizer, also Schweizer mit italienischen Wurzeln und zwei Pässen. Fussballerisch ist er im Seeland und im Berner Oberland zu Hause.
Was war Privittellis letzte Station vor dem FC Thun?
Die Schweizer U20-Nationalmannschaft, die er ab Sommer 2023 rund zweieinhalb Jahre als Cheftrainer betreute.
Wie lange läuft der Vertrag von Privitelli beim FC Thun?
Er unterschrieb einen Dreijahresvertrag, der bis Sommer 2029 gültig ist.







