Unternehmen

FC Thun

von Markus Schneider

Inhaltsverzeichnis
Fussballclub Thun

Manchmal schreibt der Fussball Geschichten, die sich kein Drehbuchautor traut. Der FC Thun ist so eine. Ein kleiner Klub aus dem Berner Oberland, mit einem Stadion für 10'000 Leute und einem Budget, das neben Basel, YB oder Zürich fast schon niedlich wirkt, steigt in die Super League auf und wird prompt im ersten Jahr Schweizer Meister. Nicht zufällig durchgerutscht, sondern souverän. Schon im Dezember standen die Thuner als «Wintermeister» an der Spitze.

Und jetzt beginnt das nächste Kapitel. Erstmals in der Vereinsgeschichte spielte Thun in der Champions-League-Qualifikation, und das mit einem neuen Mann an der Seitenlinie. Mauro Lustrinelli, der Meistertrainer, wurde von Bundesligist Union Berlin abgeworben, sein Nachfolger heisst Gian-Luca Privitelli.

Vollständiger Name

Fussballclub Thun 1898

Gegründet

1. Mai 1898

Stadt

Thun, Kanton Bern (Berner Oberland)

Spitzname

«Bergler» / Berner Oberländer

Vereinsfarben

Rot-Weiss

Liga

Swiss Super League

Stadion

VISANA STADION (früher Stockhorn Arena), Weststrasse 12, 3604 Thun

Präsident

Andres Gerber

Sportchef

Dominik Albrecht

Cheftrainer

Gian-Luca Privitelli (seit Saison 2026/27)

Grösster Erfolg

Schweizer Meister 2025/26 (erster Titel der Vereinsgeschichte)

Torschützenkönig 2025/26

Elmin Rastoder (13 Ligatore)

Kaderwert

rund 26,5 Mio. Euro

Europacup 2026/27

Champions-League-Qualifikation (2. Runde)

Website

fcthun.ch

Geschichte

Die Geschichte des FC Thun 1898 gleicht seit jeher einer Berg- und Talfahrt, was zu einem Klub aus dem Berner Oberland ja fast schon zu gut passt. Gegründet am 1. Mai 1898, erlebte Thun ein ständiges Auf und Ab zwischen den Ligen. Der erste grosse nationale Moment liegt weit zurück. 1955 stand der Klub im Cupfinal, verlor aber im Wankdorfstadion mit 1:3 gegen La Chaux-de-Fonds.

FC Thun im 20. Jahrhundert

Alte Fotos des FC Thun

Seine bis dahin schönste Überraschung lieferte Thun international im Jahr 2005, als sich die Berner Oberländer für die Champions League qualifizierten und es bis in die Gruppenphase schafften. Ein Husarenstück für einen Klub dieser Grösse. Auch später blieb Thun kein Fremder auf europäischer Bühne. In der Saison 2013/14 spielte man in der Europa-League-Gruppenphase gegen Partizan Belgrad und Rapid Wien, 2019/20 kam ein Duell mit Spartak Moskau dazu. Und 2019 folgte ein weiterer Höhepunkt, der Cupfinal, der allerdings wie schon 1955 verloren ging, diesmal mit 1:2 gegen den FC Basel.

Dann kam der Absturz. Nach dem Abstieg aus der Super League 2020 verbrachte Thun mehrere Saisons in der Challenge League. Der Wendepunkt fiel in die Saison 2024/25. Unter Trainer Mauro Lustrinelli gewann Thun die Challenge League und kehrte nach einem Sieg gegen Aarau in die höchste Spielklasse zurück. Was dann folgte, sah niemand kommen.

Denn in der ersten Saison nach der Rückkehr wurde Thun tatsächlich Meister. Schon im Dezember standen die Berner als «Wintermeister» an der Spitze, und am 3. Mai 2026 war der Titel drei Runden vor Schluss perfekt, als Verfolger St. Gallen daheim mit 0:3 gegen Sion verlor. Der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte, und eine der grössten Sensationen, die der Schweizer Fussball je gesehen hat.

Der Erfolg hat den Klub kräftig durchgeschüttelt, und die neuesten News zeigen das. Meistertrainer Lustrinelli wechselte zum Bundesligisten Union Berlin, den Posten übernahm Gian-Luca Privitelli mit Vertrag bis 2029. Sportlich schmerzhaft waren die Abgänge. Die beiden Toptorschützen Elmin Rastoder und Leonardo Bertone, die zusammen 26 Tore erzielten, verliessen den Verein. Und dann ist da der ganz neue Meilenstein, die erste Champions-League-Qualifikation der Klubgeschichte mit dem Duell gegen Dinamo Zagreb.

Der FC Thun – Schweizer Meister 2026!

Stadion

Das Zuhause des FC Thun trägt einen neuen Namen. Seit der Saison 2026/27 heisst die Spielstätte VISANA STADION, davor kannten sie alle als Stockhorn Arena, und ganz am Anfang, bei der Eröffnung 2011, hiess sie schlicht Arena Thun. Den Namen Stockhorn Arena brachte 2014 die Stockhornbahn AG mit dem Kauf der Namensrechte. Bis zum Umzug 2011 spielte Thun übrigens im alten Stadion Lachen.

Das Stadion fasst rund 10'000 Zuschauer, sitzend und stehend, und liegt an der Weststrasse 12 in 3604 Thun, direkt bei der Autobahnausfahrt Thun Süd. Eine Besonderheit ist der Untergrund. Gespielt wird auf Kunstrasen. Für die Frauen-EM 2025, als das Stadion Austragungsort war, deckte man den Kunstrasen vorübergehend mit Naturrasen ab.

Mit dem Meistertitel kam eine Frage auf, die den Klub vorher nie beschäftigt hatte. Erfüllt das Stadion überhaupt die UEFA-Standards für Champions-League-Heimspiele? Der hauseigene Experte Timo Kuhn, der schon zuständig war, als der FC Lugano seine internationalen Partien in Thun austrug, hält das für wahrscheinlich, doch die endgültige Antwort prüft man am besten anhand der aktuellen Entscheidungen. Eines steht fest. Trotz der bescheidenen Grösse wird es im vollen VISANA STADION laut. Der Zuschauerrekord der Meistersaison lag bei 10'014, das Stadion war also bis auf den letzten Platz gefüllt.

VISANA STADION (Stockhorn Arena)

VISANA STADION

Saison 2026/2027

Jetzt zum Hier und Jetzt. Auf der Trainerbank sitzt seit dieser Saison Gian-Luca Privitelli, ein 48-jähriger Italo-Schweizer, geboren am 4. März 1978 in Muri AG, mit Vertrag bis Sommer 2029. Für ihn ist es eine Rückkehr, denn von 2018 bis 2021 arbeitete er schon einmal im Nachwuchs des FC Thun. Sein Profil: er entwickelt junge Spieler und mag offensiven, intensiven Fussball. Präsident Andres Gerber sprach bei seiner Verpflichtung denn auch von einem Freund, der zurückkehrt. Leicht ist die Aufgabe trotzdem nicht, denn einen Meister nach einem erfolgreichen Vorgänger zu übernehmen, bringt ordentlich Druck mit sich.

Beim Kader hat sich einiges getan, und nicht nur zum Guten. Mit Rastoder und Bertone gingen die beiden wichtigsten Offensivkräfte der Meistersaison. Privitelli muss also neue Lösungen in der Offensive finden. Im Kern der Mannschaft stehen weiterhin die Torhüter Tim Spycher und Niklas Steffen, die Verteidiger Genís Montolio und Dominik Franke, Captain Marco Bürki sowie in der Offensive Christopher Ibayi, der in der Meistersaison zehn Ligatore erzielte, dazu Marc Gutbub und Furkan Dursun. Der Kaderwert liegt bei rund 26,5 Millionen Euro. Für einen Schweizer Meister ist das bescheiden und unterstreicht noch einmal, was für ein Kunststück dieser Titel war. Den vollständigen, aktuellen Kader mit allen Transfers findet man auf der offiziellen Website des Klubs oder bei Transfermarkt, denn hier bewegt sich laufend etwas.

Fussballclub Thun (Schweiz)

FC Thun

Und die Tabelle? Die Super League besteht aus zwölf Teams, die nach der regulären Runde in eine Championship Group und eine Relegation Group aufgeteilt werden. Nach dem Meistertitel sind die Erwartungen gestiegen, gleichzeitig zehrt der Europacup an den Kräften und macht den Kalender enger. Wo genau Thun in dieser Saison steht, mit wie vielen Punkten und auf welchem Rang, ändert sich von Woche zu Woche. Für den aktuellen Stand wirfst du am besten einen Blick auf die Live-Tabelle der Liga oder auf fcthun.ch. Festhalten lässt sich immerhin der Saisonstart: das erste Ligaspiel gewann Thun gegen Luzern.

International betrat der Klub Neuland, und das Abenteuer wurde bitter. In der zweiten Qualifikationsrunde der Champions League traf Thun auf Dinamo Zagreb. Das Hinspiel im heimischen VISANA STADION endete 1:1, ein später Ausgleich verhinderte den Sieg. Im Rückspiel im Stadion Maksimir führte Thun lange mit 2:0 und war auf Kurs. Dann kam die 64. Minute. Eine Rote Karte gegen Captain Bürki leitete die Wende ein, am Ende hiess es 2:3 nach Verlängerung, gesamthaft 3:4, und der Traum von der Königsklasse platzte denkbar knapp. Der Schweizer Meister schied nach grossem Kampf aus, durfte danach aber in der Europa-League-Qualifikation weitermachen.

Ein paar Spiele haben für Thun-Fans besonderen Reiz. Gegen den FC St. Gallen etwa, den Klub, der in der Meistersaison Zweiter wurde und dessen Niederlage gegen Sion Thun den Titel bescherte, sind die Partien seither zusätzlich aufgeladen. Ähnlich beim FC Sion, jenem Walliser Klub, der Thun ungewollt zum Meister machte, eine Ironie, die im Berner Oberland niemand vergisst. Und dann ist da das Berner Derby gegen die BSC Young Boys, das Topspiel schlechthin. Das letzte Heimderby am 14. Mai 2026 war restlos ausverkauft. Für die Frage, wann Thun heute oder als Nächstes spielt, ist der Spielplan auf fcthun.ch samt Live-Ticker die zuverlässigste Quelle.

Meisterschaft: Thun - YB (0:6), 01.08.2026 | Highlights

Praktische Informationen

Kommen wir zu den Tickets. Gekauft wird offiziell über den Online-Shop oder an der Kasse. Für die grossen Spiele, also das Berner Derby, die Duelle mit St. Gallen und Sion oder die Europacup-Partien, sind die Tickets schnell weg und oft schon lange im Voraus ausverkauft. Das Derby vom 14. Mai 2026 war ein gutes Beispiel dafür. Wer sicher rein will, kauft also früh. Für Ausweishalter hinterlegt der Klub nach eigenen Angaben pro Spieltag jeweils 40 Tickets an der Ausweishalterkasse, ohne vorherige Reservation.

Zur Anreise gibt es zwei bequeme Wege. Mit dem Auto liegt das VISANA STADION direkt an der Autobahnausfahrt Thun Süd der A6 Bern–Interlaken. Parkieren kannst du während der Heimspiele beim Panorama Center, das kostet CHF 10.-, aber Achtung, die Zahl der Plätze ist beschränkt. Deutlich entspannter kommst du mit den Öffis. Ab dem Bahnhof Thun bist du in rund zehn Minuten da, mit dem STI-Bus Nr. 3 in Richtung Allmendingen/Blumenstein bis zur Haltestelle «Arena Thun». Wer mit dem Velo kommt, findet rund ums Stadion Abstellplätze. Weil die Parkplätze knapp sind und es an Spieltagen eng wird, ist der Bus die klügere Wahl.

Ein paar Tipps zum Schluss. Sei etwa 60 Minuten vor Anpfiff da, dann hast du genug Zeit für die Sicherheitskontrolle, den Sitzplatz und ein bisschen Vorfreude, und du umgehst die Warteschlangen. Wer dem Klub näherkommen will, kann Mitglied werden, für die Jüngsten gibt es den Kids Club. Und für alles rund um «heute», also den nächsten Gegner, Anpfiff und Übertragung, bleibt fcthun.ch mit dem Live-Ticker die erste Anlaufstelle.

FC Thun – Schweizer Fussballverein aus Thun

FC Thun

Interessante Fakten

  • Der Aufstieg und der Titel kamen praktisch am Stück. Thun gewann 2024/25 die Challenge League und wurde nur ein Jahr später Schweizer Meister. So schnell schafft das kaum ein Klub, schon gar nicht einer aus einer 45'000-Einwohner-Stadt.
  • Einmal narrte sogar ein Tier die Profis. Beim Heimspiel gegen den FC Zürich 2013 lief ein Marder über den Thuner Kunstrasen und sorgte für Schlagzeilen bis weit über die Landesgrenzen hinaus. Manche erinnern sich an diese Szene besser als an so manches Tor.
  • Zwei Cupfinals, zwei Niederlagen. 1955 verlor Thun gegen La Chaux-de-Fonds, 2019 gegen Basel. Der ganz grosse Pokalabend fehlt in der Vitrine also bis heute, dafür steht seit 2026 die Meisterschale drin.
  • Mit Kunstrasen zum Titel. Während die meisten Spitzenklubs auf Naturrasen spielen, holte Thun die Meisterschaft auf dem Kunstrasen. Für die Frauen-EM 2025 musste trotzdem kurzzeitig echtes Gras her.
  • Der Meistertrainer war ein Rückkehrer, sein Nachfolger auch. Lustrinelli führte Thun aus der Challenge League zum Titel, dann kam mit Privitelli einer, der schon von 2018 bis 2021 im Nachwuchs des Klubs gearbeitet hatte. Thun setzt gern auf bekannte Gesichter.
  • Beinahe hätte Thun die Königsklasse erreicht. Im Rückspiel gegen Dinamo Zagreb führten die Berner in der 64. Minute mit 2:0, ehe eine Rote Karte alles kippte. Näher war ein Schweizer Aussenseiter der Champions-League-Ligaphase selten.
FC Thun – Traditionsreicher Fussballklub mit Geschichte

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Soziale Medien

FAQ

In welcher Liga spielt der FC Thun?

In der Swiss Super League, der höchsten Spielklasse der Schweiz.

Wann wurde der FC Thun zum ersten Mal Meister?

Der Titel war am 3. Mai 2026 perfekt, drei Runden vor Schluss, nachdem Verfolger St. Gallen mit 0:3 gegen Sion verloren hatte.

Wer ist der Trainer des FC Thun?

Seit der Saison 2026/27 ist Gian-Luca Privitelli Cheftrainer, mit Vertrag bis Sommer 2029.

Wer war der Trainer in der Meistersaison 2025/26?

Mauro Lustrinelli, der den Klub zum Titel führte und danach zum Bundesligisten Union Berlin wechselte.

Wie heisst das Stadion des FC Thun?

Seit der Saison 2026/27 VISANA STADION, davor Stockhorn Arena, bei der Eröffnung 2011 Arena Thun.

Wann wurde der FC Thun gegründet?

Am 1. Mai 1898.