Happy Day
Es gibt Sendungen, die schaut man. Und es gibt Happy Day. Samstagabend, 20.10 Uhr, SRF 1, und plötzlich sitzt die halbe Familie mit Taschentuch vor dem Fernseher. Seit 2007 erfüllt die Show echte Lebensträume, führt Familien nach Jahrzehnten wieder zusammen und baut nebenbei ganze Wohnungen um. Alles live.
Das Geheimnis hat sich kein Marketing ausgedacht. Es ist die Mischung aus Wärme, Rührung, Humor und Echtheit, ohne eine Spur Aufgesetztheit. Genau deshalb schalten hunderttausende Schweizerinnen und Schweizer ein.
2025 kam der historische Einschnitt. Nach 18 Jahren und 86 Ausgaben verabschiedete sich Röbi Koller, Nik Hartmann übernahm. Gleiches Konzept, neuer Atem.
Offizieller Name | Happy Day |
|---|---|
Sender | SRF 1 (Schweizer Radio und Fernsehen) |
Genre | Surprise-Show, Unterhaltungssendung |
Erstausstrahlung | 2007 |
Sendeplatz | Samstagabend, 20.10 Uhr, live aus Studio 1 in Zürich |
Dauer | rund 2,5 Stunden |
Gastgeber (aktuell) | Nik Hartmann (seit 27. September 2025) |
Vorgänger | Röbi Koller (2007 bis April 2025, 86 Ausgaben) |
Co-Moderatorin | Kiki Maeder (führt die Umbau-Rubrik) |
Architekt (Umbau) | Andrin Schweizer |
Ausgaben insgesamt | über 90 |
Offizielle Website |
Happy Day
Was «Happy Day» ist: Konzept und Format
Jede Ausgabe dreht sich um echte Menschen mit echten Geschichten. Meistens um Leute, die von sich aus nie auf die Idee kämen, ihre Geschichte einem Millionenpublikum zu erzählen. Angehörige melden sie an, weil sie ihnen eine Freude machen wollen. Der Gastgeber folgt also nicht seinen eigenen Einfällen, sondern den Wünschen von Menschen, die jemandem etwas Gutes tun möchten. Dieser Umweg über Dritte ist der eigentliche Trick des Formats.
Röbi Koller hat den Kern selbst am besten beschrieben:
Die Menschen, die bei ‹Happy Day› überrascht werden, sind Vorbilder: Wie sie ihre Schicksalsgeschichten meistern, wie sie trotz Rückschlägen und widrigen Lebensumständen positiv in die Zukunft schauen, das hat mich und mein Team jedes Mal berührt.
Darum geht es. Nicht um Mitleid, um Respekt. Eine typische Ausgabe läuft auf drei Ebenen parallel:
- Die erste Ebene sind die Überraschungen. Der Gastgeber fährt persönlich zu den Protagonistinnen und Protagonisten und erfüllt ihnen einen lang gehegten Wunsch. Das Treffen mit dem Lieblingsstar, eine Reise, das Wiedersehen mit einem Menschen, den man seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, oder etwas, das schlicht unmöglich schien. Die Kamera ist dabei.
Die zweite Ebene ist der Umbau. Während die Familie glaubt, sie sei auf einer harmlosen Überraschungsmission, krempelt das Team rund um Architekt Andrin Schweizer und Co-Moderatorin Kiki Maeder heimlich deren Wohnung um. Das Zeitfenster ist knapp, in der Regel zwei Wochen, Vermessung und Planung inklusive.
Oft trifft das Team auf defekte Küchen, schimmlige Badezimmer oder Räume im Rohbau, weil Krankheit, ein Todesfall oder ein anderes unerwartetes Ereignis den Bewohnern Kraft, Zeit oder Geld genommen hat. Manchmal reichen Farbe und neue Möbel, oft geht es ans Eingemachte. Renoviert werden meistens Küche, Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer. Am Ende steht die grosse Enthüllung im Studio, und die ist regelmässig der Höhepunkt des Abends.

Ein Umbau für Familie Bohler | Happy Day | SRF
- Die dritte Ebene sind die Musikgäste. In jeder Ausgabe treten eingeladene Künstlerinnen und Künstler auf, von Schweizer Stars bis zu internationalen Namen. In Röbi Kollers letzter Saison standen unter anderem das Cabaretduo Divertimento, Marc Sway, Bliss, Dabu Fantastic und Heimweh im Studio, in früheren Ausgaben ESC-Legende Johnny Logan und die Band Plüsch.
Was das Format so wirksam macht, ist die Fallhöhe zwischen diesen Ebenen. Während im Studio gelacht und musiziert wird, sitzt irgendwo eine Familie im Auto und ahnt nicht, dass ihr Badezimmer gerade neu gefliest wird. Diese Gleichzeitigkeit erzeugt eine Spannung, die kein Drehbuch hinbekommt.
Am Abend laufen alle Fäden im Studio zusammen. Die Protagonistinnen und Protagonisten kommen, sehen ihre umgebaute Wohnung, treffen die Menschen, auf die sie gewartet haben, und reagieren. Ehrlich, ungeprobt, ohne Skript. Diese Momente sind das Markenzeichen der Sendung, und deshalb hat sie ihren Platz in Schweizer Herzen.
Die Moderatoren
«Happy Day» startete 2007 und fand sein Publikum. Das lag zu einem grossen Teil an Röbi Koller, der damals schon fast zwei Jahrzehnte SRF-Erfahrung mitbrachte. 1988 stiess der gebürtige Luzerner zum damaligen Radio DRS 3 und zum Schweizer Fernsehen und moderierte in knapp vierzig Berufsjahren unterschiedlichste Formate, darunter «Karussell», «Quer» und «Club». Warum ausgerechnet er der ideale Gastgeber war, bringt die frühere Leiterin der Unterhaltungsabteilung, Gabriela Amgarten, auf den Punkt:
Das war ein Match. Man wusste, in dieser Sendung zeigen Menschen ihr Innerstes, und Röbi konnte das mit Würde entgegennehmen.
Über seine Entwicklung sagte sie, irgendwann sei er nicht mehr der junge Wilde gewesen, sondern ein Fels in der Brandung. Nik Hartmann formulierte es aus Kollegensicht: Bei Koller seien die Antworten der Gäste immer wichtiger gewesen als die Fragen.
In 18 Jahren moderierte Koller 86 Ausgaben, fast jede vor hunderttausenden Zuschauenden. Seine letzte Saison startete am 5. Oktober 2024 und umfasste noch fünf Ausgaben. Sein letzter Abend am 5. April 2025 drehte den Spiess um. In 86 Sendungen hatte er bei unzähligen Menschen als Überraschung vor der Tür gestanden, an diesem Abend war er dran. Er wusste, dass etwas geplant war, aber nicht was. Stephan Eicher widmete ihm einen eigens umgetexteten Bob-Dylan-Song, die Bieler Band Pegasus spielte live, ESC-Hoffnung Zoë Më hatte ihren ersten TV-Auftritt. Danach zeigte SRF 1 die «Röbi Koller-Kultnacht», eine nächtliche Rückschau auf vierzig Jahre Karriere.
Röbi Koller
Warum geht einer wie er? Mit 67 sei der Zeitpunkt gekommen, sagte Koller, und die SRF-Altersguillotine habe augenzwinkernd «ein bisschen» mitgespielt. Der Gedanke ans Aufhören reifte, als Freunde plötzlich Zeit hatten und er nicht. Was die Sendung mit ihm gemacht hat, formulierte er nüchtern: durch «Happy Day» sei er demütiger geworden.
Die Nachfolge stand schon im Mai 2024 fest. SRF gab bekannt, dass Nik Hartmann ab Herbst 2025 übernimmt und Kiki Maeder Co-Moderatorin bleibt. Hartmann sagte damals:
Die Nähe zu den Menschen und authentische Geschichten waren und sind ein wichtiger Bestandteil meiner Fernseharbeit. Ich freue mich sehr, dass ich zusammen mit Kiki die Nachfolge von Röbi antreten darf.
Am 27. September 2025 war es so weit. Erste Sendung um 20.10 Uhr auf SRF 1, nach fünf Jahren Abwesenheit. Von 2020 bis 2025 hatte Hartmann bei CH Media gearbeitet, zuletzt als Co-Leiter Eigenproduktionen TV National. Über seine Entscheidung sagte er:
Als mich SRF anfragte, zögerte ich keine Sekunde und stellte auch keine Bedingungen.
Die Medien reagierten wohlwollend. Blick hielt fest, Hartmann brilliere bei seiner emotionalen SRF-Rückkehr und glänze mit Humor, Lockerheit und Empathie. Den Unterschied zum Vorgänger benannten die Kritiker klar: Koller legte grossen Wert auf Emotionen, Hartmann setzt auch mal auf Humor und Selbstironie. Andere formulierten es süffisanter und meinten, die Gefühlsklaviatur klemme beim Neuen noch ein wenig, dafür punkte er mit Charme und Schalk.
Und die Quoten? Die Premiere erreichte 653'000 Zuschauende und 56,1 Prozent Marktanteil, bei den 15- bis 49-Jährigen sogar 60,3 Prozent. Kollers letzte Sendung sahen 501'000 Personen. Vorgaben hatte Hartmann nach eigener Aussage keine bekommen, optimistisch war er trotzdem, weil die Leute «gwundrig» seien, wie es der Neue macht. Die Rechnung ging auf.
Kiki Maeder gehört seit 2013 zum Team und blieb auch nach dem Wechsel an Bord. Gemeinsam mit Andrin Schweizer führt sie die Umbau-Rubrik. Über ihre Arbeit sagt sie:
Es gab immer wieder Momente, in denen ich sprachlos war beim Anblick einer Wohnsituation. Diese Familien, die unverschuldet in eine solche Situation geraten und den Ausweg selbst nicht schaffen, unterstützen zu können, ist eine wunderschöne Folge.
Nik Hartmann und Kiki Maeder
Zwischen Hartmann und Maeder stimmt die Dynamik. Beobachter merkten an, dass die Co-Moderatorin im neuen Format deutlich mehr Präsenz bekommt. Hartmann beschreibt das Duo als gegenseitiges Lernen:
Wir lernen bei jedem Dreh und jeder Sitzung voneinander.
Die bekanntesten Folgen
18 Jahre Koller und die ersten Ausgaben mit Hartmann haben eine Schatzkammer an Momenten angehäuft. Ein paar Muster wiederholen sich und zeigen die Bandbreite.
Familienzusammenführungen sind das häufigste Motiv. Jemand hat den Vater, die Mutter, den Bruder oder die Jugendfreundin aus den Augen verloren, und die Sendung bringt die beiden nach Jahrzehnten wieder zusammen. Ein Beispiel: der 32-jährige Marvin, den seine Mutter verliess, als er 16 Monate alt war. Das Team fand sie in Thailand. In anderen Ausgaben lernte Ivan seine leibliche Mutter in Rumänien kennen, oder Koller und Maeder führten eine Tochter mit ihrer leiblichen Mutter zusammen. Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben, das kann diese Sendung wie keine zweite.

Marvin lernt seine Mutter in Thailand kennen | Happy Day | SRF
Dann die Erfüllung alter Träume. Jemand wollte fliegen, das Leben kam dazwischen, und plötzlich sitzt die Person doch im Flugzeug. In Kollers letzter Sendung etwa kam eine pensionierte Lehrerin und Hobbypilotin zum Rundflug mit einem Kunstflugpiloten. Oder ein Fan, der es jahrelang nicht zu einem Konzert geschafft hat, steht auf einmal seinem Idol im Studio gegenüber.
Und der Klassiker: die Überraschungstour. Der Protagonist steigt ins Auto und weiss nicht, wohin es geht. Unterwegs wartet eine Überraschung nach der anderen.
Röbi Kollers eigener «Happy Day» gehört zu den berührendsten Momenten der ganzen Sendungsgeschichte. Am Ende rieselte Goldregen von der Studiodecke. Sein Nachfolger fand die Abschiedssendung «schön und würdevoll», besonders die Geschichten mit den Adoptierten, die ihre leiblichen Eltern trafen, gingen ihm zu Herzen.

Röbi Koller erlebt seinen eigenen «Happy Day» | Happy Day | SRF
Genau das wünsche ich mir: dass das Publikum merkt, ‹Happy Day› geht weiter, wie es aufgehört hat: mit Menschen, denen wir einen Herzenswunsch erfüllen, sagte Hartmann.
Seine erste Sendung am 27. September 2025 lieferte gleich ein Musterbeispiel. Sabrina aus Wil ZH wollte ihrem Mann Roman, 35, einen besonderen «Happy Day» schenken, und er landete auf dem Eis mit den Legenden des SCB. In derselben Ausgabe überraschten Maeder, Schweizer und das Umbauteam Corinne und Pascal aus Waltenschwil AG, deren Alltag sich um die Betreuung ihrer zwei autistischen Kinder dreht. Samira, 6, und Eliah, 4, müssen permanent begleitet werden, spontane Ausflüge sind unmöglich. Umso mehr zählt, dass Küche und Stube praktisch und wohnlich sind. Genau dort setzte das Team an.

SCB-Legenden überraschen Roman – Ein unvergesslicher Happy Day auf dem Eis | Happy Day | SRF
Damit ist «Happy Day» längst mehr als eine Sendung. Es ist ein Samstagabend-Ritual über die Sprachregionen hinweg, und die Show zeigt die echte Schweiz, Menschen aus allen sozialen Schichten und Lebenslagen. Neben den Jass-Formaten ist es wohl das Schweizerischste, was SRF im Abendprogramm hat. Über 56 Prozent Marktanteil heisst nichts anderes, als dass mehr als die Hälfte aller Fernsehenden zur selben Zeit dasselbe sehen wollte.
Interessante Fakten
- Die Umbau-Rubrik ist so alt wie die Sendung selbst und gehört seit der allerersten Ausgabe zu den beliebtesten Elementen. Über 40 Mal hat Kiki Maeder mit Andrin Schweizer und dem Umbauteam Familien zu einem Neustart verholfen. Vor ihr besetzten Susanne Kunz und Tanja Gutmann den Posten der Aussenmoderatorin.
- Einen Satz von Koller kennt die ganze Schweiz: «Hüt isch din Happy Day». Das ist quasi das Schweizer Pendant zu Gottschalks «Top, die Wette gilt».
- Nik Hartmann hat eine persönliche Verbindung zur ersten Ausgabe. Röbi Koller rief ihn damals selbst an und verriet ihm, dass er mit einem neuen Format zurück zum Schweizer Fernsehen kommt. Hartmann schaute die Premiere, und im Gedächtnis blieb ihm die Geschichte von Eiskunstlauf-Star Stéphane Lambiel und seinem grossen, betagten Fan. Achtzehn Jahre später sitzt er selbst auf diesem Stuhl.
- Zum Neustart im September 2025 tauschte SRF nicht nur den Gastgeber aus. Studiodekor und Design bekamen einen optischen Refresh, die Grundidee blieb unangetastet.
- Die Umbau-Rubrik hat es sogar zu eigenen Sendungen gebracht. Unter dem Titel «Danke Happy Day – Umbau-Special» blickte Kiki Maeder in mehreren Spezialausgaben zurück, und Andrin Schweizer bekam mit «Schweizers Heimwerker:innen» ein eigenes Format.
FAQ
Was ist «Happy Day» und auf welchem Sender läuft es?
«Happy Day» ist eine Überraschungs- und Unterhaltungssendung von SRF, die seit 2007 am Samstagabend um 20.10 Uhr auf SRF 1 läuft, live aus Studio 1 in Zürich. Eine Ausgabe dauert rund zweieinhalb Stunden.
Wer moderiert «Happy Day» aktuell?
Seit dem 27. September 2025 ist Nik Hartmann der Gastgeber. Co-Moderatorin ist Kiki Maeder, die die Umbau-Rubrik führt, unterstützt von Architekt Andrin Schweizer.
Wann lief «Happy Day» zum ersten Mal?
2007. Röbi Koller war von der ersten Ausgabe an das Gesicht der Show und blieb es 18 Jahre lang.
Warum hat Röbi Koller «Happy Day» verlassen?
Koller ging mit 67 in Pension und beendete damit auch seine vierzigjährige Karriere bei SRF. Am 5. April 2025 moderierte er nach insgesamt 86 Ausgaben seine letzte Sendung.
Was passiert in einer typischen «Happy Day»-Ausgabe?
Drei Stränge laufen parallel: Der Gastgeber erfüllt Herzenswünsche vor Ort, das Umbauteam renoviert heimlich die Wohnung einer Familie, und Musikgäste treten auf. Am Ende kommt alles live im Studio zusammen.
Was ist die Umbau-Rubrik bei «Happy Day»?
Der Parallelstrang jeder Ausgabe: Kiki Maeder, Andrin Schweizer und das Umbauteam bauen heimlich die Wohnung einer Familie um, während diese auf Überraschungsmission ist. Das Zeitfenster beträgt in der Regel zwei Wochen. Die Enthüllung im Studio ist der Höhepunkt des Abends.
Warum gilt «Happy Day» in der Schweiz als besondere Sendung?
Weil sie echte Menschen mit echten Schicksalen zeigt, ohne Drehbuch und ohne Aufgesetztheit. Sie ist ein Samstagabend-Ritual über die Sprachregionen hinweg und bildet die echte Schweiz ab. Jeder Moderationswechsel wird prompt zum nationalen Gesprächsthema.







