Yello
Wahrscheinlich kennen Sie den Song. Dieses tiefe, schmatzende «Oh yeah» – das langgezogene «ohhhhh» vorneweg, der trockene Schlagzeugschlag dahinter. Es läuft in Filmen, in Werbespots, in YouTube-Compilations. Und die wenigsten, die es kennen, wissen, wer dahintersteckt. Yello. Ein Zürcher Duo, das seit 1979 Elektromusik macht und dabei konsequent ignoriert, was gerade Trend ist. Das ist vielleicht der grösste Teil ihres Geheimnisses.
Name | Yello |
|---|---|
Genre | Electropop, Synth-pop, Experimental Electronic |
Gegründet | 1979 (erster Auftritt: 18. September 1978, Cinema Forum, Zürich) |
Stadt | Zürich, Schweiz |
Aktuelle Mitglieder | Dieter Meier (Gesang, Texte, Konzept), Boris Blank (Produktion, Sound Design, Musik) |
Früheres Mitglied | Carlos Perón (1979–1983) |
Bekanntester Hit | «Oh Yeah» (1985, Album Stella) |
Weitere Hits | «The Race» (1988), «Bostich» (1980), «Goldrush», «Vicious Games» |
Studioalben | 14 |
Letztes Soloprojekt Blank | Resonance (2024) |
Auszeichnungen | Swiss Music Award 2022; Echo Pop Lebenswerk 2014 |
Jubiläumsbuch | Oh Yeah. Yello 40 (Edition Patrick Frey, 2021) |
Kino-Bekanntheit | «Oh Yeah» in Ferris Bueller's Day Off (1986) und The Secret of My Success (1987) |
Offizieller Website |
Yello
Geschichte
Am 18. September 1978 stand im Cinema Forum in Zürich ein Auftritt auf dem Programm, der «Dead Cat» hiess. Dieter Meier stand allein auf der Bühne, fünfzehn Minuten lang. Boris Blank blieb hinter den Kulissen. Bühnenangst. Von dieser Premiere sind im Internet nur vier Minuten aufgetaucht. Auf einem offiziellen Tonträger ist das Material bis heute nie erschienen.
Das war der Anfang von Yello. Oder genauer: kurz vor dem Anfang. Offiziell gegründet wurde die Band 1979.
Boris Blank war Lastwagenfahrer. Das beschreibt seinen eigentlichen Antrieb aber kaum. Er war besessen vom Klang – nicht davon, Gitarre zu spielen oder zu singen, sondern neue Klänge zu erfinden. Tape Loops, Echo-Effekte, Klangtüfteleien in aller Stille. Irgendwann traf er Carlos Perón in einem Labor, wo die zwei Motorengeräusche aufzeichnen sollten. Perón war Musiker, der dieselbe Überzeugung teilte: dass Popmusik mehr kann, als sie normalerweise will. Die zwei entschieden sich für eine Band – und brauchten einen Sänger.
Hier wird die Geschichte schön absurd. Der Mann, den sie fanden, war Dieter Meier. Industriemillionär, professioneller Pokerspieler, Mitglied der Schweizer Nationalgolfmannschaft. Formale Musikausbildung: keine. Was er mitbrachte, war sprachliches Gespür, eine unverwechselbare Stimme und eine Vorliebe fürs Surreale. Blank als Klangmaler, Meier als Wortmagier – das war die Formel. Und sie funktioniert bis heute.
Das Debütalbum Solid Pleasure erschien 1980. «Bostich» wurde ein Dancehit in den New Yorker Clubs, bevor in Europa irgendjemand Yello kannte. Im Dezember 1983 standen Blank, Meier und Perón im Roxy in New York auf der Bühne. Gastgeberin war Dianne Brill; gespielt wurde ein fünfzehnminütiger Techno-Remix von «Bostich». Ein Jahr später verliess Perón die Band. Ab diesem Punkt war Yello offiziell ein Duo.

Yello - Bostich
Mit dem Album Stella (1985) und «Oh Yeah» trat etwas ein, das sich nicht planen lässt. Der Song tauchte in John Hughes' Schülerkomödie Ferris Bueller's Day Off auf – und plötzlich hörten Millionen Amerikaner dieses merkwürdige, unverwechselbare «ohhhhh yeah» aus den Kinolautsprechern. 1987 lief «Oh Yeah» ein zweites Mal gross: diesmal in The Secret of My Success mit Michael J. Fox. Das Paradoxe dabei: die meisten Menschen, die den Song heute kennen, haben noch nie bewusst ein Yello-Album gehört. «Oh Yeah» ist ein Phantom-Hit – überall und gleichzeitig niemandem zuzuschreiben.

Yello - Oh Yeah
In Europa lief die Geschichte anders. Hier wurde «The Race» (1988) zum grösseren Erfolg. Der Track begann als Titelmelodie der deutschen Musiksendung Formel Eins, kletterte in Deutschland auf Platz 4, erreichte in sieben Ländern die Top Ten und lief danach jahrelang in Werbung und TV weiter. Das dazugehörige Album Flag schaffte es in der Schweiz auf Platz 3 der Charts, in Deutschland und Österreich erhielt es Goldstatus. Blank und Meier hatten sich dabei am amerikanischen Hip-Hop orientiert und daraus ihre eigene Version eines Rap-Vokals entwickelt. Für ein Schweizer Elektroduo Mitte der Achtziger war das ein unerwarteter Zug – und er hat funktioniert.

Yello - The Race
Blank produziert allein. Er kann jahrelang nichts von sich hören lassen.
Es können fünf Jahre vergehen, ohne dass ich auch nur einen Ton von Boris zu hören bekomme», sagt Meier. «In jeder anderen Band wäre das undenkbar. Für mich ist das ideal.
Wenn Blank fertig ist, spielt er Meier seine Klanglandschaften vor. Meier bringt Texte, Stimme und Haltung – lakonisch, manchmal surrealistisch, immer rhythmisch präzise. Das Ergebnis klingt nach Yello. Immer.
2016 erschien Toy, 2020 Point – das vierzehnte Studioalbum. Kein Nachlassen, kein Beruhigen. 2021 folgte das Buch Oh Yeah - Yello 40 im Verlag Edition Patrick Frey: 452 Seiten mit Texten von Blank, Meier und dem Journalisten Hanspeter Kuenzler, dazu Archivpolaroids, Plakate, Briefe, Fanzine-Rezensionen und handgeschriebene Noten zum frühen Singlehit «Bostich». Wer Yello wirklich verstehen will, fängt mit diesem Buch an. Ein Bilddokument von vierzig Jahren Zürcher Popgeschichte – und gleichzeitig ein Beweis, dass sich diese Band nie selbst Ernst genommen hat. Im besten Sinne.
Oh Yeah - Yello 40
2022 erhielten Yello den Schweizer Musikpreis. 2014 schon den Echo Pop für das Lebenswerk. Beides überfällig.
2024 kämpfte Dieter Meier mit chronischer Erschöpfung als Spätfolge von COVID-19 – Boris Blank bestätigte das in einem Interview mit dem Musikmagazin Stereophile. Blank nutzte die Zeit und veröffentlichte Resonance (Universal Music, 2024), sein drittes Avantgarde-Soloalbum ohne Meier. Tracks wie «Vertigo Heroes» und «Defying Gravity».
Yello als Formation besteht weiterhin. In der Schweizer Musikpresse werden sie regelmässig in einem Atemzug mit The Young Gods genannt – zwei Projekte, die unabhängig voneinander und auf völlig unterschiedlichen Wegen die Grenzen dessen verschoben haben, was Schweizer Popmusik sein kann. Wenn man fragt, welche einheimischen Acts die internationale Wahrnehmung des Landes jenseits von Volksmusik und Volksmusik-Klischees geprägt haben, kommt man an diesen beiden nicht vorbei.
Die Mitglieder
Boris Blank ist das klangliche Herzstück von Yello. Kaum formale Musikausbildung, dafür eine akribische, handwerkliche Methode: Klänge auseinandernehmen und neu zusammensetzen, Klangramäume bauen, produzieren. Er ist verheiratet mit der italo-schweizerischen Gastronomin Patrizia Fontana, die zwei haben eine Tochter, Olivia.
Neben Yello komponiert er unter dem Namen Avant Garden für Film- und TV-Lizenzierungen. 2014 erschien das kollaborative Album Convergence gemeinsam mit der britisch-malawischen Sängerin Malia, dazu Electrified. Sein letztes Soloalbum: Resonance (2024). Blank beschreibt sich selbst gern als jemanden, der wie ein Mönch oder Eremit arbeitet – abgeschirmt, allein, mit grösstmöglicher Konzentration. Und das hört man.
Boris Blank
Dieter Meier ist die Stimme und das visuelle Gesicht von Yello. Seine Texte sind oft knapp, pointiert, surreal. Neben der Musik hat er als Performancekünstler gearbeitet, ein Buch veröffentlicht (Hermes Baby) und sich als Unternehmer engagiert. Er betreibt in Argentinien eine Biofarm und ein Weingut – und die Produkte davon landen auf den Tellern seines Zürcher Restaurants an der Bärengasse. Neuerdings investiert er ausserdem Millionen in eine neuartige Schokoladefabrik und plant Läden in mehreren Metropolen. Das ist keine Image-Geste, das ist sein Alltag.
Dieter Meier
Carlos Perón war von 1979 bis 1983 das dritte Mitglied von Yello. Er und Boris Blank lernten sich in einem Labor kennen, als sie gemeinsam Motorengeräusche aufzeichnen sollten. Perón prägte den experimentellen Sound der frühen Alben. Nach seinem Austritt verfolgte er eine eigene Musikkarriere.
Konzertleben
Yello sind jahrzehntelang kaum live aufgetreten. Blank erklärte das einmal so:
Mit den Argumenten, dass viele andere Elektronikacts so etwas auch machen, konnte ich mich nie anfreunden. Wenn ich das Wort live höre, dann denke ich an Musiker wie James Brown. Bewegung, Rhythmus, die ganze Magie der Musik.
Erst ab 2016/2017 begannen sie ernsthaft zu touren. Und als sie es taten, machten sie es auf ihre Art: bis zu zwölf Personen auf der Bühne, darunter ein Bläsersatz, Vokalistinnen und Gastsolistinnen wie Malia und die chinesische Sängerin Fifi Rong. Kein einsames Laptop-Setup. Ein voll ausgestattetes Ensemble. Blank legte dabei grossen Wert darauf, dass die Liveband das musikalische Gesicht von Yello nicht verändert – was bei elektronischer Musik leichter gesagt als getan ist.
Die Setlists umfassen «Goldrush», «Oh Yeah», «Vicious Games», «I Love You» und «The Race». Die Atmosphäre: aufgeladen, visuell durchkomponiert, irgendwo zwischen Elektrokonzert und Performancekunst. Nicht jeder Abend, aber jeder Abend mit Haltung.
Aktuell sind keine offiziellen Konzerte oder Tourdaten von Yello für 2026 angekündigt. Aufgrund früherer Tourneen und der musikalischen Aktivitäten des Zürcher Duos lohnt es sich jedoch, die offizielle Website und songkick.com im Auge zu behalten.
Diskografie
Jahr | Album | Label | Bekannteste Tracks |
|---|---|---|---|
1980 | Solid Pleasure | Do It Yourself | Bostich |
1981 | Claro Que Si | Do It Yourself | Pinball Cha Cha, The Lorry |
1983 | You Gotta Say Yes to Another Excess | Elektra | I Love You, Lost Again |
1985 | Stella | Elektra | Oh Yeah, Vicious Games |
1987 | One Second | Mercury | The Rhythm Divine |
1988 | Flag | Mercury/Fontana | The Race, Goldrush, Call It Love |
1991 | Baby | Mercury | Rubberbandman |
1994 | Zebra | Mercury | How How |
1997 | Pocket Universe | Mercury | Planet Dada |
1999 | Motion Picture | Mercury | Jungle Bill |
2003 | The Eye | Mercury | Ocean Club |
2009 | Touch Yello | Mercury | Heavy Whispers |
2016 | Toy | Universal | Limbo, Waba Duba |
2020 | Point | Universal | Out of Sight |
Yello
Auszeichnungen
Auszeichnung | Jahr | Kontext |
|---|---|---|
Echo Pop – Lebenswerk | 2014 | Auszeichnung der deutschen Plattenindustrie für das Gesamtwerk |
Schweizer Musikpreis | 2022 | Höchste staatliche Musikauszeichnung der Schweiz; Anerkennung als Pioniere des Elektropop |
Interessante Fakten
- Yello haben über zwölf Millionen Tonträger weltweit verkauft. Das erfolgreichste Album ist Flag (1988) mit über 340'000 verkauften Einheiten allein in der DACH-Region.
- Boris Blank und Carlos Perón lernten sich nicht in einem Club oder Studio kennen – sondern in einem Labor, wo sie den Auftrag hatten, gemeinsam Motorengeräusche aufzuzeichnen. Daraus wurde Yello.
- Dieter Meier war professioneller Pokerspieler und Mitglied der Schweizer Nationalgolfmannschaft – und dann Elektropop-Sänger. Danach Biobauer, Winzer, Restaurantbesitzer und neuerdings Schokoladefabrikant. Langweilig wurde ihm offenbar nie.
- «Oh Yeah» tauchte nicht nur in Hollywood-Filmen auf, sondern auch in einer Folge der Simpsons. Was 1980 als Clubhit in New York begann, ist heute ein universelles Popkultur-Zitat – und Yello selbst sind dabei erstaunlich wenig präsent im Bewusstsein der meisten Menschen, die es kennen.
- Yello komponierten auch den Jingle der Schweizer Radiostation DRS 3. Diese Tatsache wissen selbst viele Schweizer Radiohörer nicht.
Yello
Soziale Medien
FAQ
Wer hat Yello gegründet?
Yello wurden 1979 von Boris Blank und Dieter Meier in Zürich gegründet. Ursprünglich gehörte auch Carlos Perón zur Band; er verliess Yello 1983.
Wann und wo fand der erste Auftritt von Yello statt?
Am 18. September 1978 im Cinema Forum in Zürich, unter dem Titel «Dead Cat». Boris Blank blieb wegen Bühnenangst hinter den Kulissen. Dieter Meier stand allein fünfzehn Minuten auf der Bühne. Von der Aufnahme sind nur vier Minuten im Internet verfügbar.
Was ist der bekannteste Song von Yello?
«Oh Yeah» aus dem Album Stella (1985). Bekannt durch Ferris Bueller's Day Off (1986) und The Secret of My Success (1987).
Wie viele Studioalben hat Yello veröffentlicht?
Vierzehn. Vom Debüt Solid Pleasure (1980) bis zu Point (2020).
Was ist das Buch «Oh Yeah. Yello 40»?
Ein 452-seitiges Archivbuch, erschienen 2021 bei Edition Patrick Frey, mit Texten von Boris Blank, Dieter Meier und dem Journalisten Hanspeter Kuenzler. Polaroids, Plakate, Briefe, Fanzine-Rezensionen, Skizzen, handschriftliche Noten – vierzig Jahre Bandgeschichte in einem Band.







