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Jurapark Aargau

von Markus Schneider

Inhaltsverzeichnis
Jurapark Aargau (Naturpark)

Der Jurapark Aargau liegt zwischen Aare und Rhein, ziemlich genau in der Mitte zwischen Basel und Zürich. Er ist ein regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung, und für einen Tagesausflug passt die Lage perfekt: am Morgen in den Zug, am Abend wieder zu Hause. Hohe Gipfel sucht man hier vergeblich. Der Park punktet mit Details.

Im Norden rollen die Hügel des Tafeljuras, im Süden ziehen sich die Ketten des Faltenjuras durchs Land. Im Fricktal stehen Kirschbäume in langen Reihen, im Schenkenbergertal klettern Reben die Hänge hoch. In lichten Föhrenwäldern blühen wilde Orchideen. Und von den Felsen oben reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den Alpen.

Weiter unten folgen die Routen fürs Hiking, Plätze fürs Camping und die Orte, an denen die besten Bilder entstehen. Familien finden hier kurze Rundwege mit Picknickplatz. Wer Kondition hat, läuft den ganzen Tag über den Grat.

Status

Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung

Label seit

2012

Fläche

299 km² (nach der Erweiterung 2022)

Gemeinden

31 (30 im Kanton Aargau, 1 im Kanton Solothurn: Kienberg)

Einwohnerinnen und Einwohner

rund 55'000

Region

zwischen Brugg, Laufenburg, Rheinfelden und Aarau

Landschaft

Tafeljura und Faltenjura, 20 Landschaften von nationaler Bedeutung, 4 BLN-Gebiete

Aussichtspunkte

Gisliflue, Wasserflue, Linner Linde

Eintritt

kostenlos (nur einzelne Museen kosten Eintritt)

Geschäftsstelle

Linn 51, 5225 Bözberg, Tel. +41 62 877 15 04

Website

jurapark-aargau.ch

Jurapark Aargau

Geschichte

Die Geschichte beginnt 2003. Der Kanton Aargau feierte damals seinen 200. Geburtstag, und im Jubiläumsjahr gründeten engagierte Leute einen Verein. Er hiess zuerst «dreiklang.ch Aare-Jura-Rhein» und wollte die Region wirtschaftlich voranbringen. Von einem Naturpark sprach anfangs noch kaum jemand. Das änderte sich mit den Jahren, und Anfang 2012 bekam der Jurapark Aargau das Label als regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung. Heute gehört er zum Netz von rund 20 Pärken dieser Stufe in der Schweiz.

Hinter dem Park steht bis heute ein Verein. Die Gemeinden machen mit, dazu Betriebe aus der Region und Privatpersonen. Die Geschäftsstelle hat ihr Büro im alten Schulhaus von Linn, einem Ortsteil von Bözberg. Wo früher Kinder das Einmaleins büffelten, planen heute Fachleute Exkursionen und Naturschutzprojekte.

2022 kam der grosse Sprung. Mit dem erneuerten Label traten acht Gemeinden bei: Obermumpf, Frick, Oeschgen, Ueken, Hornussen, Mandach, Remigen und Bözberg. Der Park wuchs um rund einen Viertel auf knapp 300 Quadratkilometer.

Viel älter als der Verein ist der Bergbau. Schon die Alemannen gruben hier nach Eisenerz, wie archäologische Funde zeigen. Im 20. Jahrhundert holte das Eisenbergwerk Herznach von 1937 bis 1967 noch einmal Erz aus dem Berg. Seit 2016 fahren wieder Leute hinein. Diesmal mit Kamera statt Pickel.

Jurapark Aargau - historische Ansicht

Jurapark Aargau - historische Aufnahme

Landscape und Natur

Wer die Alpen gewohnt ist, muss hier umdenken. Die Jurapark Aargau Landscape wirkt sanfter und kleinteiliger, weil zwei Sorten Jura aufeinandertreffen.

Im Norden liegt der Tafeljura. Oben flache Hochebenen mit Kirschbäumen, dazwischen enge Täler. Im Süden beginnt der Faltenjura, wo sich das Gestein zu Ketten aufgeworfen hat. Aus den Kämmen ragen helle Kalkfelsen, in der Region Flue genannt. Die bekanntesten heissen Gisliflue und Wasserflue.

Dazwischen liegt ein Flickenteppich. In lichten Föhrenwäldern wachsen seltene Orchideen, an trockenen Hängen Magerwiesen und Felsensteppen. Um die Dörfer stehen Obstgärten, und im Schenkenbergertal ziehen sich Rebterrassen die Südhänge hoch. 408 Tier- und Pflanzenarten gelten im Park als prioritär, die Region trägt für sie also besondere Verantwortung. Auch der Bund hat hingeschaut: 20 Landschaften im Park haben nationale Bedeutung, vier stehen im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, kurz BLN.

Der Boden erzählt seine eigene Geschichte. Der Jura besteht aus Ablagerungen eines urzeitlichen Meeres. Deshalb stecken im Kalk immer wieder Fossilien, vor allem Ammoniten mit ihren spiralförmigen Schalen.

Jurapark Aargau - Landschaft im Aargau

Jurapark Aargau - Landschaft

Sehenswertes im Jurapark Aargau

Die Linner Linde bei Bözberg ist der Star des Parks. Die Sommerlinde ist etwa 800 Jahre alt, 25 Meter hoch und misst elf Meter um den Stamm. Kein Baum im Aargau ist mächtiger, und sie zählt zu den 22 «heiligen Bäumen» der Schweiz. Eine Sage behauptet, ihr Schatten müsse jedes Jahr bis zum Schloss Habsburg reichen. Tut er das nicht mehr, ist das Schicksal der Welt besiegelt. Bisher hält sie durch.

Gisliflue und Wasserflue heissen die zwei grossen Kalkfelsen. Oben öffnet sich der Blick über das Mittelland bis zu den Alpen. Die Wasserflue liegt direkt am Jurahöhenweg und passt gut in eine längere Tour.

Im Sauriermuseum Frick liegt ein vollständiges Skelett des Plateosaurus, rund 4,5 Meter lang und genau so, wie es in einer Tongrube bei Frick gefunden wurde. Kein anderes Museum der Schweiz zeigt so ein Skelett. Offen hat das Museum am Sonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr, vom Bahnhof Frick sind es fünf bis zehn Minuten zu Fuss.

Im Bergwerk Herznach geht es mit der Grubenbahn in den Berg. In einem Seitenstollen wartet ein Ammonitenfriedhof, den Fachleute als geologische Sensation einstufen. Das Bergwerk öffnet von April bis Oktober am ersten Sonntag im Monat, jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr. Erwachsene zahlen CHF 10, Kinder CHF 5, Familien CHF 25. Aktuelle Preise stehen auf der Website des Vereins.

Der Chriesiwäg in Gipf-Oberfrick führt mitten durch die Kirschbäume. Elf Tafeln erklären unterwegs den Kirschenanbau im Fricktal. Wer zur Blütezeit kommt, sieht die Hänge weiss leuchten.

Die Burgruine Schenkenberg thront über den Reben des Schenkenbergertals. Von der Burg steht nicht mehr viel. Die Aussicht aufs Tal entschädigt dafür.

Die Burgruine Schenkenberg

Hiking

Über 40 Wanderrouten führen durch den Park. Der nationale Jurahöhenweg, bei SchweizMobil die Route 5, zieht mit mehreren Etappen hindurch. Der Fricktaler Höhenweg verbindet in fünf Etappen Rheinfelden mit Mettau. Dazu kommen Themenwege und kurze Runden für Familien.

Route

Länge

Zeit

Aufstieg

Besonderheiten

Linner Linde - Bruderhöhle - Römerweg

12 km

ca. 3 Std.

330 m

Linde, Höhle, Römerweg

Gratwanderung Gisliflue

17 km

ca. 4 Std. 30 Min.

446 m

Grat, Panorama

Geissflue - Wasserflue

14 km

ca. 5 Std.

722 m

zwei Felsen, Alpensicht

Herznach - Strihe - Staffelegg

12 km

ca. 3 Std. 30 Min.

611 m

Aussichtspunkte

Frick - Laufenburg

13 km

ca. 3 Std. 45 Min.

459 m

Panorama, Rhein

Chriesiwäg Gipf-Oberfrick

kurz

kurz

gering

familienfreundlich, Kirschen

Die Werte sind Richtwerte, ein Blick auf die aktuelle Wanderkarte vor dem Start schadet nie.

Einige Wege erzählen eine Geschichte. Der Flösserweg folgt dem Heimweg der Flösser von Laufenburg über Hottwil nach Stilli, ein Handwerk, das heute kaum jemand mehr kennt. Der Eisenweg führt von Wölflinswil nach Herznach auf den Spuren der Erzgräber. In Schinznach läuft der Historische Rundweg über drei alte Verkehrswege durch Reben und Wald, und der Reblehrpfad erklärt, was im Rebberg übers Jahr passiert.

Und welche Route passt? Mit kleinen Kindern fährt man mit dem Chriesiwäg am besten. Er ist kurz, und es bleibt Zeit für Pausen. Für einen halben Tag eignet sich die Runde um die Linner Linde. Wer trainiert ist, nimmt die Gratwanderung zur Gisliflue oder die Tour über Geissflue und Wasserflue mit gut 700 Höhenmetern. Alpin ist das nicht. Am Abend spüren die Beine es trotzdem.

Die Markierung folgt dem Schweizer System. Gelbe Wegweiser zeigen Ziele und Gehzeiten, besondere Ausrüstung braucht es auf diesen Wegen nicht. Den Fricktaler Höhenweg kann man auch Etappe für Etappe gehen und jeweils mit dem ÖV an- und abreisen. So wird aus dem Mehrtageweg eine Serie von Sonntagsausflügen.

Jurapark Aargau - Wandern in der Natur

Jurapark Aargau - Hiking

Karte: Orientierung und Planung

Zum Planen eignet sich die interaktive Karte auf der Website des Parks. Dort lassen sich Kategorien ein- und ausblenden, zum Beispiel Wanderwege oder Velorouten. So sieht man rasch, welche Route zu welchem Dorf passt.

Wer Papier mag, bestellt die kostenlose Freizeitkarte «Unterwegs im Jurapark Aargau» über die Website. Sie passt in jede Jackentasche.

Für genaue Planung helfen die Karten von swisstopo und die App von SchweizMobil. Wer tiefer eintauchen will, greift zum Wanderführer «Jurapark Aargau» aus dem Rotpunktverlag.

Aktivitäten abseits der Wanderwege

Auch mit dem Velo lässt sich der Park erkunden, etwa auf der Route Verte oder den Velorouten von SchweizMobil. Die Jurahügel fordern allerdings die Waden, E-Bike-Fahrende haben es leichter.

Der Park bietet geführte Exkursionen an. Mal geht es abends zu den Glühwürmchen, mal im Herbst in die Pilze. Für Schulen gibt es das Programm «Schule im Park» und Ideen für die Schulreise. Wer selber anpacken will, meldet sich für einen Freiwilligeneinsatz.

Rund 320 Produkte tragen das Label des Parks, vom Spargel bis zum Ziegenkäse. Vieles gibt es direkt im Hofladen. Wo genau, verrät der Einkaufsführer des Parks.

In einigen Dörfern lebt ausserdem der «Eierleset» weiter, ein alter Frühlingsbrauch rund ums Eiersammeln.

Jurapark Aargau - Regionale Produkte

Praktische Informationen

Die nächsten SBB-Bahnhöfe heissen Brugg, Frick, Aarau, Laufenburg und Rheinfelden. Von dort fahren PostAutos in die Dörfer, zum Beispiel von Brugg über den Bözberg nach Linn. Mit dem Auto dauert die Fahrt aus Basel oder Zürich je nach Startpunkt und Verkehr rund eine Stunde, bei vielen Wanderstarts gibt es Parkplätze. Praktischer ist der ÖV, denn damit klappen auch Wanderungen von A nach B, ohne zum Auto zurückzumüssen. Die SBB-App erledigt die Planung.

Eintritt verlangt der Park keinen. Zahlen muss man nur in den Museen und für manche Exkursionen. Die Preise des Sauriermuseums stehen auf dessen Website, jene des Bergwerks weiter oben.

Die beste Zeit? Im Frühling blühen Kirschbäume und Orchideen. Die Kirschblüte dauert je nach Wetter nur wenige Wochen, zu knapp planen lohnt sich also nicht. Im Sommer locken die Grate, am besten früh am Morgen vor der Hitze. Im Herbst färben sich Reben und Wälder. Im Winter sind manche Angebote zu, dafür hat man die Wege fast für sich.

Ein paar Regeln gelten für alle. Auf den markierten Wegen bleiben, Orchideen stehen lassen, Abfall wieder mitnehmen. Hunde kommen an die Leine: im Kanton Aargau gilt vom 1. April bis 31. Juli im Wald und am Waldrand Leinenpflicht, damit das Wild während der Brut- und Setzzeit Ruhe hat. Feuer nur an eingerichteten Feuerstellen.

Gutes Schuhwerk ist Pflicht, weil der Kalkboden an den Flühen bei Nässe rutschig wird. Genug Wasser gehört in den Rucksack. Auf den Graten gibt es kaum Beizen, ein Picknick oder eine geplante Einkehr im Dorf hält Hunger und Laune im Griff.

Für die schönsten Jurapark Aargau Bilder heisst es früh aufstehen oder lange bleiben. Die Linner Linde wirkt im Morgen- oder Abendlicht am stärksten. Die grossen Panoramen gibt es auf Gisliflue und Wasserflue. Im Frühling, meist im April, blühen die Kirschbäume im Fricktal, im Herbst leuchten die Reben im Schenkenbergertal. Orchideen zeigen sich im Frühling und Frühsommer in den Föhrenwäldern. Gute Aufnahmen lassen sich beim Fotowettbewerb des Parks einreichen.

Kontakt: Jurapark Aargau, Linn 51, 5225 Bözberg, Tel. +41 62 877 15 04, [email protected].

Camping

Mit Zelt oder Camper gibt es im Park drei Adressen, die auf der Website des Parks stehen:

Platz

Gemeinde

Besonderheit

Camping Frick

Frick

klassischer Campingplatz im Fricktal

Brügglihof

Sulz

Übernachtung auf dem Bauernhof, mit Hofladen

Camping Waldesruh

Wil AG

mitten in der Juralandschaft, etwa auf halber Strecke des Flösserwegs, mit Bistro

Camping Waldesruh passt ideal, wenn der Flösserweg auf zwei Tage verteilt werden soll. Viele Plätze gibt es insgesamt nicht, an sonnigen Wochenenden und in den Sommerferien lohnt sich eine frühe Reservation. Saison und Preise stehen auf den Websites der Plätze.

Und Wildcampen? Das regeln in der Schweiz Kantone und Gemeinden. Im Wald und in Schutzgebieten ist Zelten in der Regel verboten, auf privatem Land braucht es das Okay der Eigentümer. Für den Aargau lohnt sich ein Blick in die kantonalen Vorschriften. Einfacher ist der offizielle Platz mit Dusche und Wasser, und niemand klopft nachts ans Zelt.

Ohne Zelt helfen die Adressen unter «Übernachten» auf der Website des Parks weiter, zum Beispiel Bauernhöfe oder Bed and Breakfast. Eine besondere Adresse ist das Bergwerksilo in Herznach.

Jurapark Aargau - Camping in der Natur

Jurapark Aargau - Camping

Interessante Fakten

  • Die Linner Linde misst elf Meter um den Stamm und ist der mächtigste Baum im Aargau.
  • Das Sauriermuseum Frick zeigt als einziges Museum der Schweiz ein vollständiges Plateosaurus-Skelett. Gefunden wurde es gleich um die Ecke, in einer Tongrube bei Frick.
  • Im Bergwerk Herznach liegt ein Ammonitenfriedhof, den Geologen als Sensation von europäischer Bedeutung bezeichnen.
  • Rund 320 regionale Produkte tragen das Label des Parks.
  • Der Verein hinter dem Park entstand 2003, passend zum 200. Geburtstag des Kantons Aargau.

Soziale Medien

FAQ

Wie gross ist der Jurapark Aargau?

299 Quadratkilometer. Seit 2022 gehören 31 Gemeinden dazu, davon 30 im Aargau und eine im Kanton Solothurn. Im Park leben rund 55'000 Menschen.

Welche Hiking-Touren eignen sich für Anfänger und Familien?

Für Familien passt der Chriesiwäg in Gipf-Oberfrick mit seinen Tafeln zum Kirschenanbau. Etwas länger ist die Runde um die Linner Linde mit 12 Kilometern und 330 Höhenmetern. Weitere Familienwanderungen listet die Website des Parks.

Welche ist die schönste Aussicht im Jurapark Aargau?

Die weiteste Sicht gibt es auf Gisliflue und Wasserflue, bei klarem Wetter bis zu den Alpen. Ruhiger geht es bei der Linner Linde auf dem Bözberg zu.

Kann man im Jurapark Aargau campen?

Ja, auf Camping Frick, dem Brügglihof in Sulz oder Camping Waldesruh in Wil AG. Früh reservieren lohnt sich, weil das Angebot klein ist. Wildcampen ist im Wald und in Schutzgebieten in der Regel nicht erlaubt.

Wann ist die beste Reisezeit für den Jurapark Aargau?

Frühling und Herbst. Im Frühling blühen Kirschen und Orchideen, im Herbst färben sich Reben und Wälder. Im Sommer lohnen sich die Grate, am besten am Morgen.

Wo gibt es die besten Fotospots für Bilder im Jurapark?

Bei der Linner Linde im Morgen- oder Abendlicht, auf Gisliflue und Wasserflue, in der Kirschblüte im Fricktal und im Herbst in den Reben des Schenkenbergertals.

Was kann man bei schlechtem Wetter im Jurapark unternehmen?

Das Sauriermuseum Frick hat am Sonntagnachmittag offen. Von April bis Oktober bietet das Bergwerk Herznach am ersten Sonntag im Monat Fahrten mit der Grubenbahn. Unter Tage spielt das Wetter keine Rolle.