Festung von Bellinzona
Wer nach Bellinzona kommt, macht unweigerlich eine Reise ins Mittelalter. Drei Burgen thronen auf Felsen über der Altstadt, dazu Zinnenmauern, Türme und Zugbrücken, fast wie aus einem Ritterfilm. Die Festung von Bellinzona zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher Wehrarchitektur im Alpenraum und ist die wichtigste Sehenswürdigkeit der Tessiner Kantonshauptstadt. Seit dem Jahr 2000 gehört das Ensemble sogar zum UNESCO-Welterbe. Die drei Burgen heissen Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro, dazu kommt die Wehrmauer Murata, die einst das ganze Tal abriegelte.
Name | Festung von Bellinzona (Burgen von Bellinzona / Castelli di Bellinzona) |
|---|---|
Lage | Bellinzona, Kanton Tessin, Schweiz |
Bestandteile | Castelgrande, Castello di Montebello, Castello di Sasso Corbaro + Murata (Wehrmauer) |
UNESCO-Welterbe | seit 30. November 2000 |
Epoche | heutige Gestalt v. a. 15. Jahrhundert (Visconti/Sforza) |
Höhen | Castelgrande ~277 m ü. M. (über der Altstadt), Montebello ~313 m, Sasso Corbaro ~462 m |
Einzeltickets | Castelgrande CHF 15, Montebello CHF 10, Sasso Corbaro CHF 15 (Stand) |
Kombiticket | Fortezza Pass CHF 28 (alle 3 Burgen + Museen/Dauerausstellungen) |
Frei mit | Swiss Travel Pass |
Öffnungszeiten (Sommer) | 28.03.–08.11.2026, 10:00–18:00 (letzter Einlass 17:30) |
Öffnungszeiten (Winter) | 09.11.2026–18.03.2027, 10:30–16:00 (nur Castelgrande) |
Offizielle Website |

Festung von Bellinzona – UNESCO-Weltkulturerbe
Geschichte
Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück, viel weiter, als man auf den ersten Blick vermutet. Der Hügel des heutigen Castelgrande war schon um 5'500 v. Chr. besiedelt, in der Jungsteinzeit also. Erste Befestigungen tauchen in Dokumenten des 6. Jahrhunderts auf. Bis ins 13. Jahrhundert war Castelgrande die einzige Burg und hiess schlicht «Burg von Bellinzona», auf Latein «Castel Magnum».
Warum gerade hier eine so mächtige Festung entstand, erklärt ein Blick auf die Landkarte. Bellinzona liegt genau dort, wo sich die grossen Alpenrouten über Gotthard, San Bernardino, Nufenen und Lukmanier im Tessintal zu einem einzigen Durchgang verengen. Ein massiver Felsriegel lässt nur zwei schmale Passagen frei. Zusammen mit der Stadtmauer und der Murata konnten die Burgen das ganze Tal dichtmachen. Kein Wunder, dass der Mailänder Kommissar Azzo Visconti den Ort 1475 als «Schlüssel und Tor zu Italien» bezeichnete.
Über Jahrhunderte war Bellinzona ein Zankapfel. Immer wieder wechselte die Stadt zwischen Mailand und lokalen Geschlechtern wie den Rusca aus Como. 1340 übergaben die Rusca das Castelgrande an die Familie Visconti, das Montebello behielten sie vorerst. Dieses Montebello selbst entstand im 13. und 14. Jahrhundert, gebaut von eben jenen Rusca, wohlhabenden Kaufleuten aus Como. Im 15. Jahrhundert bauten dann die Mailänder Architekten und Truppen der Visconti und später der Sforza die Anlage systematisch aus. Sie errichteten Castelgrande und Montebello neu und zogen die Murata und eine neue Stadtmauer hoch. 1479 liess der Herzog von Mailand das höchstgelegene Sasso Corbaro in nur sechs Monaten errichten, im typischen sforzesken Stil. Ihr heutiges Aussehen verdanken die Burgen vor allem diesen Bauten aus der Mitte und dem Ende des 15. Jahrhunderts.
Festung von Bellinzona
Die Wende kam um 1500. Während der Mailänderkriege besetzte der französische König Ludwig XII. das Gebiet für kurze Zeit, doch nach der Gefangennahme von Herzog Ludovico Sforza unterwarfen sich die Einwohner am 14. April 1500 den Eidgenossen. 1506 teilte man die drei Burgen unter den Kantonen Uri, Schwyz und Nidwalden auf. Von da an waren es Tessiner Vogteien unter der Herrschaft der Eidgenossenschaft.
Nach umfassenden Restaurierungen im 20. Jahrhundert erstrahlt die Anlage wieder in voller Pracht. Am 30. November 2000 nahm die UNESCO die Festung mit ihren Mauern unter dem Namen «Three Castles, Defensive Wall and Ramparts of the Market-Town of Bellinzona» in die Liste des Welterbes auf. Heute ist sie die Hauptattraktion der Stadt, mit Museen und wechselnden Ausstellungen.
Die drei Burgen im Überblick
Castelgrande ist die grösste und älteste der drei Burgen. Sie thront auf einem Felsriegel rund 277 Meter über Meer und damit direkt über der Altstadt, kaum zu übersehen. Ihre beiden markanten Türme tragen die Namen Torre Bianca, der Weisse Turm, und Torre Nera, der Schwarze Turm.
Im Inneren erzählt das Museum Castelgrande die rund 6'500 Jahre lange Geschichte des Hügels. Zu den Höhepunkten zählen etwa 144 Temperamalereien aus der Zeit um 1470, die einst eine Decke in einer städtischen Residenz schmückten. Im Arsenal-Saal finden wechselnde Ausstellungen statt. Erreichbar ist Castelgrande vom Bahnhof aus in fünf bis zehn Gehminuten oder bequem per Lift, der von der Piazzetta della Valle beim Piazza del Sole nach oben führt.
Castelgrande
Castello di Montebello ist die mittlere der drei Burgen und liegt auf einem Hügel rund 313 Meter über Meer, etwa 90 Meter über der Stadt. Gebaut wurde sie im 13. und 14. Jahrhundert, und von ihr aus zogen sich einst die Stadtmauern ins Tal hinunter.
Heute beherbergt Montebello ein Museum für Geschichte und Archäologie, mit dem neuen Ausstellungsrundgang Archeologia Montebello. Von hier oben öffnet sich zudem ein besonders schöner Blick hinüber zum Castelgrande, weshalb die Burg auch ein beliebtes Fotomotiv ist.
Castello di Montebello
Castello di Sasso Corbaro ist mit rund 462 Metern über Meer die höchstgelegene der drei Burgen. Sie entstand 1479 in nur sechs Monaten und steht als kompakter, sforzesker Würfel auf einem abgelegenen Felsvorsprung, etwas abseits der anderen beiden.
Drei Aussichtspunkte mit Infotafeln erschliessen die Anlage, dazu kommen wechselnde Ausstellungen und eine Osteria für das leibliche Wohl. Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier über ganz Bellinzona hinweg bis zu einem Teil des Lago Maggiore.
Castello di Sasso Corbaro
Praktische Informationen
Zur Orientierung hilft ein Blick auf die Lage. Vom Zentrum aus liegen die drei Burgen praktisch übereinander am Hang, man könnte fast eine Linie vom Castelgrande über Montebello bis zum Sasso Corbaro ziehen. Castelgrande liegt direkt über der Altstadt, Montebello und Sasso Corbaro folgen weiter oben am Hang. Wer eine Karte mit eingezeichneten Wegen möchte, findet auf fortezzabellinzona.ch einen kostenlosen Guide mit Karten und Routen zum Herunterladen.
Bei der Anreise ist Castelgrande der einfachste Ausgangspunkt. Vom Bahnhof Bellinzona sind es nur fünf bis zehn Minuten zu Fuss über den panoramareichen Aufstieg der Salita Castelgrande, alternativ fährt der Lift von der Piazzetta della Valle hinauf. Zu Montebello und Sasso Corbaro geht es entweder zu Fuss, von Castelgrande zum Montebello sind es etwa 25 Minuten bergauf, oder mit dem PostAuto der Linie 4, die von der Station Bellinzona hinauf zum Sasso Corbaro fährt und an den Haltestellen «Castello di Montebello» und «Castello di Sasso Corbaro» hält.
Vom Busterminal beim Bahnhof dauert die Fahrt nur rund zwei Minuten zum Montebello und etwa sieben zum Sasso Corbaro. Bequem ist auch der touristische Zug Trenino Artù, der von der Piazza Collegiata im Zentrum an allen Burgen vorbeirollt, in der Regel von April bis Oktober. Ein Haken: das Ticket für den Artù beinhaltet keinen kostenlosen Eintritt in die Burgen. Eine schöne Route führt vom Bahnhof über Castelgrande und Montebello hinauf zum Sasso Corbaro und über die Weinberge wieder zurück.
Bei den Tickets gilt eine gute Nachricht vorweg: an den Burgen vorbeizuschlendern und entlang der Mauern zu spazieren, kostet nichts. Bezahlt wird nur der Eintritt in die Türme, Museen und Ausstellungen. Die Einzeltickets kosten für Castelgrande CHF 15, für Montebello CHF 10 und für Sasso Corbaro CHF 15, wobei jeweils die Türme, das Museum und die Sonderausstellungen der jeweiligen Burg inbegriffen sind. Wer alle drei sehen möchte, fährt mit dem Fortezza Pass für CHF 28 (Erwachsene) günstiger, der den Eintritt zu allen drei Burgen samt Museen und Dauerausstellungen umfasst und dann gilt, wenn alle drei geöffnet sind. Für Familien kostet dieser Pass CHF 70, ermässigt für AHV, Studierende und Gruppen CHF 18, und für Kinder bis 6 Jahre ist er gratis. Der Expo Pass für CHF 30 kombiniert die Sonderausstellungen von Castelgrande und Sasso Corbaro mit dem Museo Villa dei Cedri. Mit dem Swiss Travel Pass ist der Eintritt frei, und auch das Ticino Ticket, das man im Hotel, auf dem Campingplatz oder im Hostel erhält, bringt einen vergünstigten Eintritt. Die Tickets gibt es online auf der Website, im InfoPoint Bellinzona oder an den Kassen der drei Burgen. Da sich Preise ändern können, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offizielle Website.
Auch bei den Öffnungszeiten empfiehlt sich die Kontrolle auf fortezzabellinzona.ch, da die genauen Daten von Jahr zu Jahr wechseln. In der Sommersaison 2026, vom 28. März bis 8. November, sind alle drei Burgen täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 17:30 Uhr. In der Wintersaison vom 9. November 2026 bis 18. März 2027 gelten die Zeiten von 10:30 bis 16:00 Uhr, mit letztem Einlass um 15:30 Uhr. Dann hat nur Castelgrande geöffnet, während Montebello und Sasso Corbaro lediglich in den Aussen- und Innenhöfen zugänglich sind.
Zum Schluss noch ein paar Tipps. Wer wenig Zeit hat, ist mit Castelgrande gut bedient, es liegt zentral und ist die grösste der drei Burgen. Für Panoramafreunde führt hingegen kein Weg am Sasso Corbaro vorbei. Beim Schuhwerk empfiehlt sich Bequemes für die Aufstiege und das Kopfsteinpflaster, im Sommer gehören Wasser und Kopfbedeckung dazu. Für ein Picknick eignen sich die Tische im Montebello, aber auch der Innenhof von Castelgrande ist erlaubt, und für die Gastronomie sorgen die Osteria im Sasso Corbaro sowie ein Restaurant im Castelgrande. Hunde dürfen nicht in die Burgen, für die Höfe und Mauern lohnt sich eine Nachfrage vor Ort. Ein Teil der Anlage ist barrierefrei erschlossen, unter anderem dank eines Projekts von Pro Infirmis mit Angaben zur Zugänglichkeit, und zum Castelgrande führt der erwähnte Lift. Familien freuen sich über das archäologische Atelier der Tessiner Archäologischen Gesellschaft, über Workshops zu den Ausstellungen und über die Möglichkeit, im Montebello zusammen mit der Firma Rapelli eine eigene Salami herzustellen. Alle aktuellen Details zu Preisen, Zeiten und Ausstellungen stehen auf fortezzabellinzona.ch.
Festung von Bellinzona
Interessante Fakten
- Uralte Wurzeln. Der Hügel des Castelgrande war schon um 5'500 v. Chr. besiedelt, lange bevor jemand an Burgen dachte.
- Sechs Monate für eine Burg. Das Sasso Corbaro wurde 1479 in nur einem halben Jahr aus dem Boden gestampft.
- Das Tor zu Italien. Azzo Visconti nannte den Ort 1475 den «Schlüssel und das Tor zu Italien».
- Schwarz und Weiss. Die beiden Türme des Castelgrande heissen Torre Bianca und Torre Nera.
- Mittelalterliche Kunst. Im Museum hängen rund 144 Temperamalereien aus der Zeit um 1470, die einst eine Decke einer städtischen Residenz schmückten.
- Wein an den Mauern. Entlang der Burgmauern wachsen Merlot-Reben, unter anderem jene der Mezzana.
- Ein Zug namens Artù. Der touristische Zug, der die Burgen verbindet, heisst Trenino Artù.
- Heiraten mit Aussicht. Im Sasso Corbaro kann man sogar seine Hochzeit feiern.
FAQ
Was sind die Burgen von Bellinzona?
Es handelt sich um eine mittelalterliche Festungsanlage aus drei Burgen, Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro, dazu die Wehrmauer Murata. Sie gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse mittelalterlicher Wehrarchitektur im Alpenraum.
Seit wann sind die Bellinzona Castles UNESCO-Welterbe?
Seit dem 30. November 2000 gehört die Festung mit ihren Mauern zum UNESCO-Welterbe.
Ist der Eintritt mit dem Swiss Travel Pass frei?
Ja, mit dem Swiss Travel Pass ist der Eintritt in die Burgen frei.
Wie sind die Öffnungszeiten der Bellinzona Castles?
In der Sommersaison 2026 (28. März bis 8. November) sind alle drei Burgen täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Im Winter (9. November 2026 bis 18. März 2027) gilt von 10:30 bis 16:00 Uhr nur Castelgrande, die anderen beiden sind nur in den Höfen zugänglich.
Kann man die Burgen kostenlos besichtigen?
Das Spazieren an den Burgen vorbei und entlang der Mauern ist kostenlos. Eintritt kostet nur der Zugang zu den Türmen, Museen und Ausstellungen.
Welche Burg soll man besuchen, wenn man wenig Zeit hat?
Wer wenig Zeit hat, besucht am besten Castelgrande, da es zentral liegt und die grösste der drei Burgen ist. Für ein besonders schönes Panorama lohnt sich zusätzlich der Sasso Corbaro.







