Naturpark Gantrisch
Zwischen Bern, Thun und Freiburg liegt ein Stück wilde Schweiz, das viele unterschätzen. Der Naturpark Gantrisch ist einer der siebzehn regionalen Naturpärke von nationaler Bedeutung in der Schweiz und erstreckt sich über mehr als 400 Quadratkilometer. Das Gebiet umfasst neunzehn Gemeinden, die wilde Gantrischkette, den malerischen Schwarzsee und tiefe Schluchten, und es reicht von 510 bis 2239 Meter über Meer.
Wer gern draussen ist, findet hier ein kleines Paradies. Hunderte Kilometer Wanderwege, Velo- und Gravel-Trails, dazu der Titel Sternenpark dank aussergewöhnlich geringer Lichtverschmutzung. Und übernachten lässt es sich auf viele Arten, vom Campingplatz bis zum Glamping. Doch dazu gleich mehr.
Name | Regionaler Naturpark Gantrisch |
|---|---|
Status | regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung |
Zertifiziert | 2012 |
Fläche | rund 414 km² |
Anzahl Gemeinden | 19 (18 im Kanton Bern, 1 im Kanton Freiburg) |
Höhenunterschied | 510 m bis 2239 m über Meer |
Höchster Punkt | Schafberg, 2239 m |
Hauptmassiv | Gantrischkette |
Zentraler See | Schwarzsee (Lac Noir) |
Besonderer Status | Sternenpark (geringe Lichtverschmutzung) |
Nächste Städte | Bern, Thun, Freiburg |
Website |

Naturpark Gantrisch
Natur und Landschaft
Die Landschaft im Gantrisch lebt von Kontrasten. Dichte Wälder, wilde Schluchten, malerische Wiesen und das steinige Gantrischmassiv, das dem Park den Namen gab und aus dem die Gürbe entspringt. Wer durch das Gebiet streift, wechselt in kurzer Zeit zwischen sanften Voralpenhügeln und schroffem Fels. Zu den schönsten Ecken gehören der Schwarzsee im Südwesten, die Urlandschaft Brecca sowie der Längenberg und der Belpberg, beides Moränen, die vom einstigen Aaregletscher übrig geblieben sind. Durch den Park fliessen Gürbe, Schwarzwasser und Sense, und gerade ihre Schluchten zählen zum Eindrücklichsten, was die Region zu bieten hat. Grosse eiszeitliche Schmelzwasserflüsse haben diese imposanten Canyons einst gegraben, und die Flüsse sind bis heute weitgehend naturbelassen, was an heissen Tagen für eine willkommene Abkühlung sorgt.
Wie wertvoll dieses Gebiet ist, zeigen zwei Einträge im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung: das Schwarzenburgerland mit den Sense- und Schwarzwasser-Schluchten sowie der von Gletschern geformte Breccaschlund. In dieser Natur fühlen sich auch seltene Arten wohl, von Moorschmetterlingen über Wiesel bis zur Kleinen Hufeisennase, einer stark gefährdeten Fledermaus. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, kann mit etwas Glück Wildtiere beobachten.
Ein Titel macht den Gantrisch besonders: er ist Sternenpark. Weil die Lichtverschmutzung hier so gering ist, zeigt sich der Sternenhimmel in einer Klarheit, die man aus dem dicht besiedelten Mittelland kaum noch kennt. Im Herbst gibt es dazu regelmässig den «Dark Sky Herbst Gantrisch», mit nächtlichen Programmen rund um die Sterne und die Lichtverschmutzung. Ein Abend unter diesem Himmel bleibt vielen länger in Erinnerung als so mancher Gipfel.
Naturpark Gantrisch
Wanderungen und Touren
Wer gerne wandert, kommt hier auf seine Kosten. Verschiedene Tourismusplattformen zählen im Gantrisch über 200 Routen in allen Schwierigkeitsgraden, von der leichten Familienrunde bis zur happigen Bergtour. Das Aushängeschild ist der Gantrisch Panoramaweg. 22 Kilometer, rund sechs Stunden zu Fuss, etwa tausend Höhenmeter. Die Aussichten auf die Berner Voralpen sind grandios, doch der Weg fordert Kondition und ist eher etwas für Geübte. Der Krampf lohnt sich, wie man in der Region gern sagt.
Gemütlicher geht es auf dem Gürbetaler Höhenweg zu, einer Panorama-Höhenwanderung durchs Gürbetal, die sich bei Bedarf auf 18 Kilometer bis nach Thurnen verkürzen lässt. Sie folgt der Ostflanke des Längenbergs auf naturbelassenen Wegen mit leichtem Auf und Ab, vorbei an Picknickplätzen, Feuerstellen und mehreren Hofläden, die zur Rast einladen. Wer mehr Zeit mitbringt, nimmt die Drei-Pärke-Tour. Sie verbindet auf 96 Kilometern in sechs Etappen den Gantrisch mit den Nachbarpärken Gruyère Pays-d'Enhaut und Diemtigtal. Ein Höhepunkt ist der Halt auf der Alp Hübeli, wo auf fast 1700 Metern in einer mobilen Käserei Käse entsteht, den man gleich frisch probieren darf.
Auch abseits der grossen Routen ist einiges los. Der familienfreundliche Gäggersteg führt als Holzsteg durch die Baumkronen, in acht Metern Höhe über das Lothar-Sturmholz mit seinen mächtigen Wurzeln, und erzählt unterwegs viel über Biodiversität und die Rückkehr des Waldes. Der FoodTrail verbindet Wandern mit regionaler, saisonaler Küche: Die kulinarische Schnitzeljagd startet am Dorfplatz Wattenwil, führt über rund acht Kilometer und sieben Stationen und dauert etwa fünf Stunden. Für Familien lohnt sich auch der Naturerlebnispfad Grasburg, und wer Höhenluft mit einem markanten Ziel verbinden will, erklimmt die «Himmelstreppe» auf dem Guggershörnli. Unterwegs stösst man immer wieder auf kulturelle Zeugen wie die Klosterruine in Rüeggisberg. Und wer lieber in die Pedale tritt, findet Velo-, Gravel- und Mountainbike-Strecken, darunter den Gantrisch Bike Panorama Trail und die neue Sagenroute 333, 50 Kilometer und 990 Höhenmeter mit fünf Erlebnisstationen. Ob Hiking oder Biken, für jede Kondition und jeden Geschmack lässt sich eine Tour finden.
Doch der Gantrisch kann auch anders. Im Winter verwandelt sich die Region in ein ruhiges Revier für Schneeschuhtouren, Skitouren und Winterwanderungen, mit einem kleinen Skigebiet am Gurnigel. Und wer es im Sommer lieber gemütlich mag, spaziert von der Wasserscheide über Alpweiden und durch Arvenwälder hinauf zum idyllischen Gantrischseeli, das sich in einer Geländemulde aufgestaut hat und mit einigen Plätzchen zum Verweilen einlädt.
Wanderungen im Naturpark Gantrisch
Klettersteig und Aktivsport
Wer es luftiger mag, wagt sich an den Klettersteig Gantrisch. Die Via Ferrata ist mit Drahtseilen, Leitern und Metallbügeln gesichert, führt über die steile Ostseite des Gantrisch hinauf und richtet sich mit dem Schwierigkeitsgrad K4 an erfahrene Kletterfreudige. Rund 200 Höhenmeter und ein bis zwei Stunden sollte man einplanen, dazu gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Die Route hat zwei Schlüsselstellen, das «Küre-Wändli» im unteren Teil und die «Horber-Kante» kurz vor dem Ende, dazwischen liegt eine durchgehende Seilsicherung. Oben am Gipfel wartet der Lohn: ein fantastischer Rundblick auf das Berner Oberland und die umliegenden Riesen der Schweizer Alpen.
Wichtig zu wissen: aus Wildschutzgründen und wegen des Wetters im Gebirge ist der Klettersteig über den Winter gesperrt und jeweils nur von etwa Mitte Juni bis Mitte Oktober offen. Erfahrene Bergführerinnen und Bergführer prüfen und sanieren die Route vor jeder Saison, deshalb wird pro Begehung ein Beitrag erhoben. Weil sich Öffnung und Sperrung nach der Saison richten, lohnt sich vor der Planung immer ein Blick auf den aktuellen Status auf der Website des Parks. Die komplette Ausrüstung mit Helm, Gurt und Klettersteigset lässt sich vor Ort mieten, etwa bei der Alp Obernünenen.
Klettersteig im Naturpark Gantrisch
Camping
Übernachten unter freiem Himmel gehört im Gantrisch einfach dazu, und die Möglichkeiten sind vielfältig. Es gibt eingerichtete Campingplätze, Glamping in Form von Pop-Up-Zelten, Stellplätze für Camper direkt auf Bauernhöfen und die Chance, unter dem Sternenhimmel des Sternenparks zu nächtigen. Besonders beliebt ist die Gegend rund um den Schwarzsee, wo sich Landschaft und Infrastruktur gut ergänzen. Ein schönerer Ort zum Übernachten ist im Park kaum zu finden.
Ein paar Regeln gehören dazu. Übernachten ist nur an den offiziell vorgesehenen Orten erlaubt, Fahr- und Nächtigungsverbote gilt es zu respektieren, und den Hinweisen vor Ort folgt man am besten. Dazu kommt der schonende Umgang mit der Natur: Feuer nur an den eingerichteten Stellen, unnötige Lichtverschmutzung vermeiden und nachts eine Taschenlampe mit Rotlicht nutzen, die Nachtruhe einhalten, keinen Abfall zurücklassen und ihn zu den offiziellen Containern mitnehmen sowie nur offizielle Toiletten oder Biotoiletten benutzen. Wer sich daran hält, sorgt dafür, dass der Ort auch für die nächsten Gäste so schön bleibt.
Camping im Naturpark Gantrisch
Praktische Informationen
Auf gantrisch.ch gibt es eine interaktive Karte mit allen Wander- und Velorouten, Aussichtspunkten, Campingplätzen und Parkplätzen, ideal für die eigene Planung. Für Fotografinnen und Fotografen ist der Park ein dankbares Revier. Die Panoramaplätze entlang des Gantrisch Panoramawegs bieten Blicke auf die Berner Voralpen, den Gantrischgipfel und die umliegenden Täler, und der Schwarzsee ist mit seiner Mischung aus Berg- und Wasserlandschaft ein Klassiker unter den Motiven.
Für die besten Photos lohnt sich der frühe oder der späte Tag. Bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang liegt das schönste Licht über den Bergketten, und nachts spielt der Sternenpark seine grösste Stärke aus, wenn der Himmel für Aufnahmen der Milchstrasse frei wird. Wer die Karte vorab studiert, findet die passenden Standorte schneller.
Bei der Anreise hat der Park eine klare Haltung. Die Verantwortlichen empfehlen ausdrücklich den öffentlichen Verkehr, der Umwelt zuliebe und um die Lärmbelastung für die Einheimischen zu senken. Von Bern fährt die S-Bahn-Linie S6 direkt nach Schwarzenburg, alternativ bringen einen die Linien S4 oder S44 nach Thurnen, Toffen oder Kehrsatz, von wo aus Postautos über Riggisberg weiter in den Park führen. Für Fahrten innerhalb der TPF-Zone 19 profitiert man während des Aufenthalts zudem von einem kostenlosen Mobilitätsangebot.
Dazu kommen die speziellen Buslinien des Parks. Die Gurnigel-Linie 323 verkehrt das ganze Jahr über mindestens zweimal täglich auf der Route Riggisberg – Gurnigel – Sangernboden – Zollhaus – Plaffeien – Schwarzenburg, hier gilt der normale ÖV-Tarif, Tickets gibt es über sbb.ch. Die saisonale Gäggersteg-Linie 616 fährt nur an Samstagen und Sonntagen vom 20. Juni bis 18. Oktober 2026 und verbindet Schwarzenburg mit dem Gurnigel-Gebiet. Im Winter bringt der Schneebus die Gäste von Ende Dezember bis Ende Februar an Samstagen und Feiertagen mehrmals täglich von Schwarzenburg bis Rüschegg Schwarzenbühl. Und mit dem «Naturpark-Poschi» verbindet ein spezielles Postauto von 2026 bis 2028 wichtige Ausgangspunkte für Wanderungen und Velotouren, im Rahmen einer Mobilitätspartnerschaft mit der lokalen Raiffeisenbank.
Wer trotzdem mit dem Auto anreist, findet an verschiedenen Stellen des Parks gebührenpflichtige Parkplätze, unter anderem bei beliebten Ausgangspunkten der Routen. Verfügbarkeit und Tarife der jeweiligen Location prüft man am besten vorab. Praktisch sind auch die «Mitfahrpunkte», organisierte Standorte für Mitfahrgelegenheiten an acht Orten im Park, sechs davon auch im Winter. So bewegt man sich flexibler durchs Gebiet, ohne strikt an den Fahrplan des öffentlichen Verkehrs gebunden zu sein.
Noch ein Wort zur Saison. Die Sommermonate eignen sich am besten für lange Wanderungen, fürs Baden im Schwarzsee und für den Klettersteig, während der Park im Winter Skipisten, Schneeschuhrouten und den erwähnten Schneebus bietet. Wer eine lange Tour wie den Gantrisch Panoramaweg plant, prüft vorab den Wetterbericht und packt genügend Wasser und warme Kleidung ein, denn ein Teil der Strecke führt über steiniges Gelände ohne Unterstände.
Gruppen und Schulen können ausserdem Guides und Exkursionen buchen, das offizielle Angebot für Gruppentouren steht auf der Website. Und noch ein praktischer Hinweis zu den Tickets der speziellen Buslinien: Weil die Gäggersteg-Linie nicht aus dem Budget des öffentlichen Verkehrs, sondern von den Gemeinden und vom Park finanziert wird, kauft man die Tickets dort direkt beim Fahrer mit Bargeld oder per Twint, anders als auf den Standardlinien, wo die üblichen SBB-Tarife gelten.
Naturpark Gantrisch
Wer Lust auf Natur und Wanderungen bekommen hat, sollte sich auch die UNESCO Biosphäre Entlebuch vormerken, das erste anerkannte Biosphärengebiet der Schweiz.
Interessante Fakten
- Der Naturpark Gantrisch ist einer von nur siebzehn regionalen Naturpärken von nationaler Bedeutung in der ganzen Schweiz, ein Status, den er 2012 offiziell erhielt.
- Die Postauto-Fahrt auf den Gurnigel gilt lokalen Medien zufolge als eine der teuersten Buslinien des Kantons Bern, wegen der touristischen Tarifgestaltung, obwohl sie keine offizielle Verbindung zwischen Ortschaften erfüllt.
- Als Sternenpark lädt der Gantrisch jedes Jahr im Herbst zum «Dark Sky Herbst Gantrisch», einem Anlass rund ums Beobachten der Sterne unter freiem Himmel.
- Auf der Alp Hübeli entsteht auf fast 1700 Metern in einer mobilen Käserei Käse unter freiem Himmel, und Gäste können ihn gleich nach der Herstellung probieren.
- Bei den Bernern trägt der Park übrigens den liebevollen Übernamen «Gäntu».
Soziale Medien
FAQ
Wo genau liegt der Naturpark Gantrisch?
Zwischen den drei Städten Bern, Thun und Freiburg, überwiegend im Kanton Bern und mit einer Gemeinde im Kanton Freiburg. Der Park umfasst rund 414 Quadratkilometer.
Braucht man ein spezielles Ticket, um den Park zu besuchen?
Nein, der Zugang zum Park selbst ist frei. Kosten fallen nur für einzelne Angebote an, etwa für die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr, für Parkplätze, für den Klettersteig oder für gebuchte Führungen.
Welche Route eignet sich am besten für Einsteiger im Naturpark Gantrisch?
Für Einsteiger und Familien eignen sich die kürzeren Rundwege und Themenpfade, etwa der Erlebnisweg Gäggersteg durch die Baumkronen. Der anspruchsvolle Gantrisch Panoramaweg ist dagegen eher für Geübte.
Wie lange dauert der Gantrisch Panoramaweg?
Der Gantrisch Panoramaweg ist 22 Kilometer lang und dauert zu Fuss rund sechs Stunden, mit etwa tausend Höhenmetern. Er richtet sich vor allem an konditionsstarke Wandernde.
Kann man im Park unter freiem Himmel ausserhalb offizieller Campingplätze übernachten?
Übernachten ist nur an den offiziell vorgesehenen Orten erlaubt. Fahr- und Nächtigungsverbote gilt es zu respektieren, und die Hinweise vor Ort gelten immer.
Kann man im Park Velo oder Mountainbike fahren?
Ja. Durch die Region führen verschiedene Velo-, Gravel- und Mountainbike-Strecken, darunter der Gantrisch Bike Panorama Trail.
Ist eine Reise durch den Park mit Kindern sicher?
Ja. Der Park bietet zahlreiche familienfreundliche Wege und Themenpfade wie den Gäggersteg. Für längere oder anspruchsvolle Touren gelten die üblichen Vorsichtsmassnahmen mit Wetterprüfung und passender Ausrüstung.
Was bedeutet der Status Sternenpark, und warum ist er für den Gantrisch wichtig?
Als Sternenpark hat der Gantrisch eine besonders geringe Lichtverschmutzung, sodass sich der Sternenhimmel ungewöhnlich klar beobachten lässt. Das macht ihn zu einem der besten Orte im Mittelland für nächtliche Naturerlebnisse und für Sternenfotografie.







