UNESCO Biosphere Entlebuch
Manche nennen es den «wilden Westen» von Luzern. Die UNESCO Biosphäre Entlebuch ist das erste offiziell von der UNESCO anerkannte Biosphärengebiet der Schweiz, mitten im Kanton Luzern. Auf rund 400 Quadratkilometern liegen die grössten und zahlreichsten Moorlandschaften der Schweiz, dazu das mächtige Karstmassiv Schrattenflue und weite Alpweiden.
Den UNESCO-Status trägt das Gebiet schon seit 2001. Und bis heute zeigt es, wie Naturschutz, Kulturerbe und sanfter Tourismus zusammengehen können. Was einen erwartet, ist erstaunlich breit: mehrtägige Wanderungen durch die Moore, geführte Themenexkursionen bei Tag und Nacht, botanische Streifzüge. Doch dazu gleich mehr.
Name des Gebiets | UNESCO Biosphäre Entlebuch |
|---|---|
Kanton | Luzern |
UNESCO-Anerkennung | 2001 (erste Biosphäre der Schweiz nach den Sevilla-Kriterien) |
Fläche | rund 400 km² |
Anzahl Gemeinden | 7 |
Bevölkerung | rund 17'000 Personen |
Höchster Punkt | Brienzer Rothorn, 2'350 m |
Anzahl Moore | 46 Hochmoore und 60 Flachmoore |
Status seit 2008 | Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung |
Direktor bis 2022 | Theo Schnider, Mitbegründer der Biosphäre |
Website |

UNESCO Biosphäre Entlebuch – Wo Natur, Tradition und Nachhaltigkeit zuhause sind
Geschichte
Angefangen hat alles mit einem Problem. Ende der 1990er-Jahre standen die Menschen im Entlebuch vor Einschränkungen durch den verstärkten Moorschutz. Die Region galt lange als wirtschaftlich schwach, man nannte sie sogar «Armenhaus». Nach der Annahme der Rothenthurm-Initiative 1987 war plötzlich ein grosser Teil des Entlebuchs geschütztes Gebiet, und das machte die Entwicklung noch schwieriger. Statt zu klagen, drehte Theo Schnider, Direktor und Mitbegründer, den Spiess um. Seine Idee: die Not des verstärkten Naturschutzes in eine Chance verwandeln, zuerst mit einem «Moorkompetenzzentrum».
Der Wendepunkt kam im Jahr 2000. Bei einer Volksabstimmung sagten die Entlebucherinnen und Entlebucher mit 94 Prozent Ja zu einem Biosphärenreservat nach UNESCO-Grundsätzen. Ein Schutzstatus, der nicht von oben verordnet wurde, sondern direkt aus dem Willen der Bevölkerung wuchs. So etwas gibt es selten. «Damit haben wir Geschichte geschrieben», sagte Schnider später. Im September 2001 folgte die offizielle Anerkennung. Das Entlebuch wurde als erste Biosphäre der Schweiz nach den Sevilla-Kriterien von 1995 zertifiziert. Der Schweizerische Nationalpark trug den Biosphären-Status zwar schon früher, aber nach älteren Kriterien.
Damit trat das Gebiet auch in das internationale UNESCO-Forschungsprogramm «Der Mensch und die Biosphäre» ein, das Natur- und Sozialwissenschaften verbindet, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und die Ökosysteme zu erhalten. Danach ging es Schritt für Schritt weiter. 2004 startete das Projekt «Vogelschau», in dem die Gemeinden ihre planungs- und politischen Entwicklungsvarianten diskutierten. Und 2008 kam der Status als Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung nach dem Schweizer Pärkegesetz dazu.
UNESCO Biosphere Entlebuch
An der Spitze stand lange ein Mann. Theo Schnider leitete die Biosphäre bis 2022, danach übernahm die frühere Direktorin des Natur- und Tierparks Goldau. Über zwei Jahrzehnte hat sich das Entlebuch von einer strukturschwachen Gegend zu einem Vorzeigemodell für nachhaltige Entwicklung gewandelt, und zum grössten Anbieter naturkundlicher Exkursionen des Landes. Vom Armenhaus zur Vorzeigeregion, kürzer lässt sich die Geschichte kaum erzählen.
Natur und Landschaften
Die Natur im Entlebuch ist besonders, und das lässt sich mit Zahlen zeigen. Nirgends in der Schweiz drängen sich die Moorlandschaften so dicht wie hier, mit 46 Hochmooren und 60 Flachmooren. Das Moorgebiet Laubersmad-Salwidili gehört sogar zu den wichtigsten Feuchtgebieten überhaupt. Wer genau hinschaut, entdeckt eine ganze Welt. Torfmoose und Hochmoorpflanzen, dazu Mooreidechsen, Bergmolche, Grasfrösche und allerlei Libellen und Moorheuschrecken.
Das Karstmassiv Schrattenflue ist eine der grössten Naturattraktionen der Region und Teil der streng geschützten Kernzone. Zwischen den scharfkantigen Kalkfelsen und den weichen Moorböden liegen nur wenige Kilometer, und genau dieser Kontrast macht die Landschaft so eindrücklich. Dazu die Alpweiden, die die Moore mit kräftigen Farben ergänzen. Mit etwas Glück sieht man hier den Steinadler, der in den Felswänden der Schrattenflue nistet und über die weiten Landschaften jagt. Und im Berggebiet trifft man ab und zu auf Steinböcke.
UNESCO Biosphere Entlebuch
Wanderungen
Wer gerne wandert, ist im Entlebuch richtig. Das Angebot reicht von kurzen Familien-Rundwegen bis zu mehrtägigen Touren durch die Moore, für Familien mit Kindern genauso wie für geübte Wandernde. Das Flaggschiff ist der Moorlandschaftspfad, eine über 80 Kilometer lange Reise in fünf Tagesetappen, die auf federnden Moorwegen, steinigen Bergpfaden und alten Passrouten durch die nahezu unberührte Natur führt. Spannend ist auch der Steinbock-Trek bei Sörenberg, eine Tagestour zum Rothorn mit weiten Aussichten und, mit etwas Glück, einer Begegnung mit Steinbock und Steinadler. Und der 41 Kilometer lange Höhenweg Entlebuch–Emmental bietet auf der ganzen Strecke Panoramablicke.
Daneben gibt es die thematischen Pfade, die spielerisch in die Kultur und die Traditionen des Entlebuchs einführen. Der Märchenweg Wurzilla bei Heiligkreuz nimmt Kinder mit in eine Fantasiewelt. Der Abenteuerpfad lockt mit Erlebnisstationen. Und der Köhlerweg in Romoos erzählt vom alten Handwerk der Köhlerei. Wer die weniger bekannten Ecken sucht, findet in der Gemeinde Entlebuch ein Netz aus dreizehn Rundwegen unter dem Namen «Entlebuch bewandern & bewundern», beschrieben in einem eigenen Führer. Langweilig wird es also nicht, egal wie fit man ist.
UNESCO Biosphere Entlebuch
Botanische Wanderungen
Es gibt eine besonders schöne Art, das Entlebuch kennenzulernen: über seine Pflanzen. Der Botaniker Franz Portmann erforscht die Flora der Region seit Jahrzehnten. Er hat das grundlegende Werk «Die Pflanzenwelt der UNESCO Biosphäre Entlebuch» geschrieben und dazu den handlichen Wanderführer «Botanische Wanderungen in der UNESCO Biosphäre Entlebuch», der 2020 im Haupt Verlag erschien. Das Buch umfasst 224 Seiten, rund 880 Fotos und 20 Karten und stellt neunzehn Rundwege, Spaziergänge und Tagestouren durch die verschiedenen Landschaften vor, jeweils mit einer ausführlichen Erklärung der Pflanzenwelt entlang der Route.
Für Besucherinnen und Besucher ist das ein Glücksfall. Mit dem Führer erkundet man die versteckten und die offensichtlichen botanischen Schätze der Biosphäre selbstständig, gestützt auf die langjährige Erfahrung des Autors, der auch immer wieder eigene botanische Exkursionen im Entlebuch leitet. Portmann arbeitete früher als Lehrer und als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Natur- und Landschaftsschutz in Luzern und war Mitautor der «Flora des Kantons Luzern». Wer mit offenen Augen durch die Moore und Magerwiesen geht, sieht plötzlich viel mehr als nur Grün, vom Sonnentau bis zu den seltenen Orchideen der Kalkschuttfluren.
Exkursionen
Die UNESCO Biosphäre Entlebuch ist der grösste Anbieter naturkundlicher Exkursionen der Schweiz, geführt von eigens ausgebildeten Biosphärenguides. Die Auswahl an Themenexkursionen ist gross. Es gibt Landschaftswanderungen in Begleitung eines Jägers und Försters, abendliche Wildtierbeobachtungen in den Mooren, nächtliche Fledermaus-Exkursionen mit speziellem Gerät zum Abhören der Ultraschallrufe und Touren rund um den Steinadler. Im Herbst kommt die Exkursion zur Hirschbrunft dazu, und wer sich für die Geologie begeistert, wählt eine Tour zu Karst und Höhle.
Ein besonderes Erlebnis ist die kulturelle Exkursion in Heiligkreuz, wo man mitten in der Natur das Jodeln lernen kann. Was früher als Ruf der Hirten diente, ist heute immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Alle Exkursionen gibt es für Einzelbesucher wie für organisierte Gruppen, Schulen oder Firmenanlässe, und gebucht wird im Voraus über die offizielle Website. Gerade die beliebten Formate sind schnell ausgebucht, deshalb lohnt sich frühes Planen.
Exkursionen durch die UNESCO Biosphäre Entlebuch
Praktische Informationen
Die Anreise ist unkompliziert. Die Region liegt zwischen Luzern und Bern im Kanton Luzern und ist mit dem Auto wie mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar, über die Bahnhöfe in den Entlebucher Gemeinden, etwa Schüpfheim, Hasle oder Entlebuch. Für Wanderungen und Exkursionen gehören gutes Wanderschuhwerk, wetterfeste Kleidung und genügend Wasser dazu, gerade auf den mehrtägigen Touren durch die Moore. Praktisch: auf dem Moorlandschaftspfad reist das Gepäck auf Wunsch zum nächsten Übernachtungsort, während man selbst mit leichtem Rucksack unterwegs ist.
Geführte Exkursionen bucht man am besten früh über die Website, denn beliebte Formate wie die Fledermaus- oder die Steinadler-Beobachtung haben nur begrenzt Plätze. Bei der Jahreszeit gilt: die Sommermonate eignen sich am besten für längere Wanderungen und für die blühenden Moorpflanzen, während einzelne kurze Spaziergänge und Themenpfade fast das ganze Jahr über offen sind. Und noch ein Wort zur Rücksicht. Weil ein grosser Teil des Gebiets streng geschützte Kernzone ist, bleibt man besser auf den markierten Wegen und geht nicht querfeldein, den empfindlichen Moor-Ökosystemen zuliebe.
Auf der offiziellen Website der UNESCO Biosphäre Entlebuch gibt es eine interaktive Karte mit allen Wanderwegen, Themenpfaden und Velowegen, ideal für die eigene Routenplanung. Dazu kommt eine Fotogalerie, auf der Website wie in den touristischen Materialien, die die Moore, das Karstmassiv Schrattenflue, die Alpweiden und die Panoramen vom Brienzer Rothorn zeigt, dem höchsten Gipfel des Kantons Luzern.

UNESCO Biosphäre Entlebuch - Brienzer Rothorn
Ein Blick auf die Karte und den Schwierigkeitsgrad vor der Tourenplanung lohnt sich, denn die Region hat für jedes Fitnessniveau etwas, von leichten Spaziergängen bis zu mehrtägigen Bergtouren. Familien zieht es dabei oft auf die Rossweid oberhalb von Sörenberg, wo der gratis zugängliche Erlebnispark «Mooraculum» von Ende Mai bis Ende Oktober die Welt der Moore spielerisch erfahrbar macht.

UNESCO Biosphäre Entlebuch - Mooraculum Sörenberg
Shop und regionale Produkte
Bücher, Wanderführer, Karten und Souvenirs rund um die UNESCO Biosphäre Entlebuch, darunter der erwähnte botanische Wanderführer, gibt es im offiziellen Online-Shop der Biosphäre oder in den Informationszentren der Region. Dazu kommen regionale Produkte, die man in den Läden der Biosphäre findet: lokale Käse, etwa aus der Bergkäserei in Marbach, wo das traditionelle Handwerk in modernem Format neu gedacht wird, und weitere Spezialitäten, die für den nachhaltigen Ansatz der Region stehen. Die Schaukäserei in Marbach lässt sich übrigens kostenlos besuchen, mit einem Restaurant für den Apéro danach. Wer ein Stück Entlebuch mit nach Hause nehmen will, wird hier fündig.
Interessante Fakten
- Die UNESCO Biosphäre Entlebuch war die erste Biosphäre der Schweiz, die direkt auf Initiative der Bevölkerung durch eine Volksabstimmung entstand, mit 94 Prozent Ja-Stimmen. Sogar weltweit war sie das erste Biosphärenreservat, das auf diesem Weg begründet wurde. Ein Schutzstatus, der von unten wuchs statt von oben verordnet zu werden. Dazu passt die Verwandlung der Region. Was man einst wegen der schwachen Wirtschaft «Armenhaus» nannte, ist heute ein Vorzeigemodell für nachhaltige Entwicklung und der grösste Anbieter naturkundlicher Exkursionen des Landes.
- Bemerkenswert ist auch die Möglichkeit, mitten in der Natur bei Heiligkreuz das Jodeln zu lernen, eine Praxis, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Und dann ist da noch das Brienzer Rothorn mit 2'350 Metern, der höchste Gipfel des Kantons Luzern, der genau auf dem Gebiet der Biosphäre liegt und von dem aus sich der Blick bis zu den Berner Alpen öffnet.
Soziale Medien
FAQ
Wann erhielt die UNESCO Biosphäre Entlebuch ihren offiziellen Status?
Im September 2001. Das Entlebuch wurde damals als erste Biosphäre der Schweiz nach den Sevilla-Kriterien von 1995 zertifiziert.
Warum wurde gerade das Entlebuch die erste Biosphäre der Schweiz?
Weil der Schutzstatus direkt aus der Bevölkerung heraus entstand. Im Jahr 2000 stimmten die Entlebucherinnen und Entlebucher mit 94 Prozent für ein Biosphärenreservat nach UNESCO-Grundsätzen, ein weltweit seltener, partizipativer Weg.
Wie gross ist das Gebiet der UNESCO Biosphäre Entlebuch?
Die Region umfasst rund 400 Quadratkilometer und vereint die grössten und zahlreichsten Moorlandschaften der Schweiz, das Karstmassiv Schrattenflue und Alpweiden.
Wie viele Gemeinden gehören zur Biosphäre?
Sieben. In ihnen leben rund 17'000 Personen.
Welche Wanderungen eignen sich am besten für Familien mit Kindern?
Für Familien passen die kurzen Rundwege und die thematischen Pfade wie der Märchenweg Wurzilla, der Abenteuerpfad und der Köhlerweg. Ein Höhepunkt ist der gratis zugängliche Erlebnispark «Mooraculum» auf der Rossweid bei Sörenberg. Wer mehr will, findet mit dem Netz «Entlebuch bewandern & bewundern» dreizehn weitere Rundwege.
Welche Tiere kommen im Gebiet der Biosphäre vor?
In den Mooren leben unter anderem Mooreidechsen, Bergmolche, Grasfrösche sowie diverse Libellen und Moorheuschrecken. In den Bergen sieht man mit Glück den Steinadler, der in der Schrattenflue nistet, sowie Steinböcke.
Welcher ist der höchste Berg im Gebiet der UNESCO Biosphäre Entlebuch?
Das Brienzer Rothorn mit 2'350 Metern, der höchste Gipfel des Kantons Luzern. Von dort öffnet sich der Blick bis zu den Berner Alpen.
Kann man regionale Produkte direkt in der Biosphäre kaufen?
Ja. Im Online-Shop der Biosphäre und in den Informationszentren gibt es Bücher, Karten und Souvenirs sowie regionale Produkte wie lokale Käse, etwa aus der Bergkäserei in Marbach.







