Creux du Van
Wer zum ersten Mal am Creux du Van steht, braucht meist ein paar Sekunden, bis das Bild im Kopf ankommt. Vor den Füssen bricht der Boden ab, und darunter öffnet sich ein Felskessel von über einem Kilometer Breite. Der Kessel liegt an der Grenze zwischen Neuenburg und Waadt, und nicht ohne Grund nennen ihn viele den «Grand Canyon der Schweiz». Die Kalkwände fallen 150 bis 200 Meter fast senkrecht ab. Unten leben Steinböcke, Gämsen und Luchse, mitten im Gebiet, das als erstes Naturreservat der Schweiz gilt.
Hinauf führen zwei sehr unterschiedliche Wege. Der eine startet in Noiraigue und verlangt Schweiss und gute Waden. Der andere beginnt beim Parkplatz am Restaurant Le Soliat und dauert gerade mal fünf Minuten. Zelten ist im Schutzgebiet tabu, eine Rösti oder ein Fondue in der Ferme Robert oder im Soliat dagegen sehr erwünscht. Die Details folgen weiter unten.
Name | Creux du Van |
|---|---|
Kantone | Neuenburg (Neuchâtel) und Waadt (Vaud) |
Region | Val-de-Travers, Schweizer Jura |
Höchster Punkt | rund 1450 m ü. M. |
Höhe der Felswände | 150 bis 200 m (je nach Quelle) |
Grösse des Felskessels | rund 1,2 bis 1,4 km Durchmesser, bis zu 4 km entlang der Kante |
Schutzgebiet | Réserve naturelle du Creux du Van et des Gorges de l’Areuse; erster Landkauf zum Schutz 1876 |
Fläche des Schutzgebiets | rund 15 km² (je nach Quelle 15 bis 25 km²) |
Klassische Route | ab Noiraigue über 14 Contours, Creux du Van und Ferme Robert zurück nach Noiraigue |
Länge der Route | rund 14 km |
Dauer | 4 bis 5 Stunden (laut Neuchâtel Tourisme 4 Std. 32 Min.) |
Höhenmeter | rund 725 bis 821 m (MySwitzerland: rund 600 m) |
Schwierigkeit | anspruchsvoll, für ausdauernde Wanderer |
Nächster Bahnhof | Noiraigue (Val-de-Travers) |
Eintritt | kostenlos |
Infostelle | Place de la Gare 2, 2103 Noiraigue, +41 32 889 68 96 |
Offizielle Quellen |

Creux du Van
Natur und Geologie
Der Kalk unter den Wanderschuhen hat schon einiges hinter sich. Er lagerte sich vor rund 150 bis 170 Millionen Jahren auf dem Grund eines Meeres ab, in der Jurazeit, die nicht zufällig nach diesem Gebirge heisst. Später hob die Auffaltung des Juras die Schichten an, und Wasser und Eis machten sich an die Arbeit.
Den Feinschliff besorgte die letzte Eiszeit. Ein lokaler Gletscher frass sich in die Mulde und formte ein Kar, das sich nach Nordosten öffnet. Frost und Tauwetter sprengten zusätzlich Stück für Stück Gestein aus den Wänden. Richtung Noiraigue blieb eine fächerförmige Moräne liegen. Dieser Wall aus Gletscherschutt drängte die Areuse nach Norden ab und staute für eine Weile sogar einen See im Val-de-Travers.
Das Resultat lässt sich in Zahlen fassen, wirkt vor Ort aber viel grösser. Vom Grat des Soliat fallen die Felsen rund 160 Meter senkrecht ab, und das über rund vier Kilometer. Manche Quellen nennen für die höchsten Stellen über 200 Meter. Laut Wikipedia misst der Kessel rund 1200 Meter in der Breite und 500 Meter in der Tiefe.
Auch oben auf dem Plateau hat das Wasser gearbeitet. Laut swisstopo reihen sich dort über 50 Dolinen auf gut drei Kilometern aneinander, die grösste ist 200 Meter breit und 50 Meter tief. Im Kessel sprudelt die Fontaine Froide, deren Wasser das ganze Jahr bei rund 4 °C bleibt. Ein Schluck daraus weckt garantiert.
Den Schutz gibt es hier schon lange. 1876 kaufte der Club Jurassien die Geröllhalde am Fuss der Felsen, laut swisstopo das erste Naturreservat der Schweiz. Das eigentliche Reservat folgte 1956, seit 1976 gilt hier zudem ein eidgenössisches Jagdbanngebiet. Heute umfasst das Schutzgebiet Creux du Van et Gorges de l’Areuse rund 15 Quadratkilometer, das grösste Reservat im Kanton Neuenburg. Ausserdem steht der Creux du Van im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.
Creux du Van
Die Tiere wissen das zu schätzen. 1965 siedelte man an den Felsen wieder Steinböcke an, heute klettern sie dort mit einer Gelassenheit herum, die jeden Wanderer neidisch macht. Gämsen und Rehe gehören ebenfalls zum Bild, und mit viel Glück zeigt sich das seltene Auerhuhn. Auch die Luchse sind Rückkehrer: 1974 und 1975 setzte man je ein Paar aus den slowakischen Karpaten aus. Für den Bären kam der Schutz zu spät, den letzten im Kanton erlegte man schon 1770. Weil im Kessel fast alpines Klima herrscht, erinnert vieles eher an die Berge als an den Jura.
Und dann ist da noch der Absinth. Das Val-de-Travers gilt als seine Wiege, und die Route de l’Absinthe verbindet auf rund 48 Kilometern das französische Pontarlier mit Noiraigue.
Wanderung
Die klassische Wanderung startet am Bahnhof Noiraigue. Nach rund 50 Minuten ist der Weiler Les Oeillons erreicht. Dann beginnt der Teil, über den später alle reden: der Sentier des 14 Contours, ein steiler Pfad mit 14 Kehren, der in etwa 90 Minuten zum Plateau beim Soliat führt. Oben geht es entlang der Kante, mit Blick in den Kessel, und schliesslich an der Ferme Robert vorbei zurück zum Bahnhof.
Die Runde misst rund 14 Kilometer, reine Gehzeit 4 bis 5 Stunden. Bei den Höhenmetern gehen die Angaben auseinander: 725 bis 821 laut den meisten Quellen, rund 600 laut MySwitzerland. Neuchâtel Tourisme rechnet mit 4 Stunden und 32 Minuten und nennt die Tour «sportlich» und konditionell «sehr anspruchsvoll». Wer auf den 14 Kehren schnauft, darf sich trösten, denn das ist der härteste Abschnitt. Für den Rückweg empfiehlt sich der Sentier du Single.
Es geht auch bequemer. Von den Parkplätzen Soliat und La Grand’Vy sind es nur 5 bis 15 Minuten bis zum Rand. Dort lässt es sich gemütlich den Felsen entlang spazieren. Bei klarer Sicht reicht der Blick laut MySwitzerland bis zum Mont Blanc und zum Eiger. Familien finden auf dem unteren Plateau einen einfachen Lehrpfad für 30 bis 40 Minuten, stellenweise etwas uneben, aber gut machbar.
Wanderungen im Creux du Van
Wer Steilheit nicht scheut, wählt den Dos d’Âne, ein knackiger Aufstieg für Trittsichere. Und wer einen ganzen Tag einplant, hängt die Gorges de l’Areuse mit dem Wasserfall Saut de Brot an. Dann dauert die Tour rund 6 Stunden und 10 Minuten. Die Schlucht lohnt sich auch aus wissenschaftlicher Sicht: in ihren Höhlen machten Forschende laut swisstopo biospeläologische Funde von weltweiter Bedeutung.
Ein ernstes Wort zum Schluss. An der Kante gibt es keine Absperrung, nirgends. Wer nicht schwindelfrei ist, bleibt besser ein paar Schritte zurück. Im Winter kommt Glätte dazu, weil niemand den Schnee räumt.
Camping
Ein Zelt mit Blick in den Kessel klingt verlockend, bleibt aber ein Traum. Im Naturschutzgebiet sind Camping und Übernachten ausserhalb offizieller Plätze verboten, ebenso Feuer und Grillieren. Unterhalb der Felsen bis hinunter zur Areuse liegt zudem eine Wildruhezone. Wer dort campiert, stört Steinböcke und Gämsen in ihrem Rückzugsgebiet.
Ausweichmöglichkeiten gibt es genug. Wohnmobile finden in Noiraigue die Plätze Les Courtons und Le Devins sowie einen weiteren in St-Aubin. Die Strassen hinauf aufs Plateau sind allerdings schmal und steil, mit ein paar Kreuzungen, die Wohnmobilfahrer ins Schwitzen bringen. Wer ein festes Dach bevorzugt, übernachtet in einem Hotel, einer Pension oder auf einem Bauernhof im Val-de-Travers. Laut Erfahrungsberichten bietet auch die Ferme Robert Unterkünfte an. Der Vorteil: am Morgen steht man an der Kante, bevor die Tagesausflügler ankommen.
Eine aktuelle Liste der offiziellen Campingplätze führt Neuchâtel Tourisme auf neuchateltourisme.ch. In der Hochsaison lohnt sich eine Reservation.
Praktische Informationen
Die beste Zeit ist von Mai bis Oktober. Dann sind die Strassen offen und die Restaurants in Betrieb. Im Winter werden die Wege glatt, niemand räumt den Schnee, und einige Lokale machen Pause.
Creux du Van
Im Reservat gelten ein paar Regeln. Auf den markierten Wegen bleiben, keine Pflanzen pflücken, nicht mit dem Gleitschirm starten. Und das Handy für das perfekte Foto bitte nicht über die Felskante hinausstrecken. Die Aussicht ist auch zwei Schritte weiter hinten grossartig.
Hunde müssen an die Leine. Neuchâtel Tourisme rät zudem davon ab, sie in die Gegend um Le Soliat mitzunehmen. Dort grasen Mutterkühe, und die verstehen bei Hunden keinen Spass.
Feste Bergschuhe, genug Wasser und wetterfeste Kleidung gehören in den Rucksack. Erfahrene Wanderer raten ausserdem, grosszügig Zeit für Pausen einzuplanen. Am Creux du Van bleibt erfahrungsgemäss niemand nur kurz an der Kante stehen. Wer die grosse Runde ab Noiraigue geht, startet deshalb besser früh. GPX-Datei und Wanderkarte gibt es bei Neuchâtel Tourisme.
Anreise
Die Anreise mit dem Zug ist denkbar einfach. Regionalzüge fahren ab Neuenburg in rund 20 Minuten durch das Val-de-Travers nach Noiraigue. Aus Zürich oder Bern geht es über Neuenburg, ab Zürich dauert die Reise rund zwei Stunden. Fahrplan und Verbindungen gibt es bei der SBB. Wer früh einsteigt, ist am Vormittag am Start.
Vom Bahnhof Noiraigue führen markierte Wege direkt zum Creux du Van. Am Bahnhof selbst gibt es ein kleines Café mit regionalen Produkten und die Infostelle des Val-de-Travers. Auch ab Travers, Champ-du-Moulin, Bevaix und St-Aubin führen Wanderwege zum Kessel.
Bei der Anreise mit dem Auto geht es ab Zürich über die A1 und Neuenburg nach Noiraigue, Fahrzeit rund 2 Stunden und 25 Minuten. Ab Bern sind es etwa 1 Stunde und 7 Minuten.
In Noiraigue gibt es mehrere Parkplätze. Beim Bahnhof kostet das Parkieren laut einzelnen Blogs rund 5 Franken pro Tag, auch der Parking du Devins ist kostenpflichtig. Bei der Ferme Robert parkiert man von Mai bis Oktober gratis. Am nächsten an die Kante kommt man von oben. Den Parkplatz Soliat erreicht man von Mai bis Oktober über Couvet oder Provence, danach sind es noch fünf Minuten zu Fuss. Der Parkplatz La Grand’Vy liegt auf der anderen Seite, erreichbar über Gorgier oder Bevaix, mit einem Fussweg von rund 15 Minuten.
Von November bis April sieht es anders aus. Auf der Strasse zwischen Provence und Couvet braucht es Winterreifen oder Ketten, weil dort niemand salzt. Die übrigen Waldstrassen sind gesperrt. Dann bleibt das Auto beim Parkplatz Richtung Chez les Favre, bei Couvet oder bei Provence, und es folgen rund 40 Minuten zu Fuss. Wer in Noiraigue parkiert, muss mit glatten, ungeräumten Wegen rechnen. Für Wohnmobile gelten dieselben Regeln. Und auf der Wiese parkieren ist im Reservat streng verboten, auch wenn sie noch so einladend aussieht.
Wer weitere faszinierende Naturlandschaften der Schweiz entdecken möchte, dem empfehlen sich auch der Jurapark Aargau, der Naturpark Gantrisch oder die UNESCO Biosphäre Entlebuch.
Creux du Van
Restaurant
Nach dem Aufstieg meldet sich der Magen, und für ihn ist gesorgt. Die Ferme Robert, ein Bauernhof mit Restaurant am Fuss des Kessels, öffnet im April und schliesst im Spätherbst, das genaue Datum wechselt von Jahr zu Jahr. Laut MySwitzerland kocht die Küche mit regionalen Produkten und serviert Fondue. Als Spezialitäten gelten zudem Flammkuchen und Rösti mit Tomme-Käse. Gleich daneben liegt ein Gratisparkplatz.
Oben auf dem Grat steht das Restaurant Le Soliat, ein paar Schritte von der Kante. Es öffnet saisonal und lässt sich vom Parkplatz aus ohne Mühe erreichen. Die Karte ist kurz, laut Erfahrungsberichten meist Fondue und kalte Teller, Gäste loben vor allem das Frühstück. Für Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz.
Wer auf der anderen Seite absteigt, kehrt in La Grand’Vy ein, einem Gasthof am Weg, erreichbar von Gorgier her. Am Anfang der klassischen Route wartet die Buvette in Les Oeillons, rund 2,5 Kilometer oberhalb von Noiraigue. Und beim Bahnhof Noiraigue gibt es ein kleines Café.
Die Öffnungszeiten aller Lokale ändern sich mit der Saison. Ein kurzer Blick auf die jeweilige Website spart die Enttäuschung, nach 800 Höhenmetern vor einer geschlossenen Tür zu stehen.
Interessante Fakten
- 1876 kaufte der Club Jurassien die Geröllhalde unter den Felsen. Laut swisstopo entstand damit das erste Naturreservat der Schweiz.
- Die Steinböcke am Creux du Van sind Heimkehrer. Nachdem sie aus der Region verschwunden waren, siedelte man 1965 wieder eine Kolonie an.
- Der Kalk der Felswände ist rund 150 bis 170 Millionen Jahre alt und stammt vom Grund eines urzeitlichen Meeres.
- Das Val-de-Travers gilt als Heimat des Absinths. Die Region hielt die Tradition der «Grünen Fee» am Leben, auch in den Jahren, als das Getränk verboten war.
- Im Blockschutt am Fuss der Felsen fanden Forschende aktiven Permafrost. Anfang der 2000er-Jahre galt der Ort als einer der tiefstgelegenen bekannten Permafrost-Standorte, die Universität Freiburg beobachtet ihn bis heute.
Creux du Van
FAQ
Wie lange dauert die Wanderung zum Creux du Van?
Die klassische Runde ab Noiraigue dauert 4 bis 5 Stunden für rund 14 Kilometer, Neuchâtel Tourisme rechnet mit 4 Stunden und 32 Minuten. Vom Parkplatz Soliat sind es nur 5 Minuten bis zur Kante, von La Grand’Vy etwa 15. Mit der Verlängerung durch die Gorges de l’Areuse kommen rund 6 Stunden und 10 Minuten zusammen.
Welcher Startpunkt eignet sich am besten?
Für die sportliche Runde der Bahnhof Noiraigue, bequem mit dem Zug ab Neuenburg. Für einen kurzen Abstecher an die Kante die Parkplätze Le Soliat oder La Grand’Vy, beide von Mai bis Oktober erreichbar.
Ist das Parkieren kostenpflichtig?
Teilweise. Beim Bahnhof Noiraigue und beim Parking du Devins kostet es, laut einzelnen Blogs rund 5 Franken pro Tag beim Bahnhof. Bei der Ferme Robert ist der Parkplatz gratis.
Darf man am Creux du Van zelten oder Feuer machen?
Nein. Zelten, Übernachten ausserhalb offizieller Plätze, Feuer und Grillieren sind im Naturschutzgebiet verboten. Wohnmobilplätze gibt es in Noiraigue und St-Aubin.
Welche Jahreszeit ist ideal für die Wanderung?
Mai bis Oktober. Dann sind Strassen und Restaurants offen. Im Winter sind die Wege glatt und ungeräumt.
Ist der Weg entlang der Felskante gefährlich?
Er verlangt Respekt. An der Kante gibt es keine Absperrung und keinerlei Sicherung gegen Absturz. Schwindelfreiheit und gute Schuhe sind Pflicht.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein. Der Creux du Van ist frei zugänglich. Geld kosten höchstens Parkplatz, Anreise und die Rösti danach.









