Anna-Sophie
Manche Popstars erkennt man an jeder Ecke. Anna-Sophie nicht. Ihre Songs laufen seit Jahren rauf und runter im österreichischen Radio, ihr Gesicht aber kennen erstaunlich wenige. Woran das liegt, dazu kommen wir gleich. Fürs Erste reicht ein Bild, das den Widerspruch auf den Punkt bringt: ein Mikrofon und ein Traktor. Die junge Frau aus Fresing bei Kitzeck im Sausal lebt zwischen Tonstudio und Bauernhof, zwischen englischsprachigem Pop-Rock von internationalem Zuschnitt und den Mais-, Kürbis- und Sojafeldern daheim.
2020 stürmt die damals 20-Jährige die österreichischen Charts. Ihr Cover von «Cambodia», im Original von Kim Wilde, läuft im Radio auf und ab. Das ist ihre Visitenkarte, der Song, mit dem alles losging. Sechs Jahre später wagte sie den nächsten grossen Schritt und wollte sich für den Eurovision Song Contest in Wien qualifizieren. Wie das ausging, klären wir weiter unten. Zuerst der Weg, der eine Bauerntochter aus der Steiermark zu einer der meistgespielten Stimmen des Landes gemacht hat.
Vollständiger Name | Anna-Sophie Heibl |
|---|---|
Künstlername | Anna-Sophie |
Geburtsjahr | 2000 |
Aufgewachsen in | Fresing bei Kitzeck im Sausal, Südsteiermark |
Staatsbürgerschaft | österreichisch |
Beruf | Sängerin, Songwriterin |
Genre | Pop, Pop-Rock (überwiegend englischsprachig) |
Instrument | Klavier |
Aktiv seit | rund 2020 (professionell) |
Debütsingle | «Bad Habits» (2020) |
Durchbruch | «Cambodia» (2020, Cover von Kim Wilde) |
Debütalbum | «Farewell» (Oktober 2023) |
Bekannte Lieder | «Cambodia», «Breathe», «Insanity», «Attack Without Warning», «Superhuman» |
ESC-Vorentscheid | «Vienna Calling – Wer singt für Österreich?» 2026 mit «Superhuman» |
Website |
Anna-Sophie
Biografie
Anna-Sophie kommt 2000 zur Welt und wächst am elterlichen Bauernhof in Fresing auf, einem Fleck bei Kitzeck im Sausal, mitten in der südsteirischen Wein- und Landwirtschaftsgegend. Mais, Kürbis, Soja. Zu ihrer Heimat hat sie ein klares Verhältnis, und sie macht kein Geheimnis daraus. «Ich bin so ein richtiges Landei», sagt sie über sich. Ohne die Landwirtschaft würde ein Teil ihrer Identität fehlen, so ihre Worte. Im Dorf war sie lange gar nicht die Sängerin, sondern schlicht «dem Heinz sein Dirndl». Ein Satz, der mehr über die Südsteiermark erzählt als jede Tourismusbroschüre.
Die Musik war früh da. Ihre Mama sang ihr Kinder- und Schlaflieder vor, solange sie zurückdenken kann. In der Volksschule begann sie Klavier zu spielen, und sobald sie genug konnte, sang sie dazu. Gegen Ende der Volksschulzeit schrieb sie erste kleine Melodien und Textfetzen und begleitete sich selbst am Klavier. Aus diesen «Mini-Melodien» wurden mit der Zeit ganze Songs, die sie mit der Schulband auf Weihnachtsmärkten spielte. Musikerin ist sie, wie sie sagt, seit dem zehnten Lebensjahr.
Nach der Schule ging sie erst einmal in eine ganz andere Richtung. Sie begann ein Betriebswirtschaftsstudium an der Schweizer Universität St. Gallen und brach es wegen der Musik wieder ab. Eine Entscheidung für die Bühne und gegen den sicheren Lebenslauf.
Der Anfang war holprig. Schon in der Schulzeit schrieb sie ihre Songs auf Englisch. Als sie damit bei Produzenten in der Gegend anklopfte, rieten die ihr, auf Deutsch umzusatteln, das verkaufe sich besser. Anna-Sophie war die Sprache «letztlich egal», sie wollte einfach ihre Gedanken zu Papier bringen und vertonen. Irgendwann wurde ein Plattenlabel auf sie aufmerksam. Der Rat mit dem Deutschen? Im Nachhinein eine Fehleinschätzung. Nicht umsonst trägt eines ihrer Interviews den Titel, dass man mit englischer Musik in Österreich «nie was reissen» werde. Sie hat das Gegenteil bewiesen.
Anna-Sophie
Persönliches Leben
Beim Privaten muss man bei Anna-Sophie nicht spekulieren, sie sagt selbst genug. Ihr Leben pendelt zwischen Bauernhof und Bühne, und beide Seiten braucht sie. Nach jedem Aufenthalt im Studio in Wien oder Berlin freut sie sich, wieder heimzukommen.
Ich geniesse es, unsere Mais-, Kürbis- und Sojafelder anzuschauen oder einfach abends einen Spaziergang unter den Sternen zu machen, erzählt sie.
Und das Mithelfen am Hof gehört dazu, die Arbeit am Traktor, das Kürbisputzen, das Maisdreschen, wobei sie dabei nach eigenen Worten immer wieder neue Ideen für Songs bekommt. Ballast ist das für sie nicht. Eher der Gegenpol zum Musikbetrieb, Erdung im Wortsinn.
Und dann das Songwriting, das bei ihr weit mehr ist als Beruf.
Songwriting ist das Tool, wie ich mit allem, was in meinem Leben passiert, umgehe, sagt sie.
Nichts gebe ihr so eine Erfüllung wie Songs zu schreiben und sie dann live zu performen. Auch mit Problemen geht sie schreibend um, weshalb Lieder entstehen, die nie erscheinen. Man ahnt: Auf ihrer Festplatte liegt mehr, als je veröffentlicht wird.
Über Gefühle redet sie offen, gerade über die unsicheren. Zu ihrer eigenen Generation, die sie halb ironisch «bindungsunfähig» nennt, hat sie eine klare Haltung. Details zu Beziehungen oder Familie hält sie aus der Öffentlichkeit heraus, und das ist auch gut so.
Musikalische Karriere
Der Durchbruch kam schneller, als sie selbst gedacht hätte. Schon ihre eigenen Kracher wie «Bad Habits» landeten ruckzuck in den Top Ten.
Ich finde es richtig arg, dass mein erstes Lied, das ich aufgenommen und zu Ö3 geschickt habe, auch gespielt worden ist. Ich hab mir da ehrlich gesagt nicht viel Hoffnung gemacht, erzählt sie.
Den eigentlichen Sprung brachte im Sommer 2020 das «Cambodia»-Cover. Seither vergeht kaum eine Woche ohne sie in den Austrocharts.

Anna-Sophie - Cambodia
Und jetzt zu dem Rätsel vom Anfang, warum man ihre Musik kennt, sie selbst aber kaum. Während die Konzerthallen wegen der Pandemie leer blieben, ging ihre Karriere in die Vollen. Millionenfach gestreamt, aber selten erkannt. «Ich denke, das hat viel mit Corona zu tun», erklärt sie sich das selbst. Man hörte sie überall, sehen konnte man sie nirgends. Eine Karriere im Radio und in den Kopfhörern, ohne die Bühne, auf der ein Gesicht zum Namen wächst.
Ihre Hitliste ist für eine so junge Künstlerin lang. «Bad Habits» aus 2020 war die Debütsingle und schaffte es rasch in die Top 10. «Cambodia» im selben Jahr wurde zum Türöffner. Die Single «Breathe» hielt sich über 20 Wochen in den Austria Top 10, «Attack Without Warning» reiht sich in ihre Top-10-Erfolge ein. Für «Insanity» stand sie 2024 bei den Amadeus Awards in der Kategorie «Ö3-Song des Jahres» auf der Nominiertenliste. Und 2026 kam «Superhuman» dazu, geschrieben für den Song Contest.

Anna-Sophie - Bad Habits
Wie so ein Lied bei ihr entsteht? Immer am Klavier.
Ich fange stets mit der Melodie oder mit Akkordabfolgen an, ehe ich den Text dazu schreibe, beschreibt sie.
Dazu summt sie kurze Zeilen, die passen könnten, und so wächst der Song langsam zusammen. Ihr Sound lebt von Melodien, die hängenbleiben, und von Texten, die aus ihrem eigenen Leben kommen. Ihre Vorbilder nennt sie offen: allen voran Birdy, weil die ähnlich angefangen hat, dazu Ed Sheeran und Dua Lipa, und von den Österreichern Julian le Play. Kritiker verorten ihren Pop-Rock gern in der Nähe von Olivia Rodrigo.
Der Erfolg lässt sich auch in Zahlen fassen. 2023 war sie die meistgespielte österreichische Künstlerin im heimischen Radio. Über 20 Millionen Streams stehen zu Buche. Ihre Songs tauchen auf Spotify-Playlists wie «Pop Brandneu» oder «New Music Friday» auf, und Spotify Frankreich listete sie in «Nouveautés Pop» neben Olivia Rodrigo und Ed Sheeran. 2024 bekam sie den STEIRERIN Award als «Die Entertainerin», den ersten Preis überhaupt in ihrer Musikkarriere. Beim Sziget Festival 2022 stand sie auf demselben Line-up wie Justin Bieber und Dua Lipa.
Im Oktober 2023 kam ihr Debütalbum «Farewell». Der Titel führt bewusst in die Irre. Verabschieden wollte sie sich damit nicht von der Musik, sondern erst richtig loslegen. Die Songs erzählen von den verschiedenen Phasen ihres Lebens.

Anna-Sophie - Insanity
Damit zum Song Contest. Unter dem Titel «Vienna Calling – Wer singt für Österreich?» suchte der ORF seinen ESC-Beitrag über ein nationales Finale und wählte aus mehr als 500 Bewerbungen zwölf Acts aus. Mittendrin: Anna-Sophie aus Kitzeck im Sausal, die es mit «Superhuman» auf die grösste Musikbühne Europas schaffen wollte. Den Song schrieb sie selbst, und die Idee dahinter ist sehr persönlich.
Ich bin hin und wieder schon einfach sehr unsicher in dem, was ich tue. Singe ich gut genug? Performe ich gut genug?, erzählt sie.
«Superhuman» habe sie geschrieben, um sich selbst Mut zu machen und zu zeigen, dass in jedem ein Superhuman steckt. Das Video drehte sie passenderweise auf dem Hof der Familie in Kitzeck im Sausal. Das Finale stieg am 20. Februar 2026 in Wien, moderiert von Alice Tumler und Cesár Sampson.

Anna-Sophie - Superhuman
Und das Ergebnis? Es reichte nicht. Das Ticket nach Wien holte Cosmó mit «Tanzschein». Für Anna-Sophie war es trotzdem kein verlorener Abend, sondern ihr erster grosser Auftritt vor einem Millionenpublikum. Genau die Sichtbarkeit also, die ihr die Pandemie jahrelang verwehrt hatte.
Konzertleben
Anna-Sophies Karriere hat eine Eigenheit, die man so selten sieht: sie wurde zur bekannten Stimme, bevor sie überhaupt richtig live spielen konnte. Der Durchbruch fiel mitten in die Pandemie, die Konzerthallen waren zu, und so lief ihre Musik jahrelang im Radio und in den Kopfhörern, während die Bühne warten musste. Genau deshalb ist das Live-Kapitel für sie kein Nebenschauplatz, sondern das, was in den vergangenen Jahren nachgeholt wurde.
Auf der Bühne zeigt sich eine andere Seite als in den glatt produzierten Studioversionen. Sie gilt als publikumsnahe, authentische Künstlerin, und Konzertbesucher heben genau das hervor. Ihre Songs sind autobiografisch, sie erzählt zwischen den Nummern aus ihrem Leben, und das macht den Abend persönlicher als bei vielen Pop-Acts ihrer Generation. Live tritt sie mit Band auf, nicht als Solistin zum Playback.
International hat sie schon auf grosser Bühne gestanden. Zwischen Studiosessions und Auftritten auf Festivals wie dem Sziget in Budapest hat sie sich einen Namen gemacht, der über die Steiermark hinausreicht. Der bislang grösste Fernsehmoment war allerdings ein anderer: der ESC-Vorentscheid «Vienna Calling» im Februar 2026, ihr erster grosser Auftritt vor einem Millionenpublikum.
Auf ihrer Website heisst es aktuell, sie sei mit ihrer Band im Probenraum und bereite sich auf die nächsten Konzerte vor. Konkrete, offiziell bestätigte Tourdaten für 2026 lagen zum Zeitpunkt der Recherche aber noch nicht öffentlich vor.
Anna-Sophie
Diskografie
Titel | Jahr | Anmerkung / bekannte Songs |
|---|---|---|
«Bad Habits» (Single) | 2020 | Debütsingle, Top 10 in Österreich |
«Cambodia» (Single) | 2020 | Cover von Kim Wilde, Durchbruchssong |
«Breathe» (Single) | 2023 | über 20 Wochen in den Austria Top 10 |
«Attack Without Warning» (Single) | 2021 | Top-10-Hit in Österreich |
«Insanity» (Single) | 2023 | Amadeus-nominiert 2024 |
«Farewell» (Album) | 2023 | Debütalbum; u. a. «Cambodia», «Attack Without Warning», «Insanity», «Breathe» |
«Superhuman» (Single) | 2026 | ESC-Vorentscheidungsbeitrag «Vienna Calling» |
Auszeichnungen
Auszeichnung | Jahr | Kontext |
|---|---|---|
STEIRERIN Award | 2024 | Kategorie «Die Entertainerin», Gala in Graz |
Amadeus Austrian Music Award (Nominierung) | 2024 | «Ö3-Song des Jahres» für «Insanity» |
Spotify Frankreich, Playlist «Nouveautés Pop» | – | gelistet neben Olivia Rodrigo und Ed Sheeran |
Meistgespielte österreichische Künstlerin im Radio | 2023 | im heimischen Radio |
Anna-Sophie
Interessante Fakten
- Ihr allererster Versuch war schon ein Treffer. Das erste Lied, das sie aufnahm und an Ö3 schickte, wurde tatsächlich gespielt, obwohl sie sich selbst kaum Chancen ausgerechnet hatte. So etwas passiert selten.
- Der grösste Hit ist gar nicht ihr eigener Song. «Cambodia» stammt im Original von Kim Wilde, und ausgerechnet dieses Cover machte sie einem breiten Publikum bekannt.
- Ihre Karriere ist ein Kind der Pandemie. Während andere Musiker unter leeren Hallen litten, ging es bei ihr genau in dieser Zeit steil bergauf, nur eben ohne Live-Auftritte. Das erklärt bis heute, warum man ihre Musik besser kennt als ihr Gesicht.
- Ein Blasinstrument hat sie nie gelernt. «Obwohl der Papa das immer wollte», erzählt sie augenzwinkernd. Beim Klavier ist sie geblieben.
- Den STEIRERIN Award stellte sie sich auf einen Ehrenplatz im Wohnzimmer, es war der erste Preis ihrer Musikkarriere. Zur selben Zeit war sie für den Amadeus nominiert und fragte sich bei der Gala, wie sie zu so einem schönen Leben gekommen sei.
- Das Video zu ihrem ESC-Beitrag entstand nicht in einem schicken Studio, sondern zwischen den Feldern daheim. «Superhuman» drehte sie auf dem Hof der Familie in Kitzeck im Sausal. Bauernhof und Bühne, wieder einmal im selben Bild.
Soziale Medien
FAQ
Wie heisst Anna-Sophie mit vollem Namen?
Bürgerlich heisst sie Anna-Sophie Heibl. Öffentlich tritt sie nur unter ihrem Vornamen auf.
Was sind die bekanntesten Lieder von Anna-Sophie?
Ihr Durchbruchssong ist das Kim-Wilde-Cover «Cambodia» (2020). Dazu kommen «Attack Without Warning», «Insanity» und «Breathe». 2026 folgte «Superhuman».
Wie heisst das Debütalbum von Anna-Sophie?
«Farewell», erschienen im Oktober 2023. Der Titel meint keinen Abschied von der Musik, im Gegenteil.
Mit welchem Lied trat Anna-Sophie beim ESC-Vorentscheid 2026 an?
Mit dem selbst geschriebenen «Superhuman» bei «Vienna Calling – Wer singt für Österreich?». Durchsetzen konnte sie sich nicht.
Welche Auszeichnungen hat Anna-Sophie erhalten?
2024 bekam sie den STEIRERIN Award als «Die Entertainerin». 2023 war sie die meistgespielte österreichische Künstlerin im Radio, und 2024 stand sie mit «Insanity» auf der Nominiertenliste für einen Amadeus Austrian Music Award.







