Persönlichkeiten

Stephanie Venier

von Florian Wiesinger

Inhaltsverzeichnis
Stephanie Venier

Manchmal passt ein ganzes Leben in ein einziges Jahr. Bei Stephanie Venier war das 2025 so: Weltmeisterin im Februar, Verlobung im Geheimen, Rücktritt im August, Hochzeit im September, Schwangerschaft kurz danach. Die Tirolerin hörte genau dort auf, wo die meisten erst recht weitermachen würden – auf dem Höhepunkt. Mit 31 Jahren, mit WM-Gold im Gepäck, mit einer Olympiasaison vor der Tür, die sie einfach links liegen liess. Diese Geschichte erzählt, wie Stephanie Venier zur erfolgreichsten Speed-Fahrerin ihrer Generation wurde, wie sie ihren Mann Christian Walder fand – auch er ÖSV-Skifahrer – und warum sie genau jetzt, mitten im grössten Erfolg ihres Lebens, einen Schlussstrich zog.

Vollständiger Name

Stephanie Venier

Geburtsdatum

19. Dezember 1993

Geburtsort

Innsbruck, Tirol

Staatsbürgerschaft

Österreich

Disziplinen

Abfahrt, Super-G

Aktive Karriere

2013–2025

Weltcup-Debüt

12. Jänner 2013, Abfahrt, St. Anton

Erster Weltcup-Podestplatz

Jänner 2017, Super-G, Garmisch – 2. Platz

Grösster Erfolg

Gold im Super-G, WM 2025, Saalbach-Hinterglemm

Weltcupsiege

3

Ehemann

Christian Walder, ÖSV-Skirennfahrer

Hochzeitsdatum

3. September 2025, Stöttlalm bei Innsbruck

Auszeichnung

Österreichs Sportlerin des Jahres 2025

Stephanie Venier - österreichische Skirennläuferin

Stephanie Venier

Biografie

Stephanie Venier kam am 19. Dezember 1993 in Innsbruck zur Welt und wuchs in Oberperfuss auf – einem Tiroler Dorf, das praktisch an der Piste klebt. Sie selbst bringt es so auf den Punkt:

Ich bin in Oberperfuss direkt neben der Piste aufgewachsen, daher ist es nicht verwunderlich, dass ich Skirennfahrerin geworden bin.

Davor probierte sie einiges aus: Fussball, Laufen, Rodeln. Am Ende blieb der Schnee übrig.

Die Familie Venier war eine klassische Sportfamilie mit kleinem Budget und grossem Einsatz. Die Mutter führte den Haushalt, der Vater fuhr als Bierführer für die Brauunion. In seiner Freizeit kümmerte er sich um die Skiausrüstung der Töchter und steuerte nebenbei die Pistenraupe am Rangger Köpfl – nur damit Stephanie und ihre drei Jahre jüngere Schwester Bianca überhaupt auf dem nötigen Niveau trainieren konnten. Bianca war ebenfalls Weltcup-Skirennfahrerin, hörte aber schon im Oktober 2018 auf. Was diese Förderung die Familie kostete, sagt Stephanie selbst ganz nüchtern:

Wir waren nie auf Urlaub, unsere Eltern investierten das gesamte Geld in den Skisport ihrer Töchter.

Auch ihre Schulzeit war auf den Sport zugeschnitten. Nach der Volksschule in Oberperfuss und der Hauptschule in Kematen stellte ihr Vater sie vor die Wahl: entweder die HBLA in Innsbruck und Schluss mit dem Skifahren, oder die Skihandelsschule in Stams.

Für Stephanie war klar, wohin die Reise geht – sie wollte Skirennfahrerin werden, also ging sie nach Stams. Später kam noch eine Ausbildung an der Bundesfachschule in Wien dazu, dazu eine Zollausbildung. Ein typischer Weg für ÖSV-Athletinnen, die neben dem Spitzensport auch eine zivile Qualifikation in der Tasche haben wollen.

Stephanie Venier - ehemalige österreichische Skirennläuferin

Stephanie Venier

Persönliches Leben

Stephanie Veniers Ehemann heisst Christian Walder. Auch er ÖSV-Skirennfahrer, Speed-Spezialist, zum Zeitpunkt der Hochzeit 34 Jahre alt. Die beiden bewegten sich jahrelang im selben Umfeld – Trainingslager, Weltcup-Tross, dieselben Orte, dieselben Rennen.

Bevor Venier in sein Leben trat, war Walder rund zehn Jahre mit Cornelia Hütter zusammen, ebenfalls Skirennfahrerin und langjährige Teamkollegin von Venier. Diese Beziehung endete im November 2022.

Erst ein gutes Jahr später, im Jänner 2024, machten Venier und Walder ihre eigene Beziehung mit einem ersten gemeinsamen Foto öffentlich. Die Verlobung selbst war alles andere als spektakulär – und genau das macht sie sympathisch. Am 19. Jänner 2025, kurz nach einem Ausscheiden im Super-G von Cortina, zu Hause, ohne Blumenstrauss. Walder hält Blumenkaufen für reine Verschwendung. Venier beschreibt den Moment so:

Am 19. Januar, nach einem Aus im Super-G von Cortina. Daheim und sehr romantisch.

Was diese Geschichte besonders macht: die Verlobung lag weniger als drei Wochen vor ihrem historischen Gold bei der Heim-WM in Saalbach. Den Ring trug sie während des gesamten Wettkampfs. Niemandem ist es aufgefallen.

Ich habe schon bei der WM in Saalbach den Verlobungsring getragen – nur ist das keinem aufgefallen, erzählte sie später.

Eine Geschichte, die sie für sich behielt, während die ganze Skiwelt über ihr Gold sprach.

Offiziell bestätigt wurde die Verlobung erst im August 2025, wenige Tage vor der Bekanntgabe ihres Karriereendes. Auf Instagram teilte Venier Fotos von ihrem Junggesellinnenabschied, mit dem Hashtag «Bride to be» und der Bildunterschrift:

Eine Braut, eine Million Lacher und eine unvergessliche Nacht.

Stephanie Venier mit ihrem Ehemann Christian Walder

Stephanie Venier und Christian Walder

Am Mittwoch, dem 3. September 2025, gaben sich Venier und Walder auf der Stöttlalm bei Telfs, nahe Innsbruck, das Jawort – im engsten Kreis, umgeben von ihren Liebsten, darunter auch ehemalige Teamkolleginnen. Auf eine Hochzeitsreise verzichtete das Paar bewusst. Die Begründung ist menschlich nachvollziehbar:

Wir sind nicht auf Hochzeitsreise gefahren, weil wir gesagt haben, wir waren in unserer Karriere so viel unterwegs, wir sind jetzt einfach einmal gerne daheim.

Nach Jahren im Flugzeug, im Hotelzimmer, auf der nächsten Piste wollte das Paar einfach nur bleiben. Mit einem Augenzwinkern erklärte Venier auch, wie sie künftig heisst: öffentlich bleibt sie Stephanie Venier, privat wird sie zu Stephanie Walder.

Eine Woche vor der Hochzeit kam die nächste Neuigkeit: die Schwangerschaft. Stephanie Venier wurde am 14. Dezember 2025 erstmals Mutter. Sie und ihr Ehemann gaben die Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes am 28. Dezember 2025 mit einem Foto in den sozialen Medien bekannt. Später wurde bekannt, dass das Paar einen Sohn namens Max bekommen hat. Venier berichtete zudem, dass die Geburt aufgrund eines notwendigen Notkaiserschnitts schwierig verlief und ihr Sohn zunächst auf der Neonatologie medizinisch betreut werden musste.

Stephanie Venier mit Christian Walder und Sohn Max

Stephanie Venier mit ihrer FamilieSohn Max

Sportliche Karriere

Ab Dezember 2008 startete Venier bei FIS-Rennen, zunächst vor allem im Riesenslalom und Slalom. In der Saison 2009/10 fuhr sie regelmässig in die Top 10 und gewann bei den österreichischen Juniorenmeisterschaften Silber im Super-G. Ein deutlicher Hinweis, in welche Richtung ihre Karriere gehen würde. Sie spezialisierte sich zunehmend auf die schnellen Disziplinen. Am 11. Jänner 2012 gab sie ihr Debüt im Europacup, in der Abfahrt von Bad Kleinkirchheim, und landete als 19. sofort in den Punkterängen. Drei Wochen später holte sie bei der österreichischen Juniorenmeisterschaft Gold im Super-G.

Am 12. Jänner 2013 debütierte Venier im Weltcup, Abfahrt in St. Anton. Die ersten Weltcuppunkte folgten am 30. November 2013, Platz 27 im Super-G von Beaver Creek. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2014 in Jasná gewann sie Silber im Super-G – nur die Schweizerin Corinne Suter war schneller – dazu Platz 5 in der Abfahrt.

Am 10. Jänner 2015 dann der erste grosse Rückschlag: eine Knorpelabsprengung im linken Knie beim Training vor der Abfahrt in Bad Kleinkirchheim. Saison vorzeitig beendet. Ihre Reaktion war typisch für sie, sofort wieder an die Arbeit:

Eine Woche danach habe ich sofort wieder mit Oberkörpertraining angefangen.

Im Dezember 2015 dann der erste Top-10-Platz im Weltcup: Rang 10 in der Abfahrt von Lake Louise, wiederholt im Super-G von Cortina d'Ampezzo.

Die Saison 2016/17 begann stark: Platz 7 in der Abfahrt von Lake Louise, Platz 6 im Super-G von Val-d'Isère. Im Jänner 2017, in Garmisch-Partenkirchen, dann der erste Weltcup-Podestplatz: Rang 2 im Super-G, hinter Lara Gut. Einen Monat später, bei der WM in St. Moritz, holte sie Silber in der Abfahrt – die erste grosse Medaille ihrer Karriere. 2019 kam der erste Weltcupsieg: Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen.

Was danach folgte, beschreibt man in der Skiwelt gern als Achterbahnfahrt. Konstante Spitzenresultate blieben über mehrere Saisons aus. Erst 2024 fand Venier zurück an die Weltspitze: Sieg in der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo, dann ihr erster Weltcupsieg im Super-G in Crans-Montana – insgesamt ihr dritter Weltcupsieg. Über die gesamte Karriere kam sie auf drei Siege und zwölf Platzierungen unter den besten drei.

Stephanie Venier gewinnt den Super-G von Crans-Montana 2024!

Vor der Heim-WM 2025 reiste sie ohne grosse Erwartungen an, geplagt von chronischen Knieschmerzen, die sie über Jahre begleiteten. Was dann passierte, hätte niemand vorausgesehen. Am 6. Februar 2025 gewann sie überraschend Gold im Super-G, vor der Italienerin Federica Brignone. Mit 31 Jahren und 49 Tagen wurde sie damit die älteste Weltmeisterin, die diese Disziplin je gewonnen hat. Fünf Tage später, am 11. Februar, folgte Bronze in der erstmals ausgetragenen Team-Kombination, gemeinsam mit Katharina Truppe. Venier wurde damit zur erfolgreichsten Österreicherin der Heim-WM. Die Anerkennung folgte prompt: Österreichs Sportlerin des Jahres 2025.

Stephanie Venier stuns field to claim shocking Super-G title | Saalbach 2025

Rücktritt

Der Weg zum Rücktritt begann eigentlich schon kurz nach dem grössten Triumph ihrer Karriere. Nach dem WM-Erfolg äusserte Venier öffentlich scharfe Kritik am Führungsstil von ÖSV-Cheftrainer Roland Assinger und liess bereits Andeutungen über ein mögliches Karriereende fallen. Im Mai 2025 sagte sie im ORF-Interview:

Ich bin Weltmeisterin geworden. Und selbst wenn nächste Saison Olympia ist, der WM-Titel daheim ist nicht mehr zu toppen.

Der Gedanke ans Aufhören kam ihr zum ersten Mal direkt nach dem Gold-Coup in Saalbach. Sie selbst beschreibt diesen Moment ehrlich:

Da habe ich gedacht: Jetzt könntest du es am Höhepunkt lassen. Der Gedanke ist dann relativ schnell wieder verflogen.

Beim Weltcup-Finale in den USA meldete sich das Knie dann erneut. Und mit ihm ein Gefühl, das tiefer ging als körperlicher Schmerz:

Ich bin am Start oben gestanden und mir ist vorgekommen, da gehöre ich nicht mehr her, das ist nicht mehr meine Welt.

Am Donnerstag, dem 7. August 2025, verkündete Venier auf einer Almhütte über ihrem Heimatort Oberperfuss offiziell ihr Karriereende. Die Ironie des Timings: Sie traf diese Entscheidung, obwohl in der folgenden Saison die Olympischen Spiele 2026 in Mailand-Cortina anstanden – und sie dort als eine der Medaillenfavoritinnen gehandelt wurde. Wie lange diese Entscheidung gereift war, erklärte sie selbst:

Der Gedanke, meine Karriere zu beenden, ist nicht ganz neu und reift schon seit einiger Zeit in mir. Aber ich wollte mir für diese einschneidende Entscheidung ausreichend Zeit nehmen, denn wenn sie einmal getroffen ist, gibt es für mich kein Zurück mehr.

Die österreichische Skirennläuferin Stephanie Venier

Stephanie Venier

Und zur Verzögerung der öffentlichen Ankündigung:

Ich habe es relativ spät mitgeteilt, weil ich einfach so Angst gehabt habe vor dem Gang an die Öffentlichkeit.

Trotz der Jahre mit instabilen Ergebnissen blickt sie mit Stolz zurück:

Ich bin stolz drauf, dass ich in den Jahren, in denen es mal nicht so gelaufen ist, drangeblieben bin, dass ich weitergemacht und gekämpft habe.

Ihr Fazit über den Sport, der zwei Jahrzehnte ihres Lebens bestimmte, klingt versöhnlich und reif zugleich:

Der Skisport hat mich positive, aber auch negative Sachen gelehrt, aber ich möchte keine Minute vermissen und das hat alles eine Berechtigung gehabt.

Was danach folgte, war ein wahres Feuerwerk an privaten Nachrichten. Innerhalb weniger Wochen nach dem Rücktritt wurde die Verlobung öffentlich, dann die Hochzeit, dann die Schwangerschaft. Heute beschreibt Venier ihren Alltag als befreit von Druck und Erwartungen des Spitzensports. Die Freiheit, einfach zu Hause zu bleiben, fasst sie so zusammen:

Wir waren in unserer Karriere so viel unterwegs, wir sind jetzt einfach einmal gerne daheim.

Auszeichnungen

Auszeichnung

Jahr

Kontext

Junioren-WM Silber, Super-G

2014

Jasná, Slowakei – hinter Corinne Suter (CH)

WM-Silber, Abfahrt

2017

St. Moritz, Schweiz – erste grosse Karriere-Medaille

WM-Gold, Super-G

2025

Saalbach-Hinterglemm – Heim-WM, älteste Weltmeisterin der Disziplin

WM-Bronze, Team-Kombination

2025

Saalbach-Hinterglemm, gemeinsam mit Katharina Truppe

Österreichs Sportlerin des Jahres

2025

Auszeichnung nach dem WM-Triumph

Stephanie Venier präsentiert ihre Auszeichnungen

Stephanie Venier

Interessante Fakten

  • Bevor sie sich aufs Skifahren festlegte, probierte Venier mehrere Sportarten aus. Fussball, Laufen, sogar Rodeln. Erst danach stand fest, dass die Piste ihr Zuhause sein würde.
  • Ihre jüngere Schwester Bianca war ebenfalls Weltcup-Skirennfahrerin. Die beiden trainierten gemeinsam, kämpften gemeinsam um Startplätze, und Bianca hörte schon 2018 auf, sieben Jahre vor ihrer Schwester.
  • Mit 31 Jahren und 49 Tagen wurde Venier die älteste Weltmeisterin, die je im Super-G triumphiert hat. Ein Rekord, der ihre Heim-WM noch besonderer macht.
  • Sie trug ihren Verlobungsring während der gesamten Heim-WM in Saalbach, inklusive des Tages, an dem sie Weltmeisterin wurde, ohne dass es jemandem auffiel. Ein kleines, sehr persönliches Geheimnis mitten im grössten öffentlichen Moment ihres Lebens.
  • Ihr Vater steuerte in seiner Freizeit die Pistenraupe am Rangger Köpfl, nur damit seine Töchter auf einem entsprechenden Niveau trainieren konnten. Eine stille, aber entscheidende Investition in zwei Skikarrieren.

Soziale Medien

FAQ

Warum hat Stephanie Venier ihre Karriere trotz Olympia 2026 beendet?

Der unbedingte Wille für den Spitzensport war einfach nicht mehr da, besonders nachdem ihr Knie beim Weltcup-Finale in den USA erneut schmerzte. Ihren grössten Erfolg, das WM-Gold von Saalbach, hätte sie ohnehin nicht mehr toppen können, wie sie selbst sagte. Olympia 2026 reichte ihr als Grund zum Weitermachen nicht.

Wer ist der Ehemann von Stephanie Venier?

Christian Walder, ebenfalls ÖSV-Skirennfahrer und Speed-Spezialist. Die beiden machten ihre Beziehung im Jänner 2024 öffentlich, verlobten sich im Jänner 2025 und heirateten im September desselben Jahres.

Wann haben Stephanie Venier und Christian Walder geheiratet?

Am 3. September 2025, auf der Stöttlalm bei Telfs in der Nähe von Innsbruck, im engsten Familien- und Freundeskreis.

Was ist der grösste Erfolg in der Karriere von Stephanie Venier?

Das WM-Gold im Super-G bei der Heim-Weltmeisterschaft 2025 in Saalbach-Hinterglemm. Mit 31 Jahren und 49 Tagen wurde sie damit die älteste Weltmeisterin in dieser Disziplin.

Wie viele Weltcupsiege hat Stephanie Venier?

Drei insgesamt: zwei in der Abfahrt (Garmisch-Partenkirchen 2019, Cortina d'Ampezzo 2024) und einen im Super-G (Crans-Montana 2024). Dazu zwölf Top-3-Platzierungen im Weltcup.