Persönlichkeiten

COSMÓ

von Florian Wiesinger

Inhaltsverzeichnis
COSMÓ

Österreich beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien – und auf der Bühne steht ein 19-Jähriger aus Halbturn im Burgenland, mit blauem Stern unterm Auge und einem Clubsong, der spaltet. COSMÓ, bürgerlicher Name Benjamin Gedeon, hat beim ORF-Vorentscheid «Vienna Calling» das Publikum mit der Höchstpunktzahl überzeugt und vertritt Österreich am 16. Mai 2026 in der Wiener Stadthalle. Auf heimischem Boden, beim 70. Eurovision Song Contest. Das passiert nicht oft.

Szenename

COSMÓ

Bürgerlicher Name

Benjamin Gedeon

Geburtsdatum

18. Juni 2006

Alter

19 Jahre

Geburtsort

Budapest, Ungarn

Wohnort

Wien, Österreich

Ausbildung

Zahnmedizinstudium, Wien

Genre

Dance-Pop, Singer-Songwriter

Debütsingle

«Give Me A Moment» (2022)

Debüt-EP

«From My Room» (2025)

ESC-Song 2026

«Tanzschein»

Offizielle Website

cosmomachtmusik.com

COSMÓ - junger österreichischer Sänger

COSMÓ

Biografie

Benjamin Gedeon wurde am 18. Juni 2006 in Budapest geboren. Mutter Ungarin, Vater Deutscher – mit zwei Jahren zog die Familie nach Halbturn im Burgenland, direkt an der ungarischen Grenze. Weingärten, Flachland, übersichtliches Leben. Nicht gerade der klassische Ausgangspunkt für eine ESC-Geschichte. Aber bekanntlich kommen die spannenden Geschichten selten von dort, wo man sie erwartet.

Als Kind habe er sich manchmal fehl am Platz gefühlt mit dieser Mischung aus Kulturen, sagt er heute. Gleichzeitig habe ihm genau das die Freiheit gegeben, sich sein eigenes Zuhause zu bauen – unabhängig von Orten oder Erwartungen. Diese Haltung steckt direkt im Künstlernamen: COSMÓ steht für «cosmopolitan», also Weltbürger. Der Akzent auf dem Ó ist keine Designentscheidung, sondern eine Hommage – auf Ungarisch hiess er Benjámin, und das betonte Ó blieb als stilles Zeichen der Herkunft.

Mit vier Jahren begann er die Früherziehung an der Zentralmusikschule Neusiedl am See. Mit sechs Klavierunterricht, später E-Gitarre, Gesangsunterricht bei einer Opernsängerin aus Graz. Der erste Schritt auf eine Bühne: ein Schul-Karaokebewerb. Und der reichte aus, um zu merken, dass er dort bleiben will.

Fast wäre Musik zur Nebensache geworden. Die Mutter meldete ihn zum Klavierunterricht an «damit er schlau wird und gute Noten schreibt». Später kam das Singen dazu – ausgelöst durch eine Karaoke-Maschine, die ihm die Oma zu Weihnachten schenkte. Und durch ein anderes Objekt aus dem Wohnzimmer der Mutter: Als Kind schaute er mit ihr die DVD zu «Mamma Mia!». Einer seiner ersten musikalischen Fixpunkte.

Mit 13 begann er, eigene Melodien und Texte zu schreiben. Heute lebt er in Wien, studiert Zahnmedizin und baut parallel eine Musikkarriere auf. Die Uni wartet derzeit – zumindest bis nach dem 16. Mai.

COSMÓ - Benjamin Gedeon, Österreichs Stimme für Eurovision 2026

COSMÓ

Persönliches Leben

Über romantische Beziehungen sagt COSMÓ öffentlich nichts. Dieser Teil seines Lebens bleibt privat. Was er teilt: die Verbindung zur Mutter. «Tanzschein» schrieb er für sie. Sie erzählte ihm von den Discos der 1980er, und in der Küche tanzen die beiden gemeinsam zu seinem ESC-Song. Das klingt unspektakulär – und ist gerade deshalb so glaubwürdig.

Der blaue Stern unter dem rechten Auge ist sein festes Markenzeichen als COSMÓ, sichtbar auf allen Fotos und bei allen Auftritten. «Wenn ich den aufmale, kann ich mehr loslassen», sagt er selbst. Kein ESC-Accessoire – ein Bestandteil seiner Künstlerpersönlichkeit, schon lange vor dem Vorentscheid.

Neben Musik und Studium beschäftigt ihn alles, was zwischen Genres, Sprachen und Kulturen passiert. Das zeigt sich in seiner Musik genauso wie im Namen, den er sich gegeben hat.

Musikalische Karriere

2020 bewarb sich Benjamin Gedeon erstmals bei The Voice Kids in Deutschland. Noch unter seinem bürgerlichen Namen, noch ohne Stern, noch ohne Pseudonym. Er schied nach der zweiten Runde aus. Kein dramatisches Ende – aber eine erste Erfahrung mit dem Format.

2021 gewann er den Wettbewerb podium.jazz.pop.rock in Burgenland, als bester Singer-Songwriter. Mit einer Gesangs- und Klavierdarbietung seines selbstkomponierten Jazzstücks «Fall into Your Arms».

2022 dann der eigentliche Durchbruch. Bei The Voice Kids drehten alle vier Coaches gleichzeitig ihre Stühle. Er landete im Team des spanischen Popsängers Álvaro Soler und erreichte das Finale. Was folgte: zwei Konzertauftritte bei Soler, auf der Schloßbergbühne Kasematten in Graz und im Wiener Gasometer. Für einen 16-Jährigen aus Halbturn keine schlechte Entwicklung.

„Strangers In The Night“ (Benjamin G.) | Blind Auditions | The Voice Kids 2022

Noch im selben Jahr erschien «Give Me A Moment» – die Debütsingle, auf Englisch, im Singer-Songwriter-Stil. Es folgten Auftritte beim Warm-up der Starnacht am Neusiedlersee und auf lokalen Festivals. Im Oktober 2023 traf er Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der seine Auftritte im Fernsehen verfolgt hatte. Im Dezember 2023 sein erstes Radiointerview auf Radio Burgenland.

2025 erschien die EP «From My Room». Zusammen mit seiner Band The Thumbs spielte er Konzerte, unter anderem in der Cselley Mühle. Die Garish-Musiker halfen beim Produzieren. Die Songs: noch auf Englisch.

Dann der Bruch. Vom englischsprachigen Akustik-Pop zum deutschen Dance-Pop. Neuer Name, neues Klangbild, blauer Stern. Der Schritt war bewusst – mit dem Wechsel zu deutschen Texten wollte sich Benjamin Gedeon neu erfinden. COSMÓ war die konsequente Entscheidung, nicht die Reaktion auf einen Misserfolg.

Kurz vor dem ESC erschien im Mai 2026 eine neue EP: «Lieber tanz ich weiter» enthält vier Stücke, die stilistisch an «Tanzschein» anknüpfen – von Wiener Walzer-Anklängen bis zu sommerlichem Flair. Der Zeitpunkt war, wie COSMÓ selbst sagt, «eigentlich pures Glück».

Eurovision Song Contest 2026

Nach dem Sieg von Johannes Pietsch beim Eurovision Song Contest 2025 in Basel kehrt der Wettbewerb nach Österreich zurück. Wien ist Austragungsort des 70. Eurovision Song Contest 2026 – und Österreich trägt damit zum dritten Mal in seiner Geschichte die Rolle des Gastgeberlandes, nach 1967 und 2015.

Am 15. Dezember 2025 gab ORF den Startschuss: «Vienna Calling – Wer singt für Österreich?». Zwölf Acts traten an, das Finale lief am 20. Februar 2026.

Die 43-köpfige Jury setzte COSMÓ auf den zweiten Platz – 10 Punkte. Das Publikum gab ihm die Höchstpunktzahl: 12 Punkte. Gesamtergebnis: Sieg mit zwei Punkten Vorsprung. Kein Sweep, aber eindeutig.

Was danach kam, war rauer. Eine heftige Online-Kritikwelle brach über den 19-Jährigen herein – am Song, am Bühnenimage, am Auftritt. ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz postete öffentlich einen symbolischen «Tanzschein» in ihrer Instagram-Story, als Zeichen der Unterstützung. Parallel dazu stieg der Song in den österreichischen Charts auf Platz 7 und entwickelte sich auf TikTok zum Trend. Zwei Geschichten gleichzeitig, wie das im Jahr 2026 eben läuft.

COSMÓ – Tanzschein | Auftritt beim nationalen Vorentscheid

Bundespräsident Alexander Van der Bellen lud COSMÓ – zusammen mit anderen österreichischen ESC-Acts – zu einem offiziellen Empfang ein. Und am 5. Mai 2026 liess sich der 19-Jährige mit einer eigens gestalteten Sonderstrassenbahn, der «Tanzschein-Bim», vom Karlsplatz zur Wiener Stadthalle bringen. Mit dabei: das ESC-Maskottchen Auri und Luxemburgs ESC-Teilnehmerin Eva Marija, seine «ESC-Bestie».

Als Gastgeberland steht Österreich automatisch im Finale. Den Song präsentiert COSMÓ ausser Konkurrenz im zweiten Halbfinale am 14. Mai. Im Finale tritt er als letzter Act an – Startplatz 25.

Der Titel erklärt sich über die Analogie zu anderen deutschen Scheinwörtern: Führerschein, Jagdschein – und jetzt der Tanzschein. Ein Permit zum Tanzen. In Englisch: «Dance Permit».

Die persönliche Entstehungsgeschichte erzählt COSMÓ selbst so:

Ich hatte eine Erfahrung in einem Club, wo ich so excited war, endlich hinzugehen – und auf einmal tanzt keiner. Im Song geht es darum, dass es in Clubs wieder ums Tanzen gehen soll und man nur mit einem Tanzschein reinkommt.

FM4 liest den Song auf einer zweiten Ebene: als Beobachtung von Balz- und Jagdverhalten im Nachtleben, mit Tiermetaphern auf der Bühne inszeniert. Nicht moralinsauer – eher Pop mit einem schrägen Blick auf das, was im Club wirklich passiert. Und dann ist da noch die persönlichste Klammer: COSMÓ schrieb den Song für seine Mutter, als Einladung zum Tanzen, als Geschichte, die das grelle Bühnenbild erdet.

Die Autoren sind Elias Stejskal, Ella Stern und Benjamin Gedeon selbst. Produzent: Dan Shipton. Der Song wechselt zwischen Deutsch und Englisch – weil beides zu ihm gehört. Ausserdem ist «Tanzschein» das erste Mal seit 2012 (Trackshittaz mit «Woki mit deim Popo»), dass Österreich beim ESC überwiegend auf Deutsch antritt.

Die Performance setzt auf Club-Ästhetik: bunte Outfits aus verschiedenen Musikjahrzehnten, lebensgrosse Tiermasken, Choreografie im Mittelpunkt. Vier professionelle Tänzerinnen und Tänzer aus London begleiten COSMÓ auf der Bühne – im Gegensatz zum Vorentscheid, wo Bekannte von ihm mitgemacht hatten. Kostümdesigner sind Adi Lozancic und Timo Reitbauer. Dazu kommen LED-Grafiken und ein Lichtspektakel, das der Bühne der Wiener Stadthalle angemessen ist. COSMÓ selbst fasst das Konzept so zusammen:

Es geht darum, das innere Tier hinaus zu tanzen.

Vor der Probenwoche legte er ausserdem tatsächlich eine Prüfung ab und erhielt einen echten Tanzschein. Der Songtitel wurde wortwörtlich eingelöst.

COSMÓ – Tanzschein | Offizielles Musikvideo

Diskografie

Jahr

Titel

Format

Label

2021

Fall into Your Arms

Single

Eigenproduktion

2022

Give Me A Moment

Single

Eigenproduktion

2025

From My Room

EP

2026

Tanzschein

Single (ESC 2026)

ORF / Universal

2026

Lieber tanz ich weiter

EP

Auszeichnungen

Auszeichnung

Jahr

Kontext

Sieger podium.jazz.pop.rock

2021

Bester Singer-Songwriter Burgenlands

The Voice Kids Staffel 10 – Finalist

2022

Alle vier Coaches; Team Álvaro Soler

Sieger Vienna Calling

2026

Höchstpunktzahl Publikum beim ORF-Vorentscheid

Empfang beim Bundespräsidenten

2026

Einladung durch Alexander Van der Bellen

Interessante Fakten

  • Als Conchita Wurst 2014 den ESC gewann, sah COSMÓ die Performance als Kind im Fernsehen. Und baute den Auftritt danach mit Lego nach. Zwölf Jahre später steht er selbst auf derselben Bühne. Wer weiss, was gerade irgendwo ein Kind baut.
  • Bei einem Klavierkonzert in Schloss Kittsee spielte er zusammen mit seinem Klavierlehrer Gebhard Rauscher gleichzeitig auf zwei Flügeln. Das ist kein üblicher Karriereschritt – aber ein passender für jemanden, der klassische Ausbildung und Clubbeats gleichzeitig für sich beansprucht.
  • Vor der ESC-Probenwoche legte COSMÓ tatsächlich eine offizielle Prüfung ab und erhielt einen echten Tanzschein. Die Metapher wurde Realität.
  • Eine musikalische Kontroverse begleitet den Song: PR-Berater Heimo Lepuschitz wies öffentlich auf eine Ähnlichkeit mit «Satisfaction» von Benny Benassi (2002) hin. Eine offizielle Reaktion von COSMÓ oder ORF steht aus.
COSMÓ - österreichisch-ungarischer Sänger und Songwriter

COSMÓ

Soziale Medien

COSMÓ ist auf Instagram, TikTok und YouTube aktiv. Die Kanäle werden regelmässig bespielt – mit Behind-the-Scenes aus der ESC-Vorbereitung, persönlichen Momenten und Musikcontent. TikTok ist die stärkste Plattform, «Tanzschein» entwickelte sich dort nach dem Vorentscheid zum Trend.

FAQ

Was bedeutet COSMÓ – und warum hat das O einen Akzent?

COSMÓ steht für «cosmopolitan» – Weltbürger, offen für die Welt. Der Akzent auf dem Ó verweist auf seine ungarischen Wurzeln: Auf Ungarisch hiess er Benjámin, und das betonte Ó blieb als Erinnerung daran.

Warum hat COSMÓ einen blauen Stern unter dem Auge – und ist das dauerhaft?

Der blaue Stern ist sein festes Markenzeichen als COSMÓ, sichtbar auf allen Auftritten und öffentlichen Fotos. «Wenn ich den aufmale, kann ich mehr loslassen», sagt er selbst. Kein ESC-Gimmick – Teil seiner Identität als Künstler, schon vor Wien.

Gibt es englische Zeilen in «Tanzschein» – und warum?

Ja. Der Song wechselt zwischen Deutsch und Englisch. Das ist Absicht, keine Kompromisslösung: COSMÓ ist zwischen zwei Sprachen aufgewachsen, seine frühere Musik war vollständig auf Englisch. Der Mix spiegelt ihn.

In welcher Sprache schreibt und singt COSMÓ?

Bis 2025 ausschliesslich auf Englisch. Mit «Tanzschein» und dem Wechsel zu COSMÓ kam der bewusste Schritt zum Deutschen. Beides gehört zu ihm – der Wechsel war Entscheidung, keine Notwendigkeit.

Was ist die persönliche Botschaft hinter «Tanzschein»?

COSMÓ sagt, er wolle nicht nur zum Tanzen animieren, sondern auch zum Nachdenken. Der Song ist für seine Mutter geschrieben – als Einladung zu tanzen, als Geschichte, die das grelle Bühnenbild erdet. Der Club als Ort, an dem mehr passiert als Party. Und die Bitte, wieder wirklich zu tanzen, wenn man schon dort ist.