Steirischer Herbst
Wenn im Herbst die Kunst nach Graz kommt, wird die Stadt für einige Wochen zur Bühne. Der Steirischer Herbst 2026 ist das älteste und eines der bekanntesten interdisziplinären Festivals für zeitgenössische Kunst in Österreich. Seit 1968 verwandelt es Jahr für Jahr Graz und die Steiermark in einen Schauplatz für aktuelle Kunst. Die Ausgabe 2026 ist bereits die 59. und läuft von 24. September bis 18. Oktober unter dem Motto «Red Flags».
Das Festival lässt sich schwer in eine Schublade stecken. Es verbindet bildende Kunst, Performance, Theater, Musik, Literatur und neue Medien, und sein Programm besteht überwiegend aus neuen Auftragsarbeiten und Uraufführungen. Eine zentrale Ausstellung in einem leerstehenden Gebäude, dazu Performances, Diskussionen und die «Festivals im Festival»: was das im Detail heißt, zeigen die nächsten Abschnitte.
Name des Festivals | steirischer herbst |
|---|---|
Ausgabe 2026 | die 59. |
Termine 2026 | 24. September – 18. Oktober 2026 |
Motto 2026 | «Red Flags» |
Ort | Graz und Steiermark, Österreich |
Gegründet | 1968 |
Genre | interdisziplinäres Festival für zeitgenössische Kunst |
Intendantin und Chefkuratorin | Ekaterina Degot |
Zentrale Ausstellung | Griesplatz 34, 8020 Graz (Eintritt frei) |
Festivals im Festival | ORF musikprotokoll, Out of Joint |
Website |
Steirischer Herbst
Geschichte
Angefangen hat alles 1968. Am 23. September wurde der erste Steirische Herbst im Rittersaal des Grazer Landhauses eröffnet, die Festrede hielt Hanns Koren, Volkskundler, Landeshauptmannstellvertreter und Kulturreferent, der das Festival erfunden hatte. Schirmherr war Landeshauptmann Josef Krainer senior. Der Name «Steirischer Herbst» geht vermutlich auf ein Gedicht des steirischen Mundartdichters Hans Kloepfer zurück. Von Beginn an ging es um mehr als um schöne Bilder. Im Zentrum stand das Zusammenspiel der Disziplinen, von bildender Kunst über Performance, Theater und Oper bis zu Musik und Literatur, mit einem Schwerpunkt auf Auftragsarbeiten und Uraufführungen. Schon im ersten Jahr brachte das ORF musikprotokoll zehn Konzerte auf die Bühne, mit Werken von György Ligeti und Ernst Krenek. Diese Verbindung von Kunst und gesellschaftspolitischer Debatte prägt das Festival bis heute.
Steirischer Herbst - Archivfotos
Der Steirische Herbst versteht sich als Festival mit internationaler Strahlkraft, das zugleich fest in Graz und der Steiermark verankert ist. Kunst, die gesellschaftspolitische Fragen kommentiert und öffentliche Debatten quer durch alle Disziplinen anstößt, ist sein Markenzeichen. Seit 1983 hat das Festival künstlerische Leiterinnen und Leiter mit eigenem Profil, und seit 2018 führt es Ekaterina Degot als Intendantin und Chefkuratorin. Ihre erste Ausgabe hieß «Volksfronten» (2018), und schon damals ging es um gesellschaftliche Spaltungen. Diese Linie zu Themen wie Polarisierung, Identitarismus, Faschismus und Krieg zieht sich seither durch ihr Programm.
Wie stark das Festival heute ist, zeigte die Ausgabe 2025. Die 58. Auflage lief unter dem Motto «Never Again Peace», auf Deutsch «Nie wieder Friede», von 18. September bis 12. Oktober 2025. Sie war inspiriert vom gleichnamigen satirischen Theaterstück des deutsch-jüdischen Schriftstellers Ernst Toller aus den Jahren 1934 bis 1936 und stellte angesichts der Kriege und Konflikte der Gegenwart die Frage, was vom pazifistischen Versprechen übrig bleibt. Das Zentrum bildete damals ein leerstehender Industriebau, die frühere Destillerie Bauer, im Bezirk Gries. Zum Programm gehörten eine große Gruppenausstellung, Performances, Diskussionen und das herbstkabarett. Kuratiert wurde die Ausgabe von Ekaterina Degot, David Riff, Gábor Thury und Pieternel Vermoortel. Die Zahlen sprechen für sich: über 50.000 Besucherinnen und Besucher an 39 Spielorten bei mehr als 440 Veranstaltungen, die Partnerprogramme eingerechnet. Ein Blick in die Geschichte des Festivals zeigt eine Institution, die ihre kritische Haltung über mehr als ein halbes Jahrhundert bewahrt hat.
Ekaterina Degot
Steirischer Herbst 2026
Die 59. Ausgabe läuft von 24. September bis 18. Oktober 2026 unter dem Motto «Red Flags». Der Begriff hat zwei Karrieren gemacht. In der Welt des Datings dient er als Frühwarnsystem für Alarmzeichen in Beziehungen, in politischen Debatten markiert er inzwischen jene, die von einer vorgegebenen Linie abweichen. Der Steirische Herbst greift diesen Gedanken auf und überträgt ihn auf gesellschaftliche und politische Konflikte. Kurz gesagt: ein Programm, das Konflikten nicht ausweicht, sondern ihnen Raum gibt.
Der steirische herbst navigiert heuer zwischen zahlreichen gefährlichen ‹Red Flags› – immer mit dem Willen, vorauszugehen und nicht zu stagnieren, erklärt Intendantin und Chefkuratorin Ekaterina Degot zum diesjährigen Motto.
Das Herzstück ist die zentrale Ausstellung am Griesplatz 34. Dafür wird ein Haus aus dem 17. Jahrhundert bespielt, in dem zuletzt ein folkloristisches Schnitzellokal untergebracht war. Die Adresse ist Programm. Der Griesplatz liegt am rechten Murufer, auf jener Seite der Stadt, die in Graz lange als die schlechtere galt, und der Bezirk Gries ist jener mit der größten Vielfalt an Herkunftsländern.
Im Inneren entsteht ein Labyrinth aus Erzählungen, denn jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte und wird mit neuen künstlerischen Arbeiten bespielt. Die Künstlerinnen und Künstler haben die Wirtshausräume in begehbare Installationen verwandelt, in denen einem fiktive Hausbewohner begegnen, von feministischen Sektenmitgliedern über Detektive bis zu Schützengräben-Camgirls. Beteiligt sind unter anderem Rawan Almukhtar, Josefin Arnell, Vanessa Baird, Leila Hekmat, Nikolay Karabinovych, Alina Kleytman, Heather Phillipson und Jaro Varga, dazu das Duo Max Höfler und Andreas Unterweger sowie Gabriele Edlbauer mit Julia S. Goodman.
Steirischer Herbst 2025
In Josefin Arnells Arbeit «Edge of Empire» ist die Performerin und Choreografin Florentina Holzinger als steirischer Proto-Vampir «Carmilla» zu sehen. Thematisch zeigt die Ausstellung, wie globale Konflikte in die private Sphäre vordringen. Der Eintritt ist frei, die Kosten übernimmt die Arbeiterkammer Steiermark. Und noch etwas Besonderes: erstmals ist die Ausstellung länger zu sehen als das Festival selbst. Während der Steirische Herbst am 18. Oktober endet, läuft die Ausstellung noch bis zum 15. November, und ebenso lange gibt es Workshops und weitere Bildungsangebote der «Herbstvermittlung».
Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 24. September, um 17 Uhr am Karmeliterplatz, mit der Eröffnungsrede von Ekaterina Degot. Direkt danach zeigt der deutsch-britische Künstler Julian Warner seine Ringkampf-Performance «Paradise Lost: dieser Kampf ist kein Zeichen», beschrieben als unterhaltsam, aber nicht harmlos, gefolgt von einer Platzparty. Am Abend geht es in der Helmut-List-Halle mit einer Tanzperformance weiter. So wird Graz ab diesem Donnerstag für mehrere Wochen zur Bühne für zeitgenössische Kunst.
Ein eigenes Format sind die «herbst Deathmatches», öffentliche Streitgespräche nach dem Muster eines Schaukampfs. Zwei Menschen mit gegensätzlichen Positionen treten gegeneinander an, am Ende stimmt das Publikum über das überzeugendere Argument ab. Für 2026 stehen drei Paarungen fest. Am 2. Oktober treffen Robert Misik und Emilia Roig zur Frage «Das Ende der Vernunft?» aufeinander, am 9. Oktober Falter-Chefredakteur Florian Klenk und der Philosoph Konrad Paul Liessmann zu «Die Grenzen des Sagbaren?», und am 16. Oktober Paul Feigelfeld und Orit Halpern zu «Die Diktatur des Codes?».
Steirischer Herbst 2025
Dazu kommen die «Festivals im Festival». Das ORF musikprotokoll ist so alt wie der Steirische Herbst selbst und widmet sich der Neuen Musik. 2026 läuft es von 8. bis 10. Oktober, unter anderem im Dom im Berg und in der Helmut-List-Halle. Out of Joint ist das Literaturfestival im Festival, mit Lesungen und Gesprächen, und das herbstkabarett bringt Kabarettabende ins Programm. Beide Reihen haben ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Publikum. Das Performance-Programm reicht daneben von Uraufführungen wie «Austria Demenzia» von Franz von Strolchen im Orpheum, das sich mit der Zukunft der Erinnerungskultur beschäftigt, bis zu einem neuen Stück «der Rabtaldirndln» über patriarchale Gewalttraditionen.
Bei allem Schwerpunkt auf Graz bleibt der Steirische Herbst ein steirisches Festival. Einzelne Veranstaltungen finden in der ganzen Steiermark statt, etwa im Hoftheater in Hainersdorf in der Oststeiermark, zu dem ein kostenloser Bus ab dem Grazer Hauptbahnhof fährt. Dazu kommt das Partnerprogramm: neunundzwanzig Projekte in Graz und der Steiermark von lokalen Kulturinstitutionen und Kunstschaffenden sind 2026 Teil des Festivals. Wie breit das Ganze aufgestellt ist, zeigen schon die Spielorte, von der Helmut-List-Halle über das Schauspielhaus Graz, das Orpheum Extra, das Palais Attems und das Literaturhaus Graz bis zum Pavelhaus, zum KULTUM, zum Zentrum für zeitgenössische Kunst < rotor > und zur Universität Graz. Die Kunst verteilt sich also über die ganze Stadt und darüber hinaus. Wer das vollständige Programm mit allen Terminen sucht, findet es auf steirischerherbst.at.
Praktische Informationen
Zuerst zu den Tickets. Karten für die «Red Flags»-Performances und für das herbstkabarett gibt es im herbstcafé am Griesplatz 34 in 8020 Graz sowie online über steirischerherbst.at/tickets. Der Eintritt zur zentralen Ausstellung ist frei, und auch einzelne Veranstaltungen wie die Eröffnung sind kostenlos. Man kann also einen Teil des Festivals erleben, ohne einen einzigen Euro auszugeben. An Wochenenden kann für die Ausstellung ein Zeitfenster nötig sein, das sich online oder vor Ort buchen lässt.
Ermäßigt zahlen Schülerinnen und Schüler, Studierende bis 25, Zivildiener, Seniorinnen und Senioren, Mitglieder des Ö1 Clubs sowie Menschen mit Behinderung, deren Begleitperson gratis mitkommt. Noch günstiger wird es mit Ö1 intro oder dem Kleine Zeitung Club sowie für Gruppen ab zwölf Personen. Der Vorteilsklub der Holding Graz bringt beim Kauf einer Einzelkarte eine zweite Karte gratis, und wer einen Kulturpass hat, bekommt im herbstcafé und an den Abendkassen nach Verfügbarkeit eine Freikarte. Zur Orientierung: Out of Joint kostet rund zehn Euro pro Abend, das herbstkabarett 2026 zwanzig Euro, ermäßigt sechzehn. Ein Punkt, der Ärger erspart: Umtausch und Rückgabe gibt es nicht, und eine Ermäßigung muss man mit dem entsprechenden Nachweis belegen.
Steirischer Herbst 2025
Die Anreise nach Graz ist unkompliziert, die Stadt ist mit Bahn und Bus gut erreichbar. Die zentralen Spielorte liegen in Graz selbst, während einzelne Veranstaltungen in der Steiermark stattfinden, für die sich eine frühzeitige Planung der Anreise lohnt. Für das Hoftheater in Hainersdorf etwa fährt ein kostenloser Bus ab dem Grazer Hauptbahnhof. Als zentrale Anlaufstelle dient das herbstcafé am Griesplatz 34, das zugleich als Pressezentrum und Ausstellungsort fungiert. Der Griesplatz selbst ist ein Verkehrsknoten der Buslinien am rechten Murufer, vom Jakominiplatz sind es zu Fuß über die Radetzkybrücke rund zehn Minuten.
Noch ein paar Tipps für den Besuch. Weil das Programm viele Formate an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten umfasst, lohnt sich vorab ein Abgleich der Termine auf der Website. Für beliebte Performances kauft man die Karten am besten früh. Die zentrale Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet, freitags und samstags sogar bis 22 Uhr. Und wer einen ganzen Abend plant, kombiniert am besten mehrere Veranstaltungen, etwa ein Deathmatch mit einem Konzert des musikprotokoll. So bekommt man an einem einzigen Abend einen Querschnitt durch das, was dieses Festival kann.
Interessante Fakten
- Der Steirische Herbst existiert seit 1968 und gilt als eines der ältesten interdisziplinären Festivals für zeitgenössische Kunst in Europa. Die erste Ausgabe wurde am 23. September 1968 im Rittersaal des Grazer Landhauses eröffnet.
- Der Name des Festivals geht vermutlich auf ein Gedicht des steirischen Mundartdichters Hans Kloepfer zurück.
- Jedes Jahr entsteht die zentrale Ausstellung an einem ungewöhnlichen, oft leerstehenden Ort. 2025 war es die frühere Destillerie Bauer, 2026 ein ehemaliges Schnitzellokal am Griesplatz.
- Das Programm besteht überwiegend aus neuen Auftragsarbeiten und Uraufführungen, nicht aus fertigen Gastspielen.
- Das Format «Deathmatches» macht aus einer intellektuellen Debatte einen öffentlichen Schaukampf, bei dem das Publikum per Abstimmung über den Sieger entscheidet.
Steirischer Herbst 2025
Soziale Medien
FAQ
Wann findet der Steirische Herbst 2026 statt?
Von 24. September bis 18. Oktober 2026. Die zentrale Ausstellung ist sogar noch länger zu sehen, nämlich bis zum 15. November.
Wo finden die Veranstaltungen des Festivals statt?
Vor allem in Graz, mit der zentralen Ausstellung am Griesplatz 34. Einzelne Veranstaltungen finden in der ganzen Steiermark statt, etwa im Hoftheater in Hainersdorf. Zu den Spielorten zählen unter anderem die Helmut-List-Halle, das Schauspielhaus Graz und das Literaturhaus Graz.
Was bedeutet das Motto «Red Flags» 2026?
«Red Flags» sind im Dating-Kontext Warnsignale in Beziehungen, in politischen Debatten markieren sie Abweichungen von einer vorgegebenen Linie. Das Festival überträgt diesen Gedanken auf gesellschaftliche und politische Konflikte.
Ist die zentrale Ausstellung kostenlos zugänglich?
Ja. Der Eintritt zur zentralen Ausstellung am Griesplatz 34 ist frei, die Kosten übernimmt die Arbeiterkammer Steiermark. An Wochenenden kann ein Zeitfenster nötig sein.
Was sind die «herbst Deathmatches»?
Öffentliche Streitgespräche nach dem Muster eines Schaukampfs. Zwei Menschen mit gegensätzlichen Positionen treten gegeneinander an, am Ende stimmt das Publikum über das überzeugendere Argument ab.
Seit wann gibt es den Steirischen Herbst?
Seit 1968. Die erste Ausgabe wurde am 23. September 1968 eröffnet, damit gehört er zu den ältesten interdisziplinären Festivals für zeitgenössische Kunst in Europa.
Wie viele Veranstaltungen umfasst das Festival 2026?
Neben dem Hauptprogramm mit Ausstellung, Performances und Diskussionen umfasst das Partnerprogramm 2026 neunundzwanzig Projekte in Graz und der Steiermark. Zum Vergleich: 2025 waren es über 440 Veranstaltungen an 39 Spielorten.
Ist der Steirische Herbst ein Musik- oder ein Theaterfestival?
Weder noch, beziehungsweise beides zugleich. Der Steirische Herbst ist ein interdisziplinäres Festival, das bildende Kunst, Performance, Theater, Musik, Literatur und neue Medien verbindet.







