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Grafenegg Festival

von Anna-Maria Leitner

Inhaltsverzeichnis
Grafenegg Festival, Österreich

Manche Orte wirken schon wie eine Bühne, bevor auch nur ein Ton erklingt. Schloss Grafenegg ist so einer. Inmitten eines 32 Hektar grossen Landschaftsparks in Niederösterreich, keine 60 Kilometer nordwestlich von Wien, verbindet das neugotische Schloss aus dem 19. Jahrhundert Türme, Zinnen und verwinkelte Trakte zu einer Kulisse wie aus einem Bühnenbild. Mittendrin steht der Wolkenturm, eine der schönsten Open-Air-Bühnen der Welt. Wenn hier die Wiener Philharmoniker spielen und im Park die Vögel dazu zwitschern, versteht man schnell, warum dieses Festival so einen Ruf hat.

2026 wird ein ganz besonderer Sommer. Das Grafenegg Festival feiert sein 20-jähriges Bestehen, eröffnet mit dem neuen Rudolf Buchbinder Saal einen dritten Konzertsaal, und es ist zugleich das letzte Festival unter der Leitung von Rudolf Buchbinder, der Grafenegg vor zwei Jahrzehnten aus der Taufe gehoben hat. Ein Jubiläum und ein Abschied in einem.

Name

Grafenegg Festival

Typ

internationales Klassik-Festival (Open Air und Saal)

Ort

Schloss Grafenegg, Niederösterreich (ca. 60 km nordwestlich von Wien)

Gegründet

2007

Künstlerischer Leiter

Rudolf Buchbinder (bis 2026)

Residenzorchester

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich

Spielstätten

Wolkenturm (Open Air, ca. 2.000 Plätze), Auditorium (1.372 Plätze), Schlosshof, neu: Rudolf Buchbinder Saal (ca. 500 Plätze)

Festival 2026

14. August bis 6. September 2026

Festivalprogramm

15 Abendkonzerte, 4 Matineen, 4 Préludes, 3 Late Night Sessions

Offizielle Website

grafenegg.com

Grafenegg Festival - internationales Klassik-Festival (Open Air und Saal)

Grafenegg Festival

Geschichte und Konzept

Die Geschichte des Grafenegg Festivals beginnt 2007. Damals fassten die Verantwortlichen den Entschluss, im Schlosspark ein Klassikfestival von internationalem Format zu schaffen, und holten dafür einen der prominentesten Vertreter der österreichischen Musikkultur an Bord: den Starpianisten Rudolf Buchbinder als künstlerischen Leiter. Schnell war klar, dass es dafür grosse Spielstätten brauchte, denn Gartensaal und Reitschule waren zu klein. Aus einem Architekturwettbewerb gingen Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs von «the next ENTERprise-architects» als Sieger hervor. Mit dem Wolkenturm entwarfen sie eine offene Stahl-, Beton- und Glaskonstruktion, die bei Sonnenuntergang regelrecht glüht.

Am 22. Juni 2007 eröffnete der Wolkenturm mit der ersten Sommernachtsgala, im selben Sommer folgte das erste Grafenegg Festival mit zwölf Hauptkonzerten und sieben Kammerkonzerten. Ein Jahr später kam das Auditorium dazu, eine wettergeschützte Konzertstätte für 1.372 Plätze, sodass Regen dem Festival seither wenig anhaben kann. Der Wolkenturm selbst bietet rund 1.700 Sitzplätze und dazu etwa 400 Rasenplätze auf den umliegenden Hügeln, macht zusammen gegen 2.000.

Das Konzept ging auf, und zwar spektakulär. Kamen in den ersten Jahren noch knapp 15.000 Besucherinnen und Besucher, waren es ab 2015 schon rund 50.000 pro Sommer. Der Schlüssel liegt in der Mischung. Auf dem Programm stehen sinfonische Musik, Kammermusik und Recitals, dazu Ausflüge in Jazz, Broadway und Filmmusik. Als Residenzorchester prägt das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich das Festival, das schon seit über 50 Jahren in Grafenegg zu Hause ist. Und die Nachwuchsförderung kam früh dazu, etwa mit dem Grafenegg Academy Orchestra oder als Heimat des European Union Youth Orchestra.

Grafenegg Festival - im historischen Schlosspark von Grafenegg

Grafenegg Festival

Buchbinders Handschrift ist über die Jahre unverkennbar geworden.

In Grafenegg gehen wir nicht über den roten Teppich, wir gehen über den grünen Rasen, und das seit 20 Jahren

Genau diese Mischung aus Weltklasse und Natürlichkeit, aus historischer Schlosskulisse und moderner Architektur, macht den Ruf des Festivals aus. Umso bedeutsamer ist, dass 2026 die letzte Saison unter Buchbinders Leitung wird, ein Wendepunkt in der noch jungen, aber äusserst erfolgreichen Geschichte.

Grafenegg Festival 2026

Jetzt zum Jubiläumssommer. Das Programm 2026 stellte Buchbinder Anfang November 2025 in den Barocken Suiten des Wiener MuseumsQuartiers vor, gemeinsam mit Geschäftsführerin Simone Bamberg und NÖKU-Geschäftsführer Paul Gessl. Und es fällt üppig aus, wie es sich für ein 20-Jahr-Jubiläum gehört.

Das eigentliche Grafenegg Festival läuft dann vom 14. August bis 6. September 2026. In diesen gut drei Wochen stehen 15 Abendkonzerte auf dem Programm, darunter zwei konzertante Opernaufführungen, dazu vier Matineen, vier Préludes und drei Late Night Sessions. Zur Eröffnung am 14. August erklingt unter anderem Carl Orffs «Carmina Burana», gespielt vom Philharmonia Orchestra London unter Cristian Măcelaru.

Sommer 2026 / 20 Jahre Grafenegg

Die Gästeliste liest sich wie das Who’s who der Klassik. An Orchestern kommen unter anderem die Wiener Philharmoniker mit Tugan Sokhiev, das Royal Concertgebouw Orchestra mit Santtu-Matias Rouvali, das Israel Philharmonic Orchestra mit Lahav Shani und das Philharmonia Orchestra London.

Bei den Solistinnen und Solisten ist die Dichte ähnlich beeindruckend. Die Pianistin Martha Argerich gibt ihr Grafenegg-Debüt, ebenso der Dirigent Riccardo Muti, der zum Abschluss gemeinsam mit Rudolf Buchbinder und dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini das Schlusskonzert des Jubiläums gestaltet. Dazu kommen Namen wie Daniil Trifonov, Yuja Wang, Joyce DiDonato, Piotr Beczała, Gautier Capuçon und Víkingur Ólafsson. Als Residenzorchester spielt das Tonkünstler-Orchester erneut eine Reihe von Konzerten, unter anderem die konzertante Aufführung von Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt».

Der grosse bauliche Höhepunkt ist der neue Rudolf Buchbinder Saal. Er entsteht im Obergeschoss der sanierten Reitschule, bietet rund 500 Plätze und einen herrlichen Blick auf den Schlosspark. Der Saal verbindet historische Substanz mit moderner Akustik und wird beim Festival für Préludes und Einführungsgespräche genutzt, dazu erstmals mit vier Nachmittagskonzerten bespielt, darunter das multimediale Projekt «Emily – No Prisoner Be» mit Joyce DiDonato. Die genauen Termine, Besetzungen und das vollständige Detailprogramm prüft man am besten direkt auf der offiziellen Website, da sich einzelne Angaben bis zum Sommer noch ändern können.

Rudolf Buchbinder Saal

Praktische Informationen

Kommen wir zu Tickets und Anreise. Die Karten fürs Grafenegg Festival gibt es offiziell über grafenegg.com und die bekannten Vorverkaufsstellen. Weil das Jubiläumsjahr mit Stars wie Argerich und Muti grossen Andrang verspricht, kauft man besser früh, populäre Abende sind erfahrungsgemäss schnell weg. Ein Tipp vorweg: die Rasenplätze am Wolkenturm sind die günstige und zugleich stimmungsvollste Variante, hier sitzt man auf den Hügeln rund um die Bühne, oft mit Picknick. Konkrete Preise lassen sich pauschal schwer nennen, sie hängen stark vom Konzert und von der Kategorie ab, die aktuellen Zahlen stehen auf der offiziellen Seite.

Ein Wort zum Wetter, denn Grafenegg spielt grösstenteils unter freiem Himmel. Bei Regen wandern die Wolkenturm-Konzerte ins wettergeschützte Auditorium, ein Abend fällt also nur selten ganz ins Wasser. Trotzdem lohnt ein Blick auf die Wetterlage und eine wärmere Jacke, denn im Schlosspark wird es nach Sonnenuntergang kühl. Bei der Kleidung ist man in Grafenegg entspannt: erlaubt ist, worin man sich wohlfühlt, vom Sommeranzug bis zu Jeans, meist mit einer warmen Jacke für den Abend.

Bei der Anreise hat man die Wahl. Mit dem Auto fährt man von Wien in rund 50 Minuten über die A22 Richtung Stockerau, dann die S5 Richtung Krems bis zur Ausfahrt Grafenwörth, macht etwa 60 Kilometer. Von Krems sind es nur rund 15 Minuten. Vor dem Haupteingang, dem Wiener Tor, steht ein grosser Besucherparkplatz (Adresse Grafenegg 10, 3485 Grafenegg) in ausreichender Zahl bereit, dazu gibt es Ladestationen des EVN-Netzes für Elektroautos. Wer ohne Auto kommt, nimmt den Bustransfer, den Grafenegg zu allen Eigenveranstaltungen ab Wien anbietet, Abfahrt beim Musikverein an der Ecke Bösendorferstraße und Canovagasse. Buchen kann man online, telefonisch oder an der Kassa, die Tickets gibt es ab etwa 15 Euro, und die Rückfahrt startet 15 Minuten nach Konzertende. Eines sollte man wissen: Bei zu geringer Auslastung kann der Bus kurzfristig ausfallen, früh buchen lohnt sich also.

Auch die Bahn ist eine Option. Der Bahnhof Wagram-Grafenegg liegt rund 2,5 Kilometer vom Areal entfernt, gut 30 Minuten zu Fuss. Züge ab dem Wiener Franz-Josefs-Bahnhof fahren stündlich, ab Krems zweimal pro Stunde. Für die letzte Etappe zum Schloss nimmt man am besten ein Taxi und bestellt es vorab. Weil Verbindungen, Shuttle-Zeiten und Preise je nach Konzert variieren, prüft man Anreise und Bus vor dem Besuch auf grafenegg.com und bucht rechtzeitig.

Und noch ein Rat: plant genug Zeit ein und macht einen ganzen Ausflug daraus. Zum Konzept von Grafenegg gehören die Préludes und Einführungsgespräche vor den Abendkonzerten, dazu laden Schlosspark und Picknickwiesen zum Verweilen ein. Direkt beim Wiener Tor liegen das Grafenegg Restaurant und der Picknick-Pavillon, auf dem Weg zum Schloss die Wine Lounge «Im Alten Stierstall». Wer früh kommt, erkundet den Park, isst in Ruhe und beginnt den Abend entspannt, statt in letzter Minute anzukommen.

Grafenegg Festival - international renommiertes Musikfestival für klassische Musik

Grafenegg Festival

Falls Sie sich für Musikfestivals interessieren, können Sie im August auch das Fuzzstock Bergfestival besuchen.

Interessante Fakten

  • Das Festival hat ein genaues Geburtsdatum. Am 22. Juni 2007 eröffnete der Wolkenturm mit der ersten Sommernachtsgala, und im selben Sommer stieg das erste Grafenegg Festival mit zwölf Haupt- und sieben Kammerkonzerten.
  • Das Publikum ist rasant gewachsen. Aus knapp 15.000 Besucherinnen und Besuchern in den Anfangsjahren wurden ab 2015 rund 50.000 pro Sommer, ein Sprung, der die Erfolgsgeschichte in Zahlen fasst.
  • Der Wolkenturm ist mehr Skulptur als Bühne. Die preisgekrönte Open-Air-Konstruktion ragt rund 16 Meter hoch bis in die alten Baumkronen und gilt akustisch als eine der besten Freiluftbühnen Europas, wobei bei Konzerten sogar der Vogelgesang aus dem Park hörbar wird.
  • Das Schloss ist viel älter als das Festival. Grafenegg wurde bereits 1294 erstmals urkundlich erwähnt, seine heutige neugotische Gestalt erhielt es im 19. Jahrhundert.
  • 2026 ist ein Jahr des Abschieds. Es ist die letzte Saison unter Rudolf Buchbinder, der das Festival 2007 gegründet und über zwei Jahrzehnte zu einem Leuchtturm der klassischen Musik geformt hat. Passenderweise trägt der neue Saal seinen Namen, ein bleibendes Vermächtnis.
  • Zwei Weltstars geben ihr Debüt. Sowohl die Pianistin Martha Argerich als auch der Dirigent Riccardo Muti treten 2026 zum ersten Mal überhaupt in Grafenegg auf, Muti gestaltet dabei das Abschlusskonzert des Jubiläums.

Soziale Medien

FAQ

Wann wird das Grafenegg Festival 2026 eröffnet?

Das eigentliche Festival wird am 14. August 2026 eröffnet, unter anderem mit Carl Orffs «Carmina Burana», gespielt vom Philharmonia Orchestra London unter Cristian Măcelaru. Der Grafenegger Sommer beginnt aber schon früher, mit der Sommernachtsgala am 11. und 12. Juni.

Wie lange dauert das Festival und wie viele Konzerte sind über die Saison geplant?

Das Festival selbst läuft vom 14. August bis 6. September 2026, also gut drei Wochen. In dieser Zeit stehen 15 Abendkonzerte auf dem Programm, dazu zwei konzertante Opernaufführungen, vier Matineen, vier Préludes und drei Late Night Sessions. Rechnet man die Sommernachtsgala im Juni und die «Sommerklänge» an den Samstagen bis 8. August dazu, zieht sich der Grafenegger Konzertsommer über mehrere Monate.

Kann man das Festival auch mit Kindern besuchen?

Grundsätzlich ja, Grafenegg gilt als familienfreundlicher Ort mit Park, Picknickwiesen und einer entspannten Atmosphäre. Ob ein bestimmtes Konzert für Kinder geeignet ist und ob es Altersempfehlungen oder eigene Angebote gibt, klärt man am besten vor dem Kauf direkt bei Grafenegg, da das je nach Veranstaltung unterschiedlich ist.

Kann man Schloss und Park Grafenegg auch ohne Konzertticket besuchen?

Ja. Der Landschaftspark und das Schloss lassen sich unabhängig von den Konzerten besichtigen, das Schloss zu den jeweiligen Öffnungszeiten. Die aktuellen Öffnungszeiten, Preise und Führungsangebote findet man auf grafenegg.com. Für den Park selbst braucht man kein Konzertticket.

Gibt es beim Festival eigene Angebote für junge oder angehende Musiker?

Ja, die Nachwuchsförderung gehört fest zu Grafenegg. Dazu zählen das Grafenegg Academy Orchestra für Musikerinnen und Musiker am Beginn ihrer Laufbahn sowie Workshops wie «Ink Still Wet», die sich an den Nachwuchs richten. Auch das European Union Youth Orchestra ist in Grafenegg zu Gast.

Was ist die Reihe «Sommerklänge» und worin unterscheidet sie sich grundsätzlich vom Hauptfestival?

Die «Sommerklänge» sind eine eigene Konzertreihe an den Samstagabenden vor dem Festival, 2026 bis inklusive 8. August. Anders als das Hauptfestival mit seinen grossen sinfonischen Abenden und Weltklasse-Orchestern ist die Reihe bewusst bunter und leichter programmiert, mit Klassikern aus Jazz und Broadway, einer Fiesta Española oder einem Auftritt des European Union Youth Orchestra.