Jazz&TheCity Salzburg
Im Oktober klingt die Salzburger Altstadt anders. Jazz&TheCity Salzburg 2026 holt von 15. bis 18. Oktober wieder Bands in Kirchen, Weinbars und Gasthäuser, genau dorthin, wo sonst Reisegruppen mit Mozartkugeln im Sackerl vorbeiziehen. Seit mehr als 25 Jahren gehört das Festival zum Salzburger Herbst. Heuer steht es unter dem Motto „true moments".
Das Prinzip klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Lokale und Säle in der ganzen Altstadt sperren ihre Türen auf, die Musiker spielen, und das Publikum zahlt keinen Cent. Eintritt verlangt niemand, und vor einer Kassa muss auch keiner anstehen. Zahm ist das Programm 2026 trotzdem nicht. Es gibt thematische Reihen und internationale Namen aus Jazz und Weltmusik. Ein paar Überraschungen sind auch dabei, mehr dazu weiter unten.
Name des Festivals | Jazz&TheCity sounds (früher Jazz in der Altstadt) |
|---|---|
Termin 2026 | 15. bis 18. Oktober 2026 (Donnerstag bis Sonntag) |
Pre-Opening | 14. Oktober 2026, ausgewählte Lokale der Altstadt |
Veranstaltungsort | Altstadt Salzburg |
Gründungsjahr | 2000 |
Motto 2026 | „true moments" |
Konzerte (ca.) | rund 60 bis 100 pro Ausgabe |
Spielorte (ca.) | rund 20 bis 40 Locations |
Eintritt | frei bei allen Konzerten |
Veranstalter | Altstadtverband Salzburg |
Offizielle Website |
Jazz&TheCity Salzburg
Geschichte
Am Anfang stand ein Nebenprojekt. Im Jahr 2000 starteten der Salzburger Jazzherbst und das Altstadtmarketing gemeinsam „Jazz in der Altstadt". Die erste Ausgabe war winzig. 18 Konzerte an fünf Tagen, alle in kleinen Lokalen. Eintritt verlangte schon damals niemand, und gerade das sprach sich schnell herum. Die Idee dahinter: die Musik kommt zu den Leuten, nicht umgekehrt. Wer zuhören wollte, setzte sich ins Wirtshaus ums Eck und bestellte ein Glas Wein.
Das Publikum zog sofort mit. 2001 standen schon 30 Programmpunkte im Kalender, 2003 mehr als 50 Konzerte. Bei der achten Ausgabe 2007 waren es rund 70 Konzerte an etwa 50 Orten in der Altstadt, von Clubs bis zu offenen Plätzen. In diesem Jahr kamen auch zum ersten Mal Stars von internationalem Format. Howard Levy spielte Mundharmonika, Michael Riessler Klarinette. Der Wiener Gitarrist Harri Stojka brachte seinen Gypsy-Jazz mit, der Saxofonist Bill Evans reiste an, und Posaunist Fred Wesley sorgte mit seiner Band für Funk.
2008 übernahm Gerhard Eder die künstlerische Leitung. Bei der zehnten Ausgabe ein Jahr später verpasste er dem Festival einen neuen Namen: „Jazz & the City". 2009 spielten die Bands mehr als 100 Konzerte, und über 30.000 Menschen hörten zu. Eder ordnete das Programm in Reihen mit Namen wie „Voices", „African Dreams", „Heimspiel" oder „Art of Duo", und die Namen wurden größer. 2014 standen etwa John Scofield, Bill Frisell, Roy Hargrove und Terence Blanchard im Programm, bei 98 Konzerten an 40 Spielstätten. Weil der Andrang so groß war, verteilte der Veranstalter damals noch rund 15.000 Zählkarten.
Jazz&TheCity Salzburg
Kurz vor dem Festival 2015 starb Gerhard Eder, völlig unerwartet. Im Jahr darauf übernahm die Hamburger Kulturmanagerin Tina Heine, und sie räumte gründlich um. Die Zählkarten, mit denen der Veranstalter bis dahin den Zugang zu manchen Konzerten regelte, schaffte sie ab. Seither gilt: wer zuerst kommt, hört zu. Heine erfand außerdem die Reihe „Blind Date", bis heute ein Publikumsliebling. Unter ihr zog das Festival auch in Läden und Werkstätten ein, ein Konzert konnte genauso gut zwischen Kleiderständern stattfinden wie in einem Keller. Zum 20-Jahr-Jubiläum 2019 standen rund 300 Künstlerinnen und Künstler auf etwa 30 Bühnen.
2023 zog sich Tina Heine aus familiären Gründen zurück. Ihre Nachfolgerin Anastasia Wolkenstein, Konzertagentin aus Regensburg, musste gleich mit weniger Geld auskommen. Sie stellte trotzdem knapp 40 Konzerte auf die Beine, darunter Shake Stew und das Amaro Freitas Trio aus Brasilien, und ergänzte sie um Improvisationen und Blind Dates, insgesamt rund 70 Programmpunkte. Danach suchte sie gezielt nach neuen Räumen. 2024 spielte das Festival zum Beispiel erstmals im Kapuzinerkloster.

Jazz&TheCity 2023 | Aftermovie
Die jüngste Ausgabe lief von 16. bis 19. Oktober 2025 unter dem Motto „The city sounds together". Diesmal stellte erstmals ein Team das Programm zusammen statt einer einzelnen Person. Markus Deisenberger koordinierte die künstlerische Arbeit, an seiner Seite saßen Katrin Pröll von Salam Music und Jakob Flarer von Saudades. Die drei gaben der österreichischen Jazzszene deutlich mehr Bühne und arbeiteten enger mit der Universität Mozarteum zusammen. Heimische Acts wie Muriel Grossmann und Christoph Pepe Auer standen neben internationalen Gästen wie Ben LaMar Gay und Aita Mon Amour. Mit Eleven Empire vom Rockhouse Salzburg holten die drei außerdem einen neuen Partner dazu. Und sie belebten eine alte Gewohnheit wieder. Am Abend vor dem offiziellen Start spielten Bands bei einem Pre-Opening in Bars und Cafés, so wie in den ersten Jahren.
Blind Date
Das Format „Blind Date" hat Tina Heine 2016 eingeführt. Die Idee ist einfach. Zwei Musiker, die noch nie miteinander gespielt haben, treffen sich zum ersten Mal auf der Bühne, direkt vor Publikum. Wie das klingt, weiß vorher niemand, die beiden auf der Bühne eingeschlossen. Manche Paare finden sofort zueinander. Andere tasten sich ein paar Minuten lang heran, bis der gemeinsame Ton steht. Für das Publikum ist das Improvisation in Echtzeit, und wiederholen lässt sich so ein Abend nicht. Dass das Format kein nostalgisches Überbleibsel ist, zeigte 2023. Damals liefen neben knapp 40 regulären Konzerten rund 30 weitere Slots mit Improvisationen und Blind Dates, fast so viele wie Konzerte.
Jazz&TheCity 2026
Die Ausgabe 2026 läuft von Donnerstag, 15., bis Sonntag, 18. Oktober. Wer es nicht erwarten kann, startet schon am Mittwoch, 14. Oktober, beim Pre-Opening in ausgewählten Lokalen der Altstadt. Inzwischen ist dieser Vorabend eine Art Aufwärmrunde für Musiker und Publikum. An den vier Festivaltagen kündigt der Veranstalter rund 60 Acts mit etwa 140 Musikerinnen und Musikern an, verteilt auf 19 Spielorte. Die große Open-Air-Bühne steht am Residenzplatz. Gespielt wird aber auch in der Kollegienkirche, im DomQuartier, im Stieglkeller und im Solitär der Universität Mozarteum, dazu kommen etliche Bars und Cafés. Die künstlerische Koordination liegt wieder bei Markus Deisenberger. Als Partner sind unter anderem die Universität Mozarteum, Eleven Empire vom Rockhouse und das Musikum Salzburg dabei.
Jazz&TheCity Salzburg
Das Motto „true moments" hat einen konkreten Hintergrund. Streamingdienste quellen inzwischen über vor KI-generierter Musik, und das Festival setzt bewusst das Gegenteil dagegen: echte, handgemachte Musik, gespielt mitten in der Altstadt, offen für alle. Hier schlägt kein Algorithmus den nächsten Song vor. Musikerinnen und Musiker improvisieren vor Leuten, von denen manche nur auf ein Achterl hereingekommen sind. Wie so ein Abend ausgeht, weiß vorher keiner.
Das Programm 2026 teilt sich in mehrere Reihen. Für das Publikum sind sie vor allem eine Abkürzung. Wer weiß, ob ihn eher ein stilles Solokonzert oder ein tanzbarer Groove lockt, findet über die Reihen schneller ans Ziel und muss sich nicht durch 60 Programmpunkte wühlen. „The Soul of Jazz" zeigt die gefühlvolle Seite des Jazz. Die Spannweite reicht von melancholischen Balladen bis zu Grooves, bei denen niemand mehr ruhig sitzen bleibt. Mit „City Stories" holt das Festival den Klang großer Städte nach Salzburg. Die Acts erzählen musikalisch von Paris, Amsterdam, New York oder Teheran. „The Art of Solo" gehört Leuten, die allein auf der Bühne stehen. Ein Instrument, ein Mensch, und trotzdem ist der Raum voll.
Bei „String-Break" stehen Saiteninstrumente im Mittelpunkt. Gitarre, Laute, Oud und Zither zeigen dort, was alles in ihnen steckt, und manchmal auch, was sich eigentlich gar nicht gehört. Laute gibt es heuer übrigens auch in der Kollegienkirche zu hören. Dort spielt der niederländische Lautenist Jozef van Wissem, und der Hall des barocken Kirchenschiffs spielt gleich mit. „Hidden Tracks" ist die geheimnisvollste Reihe. Bei geführten Spaziergängen landet das Publikum an Orten in der Altstadt, die es sonst nie betreten würde, und dort beginnt plötzlich Musik.
Außerdem gibt es den Schwerpunkt „Rhythm & Dance Culture" mit Afrobeat und Ethio-Jazz, bei dem Tanzen ausdrücklich erlaubt ist. Für Kinder hat das Festival ein eigenes Programm. Mit Genregrenzen nimmt es das Festival ohnehin nicht genau. Neben Jazz stehen Weltmusik und Folk auf dem Programm, ebenso Wienerlied und elektronische Musik. Manche Projekte schlagen sogar eine Brücke zur Klassik.
Jazz&TheCity Salzburg
Die ersten Zusagen können sich sehen lassen. Yemen Blues mischen jemenitische Volksmusik mit Funk und Blues. Bab L'Bluz verbinden marokkanische Gnawa-Musik mit der Wucht einer Rockband. Das Radio String Quartet aus Wien geht seit Jahren eigenwillig mit dem klassischen Streichquartett um. Aus Großbritannien kommt der Saxofonist Andy Sheppard mit seinem Trio, aus den USA die Pianistin Myra Melford mit ihrem Fire and Water Quintet. Marina & The Kats bringen Swing mit, und Lylit vertritt die heimische Szene. Wie weit das Spektrum reicht, zeigen zwei weitere Namen. Ernst Molden spielt mit den Neuen Wiener Concert Schrammeln Wienerlied, und Noura Mint Seymali aus Mauretanien steht für die Musik der Griots. Insgesamt stehen rund 60 Acts aus Österreich und vielen anderen Ländern im Programm.
Wer sich schon vorher einstimmen will, hört in die Spotify-Playlist „Jazz&TheCity sounds 2026" hinein. Die Veranstalter haben sie zusammengestellt, und sie eignet sich gut, um vorab ein paar Favoriten für die eigene Konzertroute auszusuchen.
Fast alle Bühnen liegen in der Altstadt zwischen Residenzplatz und Salzach, die übrigen erreicht man ebenfalls zu Fuß. Genau das macht den Reiz aus. An einem Abend lässt sich problemlos aus einer Kirche hinüber in einen Weinkeller wechseln. Die meisten Wege dauern ein paar Minuten. Wer sich treiben lässt, landet oft in einem Konzert, das gar nicht auf dem eigenen Zettel stand. Solche Zufallstreffer gehören bei diesem Festival einfach dazu.
Praktische Informationen
Zuerst das, was alle wissen wollen: jedes Konzert von Jazz&TheCity sounds ist gratis. Tickets braucht niemand, eine Reservierung oder Anmeldung ebenso wenig. Hingehen reicht. Damit unterscheidet sich das Festival von den meisten anderen Musikfestivals, bei denen Karten oft Monate vorher weg sind. Bezahlen tun das andere. Die Unternehmerinnen und Unternehmer der Altstadt finanzieren das Festival gemeinsam mit Stadt und Land Salzburg und mehreren Sponsoren.
Jazz&TheCity Salzburg
Ohne Tickets gibt es auch keinen reservierten Platz. Früher regelten Zählkarten den Andrang, heute zählt nur noch, wer zuerst da ist. Bei gefragten Konzerten sind die kleinen Lokale schnell voll, und aus Sicherheitsgründen lassen die Veranstalter nur so viele Leute hinein, wie der Raum verträgt. Bei bekannten internationalen Namen lohnt es sich deshalb, deutlich früher loszugehen. Die Wartezeit lässt sich gut an der Bar überbrücken, und wer früh drinnen ist, sitzt meist auch näher an der Band. .
Die Altstadt ist zum Großteil Fußgängerzone, mit dem Auto geht dort wenig. Am einfachsten kommt man vom Hauptbahnhof aus mit dem Obus hin, die Fahrt dauert nur wenige Minuten. Wer gerne geht, spaziert am Mirabellgarten vorbei. Mit dem Auto parkt man am besten in einer der Garagen am Rand der Altstadt und geht das letzte Stück zu Fuß. Drinnen sind ohnehin alle zu Fuß unterwegs. Zwischen zwei Konzerten bleibt meistens noch Zeit für einen Abstecher über die Getreidegasse oder ans Salzachufer.
Das vollständige Programm ist auf der offiziellen Website der Veranstalter verfügbar. Ein Blick hinein ein paar Tage vorher spart später Sucherei, vor allem bei mehreren Festivalabenden. Wer gerne alles am Handy hat, lädt sich die kostenlose App „Events Altstadt Salzburg" herunter. Dort lässt sich ein eigener Konzertkalender anlegen, und die App meldet sich 15 Minuten vor jedem markierten Konzert. Bei vier Tagen voller Musik ist das keine schlechte Idee.
Manche Konzerte finden im Freien statt, andere in ungeheizten Räumen wie Kirchen. Ein Oktoberabend in Salzburg kann ordentlich kühl werden, und der Schnürlregen kommt sowieso, wann er will. Eine warme Jacke und ein Schal sind daher Pflicht. Praktisch ist außerdem Kleidung, die sich schnell an- und wieder ausziehen lässt. Zwischen einer kalten Kirche und einer vollen Weinbar liegen oft nur zehn Gehminuten, aber gefühlt zwei Jahreszeiten.
Jazz&TheCity Salzburg
Interessante Fakten
- Ursprünglich hieß das Festival „Jazz in der Altstadt". Den heutigen Namen „Jazz & the City" gab ihm Gerhard Eder 2009. Nach Eders plötzlichem Tod übernahm 2016 Tina Heine.
- Für ein Gratis-Festival ist das Budget keine Kleinigkeit. 2016 lag es bei rund 320.000 Euro, 2017 erreichte es mit etwa 420.000 Euro den bisherigen Höchststand.
- Nur einmal fiel das Festival aus. 2020 sagten die Veranstalter es wegen Corona ab, bis heute die einzige Absage.
- Unter Tina Heine spielten Bands an besonders schrägen Orten, etwa in einem Vintage-Kleiderladen oder in einer Schirmmanufaktur.
- 2024 öffnete das Kapuzinerkloster auf dem Kapuzinerberg zum ersten Mal seine Türen für das Festival.
FAQ
Müssen für die Konzerte Tickets gekauft werden?
Nein. Alle Konzerte sind gratis, Tickets gibt es keine. Es reicht, rechtzeitig zum jeweiligen Spielort zu kommen. Weil die Plätze begrenzt sind, gilt: Wer zuerst kommt, hört zu.
Wo finden die Konzerte statt?
In der Salzburger Altstadt und gleich daneben. Die Bands spielen in Kirchen wie der Kollegienkirche, in Weinbars und Gasthäusern, in Sälen und unter freiem Himmel. Alle Spielorte liegen in Gehweite zueinander.
Wie viele Konzerte umfasst das Programm?
Je nach Jahr sind es rund 60 bis 100 Konzerte an etwa 20 bis 40 Spielorten. Für 2026 kündigt der Veranstalter rund 60 Acts mit etwa 140 Musikerinnen und Musikern an 19 Spielorten an.
Was ist das Pre-Opening und wann findet es statt?
Das Pre-Opening ist der inoffizielle Auftakt am Vorabend. 2026 spielen Bands am Mittwoch, 14. Oktober, in ausgewählten Bars und Cafés der Altstadt, so wie in den ersten Jahren des Festivals.
Was ist das Format „Blind Date"?
Bei einem „Blind Date" stehen zwei Musiker gemeinsam auf der Bühne, die vorher noch nie miteinander gespielt haben. Das Konzert ist eine spontane Begegnung vor Publikum, und wie sie ausgeht, kann niemand vorhersagen.
Ist das Festival nur etwas für Jazzfans?
Nein. Neben Jazz gibt es Weltmusik, Folk und Wienerlied, dazu Elektronik und Projekte mit klassischen Einflüssen. Auch wer mit Jazz bisher wenig anfangen konnte, findet hier etwas. Wer lieber tanzt als zuhört, ist bei Afrobeat und Elektronik richtig, und für Familien gibt es ein eigenes Kinderprogramm.
Lassen sich mehrere Konzerte an einem Abend besuchen?
Ja, genau dafür ist das Festival gemacht. Die Spielorte liegen nur ein paar Gehminuten auseinander. Wer das Programm vorher anschaut, schafft an einem Abend locker mehrere Konzerte und hat zwischendurch noch Zeit für einen Abstecher ins Lokal.









