Albert Einstein
Er wurde in Ulm geboren, machte die Matura in Aarau, entwickelte seine revolutionärsten Ideen in Bern – und blieb sein Leben lang Schweizer Bürger. Albert Einstein ist einer jener seltenen Menschen, bei denen der Begriff «Genie» nicht übertrieben klingt. Seine Relativitätstheorie veränderte nicht nur die Physik. Sie veränderte das Bild, das wir uns von Raum, Zeit und dem Universum machen. Für die Schweiz ist Einstein kein beliebiger Nobelpreisträger. Er ist ein Teil der eigenen Geschichte.
Vollständiger Name | Albert Einstein |
|---|---|
Geburtsdatum | 14. März 1879 |
Geburtsort | Ulm, Württemberg, Deutsches Reich |
Gestorben | 18. April 1955, Princeton, New Jersey, USA |
Alter bei Tod | 76 Jahre |
Staatsbürgerschaft | Schweiz (ab 1901, lebenslang), USA (ab 1940) |
Ausbildung | ETH Zürich (Diplom 1900), Promotion Universität Zürich (1905) |
Wichtigste Entdeckungen | Spezielle Relativitätstheorie (1905), Allgemeine Relativitätstheorie (1915), Erklärung des photoelektrischen Effekts |
Bekannt für | E = mc², Relativitätstheorie, Nobelpreis für Physik 1921 |
Albert Einstein
Biografie
Albert Einstein kam am 14. März 1879 in Ulm zur Welt – erstes Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus dem württembergischen Bürgertum. Ein Jahr später zog die Familie nach München, wo Vater Hermann und Onkel Jakob eine elektrotechnische Firma gründeten. Schwester Maria, von allen nur Maya genannt, folgte 1881. Sie blieb zeitlebens seine engste Vertraute.
Der kleine Albert sprach spät. Mit drei Jahren kaum ein Wort, was die Eltern ernsthaft beunruhigte. Trotzdem war er in der Volksschule unter den Besten seiner Klasse. Mit 13 las er Kants «Kritik der reinen Vernunft» – freiwillig, in den Ferien. Onkel Jakob hatte ihn früh für Mathematik begeistert; als er dem Jungen den Satz des Pythagoras erklärte, versuchte Albert ihn sofort selbst zu beweisen.
Am Luitpold-Gymnasium in München eckte er an. Nicht wegen mangelnder Leistung, sondern wegen Haltung. Das autoritäre Schulsystem der Kaiserzeit und Einstein passten schlicht nicht zusammen. Als die Familie 1894 nach Mailand übersiedelte und finanzielle Schwierigkeiten die Lage zuspitzten, verliess er das Gymnasium ohne Abschluss.
Albert Einstein in der Kindheit
Was folgte, war der Schweizer Weg. 1895 zog Einstein nach Aarau, holte die Matura nach und schrieb sich an der ETH Zürich ein. 1896 gab er seine deutsche Staatsbürgerschaft ab – bewusst, ohne eine andere zu besitzen. Für einige Jahre war er staatenlos. 1901 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft, die er bis zu seinem Tod behielt.
1902 kam er nach Bern. 1914 folgte er einem Ruf nach Berlin, was kurzzeitig auch die preussische und damit deutsche Staatsbürgerschaft mit sich brachte. Als die Nationalsozialisten im Januar 1933 die Macht übernahmen, hielt sich Einstein gerade in den USA auf. Er kehrte nie zurück. Deutschland bürgerte ihn aus, er liess sich in Princeton nieder. 1940 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft – die Schweizer behielt er daneben.
Er starb an einem Aortenaneurysma. Bereits 1948 hatte ihm Chirurg Rudolph Nissen die Hauptschlagader verstärken lassen. Am 17. April 1955 platzte das Aneurysma erneut, Einstein erlitt innere Blutungen. Eine Operation lehnte er ab:
Ich will gehen, wenn ich will. Es ist geschmacklos, das Leben künstlich zu verlängern.
Am 18. April 1955 um 1:15 Uhr morgens starb er im Krankenhaus von Princeton. Er wurde noch am selben Tag eingeäschert, die Asche an einem unbekannten Ort verstreut.
Ausbildung
Die Schule endete ohne Abschluss. Nicht weil Einstein zu wenig wusste, sondern weil er zu viel dachte und den engen Rahmen des wilhelminischen Unterrichts ablehnte. Sein erster Anlauf an der ETH Zürich scheiterte 1895 bei der allgemeinen Aufnahmeprüfung – obwohl seine Mathematik- und Physikleistungen herausragend waren. Ein Lehrer der ETH empfahl ihm die Kantonsschule Aarau. Dort holte er die Matura nach und schrieb sich 1896 an der ETH ein.
Das Studium verlief nicht ganz glatt. Einstein besuchte nicht alle Vorlesungen und stützte sich teils auf die Mitschriften seines Kommilitonen Marcel Grossmann. Das klingt nach einer Geschichte, die man besser weglässt – aber Grossmanns Hilfe wurde später noch entscheidender. 1900 schloss Einstein mit dem Fachlehrerdiplom für Mathematik und Physik ab.
Junger Albert Einstein
Was danach kam, war zermürbend. Einstein bewarb sich an Universitäten in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Italien um Assistenzstellen. Keine Antwort, keine Stelle. Er schlug sich als Hauslehrer in Winterthur und Schaffhausen durch. Es war Grossmanns Vater, der ihn beim Direktor des Patentamts in Bern empfahl. Das rettete zunächst seinen Lebensunterhalt – und gab ihm, wie sich zeigen sollte, genau die Ruhe, die er brauchte.
1905 reichte Einstein seine Dissertation an der Universität Zürich ein: «Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen». Er promovierte – im selben Jahr, in dem er die Physik auf den Kopf stellte.
Bern und die Schweizer Jahre
Von 1902 bis 1909 lebte Einstein in Bern. Diese sieben Jahre waren die produktivsten seines Lebens. Am 16. Juni 1902 trat er seine Stelle im Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum an. Titel: Technischer Experte 3. Klasse. Jahresgehalt: 3'500 Franken. Aufgabe: Patentanmeldungen prüfen. Klingt nicht nach der Bühne für eine wissenschaftliche Revolution – und war es trotzdem.
Das Amt nannte er später «das weltliche Kloster, wo ich meine schönsten Gedanken ausgebrütet habe». Die Arbeit forderte seinen Kopf, ohne ihn zu erschöpfen. Zwischen Patentformularen und physikalischen Revolutionen lagen, zumindest in Einsteins Alltag, nur ein paar Arbeitsstunden.
Ab Oktober 1903 wohnte er mit seiner ersten Frau Mileva Marić in der Kramgasse 49, wenige Schritte von der Zytglogge entfernt. Hier schrieb er 1905 seine bahnbrechenden Arbeiten. Die Wohnung im zweiten Stock ist heute das Einsteinhaus und öffentlich zugänglich. Sein runder Arbeitstisch, das Pult aus dem Patentamt, sein Schweizer Pass und das Maturitätszeugnis sind dort ausgestellt.
In Bern gründete Einstein mit dem Philosophiestudenten Maurice Solovine und dem Mathematiker Conrad Habicht auch die «Akademie Olympia». Eine kleine Leserunde, die sich abends traf, um Bücher aus Physik, Philosophie und Literatur zu diskutieren. Den Titel «Präsident» – genauer: «Albert Ritter von Steissein, Präsident der Akademie Olympia» – gab ihm Habicht als Scherz. Die Gruppe löste sich auf, als Habicht 1904 und Solovine 1905 Bern verliessen. Ernst hatte das nie geklungen, aber die Denkübungen prägten ihn nachhaltig.
1909 verliess Einstein das Patentamt und übernahm einen Lehrstuhl an der Universität Zürich. Bern war Geschichte – das Fundament aber gelegt.
Albert Einstein
Wissenschaftliche Entdeckungen
Das Jahr 1905 ging als «Wunderjahr» in die Geschichte ein. Einstein war 26, arbeitete Vollzeit im Patentamt und veröffentlichte in wenigen Monaten fünf Arbeiten, die drei verschiedene Bereiche der Physik grundlegend veränderten. Nebenher. Fast so, als wäre das normal.
Die erste Arbeit erklärte den photoelektrischen Effekt: warum Licht Elektronen aus Metall herauslösen kann. Das begründete die Quantentheorie des Lichts und brachte Einstein 1921 den Nobelpreis für Physik – nicht die Relativitätstheorie, wie viele denken.
Die zweite Arbeit lieferte den mathematischen Beweis für die Existenz von Atomen. Das klingt heute selbstverständlich. Damals war es umstritten.
Die dritte war die Spezielle Relativitätstheorie. Der Kern: Raum und Zeit sind keine festen Grössen, sondern hängen vom Beobachter ab. Bewegt sich jemand sehr schnell, vergeht für ihn Zeit langsamer als für einen ruhenden Beobachter. Die Formel E = mc² folgte als direkte Konsequenz: Energie und Masse sind dasselbe – verbunden durch das Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Selbst winzige Massen enthalten enorme Energiemengen.
1915 kam die Allgemeine Relativitätstheorie. Sie erweitert das Modell auf Gravitation. Masse krümmt die Raumzeit, und was wir als Schwerkraft erleben, ist nichts anderes als das Folgen dieser Krümmung. Newtons Gravitationstheorie, über 200 Jahre lang als unverrückbar gültig, war damit überholt.
Zum IQ: Einstein hat sich nie einem Test unterzogen. Nachträgliche Schätzungen auf Basis einer Studie von Catharine Cox aus dem Jahr 1926 gehen von einem Wert zwischen 160 und 180 aus. Das ist eine Schätzung, keine Messung. Was ihn zum Genie machte, war weniger Rechengeschwindigkeit als die Fähigkeit, jahrelang an Gedankenexperimenten festzuhalten, die anderen schlicht absurd erschienen.
Albert Einstein
Zitate und Philosophie
Einstein war bekannt für trockenen Humor. Er war auch dafür bekannt, dass ihm heute im Internet Sätze zugeschrieben werden, die er nie gesagt hat. Das sollte man im Hinterkopf behalten.
Gut belegt ist das Zitat aus einem Interview von 1929:
Fantasie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist begrenzt.
Das beschreibt seinen Arbeitsstil besser als jede Biografie. Einstein dachte in Bildern, nicht in Formeln.
Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen – aber nicht einfacher.
Dem Sinn nach gut belegt, in dieser genauen Formulierung schwerer nachzuweisen.
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich noch nicht sicher.
Oft Einstein zugeschrieben, Quelle nicht gesichert – passt aber zur Persönlichkeit.
Philosophisch war Einstein einfach gestrickt, im besten Sinn. Neugier hielt er für die wichtigste menschliche Eigenschaft. Er war Pazifist, glaubte an internationale Verständigung und misstraute Nationalismus grundsätzlich. Fragen stellen, Dogmen prüfen, Verantwortung übernehmen.
Persönliches Leben und Familie
Einstein war zweimal verheiratet. Erste Frau war Mileva Marić, seine Mitstudentin an der ETH. Sie heirateten am 6. Januar 1903 in Bern. Bereits zuvor hatte Mileva eine Tochter namens Lieserl zur Welt gebracht – geboren im Januar 1902 in Novi Sad. Das Kind lebte nicht bei der Familie, und was nach 1903 aus ihr wurde, ist bis heute ungeklärt. 1904 kam Sohn Hans Albert zur Welt, 1910 Eduard.
Albert Einstein und seine Frau Mileva mit den Kindern
Die Ehe lief schlecht. Einstein war kaum zuhause, arbeitete manisch und kommunizierte schlecht – nach eigenem Eingeständnis. 1914 trennten sich die beiden, 1919 folgte die Scheidung.
Noch im selben Jahr heiratete Einstein seine Cousine Elsa Löwenthal. Weniger eine Partnerschaft auf Augenhöhe, mehr eine Frau, die ihm den Alltag regelte und Raum für die Arbeit schuf. Elsa starb 1936.
Sohn Hans Albert schlug eine akademische Laufbahn ein und wurde Professor für Hydraulik in Berkeley. Eduard erkrankte früh an Schizophrenie und verbrachte einen Grossteil seines Lebens in psychiatrischer Betreuung in Zürich. Nach der Emigration 1933 sah Einstein ihn nie wieder.
Albert Einstein und Elsa Löwenthal
Vermächtnis und Bedeutung heute
Einstein starb 1955. Dass seine Theorien seither an Bedeutung verloren hätten, lässt sich nicht behaupten.
GPS-Systeme korrigieren täglich relativistische Effekte – ohne diese Korrekturen würden Navigationsgeräte um mehrere Kilometer abweichen. Laser und Solarzellen bauen direkt auf seinen Arbeiten zur Quantentheorie auf. 2015 gelang Wissenschaftlern der erste direkte Nachweis von Gravitationswellen – eine Vorhersage aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, die er selbst für kaum messbar gehalten hatte.
In Bern gibt es zwei Orte, die ihn greifbar machen. Das Einsteinhaus an der Kramgasse 49 zeigt die Wohnung, in der Einstein von Oktober 1903 bis Mai 1905 lebte. Im zweiten Stock stehen sein runder Arbeitstisch und das Pult aus dem Patentamt. Sein Schweizer Pass und das Maturitätszeugnis liegen aus. Dazu laufen Wechselausstellungen zu physikalischen Themen. Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden sich unter einstein-bern.ch.
Das Einstein Museum im Bernischen Historischen Museum am Helvetiaplatz 5 zeigt auf rund 1000 m² Originaldokumente, persönliche Gegenstände, Fotografien und interaktive Stationen zur Physik. Es ist das umfassendste Einstein-Museum der Schweiz. Beide Orte erreicht man gut mit dem ÖV.
Das Einsteinhaus und das Einstein Museum
Interessante Fakten
- Nach Einsteins Tod entnahm der Pathologe Thomas Stoltz Harvey das Gehirn des Physikers ohne Erlaubnis der Familie und konservierte es. Jahrzehnte vergingen, bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr. Die Asche selbst wurde noch am Todestag an einem unbekannten Ort verstreut – so hatte Einstein es gewünscht.
- In der Schweiz ist die Bestnote eine 6, in Deutschland die schlechteste. Einstein hatte im Schweizer Abschlusszeugnis mehrfach eine 6 – was zur hartnäckigen Legende führte, er sei ein Schulversager gewesen. Das Missverständnis hält sich bis heute.
- Das berühmteste Foto von ihm – mit ausgestreckter Zunge – entstand am 14. März 1951, seinem 72. Geburtstag. Er wollte nicht fotografiert werden, sass im Auto mit Freunden und streckte dem Fotografen die Zunge heraus. Das Bild wurde eines der meistverbreiteten Fotos des 20. Jahrhunderts.
FAQ
Stimmte es, dass Einstein in der Schule schlecht war?
Nein. In Mathematik und Physik war er ausgezeichnet. Er verliess das Gymnasium in München ohne Abschluss, aber aus Protest gegen das autoritäre System, nicht wegen Leistungsproblemen. In der Volksschule war er einer der Besten der Klasse. Das Missverständnis entstand durch das umgekehrte Schweizer Notensystem: in der Schweiz ist die 6 die Bestnote.
Welche Sprache sprach Einstein im Alltag?
Deutsch. Lebenslang. Auch noch in Princeton. Sein Englisch war funktional, mit ausgeprägtem Akzent.
Hatte er Hobbys ausserhalb der Wissenschaft?
Musik war seine zweite Leidenschaft. Er spielte Geige, liebte Mozart und musizierte regelmässig mit Freunden – in Berlin auch mit Max Planck. Dazu kamen Segeln und lange Spaziergänge.
Wie stand er zur Politik?
Einstein war Pazifist. 1939 unterzeichnete er den Brief an Roosevelt, der zur Entwicklung der Atombombe beitrug – eine Entscheidung, die er später offen bereute. Kurz vor seinem Tod unterzeichnete er noch das Russell-Einstein-Manifest, das vor Atomwaffen warnte.
War Einstein religiös?
Er glaubte nicht an einen persönlichen Gott. Er sprach von «kosmischer Religiosität» – einer Ehrfurcht vor der Ordnung des Universums. Sein Judentum verstand er vor allem kulturell und ethisch.
Welche Auszeichnungen erhielt er?
Den Nobelpreis für Physik erhielt er 1921 für die Erklärung des photoelektrischen Effekts – nicht für die Relativitätstheorie. Dazu kamen die Copley Medal der Royal Society 1925 und die Max-Planck-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
Was schrieb Einstein?
Seine wissenschaftlichen Arbeiten sind das Hauptwerk. Für ein breiteres Publikum verfasste er «Über die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, gemeinverständlich» (1917). Politische und philosophische Texte sammelte er in «Mein Weltbild» (1934). «Aus meinen späten Jahren» (1950) enthält Reflexionen aus Princeton.
Was ist von seinen persönlichen Dingen erhalten?
Im Einsteinhaus in Bern sind sein Arbeitstisch, das Pult aus dem Patentamt, sein Pass und das Maturitätszeugnis zu sehen. Das Bernische Historische Museum verwahrt weitere Originaldokumente. Sein Büro in Princeton wurde nach seinem Tod von anderen Forschenden weitergenutzt und enthält nichts mehr aus seiner Zeit dort.







