Alpabzug
Wenn die Tage kürzer werden, beginnt in den Bergen ein uraltes Ritual. Der festliche Abstieg von der Alp ins Tal. Ein Alpabzug ist viel mehr als bloss das Verschieben von Tieren. Er ist eine der emotionalsten Traditionen der Schweiz, hunderte Jahre alt, und jeden Herbst verwandelt er die Alpstrassen in ein lebendiges Theater. Überall im Land werden Strassen und Plätze zur Bühne für die Rückkehr des Viehs und der Älplerfamilien.
Ob im Berner Oberland, in der Zentralschweiz oder im Wallis, jeder Alpabzug erzählt seine eigene Geschichte. Manche sind grosse Volksfeste mit Tausenden Gästen, andere still und fast privat. Schauen wir uns an, was hinter dem Brauch steckt, welche Termine 2026 zählen, allen voran der berühmte Alpabzug in Plaffeien, und wo im Berner Oberland und in der Zentralschweiz die schönsten Alpabfahrten stattfinden.
Was ist ein Alpabzug | Traditioneller jährlicher Viehabtrieb von den Alpweiden ins Tal, das Ende der Sömmerung |
|---|---|
Wann | Ende August bis Anfang Oktober (je nach Region und Höhe) |
Regionen | Berner Oberland, Zentralschweiz (Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri), Graubünden, Appenzell, Wallis, Fribourg |
Alpabzug Plaffeien 2026 | Samstag, 26. September 2026 (10:00–22:00) |
Ort | Plaffeien, Kanton Fribourg, Region Schwarzsee |
Anzahl Tiere | über 1'000 |
Anzahl Besucher | über 10'000 |
Älplerfamilien | rund 20 Hirtenfamilien |
Status der Tradition | Teil der «Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz» |
Offizielle Infos |
Alpabzug
Was ist ein Alpabzug
Nach vier Monaten in kühler Höhe kehren Kühe, Ziegen und Schafe von den Bergen zurück. Fein herausgeputzt und mit Blumenkränzen geschmückt führen die Bäuerinnen und Bauern sie mit bimmelnden Glocken durchs Dorf. Der Name sagt eigentlich schon alles. Alpabzug heisst wörtlich der Abzug von der Alp. Und jede Region hat ihr eigenes Wort dafür: im Tessin und in Teilen Graubündens die «Desalpe», im Appenzell die «Alpabfahrt», in manchen Teilen des Berner Oberlands der «Abtrieb».
Um einen blossen landwirtschaftlichen Vorgang geht es dabei nicht. Der Alpabzug ist Anlass zum Feiern, zum Danken, zum Zusammenkommen. Die Älpler haben ein paar Monate allein oben in den Bergen verbracht, jetzt kehren sie zurück, und das ganze Dorf kommt heraus, um sie zu empfangen.
Lauschen Sie den Kuhglocken, geniessen Sie den Alpkäse und feine traditionelle Spezialitäten und tauchen Sie in ein farbenfrohes Brauchtum ein, - so beschreiben die Veranstalter die Stimmung.
Nicht umsonst steht der Brauch auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz und gehört zum immateriellen Kulturerbe.
Das Schmücken der Tiere ist eine Kunst für sich. Am reichsten geschmückt geht die Leitkuh, das Kranzrind, mit einer grossen Glocke und einem Kranz aus Wiesenblumen. Manchmal thronen ganze Türme aus Schmuck auf den Rücken der Tiere. Schliesslich wollen die Bauernfamilien ihre Tiere nach den vier Monaten auf der Alp frisch geputzt und liebevoll geschmückt präsentieren. Die Vorbereitung dauert Stunden und beginnt oft lange vor Sonnenaufgang. Wer da mithelfen will, muss früh raus.
Alpabzug
Alpabzug im Berner Oberland
Das Berner Oberland gilt als Herz dieser Tradition. Die Region zwischen Thunersee und Jungfrau versammelt einige der spektakulärsten Alpabzüge des Landes.
In Gstaad wird daraus fast schon ein Laufsteg. Bei der «Züglete» ziehen die Landwirte mit ihren Kühen von den Bergen über die Gstaader Promenade, zwischen Luxushotels und Chalets hindurch, und das ergibt Bilder, die eine Fotografie kaum einfängt. Anders als Plaffeien mit seinem Herbsttermin startet die Gstaad Züglete schon Anfang September, eröffnet von den Trychlern mit ihren grossen Treicheln.
In Kerns im Kanton Obwalden ist die Alpabfahrt einer der grössten und emotionalsten Anlässe des Jahres. Alphornbläser und Jodler umrahmen den Zug, an den Marktständen gibt es lokale Spezialitäten. 2025 lief das Ganze am 27. September zwischen 10:00 und 14:00 Uhr.
Ganz anders der Alpabzug Rämisgummen. Er gehört zu den ältesten und stillsten Alpabfahrten, oben in den Hügeln über Langnau im Emmental, ohne grosses Festival-Drumherum und gerade deshalb so echt. Verbunden ist er mit dem Eggiwiler Märit, 2025 fielen beide auf den 25. September. Wer die Tradition ohne Menschenmassen erleben will, ist hier richtig.

Alpabzug Gstaad - Berner Oberland - Schweiz
Alpabzug in der Zentralschweiz
Die Zentralschweiz mit Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri und Luzern ist die zweite grosse Hochburg des Brauchs. In Engelberg im Kanton Obwalden findet einer der fotogensten statt. Die Kühe steigen vom Trübsee und vom Jochpass über lange Wege hinab ins Klosterdorf, und bei klarem Wetter thront der Titlis im Hintergrund. Ein Bild wie aus dem Prospekt, nur echt.
In Einsiedeln im Kanton Schwyz trifft der Brauch auf eine Ausstellung. Die Viehausstellung Einsiedeln im September 2026 bringt Viehschau und Alpabzug im Ort mit dem berühmten Kloster zusammen.
Eine Besonderheit der Region ist der Alpabzug mit Alphorn und Fahnenschwingen. Den Abstieg von der Alp mit Auftritten von Alphornbläsern und Fahnenschwingern zu verbinden, ist vor allem in Obwalden und Nidwalden ausgeprägt und macht aus dem Anlass ein rundes Fest.
Weitere wichtige Alpabzüge der Schweiz
Auch abseits dieser Zentren lohnt der Blick. In Jaun im Kanton Fribourg gibt es den «Alpabzug mit Schafscheid», gleich neben Plaffeien, in einem schönen Winkel an der Grenze zwischen Fribourg und Bern. Der Schafscheid ist ein eigenes Ritual, bei dem man die von der Alp zurückkehrenden Schafe wieder ihren verschiedenen Besitzern zuteilt.
In Urnäsch in Appenzell Ausserrhoden verbindet sich die «Alpabfahrt und Bauernmarkt» mit einem grossen Markt. Die Region ist bekannt für ihre Bauernmalerei und das Appenzeller Senntumsmuseum.
Der Alpabzug Belalp im Wallis ist einer der meistfotografierten überhaupt. In Blatten feiert man den Alpabzug von der Belalp mit einem urchigen Fest. Besucher*innen und Einheimische erwarten Markt, Musik und Tanz, hoch über dem Rhonetal.
Und in Celerina bei St. Moritz führt der «Alpabzug in Celerina, St. Moritz im Engadin» die Bündner Tradition mit dem rätoromanischen Kolorit des Oberengadins zusammen.

Alpabzug Appenzell - Schweiz
Alpabzug Plaffeien 2026
Der Alpabzug in Plaffeien ist ein farbenfrohes Spektakel, das jährlich im September über 10'000 Besucher anzieht. Mehr als 1'000 festlich geschmückte Tiere ziehen durch das Dorf, während rund 20 Hirtenfamilien für ihre harte Arbeit den Sommer über gefeiert werden.
Der Termin steht. Der Alpabzug Plaffeien läuft jedes Jahr Ende September, traditionell am letzten Samstag des Monats. 2026 ist das der 26. September, von 10:00 bis 22:00 Uhr. Für den genauen Ablauf wirf trotzdem einen Blick auf myswitzerland.com.
Die Entstehungsgeschichte ist bemerkenswert. Der Alpabzug in Plaffeien hat eine alte Tradition wiederbelebt, die eine Zeit lang in Vergessenheit geraten war, und zählt heute zu den bedeutendsten Älplerfesten der Region. 2025 fand er zum 18. Mal in dieser neuen Form statt. Für 2026 spricht der regionale Tourismus schon vom 20. grossen Alpabzug in Plaffeien, den genauen Stand prüft man am besten vor Ort.
Und wie läuft der Tag ab? Über tausend Tiere ziehen am Publikum am Strassenrand vorbei, bis hinein ins Dorfzentrum von Plaffeien. Dort beginnt dann ein Volksfest mit traditioneller Musik und regionalen Spezialitäten.
Neben dem Umzug gibt es in Plaffeien einen Markt mit regionalen Produkten, eine Festwirtschaft und vielfältige Unterhaltung. Auf dem Markt findest du regionalen Alpkäse, Joghurt, Honig und Holzwaren, in der Festwirtschaft gibt es hausgemachte Gerichte, und dazu spielen einheimische Musikanten live auf. Das Dorfzentrum ist das Herz des Anlasses, dort kommen über den Tag verteilt bis zu 1'000 Tiere an.
Der Ort passt perfekt zur Sache. Plaffeien ist ein kleines Dorf im Kanton Fribourg auf 856 Metern Höhe, mit dem eigenen Ortsteil Schwarzsee, jenem malerischen Bergsee in den Fribourger Voralpen.

Alpabzug Plaffeien - Schweiz
Praktische Informationen
Die Anreise ist unkompliziert. Mit dem Zug fährst du nach Fribourg, dann weiter mit der Buslinie 45 Richtung Schwarzsee bis zur Haltestelle Plaffeien Dorf. Von Bern dauert das rund 1 Stunde 15 Minuten, von Fribourg etwa 45. Mit dem Auto geht es über Tafers auf der Route cantonale nach Plaffeien. Parkieren musst du ausserhalb des Zentrums und zu Fuss weitergehen, denn am Tag des Alpabzugs ist das Dorfzentrum für den Verkehr gesperrt.
Ein Rat vorweg: der Alpabzug ist ein Ganztagesanlass. Wer schon vor 9:00 Uhr da ist, sieht noch das Schmücken der Tiere und ergattert einen guten Platz am Strassenrand, bevor der Umzug losgeht. Markt und Festwirtschaft laufen meist bis in den späten Abend.
Zieh dich warm an, die Fribourger Voralpen sind Ende September kühl, gerade am Morgen. Bequeme Schuhe sind Pflicht, weil man mehrere Stunden steht. Und für die Kinder lohnt ein Gedanke an die Ohren, denn die Glocken sind wirklich laut.
Fotografisch ist der Alpabzug eine der schönsten Gelegenheiten der ganzen Schweiz. Die bunten Kränze, die polierte Kupferglocke, die Baumwollkleider der Älplerinnen, der Bergnebel, das Herbstlaub. Alles zusammen ergibt Material wie aus einem lebendigen Bilderbuch.
Ein paar konkrete Tipps für die Kamera. Kommen Sie mindestens eine Stunde vor dem Umzug und suchen Sie sich eine Position an einer Steigung der Strasse, wo die Tiere noch dicht beieinander gehen und sich noch nicht zu einer langen Kette gezogen haben. Das frühe Morgenlicht ist am schönsten. Für Porträts sollten Sie die Älpler vorher um Erlaubnis bitten. Und noch einmal die Erinnerung an die lauten Glocken: Empfindliche Kinderohren sollten besser geschützt werden. Lizenzen für kommerzielle Fotografie werden übrigens weder von Plaffeien noch von einem anderen Ort vergeben. Privat darf jedoch frei fotografiert werden.

Alpabzug
Interessante Fakten
- Der Alpabzug in Plaffeien ist keine uralte, ununterbrochene Tradition, sondern eine bewusst wiederbelebte. Der Brauch war eine Zeit lang vergessen, erst vor rund zwei Jahrzehnten hat man ihn neu ins Leben gerufen. Heute zählt er zu den grössten Älplerfesten der Region.
- Nicht jede Kuh darf ganz vorne gehen. Nur die ruhigsten und zuverlässigsten Tiere werden zur Leitkuh, und sie tragen die grösste Glocke. Ein Ehrenamt auf vier Beinen, sozusagen.
- Die Zahl der Tiere schwankt von Jahr zu Jahr. Mal ist von über 700 die Rede, mal von über 1'000, denn wie viele Herden tatsächlich absteigen, hängt auch vom Sommer und vom Wetter oben auf der Alp ab.
- Ein trockener Sommer kann den Alpabzug sogar ganz ausfallen lassen. Wächst oben zu wenig Gras, kommen die Sennen früher herunter, und in solchen Jahren wurde der eine oder andere Anlass schon abgesagt. Ein echtes Naturereignis eben, kein fixer Bühnentermin.
- Die Blumenkränze sind nicht bloss Deko. Der Schmuck drückt Dankbarkeit aus, dafür, dass Mensch und Tier den Sommer heil überstanden haben. Ein unfallfreier Alpsommer war früher alles andere als selbstverständlich.
FAQ
Was ist ein Alpabzug und wann findet er statt?
Der Alpabzug ist der traditionelle Abstieg des Viehs von den Alpweiden ins Tal am Ende der Sömmerung. Je nach Region und Höhe fällt er zwischen Ende August und Anfang Oktober.
Wie viele Tiere nehmen am Alpabzug Plaffeien teil?
Über 1'000 festlich geschmückte Tiere ziehen durch das Dorf. Je nach Jahr und Quelle ist auch von über 700 die Rede.
Wie viele Menschen besuchen den Alpabzug in Plaffeien?
Über 10'000 Besucher kommen jährlich nach Plaffeien.
Wie heisst der Alpabzug in den verschiedenen Kantonen?
Im Tessin und in Teilen Graubündens «Desalpe», im Appenzell «Alpabfahrt», in manchen Teilen des Berner Oberlands «Abtrieb».
Warum sind die Tiere so schön geschmückt?
Die Bauernfamilien präsentieren ihre Tiere nach vier Monaten auf der Alp stolz und liebevoll geschmückt. Der Schmuck steht auch für die Dankbarkeit über einen unfallfreien Alpsommer. Am reichsten verziert ist die Leitkuh mit grosser Glocke und Blumenkranz.
Ist der Besuch des Alpabzugs kostenlos?
Ja, das Zuschauen am Strassenrand und das private Fotografieren kosten nichts. Markt und Festwirtschaft laufen wie bei jedem Volksfest, bezahlt wird nur, was man konsumiert.
Welcher ist der beste Platz für den Alpabzug in Plaffeien?
Eine Position an einer Steigung der Strasse, wo die Tiere noch dicht beieinander gehen. Am besten mindestens eine Stunde vor dem Umzug da sein und sich einen Platz am Strassenrand Richtung Dorfzentrum sichern.







