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Berner Zibelemärit

von Elena Keller

Inhaltsverzeichnis
Berner Zibelemärit

Einmal im Jahr riecht Bern nach Zwiebeln. Und das ist gut so. Am vierten Montag im November verwandelt sich die Bundesstadt in ein Volksfest, das nirgendwo anders auf der Welt so stattfindet. Wenn in den Berner Gassen der Geruch von Zwiebelkuchen und Glühwein in der Luft liegt, steht die Schweizer Bundesstadt im Zeichen des traditionellen Zibelemärits. Hunderte von Marktständen, Tonnen von Zwiebeln und Knoblauch, Tausende von Menschen schon vor Sonnenaufgang in den Gassen – und mittendrin eine Konfettischlacht, die jedes Jahr ausartet. Planmässig.

Offizielle Bezeichnung

Zibelemärit (Zwiebelmarkt)

Erste Erwähnung

15. Jahrhundert (als Martinimesse)

Datum 2026

Montag, 23. November 2026

Standort

Bern, Obere Altstadt

Status

Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz

Besucher

Zehntausende jährlich

Offizieller Start

6:00 Uhr (Frühaufsteher ab 4:00 Uhr)

Offizieller Website

bern.ch/zibelemaerit

Zibelemärit in Bern

Geschichte

Die historischen Hintergründe des Zibelemärits sind nicht offiziell verbürgt – und genau das macht die Geschichte dieses Marktes so faszinierend. Wer nach dem Ursprung fragt, bekommt je nach Gesprächspartner eine andere Antwort.

Die erste Legende verweist auf den Stadtbrand von 1405. Angeblich halfen die Freiburger grosszügig beim Wiederaufbau – und erhielten als Dank das Recht, in der Berner Hauptstadt jährlich Zwiebeln zu verkaufen. Eine schöne Geschichte von Nachbarschaftshilfe.

Die zweite Version verbindet den Markt mit den Burgunderkriegen von 1474 bis 1477. Die Freiburger sollen Bern militärisch unterstützt haben und dafür das Recht erhalten haben, regelmässig Zwiebeln in der Hauptstadt zu verkaufen. Auch das klingt nach einer Geschichte, die zu gut ist, um wahr zu sein.

Die wissenschaftlich fundierteste Erklärung lieferte der Berner Volkskundler Rudolf J. Ramseyer: der eigentliche Zibelemärit entstand erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals kamen Bäuerinnen vom Mont Vully – einem fruchtbaren Gebiet zwischen Murten- und Neuenburgersee – mit Gemüse auf die Märkte in Neuenburg, Murten und Freiburg. Ab etwa 1850 erschienen sie auch in Bern, um den Martinstag herum. Das ist die nüchternste Erklärung – und gleichzeitig die am wenigsten romantische. Aber auch sie hat ihren Reiz.

Was sicher ist: der Markt entwickelte sich aus der mittelalterlichen Martinimesse, die in Bern seit dem Spätmittelalter als Übergang zwischen Sommer- und Winterhalbjahr gefeiert wurde. 1439 erhob die Obrigkeit sie zum zollfreien Jahrmarkt. Im Laufe der Zeit verkürzten die grossen Warenhäuser die Messe auf einen Tag, der Name «Martinimesse» verschwand – und «Zibelemärit» blieb. Heute steht diese Tradition auf der «Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz».

Zibelemärit in Bern – alte Fotos eines Volksfestes

Zibelemärit in Bern - alte Fotos

Programm und Traditionen

Der Markt beginnt offiziell um 6:00 Uhr und endet um 18:00 Uhr. Aber das «offiziell» sagt bereits alles: wer wirklich dabei sein will, steht früher auf. Viel früher. Die ersten Verkäufe finden ab 4:00 Uhr statt – manche Marktstände sind noch früher bereit.

Die besten Zwiebelzöpfe – die schönsten Flechtmuster, die ausgefallensten Formen, die grössten Knoblauchkränze – sind zu dieser Stunde noch da. Bis 9:00 Uhr sieht die Lage schon anders aus. Die Dunkelheit, der Atem in der Kälte, die Lichter der ersten Stände und der Geruch von heissem Glühwein: Das ist eine Atmosphäre, die man erlebt haben muss.

Traditonell brachten Bäuerinnen und Bauern aus der Region bis zu 50 Tonnen Zwiebeln und Knoblauch in die Bundesstadt. Diese Zahl ist in den letzten Jahren rückläufig: bei der Ausgabe 2025 boten von insgesamt 359 Marktständen noch 98 Stände rund 35 Tonnen Zwiebeln an. Der Markt ist nach wie vor gross – aber er verändert sich.

Zibelemärit Bern – Volksfest und Jahrmarkt

Zibelemärit

Die Zwiebeln kommen nicht einfach in Kisten gestapelt. Sie kommen als Kunstwerke. Zwiebelzöpfe in verschiedenen Längen und Formen, Zwiebelkränze, Zwiebelfiguren, dekorierte Bünde mit Bändern und Herbstschmuck. Jeder Stand ist anders, jede Bäuerin und jeder Bauer hat eine eigene Handschrift. Das Flechtwerk ist handwerkliches Können, das über Generationen weitergegeben wird.

Neben Zwiebelzöpfen finden sich Textilien, Schmuck, Keramik und Spielwaren. Die Keramik erinnert dabei an den früheren «Chacelimärit» – den Berner Töpfermarkt.

Kulinarisch dreht sich alles um die Zwiebel: Zwiebelkuchen, Zwiebelsuppe, Zwiebelpizza, Zwiebelfladen und «Chnoblibrot» – Knoblauchbrot, das den ganzen Platz parfümiert. Dazu Glühwein. Wer nach dem zweiten Stück Zwiebelkuchen noch Platz hat, kauft sich einen Beutel «Nidletäfeli» – die traditionellen Schweizer Milchkaramellen – oder «Bäremutz», den Berner Lebkuchen. Hungrig geht von diesem Markt niemand nach Hause. Noch nicht einmal versehentlich. Ein Beutel Nidletäfeli vom Zibelemärit ist kein optionaler Kauf. Wer ohne nach Hause kommt, hat etwas falsch gemacht. Die Milchkaramellen sind für alle Altersgruppen gleichermassen attraktiv und überstehen die Heimreise problemlos.

Und ein bewährter Tipp zur Glühweinsicherheit: Wer seinen Becher trinkt, ohne die Handfläche darüber zu halten, findet ab 16:00 Uhr mit grosser Wahrscheinlichkeit Konfetti darin. Das gehört dazu – hilft aber, es vorher zu wissen.

Berner Zibelemärit – das grosse Volksfest in Bern

Zibelemärit

Der Umzug: Zibelegring

Der «Zibelegring»-Umzug ist eines der rituellen Herzstücke des Zibelemärit. Die Prozession führt durch die Altstadt, von der Gegend um das Rathaus bis zum Kursaal. Sie beginnt um etwa 11:30 Uhr. Während dieser Zeit kommt es im Bereich der Zytglogge zu Einschränkungen im öffentlichen Verkehr – Trams werden umgeleitet.

Wer den Umzug sehen will, plant seine Position früh. Gute Aussichtspunkte entlang der Marktgasse sind schnell besetzt. Zu den regelmässigen Gästen der Stadtschützen gehört Francine Jordi – die bekannte Schweizer Schlagersängerin, die dem Umzug einen eigenen Glanz verleiht.

Die Konfettischlacht

Ab 16:00 Uhr ändert sich der Charakter des Zibelemärit. Die ruhigere Marktphase endet, und was beginnt, ist etwas zwischen Volksbelustigung und organisiertem Chaos.

Besucherinnen und Besucher kaufen bereits tagsüber Tüten mit buntem Konfetti an den Ständen. Auch quietschende Plastikhämmerchen, die einem unvermittelt auf den Kopf sausen, gehören dazu. Ab Mitte Nachmittag fliegen die bunten Papierfetzen durch die Gassen. Wenn es gut läuft, liegt so viel Konfetti in der Luft, dass es aussieht wie ein farbiger Schneesturm. Besonders Kinder blühen dabei auf – aber auch viele Erwachsene, die sich sonst eher zurückhalten würden.

Früher flogen am Zibelemärit härtere Dinge: Keulen und klebende Schaumsprays. Beides ist längst verboten. Das Konfetti und die Plastikhämmerchen blieben.

Auch die Polizei in den orangefarbenen Westen wird zum Ziel. Zuerst vorsichtig beworfen, dann mit mehr Enthusiasmus. Das ist der Geist des Zibelemärit: entspannt, ausgelassen, ohne Berührungsängste. Wer Bedenken hat, sein Konfetti danach durch die ganze Wohnung wiederzufinden: der letzte Papierfetzen taucht meistens dann auf, wenn man schon längst nicht mehr daran denkt. Das gehört dazu.

Berner Zibelemärit - Konfettischlacht

Konfettischlacht

Zibelemärit 2026

Der nächste Zibelemärit findet am Montag, 23. November 2026 statt. Das Datum ergibt sich aus der festen Regel: immer am vierten Montag im November.

Das Fest erstreckt sich über die Haupt- und Nebengassen der oberen Altstadt sowie über Münstergasse, Waisenhausplatz, Münsterplatz und Bundesplatz.

Der Zibelemärit ist kein offizieller Feiertag. Aber er wirkt wie einer. Fast alle Geschäfte in der Berner Altstadt schliessen an diesem Tag bereits um 17:00 Uhr. An der Universität Bern werden die Vorlesungen abgesagt. Bern macht Pause, ob offiziell oder nicht.

Was 2026 sicher erwartet: Marktstände mit Zwiebelzöpfen, Gemüse, Keramik, Textilien und Kunsthandwerk. Zwiebelküche in allen Variationen, Glühwein, Täfeli. Den Zibelegring-Umzug um etwa 11:30 Uhr. Die Konfettischlacht ab 16:00 Uhr.

Zur Chilbi: die zweiwöchige Chilbi auf der Schützenmatte beim Kulturzentrum Reithalle, die traditionell den Zibelemärit begleitet, fand in den letzten Jahren nur noch unregelmässig statt. Ob sie 2026 stattfindet, empfiehlt sich vorab auf bern.ch zu prüfen.

Für aktuelle Programminformationen: bern.ch/zibelemaerit und bern.com.

10 Dinge, die man am Berner Zibelemärit machen kann

Praktische Informationen

Mit dem öffentlichen Verkehr ist die Anreise die beste Wahl. Die SBB und die BLS bieten Extrazüge an. Bernmobil verlegt den Betriebsbeginn vor, sodass die Anreise bereits vor 6:00 Uhr möglich ist. Der Bahnhof Bern ist der natürliche Ausgangspunkt – von dort sind es wenige Gehminuten in die Altstadt.

Achtung: Während des Zibelegring-Umzugs ab etwa 11:30 Uhr kommt es im Bereich der Zytglogge zu Einschränkungen. Trams werden umgeleitet, einzelne Haltestellen nicht bedient. Den Fahrplan vorab auf bernmobil.ch prüfen.

Mit dem Auto ist die Anreise weniger empfehlenswert. Die Berner Altstadt ist an normalen Tagen bereits eingeschränkt zugänglich, am Zibelemärit erst recht. Wer trotzdem mit dem Auto kommt, nutzt Park-and-Ride-Möglichkeiten ausserhalb.

November in Bern bedeutet früh morgens zwischen 0 und 5 Grad. Wer drei Stunden auf dem Markt verbringt, merkt das. Feste Schuhe, Handschuhe, Mütze – das sind keine optionalen Extras.

Bargeld mitnehmen: Viele Stände nehmen ausschliesslich Bargeld. Früh kommen. Die besten Zwiebelzöpfe verschwinden zwischen 7:00 und 9:00 Uhr.

Wer einmal in Bern ist, sollte den Zibelemärit nicht als einzigen Grund für die Reise sehen. Die Stadt hat weit mehr zu bieten als einen Markttag – die Berner Sehenswürdigkeiten sind einen eigenen Aufenthalt wert, und wer ein paar Tage bleibt, reist mit einem ganz anderen Bild der Bundesstadt nach Hause.

Berner Zibelemärit – Jahrmarkt, Volksfest, Tradition

Zibelemärit

Interessante Fakten

  • Der Zibelemärit ist kein Feiertag – aber er wirkt wie einer. Die Universität sagt Vorlesungen ab, Geschäfte schliessen früher. Bern hält inne.
  • Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden auch in anderen Orten Zibelemärite statt. In Zürich und Lugano wurden sie von örtlichen Berner-Vereinen organisiert. Was in Bern begann, hat die Kantonsgrenzen längst überschritten.
  • Die kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfe sind nicht nur hübsch. Geflochten und aufgehängt, halten Zwiebeln Monate lang frisch. Was als Verkaufsform entstand, war ursprünglich Konservierungsmethode.
  • Der Markt beginnt so früh, weil die Tradition aus der alten Martinimesse stammt. Damals kamen die Marktfrauen einen Tag früher an und mussten die Gassen nur mit den einheimischen Töpferkrämern teilen – niemandem den Standplatz streitig machend. Deshalb ist 4:00 Uhr bis heute die inoffizielle Startzeit.

FAQ

Um wie viel Uhr beginnt der Zibelemärit – und wann sollte man kommen?

Offiziell um 6:00 Uhr, tatsächlich finden die ersten Verkäufe ab 4:00 Uhr statt. Wer die besten Zwiebelzöpfe will, kommt zwischen 5:00 und 7:00 Uhr. Wer die Konfettischlacht erleben will, bleibt bis 16:00 Uhr.

Wie viel Zwiebeln werden am Zibelemärit verkauft?

Traditionell brachten Bauern aus der Region rund 50 Tonnen Zwiebeln und Knoblauch nach Bern. In den letzten Jahren ist diese Zahl rückläufig – bei der Ausgabe 2025 wurden noch rund 35 Tonnen von 98 Zwiebelständen angeboten.

Was ist die Konfettischlacht – und wann findet sie statt?

Ab 16:00 Uhr beginnt die Konfettischlacht. Besucherinnen und Besucher kaufen tagsüber Konfetti und Plastikhämmerchen an den Ständen. Früher gab es Keulen und Schaumpistolen – beides ist verboten. Das Konfetti und die Plastikhämmerchen blieben.

Was ist die Herkunftslegende des Zibelemärit?

Die bekannteste Legende verbindet den Markt mit dem Stadtbrand von 1405 und der Hilfe der Freiburger. Wissenschaftlich gilt die Entstehung in der Mitte des 19. Jahrhunderts als wahrscheinlicher – aus dem Gemüsehandel von Bäuerinnen vom Mont Vully um den Martinstag herum.

Gibt es Zibelemärit auch in anderen Schweizer Städten?

Ja. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden auch ausserhalb Berns Zibelemärite statt – in Zürich und Lugano wurden sie von örtlichen Berner-Vereinen organisiert.

Warum findet der Zibelemärit immer an einem Montag statt?

Der vierte Montag im November ist das feste Datum. Der Montag als Markttag hat historische Tradition – in der Landwirtschaft war er oft der klassische Markttag, an dem Bäuerinnen und Bauern ihre Waren in die Stadt brachten.