Todesursache Felix Baumgartner
Am 20. April 1969 in Salzburg geboren, am 17. Juli 2025 in Italien gestorben. Dazwischen liegt ein Leben, das sich kaum in Worte fassen lässt. Felix Baumgartner war Extremsportler, BASE-Jumper und Pilot – einer jener Menschen, bei denen man nicht sagen kann: «Der hat es versucht.» Er hat es einfach getan. 2012 sprang er aus der Stratosphäre und durchbrach als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer. Dreizehn Jahre später starb er nicht bei einem Weltrekordversuch, sondern bei einem Urlaubsflug. Das macht seinen Tod noch schwerer zu fassen.
Vollständiger Name | Felix Baumgartner |
|---|---|
Geburtsdatum | 20. April 1969 |
Geburtsort | Salzburg, Österreich |
Todesdatum | 17. Juli 2025 |
Alter bei Tod | 56 Jahre |
Todesursache | Menschliches Versagen beim Motorgleitschirmflug (Sturzspirale) |
Unfallort | Porto Sant'Elpidio, Provinz Fermo, Marken, Italien |
Lebensgefährtin | Mihaela Rădulescu |
Bekanntestes Werk | Stratosphärensprung Red Bull Stratos, 14. Oktober 2012 |
Felix Baumgartner
Biografie
Felix Baumgartner wuchs in Salzburg auf. Schon als Kind interessierte er sich für Fliegen und Fallschirmspringen – nicht als Hobby, sondern als Berufung. Sein Vater Felix war Tischler, seine Mutter Eva Hausfrau. Er hatte einen Bruder, Gerard. Die Familie war bescheiden. Der Antrieb war es nicht.
Als Kind wollte er Rechtsanwalt werden. Was daraus wurde, weiß man. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser, arbeitete als Kfz-Mechaniker und verpflichtete sich mit 18 Jahren beim österreichischen Bundesheer. Dort wurde er zum Panzerfahrer und Fallschirmspringer ausgebildet. Die autoritären Strukturen des Militärs passten nicht zu ihm. Er verließ das Heer vorzeitig – Aktennotiz: Schwierigkeiten mit Unterordnung.
1996 absolvierte er seinen ersten BASE-Sprung, ausgebildet von Tracy Lee Walker. Ein Jahr später kam der erste Sponsorenvertrag mit Red Bull. Das war 1997 – der Beginn einer Zusammenarbeit, die Sportgeschichte schreiben sollte.
Die Entscheidung, Österreich zu verlassen, traf Baumgartner nicht leichtfertig. Nach dem Stratosphärensprung 2012 berechnete das österreichische Finanzamt seinen Honoraranteil mit bis zu 55 Prozent statt der üblichen 17. Baumgartner wollte das nicht akzeptieren und zog nach Arbon am Bodensee im Schweizer Kanton Thurgau.
Das Finanzamt hat mich vertrieben – das ist eine Frechheit, sagte er damals.
Ein bitterer Satz über ein Land, dem er seinen Ruhm zu einem guten Teil verdankte. In Arbon lebte er still und zurückgezogen. So still, wie das für jemanden mit einem «Born to fly»-Tattoo auf dem Unterarm eben möglich ist.
Felix Baumgartner
Persönliches Leben
Baumgartner führte mehrere längere Beziehungen, die öffentlich wurden. Jahrelang war er mit dem deutschen Playboy-Model Gitta Saxx zusammen. Später verlobte er sich mit Nicole Öttl, der damaligen Miss Niederösterreich 2006. Zur Hochzeit kam es nie.
Seit 2014 war er mit der rumänischen Fernsehmoderatorin und Journalistin Mihaela Rădulescu zusammen. Sie filmte seinen letzten Start am 17. Juli 2025. Kinder hatte Baumgartner keine, geheiratet hatte er nie. Das hat im Erbrecht direkte Folgen: da kein Testament bekannt wurde und weder Ehe noch Kinder vorhanden waren, greift österreichisches Erbrecht ohne letztwillige Verfügung – die gesetzliche Erbfolge tritt ein.
Sein Vermögen baute er über Jahrzehnte auf: Red Bull war der wichtigste Sponsor, dazu kamen internationale Auftritte, Fernsehpräsenzen und Sprecherhonorare bei Unternehmensveranstaltungen. Berichte sprechen von 80.000 bis 100.000 Euro pro Vortrag. Genaue Zahlen zum Gesamtvermögen hat er nie öffentlich gemacht.
Neben dem Sport war Baumgartner ausgebildeter Helikopterpilot. Das Fliegen war keine Freizeitbeschäftigung – es war sein Lebensinhalt. «Born to fly» ließ er sich auf den Unterarm tätowieren. Dieser Satz hat nach seinem Tod eine andere Wucht bekommen.
Felix Baumgartner und Mihaela Rădulescu
Karriere als Extremsportler
Über 2.600 Fallschirmsprünge, davon 130 Objektsprünge. Das ist die nüchterne Zahl. Was dahinter steckt, ist eine Karriere, die an Konsequenz und Risikobereitschaft kaum übertroffen wurde.
1999 sprang Baumgartner heimlich vom 88. Stock der Petronas Towers in Kuala Lumpur. Damals die höchste Absprungstelle von einem Gebäude weltweit. Er hatte das Gebäude tagelang beobachtet, sich als Geschäftsmann verkleidet und den Fallschirm im Aktenkoffer reingebracht. Der Sprung dauerte Sekunden, die Vorbereitung Tage. Typisch Baumgartner.
2003 überquerte er als erster Mensch den Ärmelkanal im freien Fall – mit einem Kohlefaserflügel namens SKYRAY. Einen der gefährlichsten Momente seiner Karriere, sagte er später.
Am 27. Juni 2004 sprang er als erster Mensch vom neu eröffneten Viaduc de Millau in Frankreich – der höchsten Brücke Europas. Zwei Jahre später, am 18. August 2006, sprang er zuerst auf den Turning Torso in Malmö und dann von ihm herunter. Erst draufspringen, dann abspringen. Logik einer anderen Art.
Am 12. Dezember 2007 drang er illegal in den Taipei 101 in Taiwan ein, versteckte seinen Fallschirm in der Decke einer Toilette im 91. Stockwerk und sprang – damals das höchste fertiggestellte Gebäude der Welt. Die taiwanesischen Behörden belegten ihn mit einem lebenslangen Einreiseverbot. Er zuckte mit den Schultern.
Einen besonderen Platz hält der niedrigste BASE-Sprung der Geschichte: 29 Meter von der ausgestreckten Hand der Christusstatue in Rio de Janeiro. Klingt weniger dramatisch als die Stratosphäre. Ist technisch gefährlicher – bei 29 Metern bleibt keine Zeit für Fehler.
2013 trat er offiziell vom Leistungssport zurück. Das Fliegen ließ er nicht.

Felix Baumgartners beste Freifallsprünge
Stratosphärensprung 2012
Das Projekt Red Bull Stratos begann nicht im Oktober 2012. Die Vorbereitung dauerte Jahre. Das größte Problem für Baumgartner war dabei weder die Höhe noch die Geschwindigkeit – es war der Druckanzug. Er litt unter Klaustrophobie. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, brachte ihn mehrfach an die Grenze des Abbruchs. Er arbeitete über ein Jahr mit einem Sportpsychologen daran. Dann sprang er trotzdem.
Am 15. März 2012 testete er bei einem Sprung aus 21.818 Metern Höhe. Rund dreieinhalb Minuten im freien Fall. Am 14. Oktober 2012 folgte der eigentliche Sprung. Die Kapsel stieg über der Wüste von New Mexico in die Stratosphäre. Red Bull übertrug live über 77 Sender in 50 Länder, rund 8 Millionen Menschen verfolgten den Livestream gleichzeitig. Dann öffnete sich die Luke.
Die FAI ratifizierte drei Weltrekorde:
- Maximalgeschwindigkeit von 1.357,64 km/h – Mach 1,25;
- Absprunghöhe von 38.969,40 Metern;
- freier Fall über 36.402,6 Meter.
Als erster Mensch durchbrach er im freien Fall die Schallmauer. Während des Falls geriet er kurzzeitig in ein Flachtrudeln – der Moment, bei dem Millionen vor den Bildschirmen aufhörten zu atmen. Er stabilisierte sich selbst. Beim Landen kniete er auf dem Boden der Wüste.
2014 überbot Alan Eustace den Höhenrekord mit einem Sprung aus 41.419 Metern. Baumgartner störte das kaum. «Überhaupt nicht», sagte er. «Wir hatten Kontakt miteinander.» Die Rekorde für Geschwindigkeit und freien Fall blieben in seinem Namen.
Baumgartners Honorar für das Projekt: rund 10 Millionen Euro. Der Werbewert für Red Bull: rund 6 Milliarden Euro. Wer davon mehr brauchte, liegt auf der Hand.

Ich bin aus dem Weltraum gesprungen (Weltrekord im Überschall-Freifall)
Tod in Porto Sant'Elpidio
Der 17. Juli 2025 begann unspektakulär. Baumgartner war mit Mihaela Rădulescu im Urlaub an der adriatischen Küste Italiens, nahe Porto Sant'Elpidio. Ein paar Stunden vor dem Unfall postete er auf Instagram ein Foto eines kleinen Flugplatzes mit dem Kommentar: «Zu viel Wind.» Dann startete er trotzdem.
Kurz nach dem Start geriet sein motorisierter Paraglider in eine Sturzspirale – ein extremer Flugzustand mit rasant steigendem Höhenverlust. Baumgartner verlor die Kontrolle. Er versuchte noch, den Rettungsschirm auszulösen. Er war bereits zu tief. Der Schirm öffnete sich kurz vor dem Aufprall, nicht mehr rechtzeitig. Er stürzte in eine Holzhütte nahe dem Pool der Ferienanlage «Le Mimose del Club del Sole». Trümmerteile verletzten eine unbeteiligte Person. Ersthelfer kämpften am Pool um sein Leben. Es war zu spät.
Die Obduktion ergab: Baumgartner starb beim Aufprall. Die Wirbelsäule brach im unteren Rücken, das Rückenmark wurde geschädigt. Einen Herzinfarkt in der Luft schloss die Obduktion aus. Drei Monate später veröffentlichte Generalstaatsanwalt Raffaele Iannella das technische Gutachten: Der Gleitschirm war in einwandfreiem Zustand. Kein Materialfehler, kein technisches Versagen. Die Ursache war menschliches Versagen.
Mihaela Rădulescu hatte seinen letzten Start gefilmt. Sie veröffentlichte das Video mit den Worten: «Wir waren Liebe.» Red Bull bestätigte den Tod gegenüber dem ORF. Die öffentliche Verabschiedung lief am 28. Juli online und vor Ort in Thalgau. Das Begräbnis fand im engsten Familienkreis in Österreich statt – die Familie bat ausdrücklich, nicht vor Ort zu berichten.
In Österreich und der Schweiz war die Reaktion groß. Was viele beschäftigte: Baumgartner starb nicht beim Versuch, einen neuen Rekord zu brechen. Er starb bei einem Urlaubsflug. Das war es, was sich nicht so leicht erklären ließ.
Auszeichnungen
Auszeichnung | Jahr | Kontext |
|---|---|---|
BAMBI – Kategorie «Millennium» | 2012 | Für den Stratosphärensprung Red Bull Stratos |
Top Gear Magazine – Man of the Year | 2012 | Internationale Anerkennung nach Red Bull Stratos |
3 FAI-Weltrekorde (Geschwindigkeit, Höhe, Distanz) | 2012 | Ratifiziert durch die Fédération Aéronautique Internationale |
Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde | 2012 | Stratosphärensprung und Schallmauerdurchbruch im freien Fall |
Felix Baumgartner
Interessante Fakten
- Kurz vor dem Stratosphärensprung dachte Baumgartner ernsthaft daran, das Projekt abzubrechen. Nicht wegen der Gefahr in der Stratosphäre, sondern wegen der Enge im Druckanzug. Ein Jahr Psychologen-Arbeit. Dann sprang er trotzdem.
- Beim Taipei-101-Sprung versteckte er seinen Fallschirm in der Decke einer Toilette im 91. Stockwerk. Er hatte das Sicherheitssystem fünf Tage lang beobachtet. Das lebenslange Einreiseverbot für Taiwan nahm er dafür in Kauf.
- Der niedrigste BASE-Sprung der Geschichte – 29 Meter von der Christusstatue in Rio – klingt auf dem Papier weniger eindrucksvoll als die Stratosphäre. Technisch ist er gefährlicher. Bei 29 Metern gibt es keinen Spielraum für Fehler.
- Nur wenige Stunden vor seinem Tod schrieb er «Zu viel Wind» und startete trotzdem. Dieser letzte Instagram-Post ging um die Welt.
- Er hatte über 2.600 Fallschirmsprünge absolviert. Der letzte Flug war keiner davon.
FAQ
Welche Maximalgeschwindigkeit erreichte Baumgartner beim Stratosphärensprung?
Die FAI ratifizierte 1.357,64 km/h – Mach 1,25. Als erster Mensch überhaupt durchbrach er damit im freien Fall die Schallmauer. Der Rekord steht bis heute.
War Baumgartner der einzige Verletzte bei dem Unfall?
Nein. Trümmerteile des Aufpralls verletzten eine unbeteiligte Person in der Ferienanlage. Baumgartner selbst überlebte den Aufprall nicht.
Litt Baumgartner unter Phobien?
Ja. Er hatte Klaustrophobie – am stärksten ausgeprägt im Druckanzug des Stratosphärenprojekts. Er überwand sie mit Hilfe eines Sportpsychologen. Ohne diese Arbeit wäre der Sprung vermutlich nie zustande gekommen.
Wo lebte Felix Baumgartner zuletzt?
In Arbon, am Bodensee im Schweizer Kanton Thurgau. Er zog dorthin nach einem Steuerstreit mit dem österreichischen Finanzamt, das seinen Honoraranteil mit bis zu 55 Prozent besteuern wollte. «Das Finanzamt hat mich vertrieben – das ist eine Frechheit», sagte er. In Arbon lebte er ruhig – und weiter fliegend.







