Estland
Das erfolgreichste der baltischen Länder, Heimat von Skype und ein Land, in dem alles online erledigt wird: Das heutige Estland hat sich hervorragend in die neuen europäischen Realitäten eingefügt und hält mit den neuesten Trends in Wissenschaft und Technologie Schritt. Hier ist es selten laut und überfüllt, das Leben verläuft gemächlich und ruhig. Aber genau darin liegt wohl der besondere Charme dieses kleinen baltischen Landes, in dem man einfach nur seine Seele vom Trubel und der Hektik erholen möchte.
Allgemeine Informationen
Estland wird bei uns seit langem in Verbindung mit den beiden anderen baltischen Staaten – Litauen und Lettland – wahrgenommen, einfach weil sie bis Anfang der 90er Jahre Teil der UdSSR waren. Viele Menschen sehen aus irgendeinem Grund immer noch keinen besonderen Unterschied zwischen ihnen: Das Baltikum, so heißt es, ist eben das Baltikum.
Tatsächlich haben sie jedoch wenig gemeinsam – höchstens die Ostseeküste. Lettland und Litauen sind in Sprache und Kultur den Slawen näher, während Estland finnische Wurzeln hat. Mit Finnland verbindet es tatsächlich vieles: Als Völker gehören sie zur selben Gruppe – der finno-ugrischen – und sprechen dieselbe Sprachgruppe. Auch ihre Mentalität und ihr Temperament sind ähnlich: Sowohl Esten als auch Finnen sind für ihre legendäre Langsamkeit und Gründlichkeit bekannt.
Estnische Städte und Dörfer ähneln in ihrer Bebauung und Architektur stark den finnischen. Die Liste der Gemeinsamkeiten ließe sich wahrscheinlich endlos fortsetzen. Nicht umsonst sprechen viele Menschen, die beide Länder besucht haben, ernsthaft vom Phänomen Déjà-vu, wenn sie ihre Eindrücke von der Reise beschreiben.
Historischer Hintergrund
Estland ist erst seit etwas mehr als dreißig Jahren seiner jahrhundertelangen Geschichte eine wirklich unabhängige Republik. Fast die gesamte restliche Zeit war es Teil anderer Staaten – Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen und der UdSSR.
Steinhügelgräber aus der Bronzezeit in Nordestland
Rechtlich gesehen existiert die Republik Estland jedoch seit dem 24. Februar 1918, als Sowjetrussland nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges ihre Souveränität offiziell anerkannte.
Estland war in den folgenden 22 Jahren ein souveräner Staat, bis es im Sommer 1940, kurz vor dem Einmarsch der Hitlerarmee, Teil der Sowjetunion wurde und deren letzte – fünfzehnte – Republik wurde.
Die Haltung zu diesem Ereignis war sowohl in Estland selbst als auch in der Weltgemeinschaft nicht eindeutig. Die Länder Westeuropas und die USA erkannten die Eingliederung der Republik in die UdSSR nur de facto an. Eine rechtliche Anerkennung gelang es der Führung der Union nicht zu erreichen: Bis heute wird diese Zeit sowohl im Westen als auch in Estland selbst als Besatzung betrachtet.
Gedenktafel an dem Gebäude in Tallinn, in dem die Unabhängigkeit der Republik Estland verkündet wurde
Die Hitler-Truppen verließen Estland im November 1944 – und ab da hatte die UdSSR wieder Einfluss hier, der bis Anfang der 90er Jahre anhielt. Im August 1991, nur ein paar Monate vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, erklärte Estland seinen Austritt aus der Union und wurde ein unabhängiges Land.
Flagge und Wappen Estlands
Weniger als einen Monat nach der Unabhängigkeit wurde Estland in die UNO aufgenommen und trat später anderen wichtigen internationalen Institutionen und Organisationen bei – der EU und der NATO (2004).
Heute ist es das wirtschaftlich wohlhabendste aller baltischen Republiken, die früher zur UdSSR gehörten. Hier herrscht ein recht hoher Lebensstandard und eine stabile politische Lage.
Geografie und Klima
Das am dünnsten besiedelte Land des Baltikums liegt im Nordosten des europäischen Kontinents. Es grenzt nur an zwei Staaten – Lettland und Russland, wobei die Grenze zu Lettland eine Landgrenze ist und die Grenze zu Russland hauptsächlich durch den Fluss Narva und die beiden Seen Peipsi und Pskow verläuft.
Hier gibt es fast keine Berge – das Relief Estlands ist völlig flach, wenn man Suur-Munamägi nicht mitzählt, einen Gipfel mit dem lustigen Namen, der übersetzt „Großer Eierberg” bedeutet. Er ist nur 318 Meter hoch und kann im Dorf Haaanja im südöstlichen Landkreis Virumaa bewundert werden.
Allerdings wird das Fehlen von Bergen durch eine Vielzahl von natürlichen Seen mehr als ausgeglichen. Natürlich ist das nicht mit Finnland zu vergleichen, aber 1200 der reinsten natürlichen Gewässer sind auch eine beeindruckende Zahl. Die Küstenlinie dieses baltischen Landes besteht aus mehr als 1500 Inseln, von denen die größten Saareemaa, Hiiumaa und Muhu sind.
Insel Saaremaa, Estland
Das Klima in Estland ist gemäßigt: Die Sommer sind hier normalerweise kühl und die Winter mild. Die Nähe zum Meer macht sich nicht nur im Wetter bemerkbar, sondern auch in der hohen Luftfeuchtigkeit.
Bevölkerung, Sprache und Währung
Es gibt nur wenige Esten auf der Welt: Das Land hat weniger als 1,3 Millionen Einwohner. Das Land ist dünn besiedelt, obwohl es größer ist als Dänemark, die Niederlande und sogar die Schweiz.
Die geringe Bevölkerungsdichte pro Quadratmeter lässt sich einfach erklären: Der größte Teil Estlands besteht aus praktisch unbewohnten Inseln. Es gibt etwa zweitausend davon – und überall herrscht eine üppige Natur. In den unberührten Wäldern leben ganze Populationen von Wildtieren – Wildschweine, Wölfe, Bären, Füchse, und dort, wo es nur wenige Wälder gibt, leben riesige Vogelschwärme.
Die Esten leben lieber in Städten. Die ländliche Bevölkerung ist klein und konzentriert sich nur auf einige wenige Inseln: Schließlich muss jemand die übrigen Einwohner dieses kleinen Landes mit Fleisch, Milch, Gemüse und Obst versorgen.
Die Hauptstadt Estlands ist Tallinn, eine Stadt mit einer fast tausendjährigen Geschichte, in der etwas mehr als 400.000 Menschen leben. Die zweitgrößte Stadt ist Tartu (ca. 100.000 Einwohner), die bereits zu Beginn des 11. Jahrhunderts erstmals erwähnt wurde. An dritter Stelle steht Narva mit etwas mehr als 60.000 Einwohnern, an vierter Stelle Pärnu mit 45.000 Einwohnern.
Die Hauptstadt Estlands – Tallinn
Die einzige Amtssprache in Estland ist Estnisch. Wie alle Sprachen der finno-ugrischen Sprachgruppe, zu der beispielsweise auch Finnisch und Ungarisch gehören, ist sie recht komplex. Man stelle sich vor: Es gibt allein vierzehn Fälle, aber keine grammatikalischen Geschlechter und keine Zukunftsform. Die Rolle der Präpositionen übernehmen Postpositionen – spezielle Wortarten, deren Aufgabe darin besteht, die Wörter im Satz zu ordnen.
Interessant ist auch der Klang der estnischen Sprache. Ihre auffälligste Besonderheit sind die langen Vokale in unbetonten Silben und die Vorliebe der Esten, mehrere Wörter zu einem zu verschmelzen. Das Ergebnis sind recht komplexe Laut- und Buchstabenkombinationen, in denen Vokale nicht nur lang, sondern sehr lang klingen können. In der Schrift sehen sie nicht weniger komisch aus: Ein und derselbe Buchstabe kann in einem Wort vier- bis fünfmal hintereinander vorkommen.
Hier ist zum Beispiel ein typisches estnisches Wort – kuuuuurija. Es lässt sich zwar mit zwei Wörtern übersetzen – „Mondforscher” – und besteht aus zwei eigenständigen Teilen – „kuu” (Forscher) und „uurija” (Mond). Aber die Esten haben beschlossen, aus zwei Wörtern ein einziges zu machen – und so entstand eine Konstruktion mit einem unglaublich langen „u“. Und so ist es immer, weshalb die estnische Sprache oft wie eine exotische, „flüchtige“ Sprache klingt.
Zu sagen, dass die Esten ihre Sprache sehr lieben, bedeutet nichts zu sagen: Sie pflegen buchstäblich jedes einzelne Wort. Die Prüfung der Kenntnisse in eesti keel bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft wird zu einer echten Herausforderung für jeden, der das begehrte burgunderrote Büchlein erhalten möchte. Die Anforderungen an die Sprachkenntnisse sind sehr hoch – es gibt keine Ausnahmen für Bewerber mit ausländischer Herkunft.
Die Währung des kleinsten baltischen Landes ist der Euro, bis 2004 war die estnische Krone die nationale Währungseinheit.
Anreise
Je nach Budget, Zeit und Komfort gibt es mehrere Möglichkeiten, um von Deutschland nach Estland zu reisen. Hier sind die wichtigsten Optionen:
- Mit dem Flugzeug. Direkt- oder Anschlussflüge von großen deutschen Flughäfen (Berlin, Frankfurt am Main, München, Hamburg) nach Tallinn. Bei Anschlussflügen erfolgt der Umstieg in der Regel in Finnland, Lettland oder Schweden.
- Mit dem Bus. Zwischen Deutschland und Estland verkehren internationale Buslinien von Berlin und anderen Städten aus. Der Transport wird von den Unternehmen FlixBus, Ecolines und Lux Express durchgeführt. Die Fahrzeit beträgt je nach Strecke etwa 24 bis 30 Stunden.
- Mit dem Zug und Bus. Über Polen oder Litauen: Zunächst kann man mit dem Zug (oder Bus) nach Warschau oder Vilnius fahren und dann mit dem Bus nach Tallinn weiterreisen. Über Lettland: Von Riga aus gibt es auch viele Busverbindungen nach Estland.
- Mit dem Auto. Wenn Sie ein eigenes Auto haben, können Sie über Polen, Litauen und Lettland fahren. Die genaue Route hängt von Ihrem Abfahrtsort in Deutschland ab.
Übernachtungsmöglichkeiten
Estland ist ein kleines Land, jeder Quadratmeter bewohnbarer Fläche ist Gold wert, daher sollte man keine große Vielfalt an Hotels erwarten. Das Niveau und die Qualität der Zimmer in Hotels, Gästehäusern und sogar Hostels verdienen jedoch eine hohe Bewertung. Natürlich gibt es wie überall auch hier unangenehme Ausnahmen, aber diese unterstreichen nur die Grundregel: Ein Urlaub in Estland ist komfortabel und angenehm.
Die Preise für Hotelzimmer sind mit denen in Finnland vergleichbar – ebenfalls 40-60 Euro. Die Sauberkeit und Pflege sind ebenso gut. Und das Personal ist ebenso gewissenhaft.
Hier sind die Top 5 der preiswerten Hotels in Estland:
Citybox – ein modernes Hotel im Zentrum von Tallinn. Es bietet komfortable Zimmer, kostenloses WLAN und Selbstverpflegung. Es liegt in der Nähe der Altstadt.
![Citybox Tallinn Citybox]()
Citybox Tallinn City Center, Tallinn
cityboxhotels.com Ibis Tallinn Center – ein Hotel mit modernem Design in der Nähe des Stadtzentrums. Zimmer mit Klimaanlage, kostenlosem WLAN und einem Restaurant im Hotel.
![Hotel Ibis Tallinn Center Ibis]()
Ibis Tallinn Center
- Dorpat Hotel – Drei-Sterne-Hotel im Zentrum von Tartu. Komfortable Zimmer, Frühstück inklusive, freundliches Personal.
Rija Old Town Hotel – Hotel in der Altstadt von Tallinn. Modern gestaltete Zimmer, Frühstück inklusive, in der Nähe von Sehenswürdigkeiten.
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- Hotel Dzingel – ein ruhiges Hotel in einem beschaulichen Viertel von Tallinn. Gemütliche Zimmer, kostenloses WLAN, gute Anbindung an das Stadtzentrum.
Sehenswürdigkeiten
Eine echte Besonderheit Estlands sind Hotels, die in alten Gutshöfen untergebracht sind – Anwesen, die speziell für Gäste restauriert wurden, die in die romantische Atmosphäre des mittelalterlichen Landlebens eintauchen möchten. Die meisten Herrenhäuser und Schlösser wurden im 16. bis 18. Jahrhundert vom deutschen und schwedischen Adel erbaut. Die turbulenten und tragischen Ereignisse des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts – der Anschluss an die UdSSR und der Zweite Weltkrieg – zerstörten die einst luxuriösen Anwesen, doch mit der Unabhängigkeit Estlands erhielten sie eine Chance auf Wiedergeburt und neues Leben.
Sowohl die Landgüter selbst als auch die sie umgebenden Gebiete sind heute kaum wiederzuerkennen: Den Restauratoren ist es gelungen, den romantischen Geist der Vergangenheit zu bewahren und ihre fast vergessenen Traditionen mit den Trends der Gegenwart zu verbinden. Zum Beispiel ist die Misa Sagadi im Nationalpark Lahemaa (an der Küste des Finnischen Meerbusens) ein ganzes Freilichtmuseum für Geschichte und Heimatkunde. In diesem Anwesen, dessen Geschichte mehr als 500 Jahre zurückreicht, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
Eine Reise nach Saada ist besonders für diejenigen interessant, die sich für die Architektur und Kultur der baltischen Länder interessieren. Es sind alle Voraussetzungen geschaffen, um sich voll und ganz dem Studium vieler interessanter Dinge zu widmen: Nach den Ausflügen können Sie sich direkt im Hotel ausruhen und in einem gemütlichen Restaurant mit nationaler Küche essen.
An einem anderen Ort – auf der Halbinsel Pootsaare (Pärnu) – erwarten Weinliebhaber neue Eindrücke. Überrascht? Natürlich ist Estland mit seinem kühlen Klima nicht der beste Ort für den Weinanbau. Aber wer sagt, dass nur dort wirklich gute Weine hergestellt werden? Bereits die dritte Generation der Besitzer des Anwesens beschäftigt sich mit der Herstellung von Weinen aus Beeren, die in den estnischen Wäldern reichlich wachsen – Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren. Keine Automatisierung: Alle Arbeitsschritte, vom Sortieren der Rohstoffe bis zum Abfüllen des fertigen Produkts, werden von Hand ausgeführt.
Eine Exkursion nach Poots ist nicht nur eine spannende Erzählung des Reiseleiters und eine Einführung in die Feinheiten der Weinherstellung. Den Teilnehmern werden die Verkostung von sechs Weinsorten und natürlich ein Mittagessen angeboten. Muss man erwähnen, dass es sich dabei um Gerichte der nationalen Küche handelt?
Auf der zweitgrößten Insel Estlands befindet sich das Schloss Suuriemäe, das mehrere Generationen lang zunächst schwedischen und später deutschen Adligen gehörte. Beeindruckend sind die prächtigen Säle mit ihren kunstvollen Stuckverzierungen, Kristallkronleuchtern, effektvollen Vorhängen und exquisiten Möbeln.
Neben einer Führung durch das Schloss selbst werden die Gäste von Suuriemäe zu einem Besuch des Mini-Museums des Anwesens eingeladen. Viel Freude bereitet auch ein Spaziergang durch den Park im englischen Stil und die unglaublich schöne Orangerie.
Alle fünf Jahre findet das Estnische Liederfest statt. Dieser groß angelegte Gesangswettbewerb von Volkschören aus dem ganzen Land ist seit über 200 Jahren aus dem Leben dieses kleinen baltischen Landes nicht mehr wegzudenken. Die Zahl der teilnehmenden Chöre wächst stetig. Zum Vergleich: Im Juni 1869 traten in Dorpat (Tartu) beim ersten Liederfest 51 Chöre auf, 2019 waren es über tausend. Das Fest findet auf dem Sängersfeld in Tallinn statt. Es ist wirklich einzigartig: Die Natur selbst hat direkt auf Lasnamäe, einem Teil des Baltisch-Ladogischen Glints, einen echten Zuschauerraum geschaffen.
Bei großen Konzerten können bis zu 15.000 Chormitglieder gleichzeitig auf der Bühne stehen. Manchmal ist es auch andersrum: Zuschauer und Künstler tauschen die Plätze, wenn es das Festprogramm so vorsieht.

Laulupidu 2025: Pärt Uusberg – Et kiitke Jumalat, kes on nii helde
Die Chöre bereiten spezielle Programme mit Volksliedern vor, die sie seit Jahren im ganzen Land sammeln, um das wertvollste Erbe zu bewahren.
Interessante Tatsache: Genau hier, auf dem Singfeld, wurde am 11. September 1988 vor 300.000 Menschen – das ist genau ein Drittel der Bevölkerung Estlands – während des Abschlusskonzerts des Festivals „Lied Estlands” zum ersten Mal der Ruf nach Unabhängigkeit laut. Später bezeichneten Historiker die Massen-Songfestivals, die von Juni bis September 1988 stattfanden, als „Singende Revolution”.
Was gibt es zu essen
Die estnische Küche basiert auf den kulinarischen Traditionen der Bauernschaft. Das bedeutet, dass das Essen einfach, sättigend und natürlich lecker sein muss. Und so ist es auch: Die Suppen sind dick und reichhaltig, Fleisch und Fisch werden in großen Portionen serviert, unbedingt mit Kartoffeln, Erbsen oder Getreide als Beilage.
Die Esten lieben Milch und Milchprodukte ganz besonders: Es vergeht kein Tag, an dem ihre Familien nicht mindestens ein Glas Milch trinken und zumindest ein wenig Sauerrahm oder Joghurt essen. Sehr oft ist Milch ein unverzichtbarer Bestandteil von Soßen und Suppen.
Wer schon einmal in Finnland war, stellt immer die große Ähnlichkeit der finnischen und estnischen Küche fest: Sogar die Rezepte vieler Gerichte stimmen überein. Beispielsweise ist es bei beiden Völkern üblich, Milchsuppe zuzubereiten – eine Fischsuppe auf Milchbasis. Der einzige Unterschied besteht in den Fischsorten. Die Finnen bevorzugen Suppe mit Lachs, die Esten mit Kabeljau oder Ostseehering. Trotz der ungewöhnlichen Kombination von Zutaten ist die Suppe jedoch ausgezeichnet.
Mulgikapsa ist ein weiteres typisches Gericht der estnischen Küche. Es handelt sich um einen Haferbrei mit Schweinefleisch und Sauerkraut – ein sehr sättigendes und leckeres Gericht, das dem Pilaw ähnelt.
Außerdem sind die Esten große Salatliebhaber. Das wichtigste Gericht auf dem Tisch ist Rosolje, eine Art Vinaigrette mit Hering und Mayonnaise. Danach folgen Kartoffel-, Kürbis- und Fischsalat – ohne sie ist ein sogenannter külmlaud – ein estnischer „kalter Tisch” – nicht vorstellbar. An Feiertagen werden neben mehreren Salaten Blutwurst, zarte Leberpastete, je nach Saison Schweinebraten mit Sauerkraut und unbedingt Aspik serviert.

In der estnischen Küche gibt es nicht viele Desserts, und sie zeichnen sich nicht durch ihre Raffinesse aus. Das bekannteste davon ist Bubert. Eine speziell gekochte Grießspeise mit geschlagenem Eiweiß und Eigelb, übergossen mit einer sauren Soße oder Kissel – so sieht diese Köstlichkeit aus, die vor dreihundert Jahren aus Deutschland nach Estland kam.
Wenn Sie das Glück haben, Weihnachten in Tallinn zu verbringen, sollten Sie unbedingt die Brötchen mit Buttercreme probieren – vastlakulid. Das luftige, duftende Gebäck mit seiner zarten Füllung verleiht dem Fest noch mehr Charme.
Und was trinkt man? Eine echte alkoholische Legende Estlands ist der Likör „Vana Tallinn“ (Altes Tallinn). Wie alle Liköre ist dies ein Dessertgetränk, das meist in Cocktails verwendet wird. Interessanterweise gibt es drei Versionen von „ST“ – 50-prozentig, 40-prozentig und 16-prozentig. Die ersten beiden werden mit Eis getrunken, während die leichteste mit verschiedenen Zusätzen wie Kaffee, Säften und anderen gemischt wird.
Das Geheimnis der Beliebtheit von „Alt-Tallinn“ liegt in seiner vollkommen natürlichen Zusammensetzung – Gewürze, Kräuter und Würzpflanzen verleihen dem Getränk seinen einzigartigen Geschmack. Eine Flasche dieses Likörs ist übrigens ein wunderbares Geschenk für Freunde und Verwandte, weshalb er zu Recht ganz oben auf der Liste der beliebtesten Souvenirs aus Estland steht.
Liebhaber traditioneller alkoholischer Getränke schätzen den lokalen Wodka – Stön und Kase Birch. Letzterer ist eine echte Rarität: Ihm wird Birkensaft zugesetzt.
Wie bereits erwähnt, gibt es in Estland eine recht gut entwickelte Weinherstellung. Die Weine werden aus Früchten und Beeren hergestellt, wobei der beliebteste und beliebteste davon der Johannisbeerwein ist. Es handelt sich um ein leuchtend dunkelviolettes Getränk mit einem sehr intensiven Geschmack nach schwarzen Johannisbeeren.
Estland ist eine echte Perle des Baltikums, ein erfolgreiches, schönes Land, in dem das Ultramoderne ganz natürlich mit der grauen Antike koexistiert und neue Trends sich wunderbar mit der patriarchalischen Lebensweise der estnischen Provinz verbinden. Es lohnt sich, hierher zu kommen, schon allein, um all das mit eigenen Augen zu sehen.







