Gurtenfestival Bern - Open-Air-Musikfestival
Jedes Jahr im Juli pilgern rund 20'000 Menschen täglich auf den Berner Hausberg. Nicht zum Wandern. Für das Gurtenfestival. Vier Tage lang verwandelt sich der Gurten in eine der schönsten Freilichtbühnen der Schweiz – Bühnensound trifft auf Bergpanorama, das Stadtbild von Bern liegt tief unten, und irgendwo zwischen der Hauptbühne und dem Hang mit Aussicht vergisst man schnell, dass man eigentlich noch Montag muss. Für viele Bernerinnen und Berner ist der «Güsche» schlicht das Highlight des Jahres. Das war 1977 so. Das ist heute noch so.
Festivalname | Gurtenfestival |
|---|---|
Format | Viertägiges Open-Air-Musikfestival |
Ort | Gurten, Wabern bei Bern, Schweiz |
Datum 2026 | 15.–18. Juli 2026 |
Gegründet | 1977 |
Besucher | ca. 20'000 pro Tag |
Website |
Gurtenfestival
Geschichte
Am 2. und 3. Juli 1977 fand das erste Gurtenfestival statt, damals noch unter dem Namen «Internationales Folkfestival Bern-Gurten». Fredi Hallauer gehörte zum sechsköpfigen Gründerteam, das den Gurten als Festivalort durchsetzte – und das war kein Selbstläufer. Die Gurtenwiese galt als heiliger Rasen der Berner Stadtgärtnerei, und beide Gemeinden mussten ihre Einwilligung geben. 7'000 Leute kamen zur ersten Ausgabe, fünf Bühnen bespielten den Hügel. Alkohol gab es offiziell keinen, dafür war die Stimmung laut Hallauer trotzdem ausgelassen. Der 2-Tagespass kostete 28 Franken.
Bis 1987 folgten weitere Ausgaben im Zwei-Jahres-Rhythmus, organisiert mit Freiwilligenarbeit und wenig Geld. Dann eine vierjährige Pause, bis die Berner Konzertagentur «Music Service» 1991 das Festival übernahm. Was folgte, war eine echte Wandlung: aus dem Folk-Treffen wurde ein breit aufgestelltes Festival mit internationalen Grössen. Nick Cave trat 1996 gemeinsam mit Kylie Minogue auf. Massive Attack kamen. Björk. Rammstein. Das Publikum gewöhnte sich schnell ans Niveau.
2005 lief das Festival erstmals an vier aufeinanderfolgenden Tagen – die Gurtenbahn transportierte in diesen 96 Stunden 130'000 Menschen den Berg rauf und runter. 2007 eröffnete die Waldbühne erneut, diesmal als Plattform für Schweizer Nachwuchsacts. 2019 übernahm die Gurtenfestival AG als inhabergeführtes Unternehmen. 2023 fand die 40. Ausgabe statt, gefeiert mit einer Sonderausgabe über fünf Tage.
Gurtenfestival 1977
Konzept, Format und Struktur
Das Gurtenfestival ist kein reines Rockfestival, kein EDM-Event und kein Hipster-Treff. Es ist einfach alles auf einmal. Pop, Indie, Hip-Hop, Singer-Songwriter, Elektronik, Soul, Weltmusik – das Programm folgt keiner engen Genre-Logik. Das Publikum ist entsprechend bunt: Familien mit Kindern, Studentinnen, Mittdreissiger, die seit zwanzig Jahren kommen, und Erstbesucher, die verstehen wollen, was der Güsche-Mythos eigentlich bedeutet.
Das Gelände verteilt sich organisch über den Gurten-Hügel. Die Hauptbühne trägt die grossen Namen. Die Zeltbühne ist intimer, besonders schön an warmen Abenden. Die Waldbühne gehört ausschliesslich Schweizer Acts – vier davon wählt das Festival jährlich über den Waldbühne-Contest aus. 2025 kam das Forum dazu: eine vierte Bühne für Podcasts, Comedy und Talks, ganz ohne Konzertprogramm. Das Feedback war so gut, dass es 2026 weitergeht.
Zwischen den Bühnen: Foodstände, Bars, Sitzmöglichkeiten mit Aussicht. Das Gelände ist vollständig rollstuhlgängig, mit barrierefreien WC-Anlagen und einer Rollstuhlplattform. Abends, wenn der Headliner spielt und das Licht über Bern flimmert, versteht man, warum Leute jedes Jahr wiederkommen.
Gurtenfestival
Gurtenfestival 2025
Die 42. Ausgabe lief vom 16. bis 19. Juli 2025. Insgesamt waren über die vier Festivaltage rund 98'000 Personen – Besuchende, Crew und Partner – auf dem Areal, bei 45'000 Unique Visitors. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals war der Mittwoch ausverkauft. Freitag und Samstag ebenfalls.
Das Wetter spielte kaum mit. Der erste Tag startete verregnet, Freitag wurde sehr heiss, der Samstag brachte alles gleichzeitig: Regen, Windböen, Sonne. Drei Festivalgänger antworteten einem 20-Minuten-Reporter mit: «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleider.» Sie kamen in Pelerinen und Schirmhüten. Vorbereitung hilft.
Einen Tag vor Festivalbeginn sagte Headlinerin Nina Chuba krankheitsbedingt ab. Innerhalb von sechs Stunden war Ersatz da: Ski Aggu sprang ein und lernte in ebenso kurzer Zeit Berndeutsch, um das Publikum standesgemäss anzusprechen. Der Abend lief trotzdem – oder gerade deswegen.
Macklemore, K.I.Z., Cro, Franz Ferdinand, Nathy Peluso, Jorja Smith, Max Herre & Joy Denalane standen auf dem Programm. Als letzter Act des Festivals – am Samstagabend, pünktlich um 23:50 Uhr – kam Will Smith. Er zog «Gettin' Jiggy Wit It» und «Miami» aus dem Sack und beendete das Festival mit einem Feuerwerk. Will Smith als Headliner an einem Schweizer Openair klingt nach einer schrägen Idee. Es funktionierte prächtig.

Gurtenfestival 2025 - Aftermovie
Gurtenfestival 2026
Die 43. Ausgabe findet vom 15. bis 18. Juli 2026 statt. Als Headliner stehen Lorde, Teddy Swims, Kraftklub, Lily Allen, Sean Paul und Nina Chuba fest – die 2025 krankheitsbedingt ausfiel und nun zurückkommt. Weitere bestätigte Acts: BUNT., Loyle Carner, Von Wegen Lisbeth, Balu Brigada, Lunik. Stand März 2026 umfasst das Lineup 24 Bands, neue Namen kommen laufend dazu.
Am Mittwoch, 15. Juli, spielen unter anderem Teddy Swims, Sean Paul und BUNT. Die genauen Tages-Zuordnungen für Donnerstag bis Samstag sind auf gurtenfestival.ch und openairguide.net aktuell einsehbar.
Das Konzept bleibt wie 2025: Genre-Vielfalt, Schweizer Acts auf der Waldbühne, das Forum als vierte Bühne. Tickets sind bereits erhältlich. Erfahrungsgemäss sind die günstigeren Kontingente zuerst weg.
Praktisches
Am besten früh kaufen, direkt über gurtenfestival.ch oder bei Ticketmaster. Es gibt 1-Tagespässe für jeden der vier Festivaltage, 2-Tagespässe in verschiedenen Kombinationen sowie den 4-Tagespass. Wer mehr Komfort will, nimmt ein Comfort-Ticket mit Lounge und erweitertem Essensbereich. Kinder mit Jahrgang 2014 oder jünger kommen mit einer erwachsenen Person gratis rein, brauchen aber trotzdem ein Ticket im Shop (CHF 8.– Bearbeitungsgebühr, Ausweis Pflicht). Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren kaufen vergünstigte Tickets, unabhängig vom Erwachsenenticket. Mit gültigem Festival-Ticket und Armband fährt man innerhalb der Libero-Zonen 100/101 kostenlos.
Beim Festivalgelände gibt es keine Parkplätze. Wer mit dem Auto kommt, parkt in der Stadt und steigt um. Der direkte Weg: Tramlinie 9 bis Wabern, dann die Gurtenbahn nehmen. Die Standseilbahn fährt während des Festivals im Nonstop-Betrieb. Velos lassen sich kostenlos bei der Talstation abstellen. Wer lieber zu Fuss geht: Die klassische Route von Wabern ist steil und dauert 30–40 Minuten. Seit 2025 gibt es eine flachere Alternative ab der Bushaltestelle Spiegel/Blinzern, rund 25 Minuten, weniger Höhenmeter.
Gurtenfestival
Auf dem Festivalgelände gibt es kein Camping. Zelte auf dem Gurten sind nicht erlaubt. Wer übernachten will, bucht im Camping Eichholz – von dort kommt man mit dem ÖV gut ans Festival. Hotels in Bern bieten teils Rabatte mit Festivalticket.
Im Juli kann es tagsüber sehr warm werden, abends kühlt der Gurten merklich ab. Sonnenschutz und Sonnenbrille sind auf dem offenen Hügel kein Luxus. Eine Jacke oder ein Pulli gehört trotzdem immer ins Gepäck. Das Gelände ist hügelig, man läuft viel – bequeme Schuhe sparen sich am Abend Blasen. Bei Regen sind Gummistiefel oder robuste Turnschuhe die bessere Wahl als Sandalen.
Das Festivalarmband vorab online aktivieren spart Wartezeit am Eingang. Bargeld mitnehmen, auch wenn viele Stände Karten nehmen. Ohrstöpsel lohnen sich für lange Nächte direkt vor der Bühne. Die offizielle App enthält Timetable, Geländeplan und aktuelle Infos. Seit 2025 gibt es das Ampelsystem «People Flow», das online zeigt, wie voll es gerade an den Zugangswegen und WC-Anlagen ist.
Interessante Fakten
- Sechs Musikfans kämpften 1977 dafür, den Gurten als Festivalort zu nutzen. Die Stadtgärtnerei hütete die Wiese wie ihren Augapfel. Sie schafften es trotzdem.
- Beim ersten Festival gab es offiziell keinen Alkohol. Der 2-Tagespass kostete 28 Franken. Heute liegt allein ein 1-Tagespass über CHF 100.
- Patent Ochsner hat auf dem Gurten achtmal gespielt – mehr als jeder andere Act in der Festivalgeschichte.
- 2025 war zum ersten Mal überhaupt der Mittwoch ausverkauft. Vorher galt der Mittwoch als der ruhigste Festivaltag. Das änderte sich.
- Die aktuelle Gurtenbahn – vierte Generation, seit Mai 2024 in Betrieb – transportiert während des Festivals täglich tausende Menschen. In der Normalwoche gilt sie als gemütliche Ausflugsattraktion. Während des Festivals ist sie schlicht notwendig.
Soziale Medien
FAQ
Kann man das Festival auf einen Tag beschränken?
Ja. 1-Tagespässe gibt es für jeden der vier Festivaltage. Camping und andere Tage sind nicht inbegriffen und müssen separat gebucht werden.
Wie funktioniert die Gurtenbahn während des Festivals?
Sie fährt im Nonstop-Betrieb. Mit Festivalticket und Armband ist die Fahrt innerhalb der Libero-Zonen 100/101 kostenlos. Velos stellt man kostenlos bei der Talstation ab.
Wie anspruchsvoll ist der Aufstieg zu Fuss?
Die klassische Route von Wabern ist steil, etwa 30–40 Minuten. Die neue Route ab Bushaltestelle Spiegel/Blinzern ist flacher und braucht rund 25 Minuten. Bei Hitze oder Regen ist die Bahn die entspanntere Wahl.
Ändert sich die Atmosphäre tagsüber und abends?
Stark. Tagsüber liegt man auf dem Hang, isst, hört Musik ohne Gedränge. Abends zieht es mehr Leute zur Hauptbühne, die Energie steigt spürbar. Und spätabends beim Headliner ist der Gurten ein anderer Ort als am frühen Nachmittag.
Welcher Tag ist der intensivste?
Freitag und Samstag gelten als die stärksten Tage. 2025 war der Mittwoch erstmals ebenfalls ausverkauft – das Lineup entscheidet letztlich, wo die meisten Leute hinwollen.







