Knabenschiessen – Schützenwettbewerb in Zürich
Jedes Jahr im September verwandelt sich ein Schiesssportgelände am Stadtrand von Zürich in eines der grössten Volksfeste der Schweiz. Das Knabenschiessen ist kein gewöhnliches Schützenfest. Es ist ein dreitägiges Erlebnis mit über 350 Jahren Geschichte, 5'000 schiessenden Jugendlichen und 800'000 Festbesucherinnen und Festbesuchern – plus eine Chilbi, die zur grössten der ganzen Schweiz zählt. Wer noch nie dabei war, hat eine echte Lücke in seiner Zürich-Erfahrung.
Name | Knabenschiessen |
|---|---|
Ort | Schiessanlage Albisgütli, Zürich-Wiedikon |
Land / Stadt | Schweiz, Zürich |
Datum 2026 | 12. bis 14. September 2026 |
Organisator | Schützengesellschaft der Stadt Zürich |
Haupttitel | Schützenkönig / Schützenkönigin |
Offizielle Website |
Knabenschiessen
Geschichte
Die Wurzeln des Knabenschiessens liegen tief – im 16. Jahrhundert, genauer gesagt. Erstmals schriftlich erwähnt wird die Tradition 1656: am 20. September stiftete das Säckelamt der Stadt Zürich versilberte Gabenpfennige mit blauen und weissen Bändeln für 144 Knaben. Die hatten kurz zuvor an einem Schützenwettbewerb teilgenommen, der einen mehrwöchigen Drillkurs abschloss. Solche paramilitärischen Übungen gab es in Zürich bereits seit 1637.
Der Hintergrund war praktisch und ernst: Schiessen war keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Bürgerpflicht. In der alten Eidgenossenschaft beruhte die Landesverteidigung auf der Wehrhaftigkeit der Bevölkerung – und das Schiesstraining der Jugend gehörte dazu. Das Knabenschiessen war die Bühne, auf der Zürichs Buben zeigen konnten, was sie gelernt hatten.
Was als militärische Pflichtübung begann, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Stadtfest. Bis 1847 fand es beim Schützenhaus neben dem Hauptbahnhof statt, dann für einige Jahrzehnte im Sihlhölzli. 1889 übernahm die Schützengesellschaft der Stadt Zürich die Organisation, 1899 wurde das Albisgüetli zum festen Standort – und ist es seither geblieben.
1991 öffnete sich der Wettbewerb für alle Geschlechter, zum 700. Geburtstag der Eidgenossenschaft. Das war keine Selbstverständlichkeit: 1990 hatte eine Gruppe vorgeschlagen, das Schiessen durch ein allgemeines Jugendfest zu ersetzen. 1992 stimmte Zürich darüber ab. Die traditionelle Form gewann – knapp. Es war näher dran als viele denken.
Das Knabenschiessen überlebte zwei Weltkriege und Wirtschaftskrisen, wurde gelegentlich ausgesetzt – aber nie dauerhaft abgeschafft. Der Montag ist ein halber Feiertag: die meisten Geschäfte haben nur vormittags geöffnet, die Schulen bleiben ganz geschlossen. Wer noch Zweifel hatte, welchen Stellenwert das Fest in Zürich hat, findet hier seine Antwort.
Knabenschiessen - historische Fotografien
Der Ort: Albisgütli in Zürich-Wiedikon
Das Knabenschiessen findet immer am selben Ort statt: die Schiessanlage Albisgüetli im Zürcher Stadtteil Wiedikon, eingebettet in bewaldetes Hügelgelände am westlichen Stadtrand. An normalen Tagen ein ruhiges Schiesssportzentrum. An den drei Festtagen im September das Zentrum der Stadt.
Während des Festes entsteht auf dem Albisgütli eine eigene Welt. Die Schiessanlage läuft parallel zum grossen Jahrmarktgelände, auf dem Fahrgeschäfte, Marktbuden, Fressstände und Bühnen dicht nebeneinander stehen. Tagsüber ist die Atmosphäre entspannt: Familien schlendern, Kinder stehen Schlange für Bahnen, Jugendliche sitzen bei Raclette oder Churros zusammen.
Mit der Dämmerung verändert sich der Charakter. Die Lichter der Fahrgeschäfte, der Lärm der Attraktionen gemischt mit Musik, Menschenmassen, die von Stand zu Stand ziehen. Der Samstagabend ist der Höhepunkt – voller, lauter, ausgelassener. Und irgendwie genau richtig.

Knabenschiessen 2025 – Luftaufnahmen aus der Vogelperspektive
Wie das Schiessen funktioniert
Teilnehmen darf, wer 13 bis 17 Jahre alt ist und in der Stadt oder im Kanton Zürich lebt, zur Schule geht oder eine Lehre macht. Touristinnen und Touristen kommen herzlich willkommen – aber als Zuschauer. Die Schiesspartie bleibt den Zürcherinnen und Zürchern vorbehalten.
Geschossen wird mit einem Sturmgewehr des Typs SG550 – jenem Gewehr, das auch in der Schweizer Armee verwendet wird. Das klingt für Aussenstehende überraschend, ist aber Teil der Tradition. Wer zum ersten Mal mitmacht, bekommt vorher eine Einweisung. Die Sicherheitsregeln auf der Anlage sind streng und werden konsequent eingehalten.
Die Teilnehmenden schiessen auf genormte Scheiben, Punkte werden addiert, das Gesamtergebnis entscheidet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden geht mit einem Preis nach Hause. Das macht das Knabenschiessen zu einem Fest, das man nicht nur beobachtet, sondern gewinnt – zumindest in gewissem Sinn.
Knabenschiessen
Anmeldung 2026: Online vom 8. August bis 13. September 2026 möglich, ausserdem vor Ort in der Eingangshalle der Schiessanlage. Wer früh anmeldet, spart sich die Warteschlange am Festtag.
Wer beim Knabenschiessen die meisten Punkte erzielt, trägt ein Jahr lang den Titel des Schützenkönigs oder der Schützenkönigin. Mit allem, was dazugehört: Medienauftritte, Ehrungen und ein Platz in einer Siegerliste, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.
Der Titel trägt einen alten Namen, die Realität ist aber seit 1991 gemischt. Schützenköniginnen sind längst Teil der Geschichte. Schützenkönig 2025 ist Cla – sein Name ging durch die lokalen Medien, wie jedes Jahr. In Zürich ist das ein echter Titel, kein symbolischer.
Die Siegerehrung ist ein eigenständiger Moment des Festes. Der Sieger oder die Siegerin tritt vor die Öffentlichkeit, erhält den Titel offiziell überreicht, und geht mit Preisgeld und symbolischer Auszeichnung nach Hause.

Cla ist Schützenkönig 2025
Die Chilbi
«Chilbi» ist das Schweizerdeutsche Wort für Jahrmarkt, abgeleitet von «Kilbi» – Kirchweih. Die Datumsgleichheit mit der früheren Zürichilbi ist kein Zufall: diese fand stets am 11. September statt, am Fest der Kirchenpatrone des Grossmünsters, Felix und Regula. Geschichte steckt also auch im Jahrmarkt.
Über 800'000 Festbesucherinnen und Festbesucher kommen jedes Jahr. Das ist keine bescheidene Kirmes – das ist eine der grössten und attraktivsten Chilbis der Schweiz, mit den neusten Bahnen und einem breiten kulinarischen Angebot.
Looping-Bahnen, Riesenrad, Geisterbahn, Kinder-Karussell, Schiessbuden, Autodrom, Breakdance-Anlage – die Bandbreite ist gross. Für kleinere Kinder gibt es ruhigere Zonen. Abends leuchten die Fahrgeschäfte, und aus dem Jahrmarkt wird eine funkelnde Kulisse.
Was das Essen betrifft: eine Chilbi ohne Essen zu besuchen ist wie ein Zürich-Trip ohne See. Bratwurst und Züri-Kutteln, Raclette und Marroni, Churros und Zuckerwatte, Crêpes und gebrannte Mandeln. Wer ein volles Programm macht, plant Hunger ein – und das ist keine Warnung, sondern eine Einladung.
Knabenschiessen 2026
Das Knabenschiessen 2026 findet vom 12. bis 14. September statt – Samstag, Sonntag und Montag. Der Montag, 14. September 2026, ist in der Stadt Zürich gesetzlicher Halbfeiertag.
2026 werden 30 Jugendliche aus beiden Basel als Gäste eingeladen. Eine schöne Geste – Schiesssport als Brücke zwischen den Kantonen, und eine Möglichkeit, das Fest auch ausserhalb Zürichs sichtbar zu machen.
Das Programm folgt der bewährten Struktur: Eröffnung mit dem Sternmarsch der Zürcher Jugendmusiken und anschliessendem Platzkonzert. Dann öffnen die Schiessanlagen, parallel dazu läuft die Chilbi. Samstag und Sonntag sind die vollen Tage, Montag klingt alles etwas ruhiger aus.
Für aktuelle Programm-Details und genaue Betriebszeiten: knabenschiessen.ch.
Knabenschiessen
Praktische Informationen
Das Fest läuft an allen drei Tagen von morgens bis spät abends, mit leicht kürzeren Zeiten am Montag. Genaue Öffnungszeiten für Schiessanlage und Chilbi auf knabenschiessen.ch.
Der Besuch der Chilbi als Gast kostet nichts. Fahrgeschäfte und Marktbuden bezahlt man direkt vor Ort. Die Teilnahme am Schiesswettbewerb ist für berechtigte Jugendliche gegen eine kleine Gebühr möglich – aktuelle Preise ebenfalls auf knabenschiessen.ch.
Zur Anreise: es gibt keine Parkplätze für Festbesucher. Das ist keine Bitte, das ist Fakt. Tram- und Busverbindungen zum Albisgütli sind direkt, regelmässig und die klar bessere Option.
Vom Hauptbahnhof Zürich fährt das Tram der Linie 13 direkt bis zur Haltestelle Albisgütli – die Fahrt dauert rund 15 Minuten und das Tram verkehrt alle 10 Minuten.
Wer vom ZVV für 2026 folgende bestätigte Verbindungen nutzen möchte:
- Mit der S-Bahn bis Zürich Saalsporthalle (Linien S4 oder S10), mit dem Tram bis Haltestelle «Laubegg» (Linien 13 oder 17) oder mit dem Bus bis Haltestelle «Strassenverkehrsamt» (Linien 32 oder 89).
- Während der Festtage verkehren die Trams der Linien 13 und 17 ab 10 Uhr nur bis Laubegg, und die Busse der Linien 32 und 89 ebenfalls nur bis Strassenverkehrsamt – die Haltestelle Albisgütli wird dann nicht mehr bedient. Von Laubegg oder Strassenverkehrsamt sind es jeweils rund 4 Gehminuten zum Festgelände.
- Am Samstagabend fährt der ÖV bis 2:30 Uhr morgens – wer also bis spät auf der Chilbi bleibt, kommt noch problemlos nach Hause.
Aktuelle Fahrplanänderungen für 2026 werden rechtzeitig auf zvv.ch publiziert. Der ZVV richtet in der Regel zusätzliche Verbindungen ein, um den Andrang zu bewältigen.
Die vollen Stunden sind samstagnachmittags und -abends. Wer beides – Ruhe und volles Programm – möchte, kommt sonntagvormittags. Festes Schuhwerk empfiehlt sich, und abends wird es kühl: eine Jacke einpacken ist keine schlechte Idee. Etwas Bargeld für die Stände ist ebenfalls sinnvoll.
Wer nach dem Knabenschiessen noch ein paar Tage in der Stadt bleiben möchte, wird schnell merken: die Zürcher Sehenswürdigkeiten sind einen eigenen Ausflug wert – und rechtfertigen jeden längeren Aufenthalt.
Interessante Fakten
- Das Wort «Knabenschiessen» löst bei Auswärtigen regelmässig Verwirrung aus. Tatsächlich ist es das friedlichste Volksfest der Stadt. Der Name erklärt sich historisch – und ist ein gutes Gesprächsthema.
- 300 Ehrenamtliche der Schützengesellschaft organisieren jedes Jahr das Fest. 300 Freiwillige, damit 800'000 Menschen ein gutes Wochenende haben. Das verdient eine kurze Pause zum Nachdenken.
- Das Knabenschiessen gehört zu Zürichs Herbst genauso wie das Sechseläuten zum Frühling. Es ist kein Import, kein Konstrukt – es ist gewachsen, über Jahrhunderte.
FAQ
Warum gilt das Knabenschiessen als Symbol Zürichs?
Weil es das älteste Volksfest der Stadt ist, weil der Montag ein Halbfeiertag ist, und weil es eine Tradition verkörpert, die Verteidigung, Gemeinschaft und Freude in einem vereint. Das Knabenschiessen ist nicht erfunden – es ist gewachsen.
Wie lange dauert die Vorbereitung?
Monate. Die 300 Ehrenamtlichen der Schützengesellschaft planen, koordinieren und richten auf – ein Aufwand, der dem Ergebnis entspricht.
Gab es Jahre ohne Knabenschiessen?
Ja. Während des Zweiten Weltkriegs und in wirtschaftlich schwierigen Phasen wurde das Fest gelegentlich ausgesetzt. Die Tradition überlebte trotzdem.
Welche Regeln gelten für minderjährige Teilnehmende?
Alle Teilnehmenden von 13 bis 17 Jahren erhalten vor dem Schiessen eine Einweisung. Die Sicherheitsregeln sind verbindlich. Eltern oder Erziehungsberechtigte können dabei sein.
Kann man Souvenirs kaufen?
Ja, direkt auf dem Festgelände – von Ansteckern bis zu Erinnerungsstücken mit dem Jahresprogramm.
Gibt es eine Festtracht?
Keine Pflicht. Viele kommen in Alltagskleidung, wer möchte, trägt Tracht. Das Fest ist offen und ungezwungen.
Was isst man klassischerweise?
Bratwurst mit Züri-Senf, Raclette, Marroni und Zuckerwatte. Wer alle vier probiert, hat das kulinarische Pflichtprogramm erfüllt.
Kann man das Fest ohne Teilnahme am Schiessen besuchen?
Ja, und die meisten tun genau das. Die Chilbi steht allen offen – kein Ticket, kein Schiessen, kein Problem.
Welche Traditionen sind bis heute unverändert?
Der Ort ist derselbe wie seit 1899. Der Sternmarsch zur Eröffnung gehört dazu. Die Vergabe des Titels Schützenkönig oder Schützenkönigin. Und der freie Montag – den hat Zürich sich nie nehmen lassen.







