Unternehmen

WSG Tirol

von Florian Wiesinger

Inhaltsverzeichnis
Wattener Sportgemeinschaft Tirol (WSG Tirol)

Ein Dorf mit 6.000 Einwohnern, ein Familienprojekt über drei Generationen, ein Aufstieg nach mehr als 50 Jahren Bundesliga-Pause – und dann ein sechster Platz, der ganz Österreich überraschte. WSG Tirol ist kein normaler Bundesligist. Das hier ist die Geschichte eines Vereins, der aus Wattens im Inntal kommt, beim Tivoli in Innsbruck spielt und dabei irgendwie beides gleichzeitig ist: tirolerischer Underdog und echter Erstligist. Wer einmal ein Heimspiel der Grün-Weißen besucht hat, weiß: die Atmosphäre ist anders als in Wien oder Graz. Kleiner, ehrlicher, direkter. Und genau das macht den Reiz aus.

Offizieller Name

Wattener Sportgemeinschaft Tirol (WSG Tirol)

Gegründet

April 1930 als SC Wattens

Heimatort

Wattens, Tirol

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Spitzname

Die Grün-Weißen

Liga

ADMIRAL Bundesliga (1. Division Österreich)

Heimstadion 2025/26

Tivoli Stadion Tirol, Innsbruck

Historisches Stadion

Gernot-Langes-Stadion, Wattens (5.500 Plätze)

Präsidentin

Diana Langes-Swarovski (seit 2013)

Cheftrainer 2025/26

Philipp Semlic

Vereinsbüro

Dr.-Karl-Stainer-Straße 31, A-6112 Wattens

Website

wsg-fussball.at

Wattener Sportgemeinschaft Tirol (WSG Tirol)

WSG Tirol

Geschichte

Im April 1930 gründeten Einwohner von Wattens den SC Wattens – in Grün-Weiß, in der zweiten Tiroler Landesliga, ohne große Ambitionen. 1953 folgte der erste Tiroler Meistertitel und der Aufstieg in die Arlbergliga, den damals zweiten Level des österreichischen Fußballs. Vierzehn Jahre spielten die Wattenser dort. Solid, aber ohne Aufsehen.

Am 7. Juli 1967 änderte sich alles. Gernot Langes – Urenkel von Daniel Swarovski, dem Gründer des weltberühmten Tiroler Kristallunternehmens – trat in die Vereinsführung ein. Der Klub wurde in WSG Swarovski Wattens umbenannt. Was folgte, war erstaunlich: Meistertitel in der Regionalliga West mit zehn Punkten Vorsprung, direkter Aufstieg in die Nationalliga, also damals die höchste Spielklasse Österreichs.

Und dann, gleich im ersten Nationalliga-Jahr, die Sensation: Wattens schlug Rapid Wien auswärts in Hütteldorf. Ein Dorfklub besiegt einen der größten Traditionsvereine des Landes auf dessen eigenem Rasen. Das ging durch alle Sportseiten. In den folgenden Saisonen kamen respektable siebte und achte Plätze, mit Nationalspieler Helmut Redl und dem deutschen Einkauf Hans Küppers als Leistungsträger.

Am 20. Juli 1971 beschlossen WSG Swarovski Wattens und FC Wacker Innsbruck die Kräfte des Tiroler Fußballs zu bündeln. Die neue Spielgemeinschaft hieß SpG Swarovski Wattens-Wacker Innsbruck, kurz SSW Innsbruck. Was folgte, war die erfolgreichste Phase im Tiroler Fußball aller Zeiten: vier Bundesligatitel (1972, 1973, 1975 und 1977), vier ÖFB-Pokale (1973, 1975, 1978 und 1979) und zwei Mitropacup-Siege (1975 und 1976). Im Europacup der Landesmeister 1977/78 schaffte SSW das Viertelfinale. WSG Wattens hielt durch eigene Jugendteams die Identität am Leben, auch wenn der Verein nach außen in der Spielgemeinschaft aufging.

Im Juni 1986 endete die Spielgemeinschaft. WSG Wattens und FC Wacker Innsbruck gingen wieder getrennte Wege. Dann kamen Jahre in niedrigeren Ligen, gelegentlich die Erste Liga, viel Geduld und noch mehr Beharrlichkeit.

2013, an seinem 70. Geburtstag, übergab Gernot Langes die Vereinsführung an seine Tochter Diana. Ihr erstes öffentliches Statement: sie will die WSG in die Bundesliga führen. Wenige Wochen später kam Thomas Silberberger als Trainer – zuvor bei FC Kufstein – und begann mit dem, was man rückblickend als modernstes Kapitel der Vereinsgeschichte beschreiben kann.

In Erinnerung an Gernot Langes-Swarovski

2019 wurde der Aufstieg Realität. Sechs Siege in Folge am Saisonende, darunter das entscheidende 3:1 gegen SV Horn. Nach mehr als 50 Jahren Bundesliga-Pause. Der Klub hieß ab diesem Moment WSG Swarovski Tirol und zog für Heimspiele ins Tivoli Stadion nach Innsbruck um, weil das Gernot-Langes-Stadion die Lizenzanforderungen nicht erfüllt. Das erste Bundesliga-Heimspiel der neuen Ära: 3:1 gegen FK Austria Wien, Tore von Walch, Buchacher und ein Eigentor. Die erste Saison endete beinahe mit Abstieg – gerettet durch das Bankrott des SV Mattersburg, der aus der Liga ausgeschlossen wurde. WSG blieb drin.

Die Saison 2020/21 wurde die beste der Vereinsgeschichte: Platz 6, Einzug ins Meisterplayoff, und mit Giacomo Vrioni, einem Leihspieler von Juventus Turin, den Torschützenkönig der Liga mit 19 Treffern gestellt. Im Juni 2021 endete das Swarovski-Sponsoring. Seither heißt der Verein WSG Tirol.

Heute trainiert Philipp Semlic die Mannschaft. Die Grün-Weißen stehen in der Qualifikationsgruppe der Bundesliga 2025/26, dritter Platz in der unteren Tabellenhälfte. Und kämpfen weiter für Wattens.

Wenn WSG Tirol auf Rapid Wien trifft, ist das kein gewöhnliches Bundesligaspiel. Schon 1968/69, im ersten Nationalliga-Jahr der Wattenser, gewannen sie auswärts in Hütteldorf. Für einen Dorfklub aus Tirol war das damals schlicht undenkbar. Heute sind die Partien gegen Rapid weiterhin Highlights jeder Saison: der kleine Tiroler Klub gegen den großen Wiener Traditionsverein.

Highlights: WSG Tirol – SK Rapid

Stadion

Das Tivoli Stadion Tirol in der Heiligwasserstraße, Innsbruck, ist seit der Saison 2019/20 das Zuhause der WSG Tirol. Die Kapazität liegt bei 15.200 Sitzplätzen, bei kombinierten Steh- und Sitzplätzen bis zu 17.000. Für Heimspiele der WSG öffnen in der Regel Ost- und Westtribüne.

Der Umzug nach Innsbruck war keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Das Gernot-Langes-Stadion in Wattens erfüllt die Bundesliga-Lizenzanforderungen nicht: Fernsehinfrastruktur, Gästesektor, medizinische Einrichtungen, kommerzielle Flächen – das alles fehlt oder reicht nicht. Also Tivoli.

Die Atmosphäre dort ist eigentümlich: ein treuer, überschaubarer Fansektor in einem relativ großen Stadion. Was an Lautstärke fehlt, macht die Kompaktheit der Gemeinschaft wett. Wer dort steht, hat das Gefühl, wirklich dabei zu sein.

Den aktuellen Stadionplan findet man auf wsg-fussball.at/. Geöffnete Sektoren können je nach Spiel wechseln, also vor jedem Match nachschauen. Auf dem Plan sind alle Eingänge nummeriert – den richtigen Eingang vorab kennen erspart Zeit beim Einlass. WSG-Fansektor ist auf der Westtribüne, Gästesektor auf der gegenüberliegenden Seite mit eigenem Zugang, VIP-Bereiche mit eigenen Eingängen.

Tivoli Stadion Tirol, Innsbruck

Tivoli Stadion Tirol

Das Gernot-Langes-Stadion in Wattens selbst hat einen eigenen Charme: eröffnet am 16. Juni 1959 als Alpenstadion Wattens, damals die modernste Sportanlage im Westen Österreichs. 2013 nach Gernot Langes benannt. Kapazität: 5.500 Plätze, davon 1.100 überdacht. Heute nutzt WSG das Stadion für Jugendspiele, Testspiele und gelegentlich ÖFB-Cuppartien.

Nach einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss in Wattens Anfang 2026 arbeiten WSG Tirol und das Bauunternehmen Fröschl an einem Umbauplan für das Gernot Langes Stadion 2.0. Investitionsvolumen: rund 7 Millionen Euro, davon 4,5 Millionen für neue Tribünen. Dazu Rasenheizung, neue Gastronomie, Sanitäranlagen, VIP-Bereich, besseres Flutlicht. Geplante Kapazität: 5.300 Plätze. Der Gästebereich soll in den Südbereich verlegt werden. Wenn der Zeitplan hält, könnte WSG Tirol schon in der nächsten Saison nach Wattens heimkehren. Diana Langes dazu:

Für die WSG, für unsere Fans und für den Tiroler Fußball insgesamt ist das Gernot Langes Stadion 2.0 ein bedeutender Meilenstein.

Gernot-Langes-Stadion in Wattens

Gernot-Langes-Stadion

Saison 2025/26

Der Start war vielversprechend. Im ÖFB-Cup am 25. Juli 2025 besiegten die Grün-Weißen auswärts in Traiskirchen mit 4:0. Eine Woche später, am 2. August, der erste Bundesliga-Spieltag: WSG Tirol schlägt TSV Hartberg daheim 4:2 – Tore von Wels, Valentino Müller, Havel und Anselm.

Was danach kam, war durchwachsen. 10 Siege, 9 Unentschieden, 11 Niederlagen – 39:49 Tore. Das reichte für die Qualifikationsgruppe, also die untere Tabellenhälfte. Derzeit dritter Platz dort.

Zur Liga-Struktur: die österreichische Bundesliga hat 12 Klubs. Nach dem regulären Saisonteil teilt sich das Feld in Meistergruppe (Top 6) und Qualifikationsgruppe (untere 6). In der Qualifikationsgruppe geht es um Platzierungen, Klassenerhalt und Europapokal-Plätze ganz hinten in der Tabelle. Den aktuellen Kader auf auf der Website des Vereins oder transfermarkt.at.

WSG Tirol - Alle Highlights 2025/26

Praktische Informationen

Tickets kauft man im offiziellen WSG-Ticketwebshop. Online-Tickets im Vorverkauf sind günstiger als an der Tageskasse – der Aufschlag dort kommt immer. Wer sicher gehen will, kauft vorab.

Kategorien und genaue Preise ändern sich je nach Spielklasse und Spieltag, also immer aktuell auf der Website nachschauen. VIP-Pakete sind ebenfalls buchbar. Dauerkarten und Saisonabos gibt es nicht online – die kauft man persönlich im Vereinsbüro in Wattens, Dr.-Karl-Stainer-Straße 31. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 08:30–12:00 und 13:00–17:00 Uhr, Freitag 08:30–12:00 Uhr.

Für Topspiele gegen Rapid Wien, LASK oder Austria Wien empfiehlt sich früher Kauf. Das Tivoli ist groß, aber bei Klassikern entsteht auch dort Druck auf die verfügbaren Plätze.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: das Tivoli liegt in Innsbruck, gut angebunden. Aktuelle Linienpläne auf ivb.at. Von Wattens nach Innsbruck mit ÖBB oder Regionalbus, rund 20 Minuten. Aus Wien: ÖBB/Railjet, rund 4 Stunden. Aus Salzburg: rund 1,5 bis 2 Stunden. Verbindungen auf oebb.at.

Mit dem Auto: Navigationsadresse Heiligwasserstraße, Innsbruck. Parkmöglichkeiten sind vorhanden, aber vor dem Match auf Sperrungen und Verfügbarkeit achten.

Die Tore öffnen in der Regel 1,5 bis 2 Stunden vor Anpfiff. Gastronomie an den Ständen in den Sektoren. Was mitgebracht werden darf, steht in den Stadionregeln auf der offiziellen Website – kurz vor dem Besuch nachlesen lohnt sich. WSG-Heimspiele sind familienfreundlich. Für einen ersten Bundesliga-Matchbesuch ist das Tivoli mit der WSG eine gute Wahl: überschaubar, direkt, ohne den Stress eines ausverkauften Großstadtklassikers.

WSG Tirol - Fußballverein aus der Tiroler Marktgemeinde Wattens

WSG Tirol

Interessante Fakten

  • Das erste Bundesliga-Heimspiel der modernen WSG Tirol war ein 3:1-Sieg gegen FK Austria Wien – ausgerechnet gegen einen der großen Traditionsvereine. Das erste Mal Bundesliga nach über 50 Jahren, und gleich gewonnen.
  • Der Torschützenkönig der Saison 2020/21 hieß Giacomo Vrioni und kam auf Leihbasis von Juventus Turin. 19 Tore für einen Tiroler Dorfklub. Das hat seither niemand wiederholt.
  • Die SSW Innsbruck gewann in den 1970er Jahren vier Bundesligatitel, vier ÖFB-Pokale und zweimal den Mitropacup – alles innerhalb eines Jahrzehnts, mit Wattenser Spielern als Rückgrat.
  • Das Gernot-Langes-Stadion hatte bei seiner Eröffnung 1959 eine Solaranlage auf dem Dach, die Wasser für das angrenzende Alpenbad erwärmte. Energieeffizienz in den 50ern – damals ziemlich ungewöhnlich.

Soziale Medien

FAQ

Was bedeutet WSG Tirol und woher kommt der Name?

WSG steht für Wattener Sportgemeinschaft. Tirol kam 2019 nach dem Bundesliga-Aufstieg dazu, als der Verein seinen regionalen Anspruch betonen wollte. Davor hieß er WSG Swarovski Wattens. Als Swarovski 2021 das Sponsoring beendete, fiel der Zusatz weg. WSG Tirol blieb.

Wann wurde WSG Tirol gegründet?

Im April 1930, als SC Wattens. Seither mehrere Namenswechsel, aber immer Wattens.

Warum spielt WSG Tirol in Innsbruck und nicht in Wattens?

Das Gernot-Langes-Stadion in Wattens erfüllt die Bundesliga-Lizenzanforderungen nicht. Seit 2019/20 spielt WSG deshalb im Tivoli Stadion Innsbruck. Aktuell laufen Planungen für einen Stadionumbau, der die Rückkehr nach Wattens ermöglichen soll.

Wie groß ist das Tivoli Stadion Tirol?

15.200 Sitzplätze, bei gemischten Steh-Sitz-Konfigurationen bis zu 17.000. Adresse: Heiligwasserstraße, Innsbruck.

Was ist die bisher beste Saison in der modernen Bundesliga-Geschichte von WSG Tirol?

Die Saison 2020/21: Platz 6, Meisterplayoff, und Giacomo Vrioni (Leihgabe von Juventus) als Torschützenkönig mit 19 Treffern. Für einen Klub aus einem 6.000-Einwohner-Dorf war das historisch.