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STS

von Florian Wiesinger

Inhaltsverzeichnis
STS Band

Es gibt Bands, die Musik machen. Und dann gibt es STS. Steinbäcker, Timischl, Schiffkowitz – drei Steirer, drei Gitarren, drei Stimmen, fast vierzig Jahre österreichischer Popkultur. Mehr als 1,1 Millionen verkaufte Tonträger, davon über eine Million allein in Österreich. Und zwei Songs, die so tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, dass man anfängt mitzusingen, bevor man überhaupt ans Mikrofon tritt.

Name

STS

Bedeutung

Steinbäcker – Timischl – Schiffkowitz

Genre

Austropop, Folk Rock, Pop Rock

Gegründet

1978, Graz

Aufgelöst

2014

Mitglieder (Kern)

Gert Steinbäcker, Günter Timischl, Helmut «Schiffkowitz» Röhrling

Auszeichnungen

13× Gold, 8× Platin, 2× Doppelplatin, 1× Vierfachplatin

Bekannteste Songs

Fürstenfeld, Großvater, Gö du bleibst heut Nacht bei mir, Irgendwann bleib i dann dort

Studioalben

11

STS - Pop-Rock-Band

STS

Geschichte

Gert Steinbäcker wurde am 27. November 1952 in Graz geboren und wuchs am ländlichen Stadtrand auf. Schiffkowitz kommt ebenfalls aus Graz. Günter Timischl ist in Fürstenfeld aufgewachsen – jenem Ort, der später in einem der bekanntesten österreichischen Popsongs verewigt wurde. «Wir haben uns ja alle gegenseitig gekannt, weil jeder war Sänger bei einer lokalen Rockband», erklärte Steinbäcker einmal. Eine einfache Antwort auf eine Frage, über die viele Musikjournalisten viel zu viel nachgedacht haben.

Bis 1975 spielten alle drei in verschiedenen Bands. Steinbäcker bei Mephisto und Mashuun, Schiffkowitz bei The Dirtles und Music Machine, Timischl durch gleich mehrere Formationen darunter Magic69 und Magic. Der erste gemeinsame Auftritt fand 1975 im Forum Stadtpark in Graz statt – ein kleines Event für Dichter, bei dem auch ein englischer Bongospieler dabei war. Ein offizieller Konzertauftritt als Steinbäcker, Timischl & Schiffkowitz folgte am 4. Dezember 1975. Danach trennten sich die Wege wieder.

Die eigentliche Geburtsstunde von STS war 1978. Nach fast drei Jahren Pause beschlossen die drei, das Trio professionell zu betreiben. Das erste offizielle Konzert fand am 16. Dezember 1978 im Schloss Freiberg bei Gleisdorf statt – kein Konzertsaal, kein Rampenlicht, sondern ein Schloss in der steirischen Provinz. Danach folgte gleich eine kleine Weihnachtstournee mit Auftritten im Haus der Jugend in Graz und im Jugendheim in Fürstenfeld. Irgendwo muss man anfangen.

Das Lied „Großvater“ gilt als eines der bekanntesten und prägendsten Lieder im musikalischen Schaffen der Band. Es gibt einen persönlichen Hintergrund, der erklärt, warum dieser Song so anders klingt als alles andere. Nach dem Tod seines Vaters hatte Gert Steinbäcker eine besonders enge Bindung zu seinem Grossvater – einem Rechnungsdirektor der Grazer Finanz, bei dem er zeitweise lebte. Von ihm bekam Steinbäcker auch seine erste Gitarre. Die steht noch heute in seinem Studio.

Steinbäcker schrieb keine Kommerznummer. Er schrieb etwas, das er erlebt hatte. «Großvater» handelt von der Verbindung zwischen einem Enkel und seinem Grossvater, von Weisheit, die ohne grosse Worte weitergegeben wird. Eine der bewegendsten österreichischen Popsongs überhaupt – und er steht regelmässig ganz oben, wenn man Österreicherinnen und Österreicher nach ihren Lieblingsmusikstücken fragt.

Das Jahr 1984 war der Wendepunkt – aber beinahe wäre er gar nicht gekommen. Nach mehreren wenig erfolgreichen Jahren erwog die Band Mitte der 1980er-Jahre ernsthaft, alles hinzuschmeissen. Dann erschien «Überdosis G'fühl» und mit ihm die Single «Fürstenfeld». Den Text schrieb Schiffkowitz, die Musik entstand gemeinsam von Jandrisits und Schiffkowitz. Die Single verkaufte sich 140.000 Mal. Der Rest ist Geschichte.

S.T.S. - Fürstenfeld

«I will wieder ham, fühl mi do so allan. I brauch ka große Welt, i will ham nach Fürstenfeld» – Schiffkowitz hat in vier Zeilen gesagt, was Millionen Menschen gefühlt, aber nicht formuliert hatten. Klar, direkt, emotional ehrlich. Das funktioniert bis heute.

Gleichzeitig erschien «Irgendwann bleib i dann dort» – das Heimweh-Lied für alle, die irgendwann weggegangen sind. Für viele Auslandsösterreicherinnen und -österreicher bis heute eine Art Trostlied.

S.T.S. - Irgendwann bleib i dann dort

STS hatten mehr als einen Moment. «Gö, du bleibst heut Nacht bei mir» wurde zur Hymne des österreichischen Austropop. «Da kummt die Sunn» – eine steirische Bearbeitung des Beatles-Klassikers «Here Comes the Sun» – zeigt, wie selbstverständlich STS internationale Vorlagen in ihre eigene Welt übersetzten. «Überdosis G'fühl», «Mach die Aug'n zu», «Sie wissen alles besser», «Kalt und Kälter», «Das Feuer» – die Liste ist lang.

Das erfolgreichste Album der Bandgeschichte ist Grenzenlos (1985) mit über 250.000 verkauften Exemplaren. Kein anderes STS-Album kam nah dran.

In den frühen Jahren spielten alle drei akustische Gitarre. Die Vokalharmonie im Dreiklang war das zentrale Element – ein deutlicher Einfluss von Crosby, Stills & Nash, den Steinbäcker nie verleugnet hat. Solopartien übernahm jeweils der Autor des betreffenden Songs. In den frühen Jahren war zudem Ewald Beit regelmässig an den Keyboards dabei.

S.T.S - Da kummt die Sunn

In den 90er Jahren wuchs STS zum vollständigen Bandformat. Erich Buchebner kam an den Bass, Gerd Wennemuth ans Schlagzeug. 2001 stiess Frank Zettl hinzu – Flöte, Saxofon, Trompete, Keyboard, Akkordeon. Schiffkowitz beschrieb ihn als «echte Bereicherung». Die Bühnenshow wurde dadurch klanglich breiter und die Konzerte noch abwechslungsreicher.

1998 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Band.

Die Grosse Ehrenzeichnung der Steiermark erhielten STS als eine der höchsten kulturellen Auszeichnungen des Landes. Schiffkowitz sagte bei der Zeremonie trocken:

«Nachdem wir ja noch jung sind, können wir versprechen, dass wir weitermachen.»

Sie machten weiter. Das letzte Studioalbum «Neuer Morgen» erschien 2007. Und dann, 2014, nach über 35 Jahren, war Schluss. Gert Steinbäcker: «Alles hat seine Zeit.» Keine Dramatik, kein öffentliches Zerwürfnis. Ein würdiges Ende.

Und doch: 2021 traten alle drei STS-Mitglieder bei der Abschiedstournee von Opus gemeinsam auf – das erste Mal nach neun Jahren. Steinbäcker begann allein mit «Großvater», dann kamen Schiffkowitz und Timischl für «Fürstenfeld» dazu. Keine Ankündigung vorher, kein Comeback danach. Nur zwei Abende. Und die Halle wusste, was das bedeutet.

STS - dreiköpfige Pop-Rock-Band aus Österreich

STS

Bandmitglieder

Name

Geb.

Jahre

Instrument

Bedeutung

Gert Steinbäcker

27.11.1952

1975/1978–2014

Gitarre, Gesang

Songwriter; schrieb «Großvater»; persönlichster Lyriker des Trios

Günter Timischl

1953

1975/1978–2014

Gitarre, Gesang

Aus Fürstenfeld; brachte ländliche Steiermark in Texte und Klang

Helmut «Schiffkowitz» Röhrling

1952

1975/1978–2014

Gitarre, Gesang

Schrieb Text zu «Fürstenfeld»; kompositorisches Herzstück der Band

Ewald Beit

1980er

Keyboard

Früher Begleiter bei Konzerten und Aufnahmen

Erich Buchebner

1990er–2014

Bass

Gab dem Bandsound harmonisches Fundament

Gerd Wennemuth

1990er–2014

Schlagzeug

Komplettierte die Rhythmussektion

Frank Zettl

2001–2014

Flöte, Saxofon, Trompete, Keyboard, Akkordeon

Multitalent; brachte klanglich neue Farben in Studio und Bühnenshow

STS: Steinbäcker, Timischl, Schiffkowitz

Die Mitglieder der Band STS

Konzertleben

STS haben ihre Popularität wesentlich auf der Bühne aufgebaut. Das Publikum bei einem STS-Konzert kam nicht einfach als Publikum. Es kam als Fan, der jeden Text kennt, jede Harmonie kennt und mitsingt, ohne gebeten zu werden. Drei Gitarren, drei Stimmen, eine spezifisch steirische Wärme. Das erzeugt etwas, das kein Lichtdesign reproduzieren kann.

Der Tourneerhythmus war regelmässig: alle zwei Jahre ein grosser Zug durch Österreich, die Schweiz und Süddeutschland. Dabei beschränkten sich STS nicht auf die grossen Städte – die Tour führte durch Graz, Wien und Linz genauso wie durch kleinere Städte und Regionen, in denen die Fangemeinde besonders treu war. Die Kernregion blieb dabei immer die Steiermark und das angrenzende Bayern, wo die Sprach- und Kulturnähe die Texte besonders unmittelbar ankommen liess. Konzerte in der Schweiz waren regelmässig Bestandteil jeder Tournee – das Deutschschweizer Publikum nahm den Austropop von STS als etwas auf, das sich nah und vertraut anfühlte.

Zusatzkonzerte gab es fast immer, weil die Nachfrage die Kapazität überstieg. Ausverkaufte Hallen waren keine Ausnahme, sondern Normalfall.

Die Heimspiele in der Steiermark hatten immer einen besonderen Charakter. Die Texte von STS sind von Steiermark durchtränkt. Wer in Graz aufgewachsen ist und «Fürstenfeld» hört, hört sein eigenes Leben widerhallen. Das ist keine Formulierung für den Pressetext. Das ist einfach so.

Was STS live von vielen Zeitgenossen unterschied: Die Band spielte nicht für ein anonymes Konzertpublikum. Sie spielten für Leute, die dieselben Orte, dieselbe Sprache und oft dieselben Erfahrungen kannten. Das schafft eine Intimität, die auch in grossen Hallen spürbar blieb. Ein STS-Abend war kein Konzert, das man konsumiert. Es war eines, das man mit sich nach Hause trägt.

Nach 2014 spielten die Mitglieder solo weiter. Steinbäcker lebt heute die Hälfte des Jahres in der Steiermark, die andere Hälfte in Griechenland – ganz seinen eigenen Songtexten entsprechend. Schiffkowitz tritt ebenfalls solo auf.

Die Band STS bei ihren Konzerten

STS bei Live-Konzerten

Diskografie

Jahr

Titel

Label

Bekannteste Tracks

1981

Gegenlicht

Ariola

1984

Überdosis G'fühl

Ariola

Fürstenfeld, Überdosis G'fühl

1985

Grenzenlos

Polydor

Großvater, Irgendwann bleib i dann dort, Gö du bleibst heut Nacht bei mir

1987

Augenblicke

1990

Jeder Tag zählt

Jeder Tag zählt

1992

Auf a Wort

Auf a Wort

1993

Rosegger (mit Kolonovits)

Polydor

1995

Zeit

Mercury

Zeit

1998

Volle Kraft

Amadeo

Volle Kraft

2003

Herzverbunden

Amadeo/Koch Music

2007

Neuer Morgen

Amadeo

Ende Nie

Auszeichnungen

Auszeichnung

Jahr

Kontext

13× Gold

Für Alben und Singles über die gesamte Karriere

8× Platin

Für besonders erfolgreiche Veröffentlichungen

2× Doppelplatin

Für Alben mit aussergewöhnlichen Verkaufszahlen

1× Vierfachplatin

Für das erfolgreichste Werk der Bandgeschichte

Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark

2008

Höchste kulturelle Auszeichnung des Bundeslandes; überreicht durch LH Franz Voves

Interessante Fakten

  • «Fürstenfeld» ist der Geburtsort von Günter Timischl. Den Text zum gleichnamigen Song schrieb allerdings Schiffkowitz. Das wissen die wenigsten.
  • Das erste offizielle STS-Konzert fand am 16. Dezember 1978 im Schloss Freiberg bei Gleisdorf statt. Kein grosses Konzerthaus, kein Spotlight – sondern ein Schloss in der steirischen Provinz. Die anschliessende Weihnachtstournee führte auch ins Jugendheim nach Fürstenfeld – in die Heimatstadt von Timischl.
  • Steinbäckers Grossvater schenkte ihm nicht nur den Stoff für den berühmtesten STS-Song – er gab ihm auch seine erste Gitarre. Diese steht noch heute in Steinbäckers Studio.
  • 2021 traten alle drei STS-Mitglieder nach neun Jahren gemeinsam auf – bei der Abschiedstournee von Opus. Steinbäcker begann allein mit «Großvater», dann kamen die anderen für «Fürstenfeld» dazu. Kein Comeback. Aber ein Abend, den niemand im Saal vergessen wird.
  • 26 steirische Musikerinnen und Musiker haben «Steiermark» als Hommage an STS neu eingespielt. Ein Zeichen dafür, wie tief diese Band in ihrer Region verwurzelt war.

FAQ

Was bedeutet die Abkürzung STS?

STS steht für Steinbäcker – Timischl – Schiffkowitz. Die drei Anfangsbuchstaben der Familiennamen der Gründer. Schlicht, direkt, charakteristisch.

Worum geht es in «Großvater» – und warum berührt dieser Song so?

Gert Steinbäcker schrieb das Lied über seine persönliche Beziehung zu seinem Grossvater, einem Rechnungsdirektor der Grazer Finanz, bei dem er nach dem Tod seines Vaters zeitweise lebte. Von ihm bekam er auch seine erste Gitarre. Der Song handelt von einer stillen, generationsübergreifenden Verbindung. Er klingt so echt, weil er echt ist.

Wie viele Platinauszeichnungen haben STS?

Acht Platinauszeichnungen, zwei Doppelplatinauszeichnungen und eine Vierfachplatinauszeichnung. Dazu dreizehn Goldauszeichnungen.

Wann und warum haben STS aufgehört?

2014, nach über 35 Jahren. Gert Steinbäcker sagte: «Alles hat seine Zeit.» Kein Drama, kein Streit, kein offiziell genannter Einzelgrund. Ein würdiges, selbstgewähltes Ende.

Welches war das erfolgreichste Jahr der Bandgeschichte?

1998 – das Jahr der Jubiläumstournee durch Deutschland und Österreich, begleitet von der Veröffentlichung von «Volle Kraft».