Grazer AK
Es gibt Vereine, die Geschichte machen, und dann gibt es Vereine, die Geschichte sind. Der Grazer AK ist beides – und dann noch etwas mehr. 1902 gegründet, dreifacher Cupsieger, Meister 2004, finanzieller Zusammenbruch, Auflösung 2012, Neustart aus der Kreisklasse, und 2024 die Rückkehr in die Bundesliga nach 17-jähriger Abwesenheit. Das ist kein Fussballfilm. Das ist GAK.
Vollständiger Name | Grazer Athletiksport-Klub 1902 |
|---|---|
Abkürzung | GAK |
Gegründet | 18. August 1902 |
Stadt | Graz, Steiermark, Österreich |
Liga | Admiral Bundesliga (Saison 2025/26) |
Stadion | Merkur Arena (15.965 Plätze) |
Cheftrainer | René Poms (seit Oktober 2024) |
Farben | Rot-Weiss |
Grösster Erfolg | Österreichischer Meister 2004, ÖFB-Cup 1981, 2000, 2002, 2004 |
Offizielle Website |
Grazer AK
Geschichte
1893 brachte der Medizinstudent Georg August Wagner den Fussball von Prag nach Graz. Eine Gruppe von Allroundsportlern – Turner, Radfahrer, Bergsteiger – fand Gefallen am neuen Sport. Im März 1894 soll in Graz das erste Fussballspiel nach Associations-Regeln auf dem Gebiet des heutigen Österreich stattgefunden haben – der genaue Termin ist allerdings umstritten, neuere Forschung vermutet den 7. Juli 1895 als wahrscheinlicheres Datum.
Am 18. August 1902, dem Geburtstag Kaiser Franz Josephs I., fand das erste offizielle Training des neuen Vereins statt. Die formelle Gründung datiert auf den 14. Juli. Ausgangspunkt war eine Gruppe von Mittelschülern rund um Carl Markel, die einem akademischen Sportverein beitreten wollten, dort aber wegen ihrer nicht-akademischen Herkunft abgewiesen wurden. Daraufhin gründeten sie kurzerhand ihren eigenen Verein – den Grazer Athletiksport-Klub, benannt nach dem Wiener Athletiksport-Klub, dem damals führenden Allroundverein Österreichs.
Das Datum, die Gründer, der Anlass: alles an diesem Klub war von Anfang an eine Ansage.
Der GAK pflegte von Anfang an bewusst das Image des «Akademiker-Klubs» und unterstützte dieses Bild aktiv. Als SK Sturm Graz sieben Jahre später gegründet wurde, positionierte sich dieser als Verein «für alle Schichten der Bevölkerung». Damit war das Fundament eines Stadtrivalentums gelegt, das bis heute trägt – und das weit über den Sport hinausgeht. Das Duell GAK gegen Sturm ist keine Fussballfrage. Es ist eine Frage der Identität.
Zwischen den Weltkriegen war GAK kein reiner Fussballklub. Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, später Handball und Hockey – ein echter Mehrsportverein, der in der Steiermark Pionierarbeit leistete. Spitzensportler des Klubs vertraten Österreich 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris.
Ein besonderes Datum aus der frühen Geschichte: der 27. Oktober 1929, ein Derby, das die Grazer Zeitung zur «Schlacht an der Körnerstrasse» erklärte. GAK gewann 1:0 durch ein Tor in der 73. Minute. Ein Spieler auf jeder Seite wurde vom Platz gestellt, zwei weitere Sturm-Spieler verliessen das Feld verletzt. Derby als Kontaktsport – das war Graz 1929.
1962 debütierte GAK auf europäischer Bühne, im Pokalsieger-Cup gegen Odense BK aus Dänemark – damit begann eine regelmässige internationale Aktivität, die sich durch die 1980er- und 90er-Jahre zog. UEFA-Cup-Teilnahmen wurden zur Selbstverständlichkeit. Der erste grosse Pokaltitel kam 1981: GAK holte den ÖFB-Cup und bewies damit erstmals national, was in Graz herangewachsen war.
Grazer AK – Vereinsgeschichte
Zwischen 1995 und 2005 war GAK das Massstab im österreichischen Fussball. 2000 und 2002 folgten weitere ÖFB-Cup-Siege – zwei Pokaltitel in drei Jahren, eine Dominanz, die man in Graz bis dahin nicht kannte. Und dann kam 2004 – das Jahr des Goldenen Doppels. GAK gewann die österreichische Meisterschaft, mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor Austria Wien. Gleichzeitig holten sie den vierten ÖFB-Cup. Meister und Cupsieger in einer Saison – das schafft nicht jeder. In der Saison 2003/04 kamen durchschnittlich 9.234 Zuschauer pro Heimspiel – ein Vereinsrekord, der bis heute steht und zeigt, was diese Mannschaft der Stadt bedeutete.
Neben dem Fussball war GAK in dieser Phase auch ein Aushängeschild des österreichischen Sports: René Aufhauser, der Rekordnationalspieler des Vereins, absolvierte zwischen 2002 und 2005 insgesamt 25 Länderspiele für das ÖFB-Team. Insgesamt trugen 37 GAK-Spieler das österreichische Teamdress. Zahlen, die zeigen, dass GAK nicht nur für Graz spielte – sondern für Österreich.
Was danach kam, ist eine Geschichte, die man als GAK-Fan lieber nicht nochmals in allen Details hören möchte. In der Saison 2006/07 geriet der Verein in eine schwere Finanzkrise, bekam 28 Punkte abgezogen und verlor die Bundesliga-Lizenz. September 2008 gelang zwar eine Einigung mit den Gläubigern – aber nur für eine kurze Verschnaufpause. 2012 folgte die endgültige Liquidation. Ein Klub mit 110-jähriger Geschichte, ausgelöscht.
Die Fans liessen den Klub nicht sterben. 2013 gründeten sie einen neuen Verein – Grazer AC – der in der untersten Liga neu begann. Am 14. März 2014 anerkannte eine ausserordentliche Generalversammlung den Grazer AC offiziell als Rechtsnachfolger des ursprünglichen GAK. Mit Kader, Tradition und dem klaren Willen nach oben.
Was dann folgte, ist bemerkenswert: zwischen 2013 und 2017 schaffte Gernot Plassnegger als Trainer mit vier Aufstiegen en suite den Weg aus der 8. Liga bis in die 4. Liga. Vier Aufstiege in Folge – das ist kein Zufall, das ist Überzeugung. 2019 folgte die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Im Oktober 2022 gab es das erste Derby gegen Sturm Graz seit über 15 Jahren – im ÖFB-Cup, ein emotionaler Abend für beide Fanlager. Und 2024, nach 17-jähriger Abwesenheit, stieg GAK wieder in die Admiral Bundesliga auf. Ein Moment, den viele Fans jahrelang herbeigesehnt hatten – und den manche schon nicht mehr für möglich gehalten hatten.
Grazer AK
Logo und Vereinsidentität
Das GAK-Logo ist ein klassischer Wappenschild mit den Buchstaben «GAK» in Rot-Weiss. Kein modernes Redesign, keine abstrahierten Formen. Die Symbolik ist seit der Gründung praktisch unverändert – und das ist Absicht, keine Sturheit. Nach dem Wiederaufstieg verwendete der Verein ab 2009 das Logo aus den 1980er-Jahren wieder, ergänzt um den Schriftzug «1902» – eine bewusste Entscheidung für Kontinuität.
Rot-Weiss sind auch die traditionellen Farben der Steiermark. Wer GAK trägt, trägt Region. Wer Sturm unterstützt, trägt Schwarz-Weiss. Diese Farbsymbolik macht das Derby zu mehr als einem Fussballspiel – es ist eine Frage der Zugehörigkeit. Nach der Wiedergeburt 2013/14 bestand der Verein ausdrücklich darauf, die gesamte Symbolik zu übernehmen. Roter Kader, weisser Name, gleiche Geschichte.
Logo
Merkur Arena
Die Merkur Arena liegt im Grazer Stadtteil Liebenau, Stadionplatz 1, 8041 Graz-Liebenau, und fasst 15.965 Zuschauer. Den Namen «Merkur» trägt das Stadion seit 2016, nach dem gleichnamigen Versicherungsunternehmen. Davor war es das Liebenauer Stadion, dann das Arnold Schwarzenegger Stadium – zu Ehren des berühmtesten Grazers in Hollywood – und ab 2006 die UPC Arena. Wer die Namengeschichte kennt, weiss, dass auch Stadionnamen ihre eigene kleine Dramaturgie haben.
Seit 1997 nutzen GAK und SK Sturm Graz die Arena gemeinsam – eines der wenigen Beispiele in Europa, wo zwei direkte Stadtrivalen dasselbe Stadion teilen. Das gibt jedem Derby eine besondere Note: der Gast läuft immer auch im eigenen Haus auf. Die Spannung beginnt schon beim Eingang.
Die GAK-Kurve liegt in Sektor 22, mit den Nachbarsektoren 21 und 23. An Spieltagen leuchtet dieser Bereich rot-weiss durch – die sogenannte «rote Kurve». Das ist der Ort, wo das Spiel erst richtig anfängt. Wer das volle Fanerlebnis will, weiss, wo er hingehört.
Die Arena ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar – Tram und Buslinien verbinden das Stadion mit dem Grazer Stadtzentrum. Für spieltagsaktuellen Anreiseinfos und Parkoptionen ist grazerak.at die verlässlichste Quelle.
Merkur Arena
Trainer und Kader 2025/26
Ferdinand Feldhofer übernahm den GAK am 24. März 2025 als Cheftrainer – er ist bereits der dritte Trainer in dieser Saison nach Gernot Messner und René Poms. Der 45-jährige Steirer bringt internationale Trainererfahrung mit nach Graz. Zuletzt war Feldhofer bei Cercle Brügge in der ersten belgischen Liga tätig, davor trainierte er Dinamo Tiflis in Georgien. Die österreichische Bundesliga kennt er aus seinen Stationen beim WAC und Rapid Wien, wo er zwischen 2020 und 2022 insgesamt 59 Mal an der Seitenlinie stand.
Joachim Standfest hat seine Tätigkeit als Co-Trainer beim Grazer AK offiziell am 10. Jänner 2026 aufgenommen. Der Verein gab seine Bestellung am selben Tag bekannt. Torwarttrainer Thomas Queder, Athletiktrainer Stefan Arvay und Videoanalyst Florijan Ibrahimi komplettieren das Trainerteam.
Der GAK steckt in einer herausfordernden Periode, die Vision des Vereins stimmt mit meiner persönlichen Zielsetzung überein. Wir müssen nun alle Kräfte im Verein bündeln und für die letzten zehn Spiele geschlossen auftreten. Die Mannschaft braucht die volle Unterstützung und das Vertrauen von jedem Einzelnen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, sagte Feldhofer bei seiner Vorstellung.
Ferdinand Feldhofer
Den aktuellen Kader findet man vollständig auf grazerak.at. Da sich Kader laufend ändern, sind die offiziellen Vereinsseiten die verlässlichste Quelle.
In der Saison 2025/26 belegt GAK in der Qualifying Group der Admiral Bundesliga aktuell Platz 4, mit 9 Siegen, 10 Unentschieden und 13 Niederlagen sowie einem Torverhältnis von 42:45. Der Kaderwert liegt bei rund 6,2 Millionen Euro – für ein Bundesliga-Team bescheiden, für einen Verein, der vor zwölf Jahren noch in der Kreisklasse spielte, eine beachtliche Zahl.
Die Transferpolitik ist klar ausgerichtet: junge österreichische und steirische Spieler, ergänzt durch erfahrene Kräfte, die dem Kader Stabilität geben. Kein Söldnerkader, keine kurzfristige Denkweise. GAK baut auf Identifikation – und das ist nach der Geschichte dieses Vereins keine Floskel, sondern eine Notwendigkeit.
Die Saison 2024/25 war GAKs erster Bundesliga-Jahrgang nach 17 Jahren. Der Kaderwert lag damals bei rund 5,85 Millionen Euro, deutlich unter dem Ligadurchschnitt. Trotzdem sorgte GAK für Aufsehen und zeigte Kampfgeist. Das emotionale Wiedersehen mit Rapid Wien nach anderthalb Jahrzehnten Abwesenheit war für die roten Fans ein Erlebnis für sich – jeder dieser Abende hatte einen eigenen Stimmungswert, der über das Spielergebnis hinausging.

Highlights: Grazer AK – SK Rapid | 21.09.2025
Praktische Informationen
Tickets kauft man über grazerak.at, oeticket.com oder an der Stadionkasse der Merkur Arena. Aktuelle Preise, Ermässigungen für Kinder, Studierende und Senioren sowie die Sektoreinteilung kann man auch auf der Website nachsehen. Die Preise variieren je nach Gegner und Spielkategorie – bei Derby-Partien gegen Sturm Graz und Heimspielen gegen Rapid Wien sollte man früh kaufen. Diese Spiele sind schnell weg.
Das Fanshop-Sortiment mit Trikots, Schals und Accessoires findet man im Onlineshop auf shop.grazerak.at sowie direkt am Stadiongelände vor und nach dem Spiel.
Die Merkur Arena ist mit Tram und Bus gut erreichbar – Linien und Abfahrtszeiten auf grazerak.at oder graz.at, dort sind auch spieltagsspezifische Infos zur Parksituation zu finden.
Die Zuschauerzahl wuchs mit dem Aufstieg des neugegründeten Vereins von rund 1.300 in der untersten Liga auf über 2.500 in der Regionalliga. In der Bundesliga liegen die Zahlen deutlich höher – vor allem wenn Sturm oder Rapid in der Stadt ist.
Teamfoto 2025
Interessante Fakten
- Rekordnationalspieler des Vereins für Österreich ist René Aufhauser mit 25 Einsätzen für das ÖFB-Team zwischen 2002 und 2005. Insgesamt trugen 37 GAK-Spieler das österreichische Teamdress – eine Zahl, die zeigt, dass GAK nicht nur für Graz, sondern für den österreichischen Fussball insgesamt relevant war.
- Rekordtorschütze des GAK in der Erstliga ist Wilhelm Sgerm mit 118 Toren. Wer diesen Rekord irgendwann brechen will, braucht Ausdauer.
- Rekordspieler für Erstligaspiele ist Walter Koleznik, der von 1961 bis 1978 durchgehend für die Athletiker spielte – 401 Spiele in 17 Jahren. Das ist eine Art von Treue, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann.
- GAK und SK Sturm teilen die Merkur Arena seit 1997. Das Derby findet also immer im selben Stadion statt, egal wer gerade Heimrecht hat. Eine europäische Seltenheit – und ein Grund, warum dieses Duell eine Spannung hat, die man anderswo so nicht findet.
- Die Meisterschaft 2004 entschied GAK mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor Austria Wien. Ein Punkt. Enger geht es kaum.
- Der Name «Arnold Schwarzenegger Stadium» ist keine Legende. Die Stadt Graz benannte das Stadion tatsächlich nach ihrem berühmtesten Sohn – einem Grazer, der in Hollywood zur Weltfigur wurde. Der Name hielt nicht ewig, der Ursprung bleibt real.
- Das GAK-Logo nach der Wiedergeburt ist übrigens nicht neu entworfen worden, sondern das Logo aus den 1980er-Jahren – lediglich um den Zusatz «1902» ergänzt. Eine bewusste Entscheidung für Kontinuität und gegen jede Form von Neuerfindung. Wenn ein Verein aus der Asche aufsteigt, trägt er seine Geschichte mit sich.
FAQ
Wann wurde Grazer AK gegründet – und warum gilt er als ältester Klub Graz'?
GAK wurde am 18. August 1902 gegründet, offiziell ab dem 14. Juli 1902, und ist damit der älteste Fussballverein der Stadt Graz. SK Sturm folgte sieben Jahre später. Ein Vorsprung, der auf dem Platz keine Rolle spielt – in der Klubgeschichte aber alles.
Was ist der grösste Erfolg in der Geschichte des GAK?
Das Goldene Double 2004: Österreichischer Meister mit einem Punkt vor Austria Wien, gleichzeitig ÖFB-Cup-Sieger. Dazu kommen Cupsiege 1981, 2000 und 2002. Vier ÖFB-Cups insgesamt – eine Sammlung, auf die viele grössere Klubs neidisch sein können.
Warum verschwand GAK und wie kehrte er zurück?
Finanzkrise 2006/07, 28 Punkte Abzug, Lizenzentzug. Zweite Insolvenz 2008, kurze Stabilisierung, endgültige Liquidation 2012. 2013 gründeten Fans den Grazer AC als Nachfolger, der 2014 offiziell als Rechtsnachfolger anerkannt wurde. Vier Aufstiege in Folge unter Gernot Plassnegger, 2019 zurück in der 2. Liga, 2024 zurück in der Bundesliga.
Wie viele Derbys haben GAK und Sturm insgesamt gespielt?
Eine genaue Gesamtzahl über alle Pflichtspiel-Derbys erfordert eine detaillierte statistische Auswertung. Das erste neuzeitliche Derby nach langer Pause fand im Oktober 2022 im ÖFB-Cup statt – ein Abend, der die Gemüter auf beiden Seiten bewegte.
Was unterscheidet das GAK-Sturm-Derby vom GAK-Rapid-Duell?
Das Derby gegen Sturm Graz ist ein Stadtduell. Zwei Klubs, eine Stadt, eine Arena, unterschiedliche Identitäten und Farben. Das Aufeinandertreffen mit Rapid Wien ist klassisches Bundesliga-Kräftemessen zwischen Graz und Wien – historisch eine der grössten Rivalitäten im österreichischen Fussball. Beides hat seinen eigenen Charakter. Beides hat seine eigene Emotion. Und beides braucht ein frühzeitig gekauftes Ticket.







