Türkenschanzpark Wien
Wer in Wien einen Park sucht, der wirklich zur Ruhe kommt, landet früher oder später im Türkenschanzpark. Kein Touristenstrom, keine Selfie-Schlangen, keine überfüllten Wege. Nur alte Bäume, ein paar Teiche, ein Turm mit Aussicht auf halb Wien – und Nachbarn aus Währing, die hier seit Jahren ihren Sonntag verbringen. Der Park im 18. Bezirk ist einer jener Orte, die die Stadt für sich selbst hat. Wer ihn einmal kennt, wundert sich, warum er ihn so lange übersehen hatte.
Name | Türkenschanzpark |
|---|---|
Bezirk | 18. Bezirk, Währing |
Adresse | Peter-Jordan-Straße 69, 1180 Wien |
Fläche | rund 150.000 m² |
Wasserflächen | 6.500 m² (Waldteich, Kurpark-Teich, Bergsee, Lehrteich) |
Aussichtsturm | Paulinenwarte, 23 m |
Offizieller Stadtplan | |
Übersichtsplan |

Wien-Spaziergang im wunderschönen Türkenschanzpark
Geschichte und Name
Der Name klingt nach Konflikt – und das ist kein Zufall. Der Hügel, auf dem der Park liegt, hiess «Türkenschanze», weil türkische Truppen hier während der zweiten Belagerung Wiens 1683 ihre Verschanzungen anlegten. Das Gelände blieb im Gedächtnis der Stadt. Der Name überlebte die Geschichte – und klebt bis heute an einem der schönsten Parks im Westen der Stadt.
Angelegt wurde der Park zwischen 1885 und 1888, auf Initiative des Architekten Heinrich von Ferstel. Die Planung übernahm der städtische Gartenbaudirektor Gustav Sennholz. Finanziert wurde das Projekt teilweise mit privaten Spenden – darunter von Fürstin Pauline Metternich, die sich nicht nur für die Geldbeschaffung einsetzte, sondern auch viele der exotischen Pflanzen stiftete, die heute noch im Park wachsen. Die offizielle Eröffnung am 30. September 1888 hielt Kaiser Franz Joseph I. persönlich ab – mit Ansprache, Volksfestatmosphäre und anschliessendem Rundgang durch die noch junge Anlage. Damals lag Währing noch ausserhalb der Stadtgrenzen Wiens.
Im Dezember 1892 ging der Park in den Besitz der Stadtgemeinde Wien über. Er musste kurz darauf aufwendig regeneriert werden – die finanziellen Mittel für laufende Pflege hatten einfach gefehlt. Ab 1908 folgte eine grosse Erweiterung nach Westen, geplant von Stadtplaner Heinrich Goldemund und Stadtgartendirektor Wenzel Hybler; abgeschlossen wurde der Ausbau 1910. Nach dieser Erweiterung umfasste der Park rund 150.000 m² – und war damit zeitweise der grösste städtische Park Wiens. Was das botanische Bild bis heute prägt: die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) liegt direkt nebenan und sorgte über die Jahrzehnte dafür, dass hier Pflanzen aus aller Welt wachsen, die man in einem normalen Stadtpark nie erwarten würde.
Türkenschanzpark Wien – historische Illustrationen
Was kann man sehen und unternehmen?
Die Teichlandschaft ist das Herzstück des Parks – und der Grund, warum man hier sofort langsamer wird. Waldteich, Kurpark-Teich, Bergsee und der Lehrteich ergeben zusammen rund 6.500 Quadratmeter Wasserfläche. Man setzt sich auf eine Bank, schaut den Enten zu, und vergisst für eine Weile, dass draussen die Stadt weiterläuft. Für Kinder gibt es einen fixen Entenfütterplatz. Acht Trinkbrunnen verteilen sich über das gesamte Areal – praktisch für alle, die längere Spaziergänge oder Läufe unternehmen.
Ein kleines, aber feines kulturelles Detail: der Yunus-Emre-Brunnen, ein Zierbrunnen, den der damalige türkische Botschafter in den 1990er-Jahren als Freundschaftsgeschenk übergab. Ein türkischer Brunnen im Türkenschanzpark – die Geschichte hätte es nicht besser schreiben können.
Wer Bäumen gerne beim Altern zusieht, kommt hier auf seine Kosten. Dank der BOKU-Nachbarschaft stehen im Park Zierbäume aus China, Japan und Nordamerika, viele mit kleinen Tafeln, die Herkunft und lateinischen Namen erklären. Das ist kein Botanikgarten – aber es ist nah dran, und es kostet nichts. Besonders sehenswert von April bis Mai: die Berg-Kuhschellen (Pulsatilla alpina), eine Alpenpflanze, die in der Homöopathie verwendet wird und in einem Stadtpark eigentlich nichts verloren hat. Hier blüht sie trotzdem, und wer die lila Blüten vor dem Berliner-Park-Grau erwartet, ist angenehm überrascht.
Mitten im Park steht die Paulinenwarte – ein 23 Meter hoher Aussichtsturm aus Sichtziegeln, der dem Stil der umliegenden Cottagevillen angepasst ist und früher als Wasserspeicher für die Brunnen im Park diente. Seit August 2010 ist er nach umfangreicher Sanierung wieder öffentlich zugänglich. Die Naturfreunde Währing öffnen ihn an einem Wochenende pro Monat zwischen April und Oktober, samstags von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr – nur bei Schönwetter, was in Wien bekanntlich kein unwichtiger Vorbehalt ist.
Yunus-Emre-Brunnen und Paulinenwarte
Der Eintritt beträgt 80 Cent für Erwachsene. Kinder bis 14 Jahre kommen mit einer Begleitperson kostenlos rein. Gleichzeitig dürfen höchstens 12 Personen auf dem Turm sein – Rauchen und Hunde sind verboten. Die aktuellen Öffnungstermine stehen auf wien.gv.at; es lohnt sich, einen kurzen Blick vorher hineinzuwerfen, bevor man eigens deswegen hinschaut. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick laut den Naturfreunden Währing bei klarem Wetter bis zum Schneeberg und sogar zu den Ausläufern der Karpaten in der Slowakei. Für 80 Cent ist das ein unverhältnismässig gutes Angebot.
Beim Spaziergang begegnet man regelmässig Denkmälern, die man nicht erwartet hat. Der Park beherbergt Erinnerungsorte für Auguste Fickert, die Sozialreformerin und Frauenrechtlerin, den Dichter Adalbert Stifter, die Komponisten Franz Marschner und Emmerich Kálmán sowie den Schauspieler und Regisseur Leon Askin. Man findet sie nicht, wenn man sie sucht – man entdeckt sie einfach beim Gehen. Das gibt dem Park eine Tiefe, die über reine Naturerholung weit hinausgeht.
Der Türkenschanzpark ist unter Währinger Läufern gut bekannt. Mehrere angelegte Laufwege durchqueren das Areal, das Gelände hat durch sein hügeliges Profil genug Abwechslung, um nicht langweilig zu werden. Nordic Walking funktioniert hier genauso gut wie leichtes Joggen. Für Ballsportarten stehen zwei Basketballfelder, ein Beachvolleyballplatz und ein Fussballfeld zur Verfügung – dazu eine Skateanlage.
Eine Überraschung, die man erst versteht, wenn man mittendrin steht: unter dem Park verläuft die S-Bahn-Linie S45. An bestimmten Stellen im Gelände rauschen die Züge unten durch die Vegetation. Wer das nicht weiss, rätselt kurz.
Für Familien bietet der Park fünf Spielplätze. Der grösste liegt im westlichen Teil, Eingang von der Hasenauerstrasse, und ist auf mehrere Altersgruppen ausgelegt. Dazu gibt es ein Kartenspieleck und den Entenfütterplatz – Details, die zeigen, wie sorgfältig dieser Park für den Alltag gebaut ist, nicht für Touristen. Hunde sind herzlich willkommen, aber mit Regeln: zwei eigene Hundezonen nahe der Gregor-Mendel-Strasse und der Hasenauerstrasse bieten Auslauf ohne Leine. In den übrigen Parkbereichen gilt Leinenpflicht; auf den gekennzeichneten Liegewiesen sind Hunde nicht erlaubt.
Türkenschanzpark
Weihnachtsmarkt im Türkenschanzpark
Wer Adventmärkte kennt, kennt das Problem: Gedränge, Lärm, und eine Glühweinauswahl, die sich bei genauerem Hinsehen auf zwei Anbieter beschränkt – und trotzdem kostet jeder Becher das Doppelte. Der Weihnachtsmarkt im Türkenschanzpark ist davon weit entfernt.
Rund 20 Hütten verteilen sich entlang der Hauptwege des Parks. Das Schwergewicht liegt auf Kunsthandwerk von regionalen Ausstellenden: Holzschnitzerei, handgemachten Schmuck, Keramik, Naturkosmetik, Kerzen, Textilien, Designprodukte aus Österreich. Wer auf Massenware verzichten will und bereit ist, etwas länger hinzuschauen, findet hier Mitbringsel, die man wirklich behalten möchte. Die Organisatoren achten bei der Auswahl der Standbetreiber auf regionale Herkunft, biologische Produkte und nachhaltige Herstellung.
Kulinarisch ist das Angebot solide und breit genug: Punsch, Glühwein, Maroni, Ofenkartoffeln, Würstel, Raclette-Brot, aber auch Baumstriezel, Herzwaffeln, Mini-Donuts, Crêpes und vegane Optionen. Für Kinder läuft täglich das Karussell, Kinderpunsch ist ebenfalls erhältlich. Das Programm ist ruhig und ohne grosse Aufmerksamkeitsmaschine – was sich angenehm von grösseren Märkten unterscheidet.
Was den Markt jedoch wirklich ausmacht, ist die Atmosphäre am Abend. Die alten Alleebäume leuchten im Licht, der Zimtgeruch liegt in der Luft, und man kann tatsächlich reden, ohne schreien zu müssen. An Wochenenden gibt es Livemusik – keine Beschallung, sondern tatsächliche Musiker. Wer einmal hier war, kommt wieder. Das steht nicht in der Werbung, das steht in den Rezensionen.
Für 2026 sind ähnliche Termine zu erwarten – aktuelle Infos auf weihnachtimpark.at. Eingang: Peter-Jordan-Straße, Ecke Dänenstraße, direkt bei der Haltestelle Dänenstraße.

Weihnachten im Türkenschanzpark in Wien 2024
Praktische Informationen
Mit der Strassenbahn Linie 41 fährt man bis zum Türkenschanzplatz – von dort sind es wenige Gehminuten. Die Buslinie 40A bringt vom U-Bahn-Knoten Schottentor direkt in den Bezirk, Ausstieg Gregor-Mendel-Strasse oder Dänenstrasse. Auch die Linie 10A hält an der Dänenstrasse. Die S-Bahn S45 ist eine weitere Option für alle, die von weiter aussen anreisen.
Mit dem Auto: rund um den Park gibt es Kurzparkzonen. Kostenloses Parken ist kaum möglich, besonders an Wochenenden und während des Weihnachtsmarkts. Einen Parkplatz im Park selbst gibt es nicht.
Einen detaillierten Parkplan als PDF stellt die Stadt Wien auf wien.gv.at bereit.
Das einzige Café direkt im Park ist die Meierei Diglas, gelegen am Teich. Wiener Kaffeehausküche, warme Speisen, hausgemachte Mehlspeisen. Der Blick aufs Wasser hebt die Stimmung auch bei gemischtem Wetter. Die Terrasse ist an warmen Tagen gut besucht – wer sicher sitzen will, reserviert vorab. In der Umgebung des Parks bieten die Peter-Jordan-Strasse und die Hasenauerstrasse weitere Kaffeehäuser, Bäckereien und kleine Restaurants für vor oder nach dem Spaziergang.
Wenn Sie die Möglichkeit haben, länger in Wien zu bleiben, empfehlen wir Ihnen ausserdem, weitere Sehenswürdigkeiten Wiens zu besuchen, wie etwa Spittelau, Karl-Marx-Hof, die Ringstrasse oder den Donaukanal.
Türkenschanzpark
Interessante Fakten
- Pauline Metternich hat dem Park nicht nur ihren Namen gegeben. Sie setzte sich aktiv für die Finanzierung ein und stiftete viele der exotischen Pflanzen, die heute zum botanischen Profil des Parks gehören. Ohne sie sähe der Türkenschanzpark deutlich gewöhnlicher aus.
- Bei der Eröffnung 1888 war der Park erst rund 50.000 m² gross – also ungefähr ein Drittel der heutigen Fläche. Die Erweiterung von 1908 bis 1910 machte ihn zeitweise zum grössten städtischen Park Wiens.
- Während des Zweiten Weltkriegs durchzogen Schutzgräben den Park. Beim Wiederaufbau wurden die meisten Spuren beseitigt – wer jedoch genau hinschaut, entdeckt noch leichte Geländeunregelmässigkeiten, die von dieser Zeit erzählen.
FAQ
Ist der Eintritt kostenlos?
Der Park selbst kostet nichts und ist rund um die Uhr zugänglich. Nur die Paulinenwarte hat einen Preis: 80 Cent für Erwachsene. Kinder bis 14 Jahre kommen in Begleitung einer Erwachsenen gratis rein.
Bis wann ist der Park geöffnet?
Rund um die Uhr, das ganze Jahr, ohne Schliesszeiten. Die Paulinenwarte öffnet an ausgewählten Wochenenden zwischen April und Oktober – samstags 12 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 18 Uhr, nur bei Schönwetter.
Welche seltenen Pflanzen gibt es im Park?
Durch die Nähe zur Universität für Bodenkultur (BOKU) wachsen hier Zierbäume aus China, Japan und Nordamerika, viele mit Namensschildern. Von April bis Mai blühen die Berg-Kuhschellen – eine Alpenpflanze, die in einem Stadtpark eigentlich nicht anzutreffen wäre.
Eignet sich der Park für Laufen und Nordic Walking?
Ja. Mehrere angelegte Laufwege durchqueren das hügelige Gelände, was sowohl Jogging als auch Nordic Walking attraktiver macht als in einem flachen Park.
Woher hat man den besten Blick auf den Wienerwald?
Von der Paulinenwarte. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis zum Schneeberg. Öffnungszeiten vorab auf wien.gv.at prüfen – der Turm schliesst bei Schlechtwetter.







