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Die Rappenlochschlucht

von Anna-Maria Leitner

Inhaltsverzeichnis
Die Rappenlochschlucht in Dornbirn

Tosendes Wasser, senkrechte Felswände und Holzstege, die sich an den Klippen entlangschlängeln. Die Rappenlochschlucht bei Dornbirn ist ein echtes Naturschauspiel. Sie zählt zu den größten Schluchten Mitteleuropas und ist eine der beliebtesten Naturattraktionen Vorarlbergs. Über Jahrtausende hat sich die Dornbirner Ache tief in den Fels gegraben, und wer heute durch die Klamm wandert, klettert über 187 Stufen, überquert Brücken und läuft auf einem spektakulären Steig hoch über dem Wasser.

Der Ausgangspunkt liegt im Gütle, und von dort lässt sich die Schlucht bequem mit dem Staufensee und der Alplochschlucht verbinden. Ein Hinweis vorweg: ein Teil der Strecke ist wegen früherer Felsstürze immer wieder gesperrt.

Name

Rappenlochschlucht (Rappenloch)

Lage

Dornbirn-Gütle, Vorarlberg, Österreich

Adresse (Ausgangspunkt)

Gütle / Gütlestrasse, 6850 Dornbirn

Typ

Klamm / Schlucht (eine der größten Mitteleuropas)

Wanderung

Gütle – Rappenlochschlucht – Staufensee (– Alplochschlucht)

Gehzeit

~1,5 Std. (Rappenloch + Staufensee-Rundweg); Rappenloch + Alploch hin/retour ~135 Min.

Highlights

Wasserfälle, 187 Stufen, Felssteig, Staufensee

Eintritt

kostenlos (nur Parken gebührenpflichtig)

Öffnung

ca. Ende April – Mitte November (Winter gesperrt, Steinschlaggefahr)

Offizielle Website

rappenloch.at

Rappenlochschlucht | Dornbirn / Österreich | Filmische Wanderung

Was ist die Rappenlochschlucht

Nur ein paar Kilometer vom Dornbirner Zentrum entfernt beginnt eine andere Welt. Die Rappenlochschlucht ist eine rund 500 Meter lange Klamm, durch die die Dornbirner Ache nordwärts fliesst, und sie gehört zu den größten Schluchten Mitteleuropas. Zusammen mit dem Staufensee und der Alplochschlucht bildet sie das «Naturwunder Dornbirn». Drei Attraktionen also, die eine einzige Wanderung verbindet.

Geformt hat die Klamm die Dornbirner Ache. Über Jahrtausende hat sich der Fluss durch den Fels gefressen und dabei eine tiefe, enge Schlucht ausgewaschen, deren Geschichte bis in die Kreidezeit vor rund 100 Millionen Jahren zurückreicht. An den Wänden lässt sich das förmlich ablesen. Faltungen und Versteinerungen erzählen von einem urzeitlichen Meer und von der Auffaltung der Alpen. Für alle, die gern genauer hinschauen, ist die Schlucht damit ein Geschichtsbuch aus Stein. Holzstege und ein in den Fels gehauener Steig machen den Weg durch das enge Tal überhaupt erst möglich, und genau das gibt der Wanderung ihren abenteuerlichen Charakter.

Die Rappenlochschlucht ist aber nicht nur Natur pur, sondern auch ein Stück Industriegeschichte. Am Ende der Klamm liegt der Staufensee, ein Stausee, den man einst zur Energiegewinnung anlegte. An seinem Ufer steht das Kraftwerk Ebensand, seit über hundert Jahren in Betrieb. Und das Gütle selbst, der Ausgangspunkt der Wanderung, war früher ein Zentrum der Textilindustrie mit einer großen Spinnerei. Überbrückt ist die Schlucht schon seit 1791, als man eine Fahrverbindung ins Bergdorf Ebnit schuf. So treffen hier tosende Wasserfälle und alte Fabrikgeschichte aufeinander, was den Ort im Vorarlberger Rheintal so besonders macht. Kein Wunder, dass die Schlucht zu den meistbesuchten Ausflugszielen der Region zählt.

Die Rappenlochschlucht - eine bekannte Naturlandschaft in Vorarlberg

Rappenlochschlucht

Die Felsstürze

Wer vom «Unfall» in der Rappenlochschlucht hört, denkt vielleicht an ein Unglück mit Verletzten. Tatsächlich geht es um zwei große Felsstürze, bei denen zum Glück niemand zu Schaden kam. Sie erzählen viel über die natürliche Dynamik dieser Schlucht.

Der erste ereignete sich am 10. Mai 2011 um 12:48 Uhr. Rund 15'000 Kubikmeter Fels stürzten in die Klamm und rissen die alte Rappenlochbrücke mit sich. Glück im Unglück: Im Moment des Absturzes befanden sich weder Menschen noch Autos auf der Brücke oder darunter. Der alte Weg war allerdings verschüttet. Also sperrte man den alten Steig wegen Steinschlaggefahr und baute weiter oben einen neuen Felssteig samt Steganlage, der ab dem 24. August 2013 in Teilen wieder begehbar war. Seither führt die Wanderung um den Felsen herum, der frühere Steig direkt durch die Schlucht zum Staufensee ist Geschichte.

Im März 2020 kam der zweite große Felssturz. Unter der provisorischen Brücke lösten sich etwa 10'000 Kubikmeter Gestein. Die Wege wurden sofort gesperrt und die Behelfsbrücke abgebaut, weil der Fels darunter instabil geworden war und ein Absturz der Brücke drohte. Wenige Tage zuvor hatten die ersten Corona-Beschränkungen begonnen, entsprechend wenig los war ohnehin. Bis 2022 entstand dann eine neue, größere Rappenlochbrücke, und der Klammsteig wurde neu verlegt.

Bis heute wirkt das nach. Immer wieder ist ein Teil der Strecke gesperrt, weil Räumungs- und Revitalisierungsarbeiten laufen, zumal der Staufensee verlandet ist und die Stadt an einem Sanierungsprojekt arbeitet. Solche Arbeiten sind ohnehin jedes Jahr nötig, um im Winter aufgelockerte Steine von den Felswänden zu holen. Der aktuelle Zustand sollte deshalb vor jedem Ausflug geprüft werden, und auch die Alplochschlucht ist zeitweise separat gesperrt.

Die Wanderung durch die Schlucht

Die klassische Wanderung startet im Gütle auf 505 Metern. Vom Wanderparkplatz beim Rolls-Royce-Museum sind es rund zehn Minuten zu Fuß bis zum Einstieg in die Schlucht. Von dort führt ein gut markierter Weg hinauf am Rand der Klamm entlang.

Das eigentliche Highlight kommt bald. Der Pfad geht in einen spektakulären Steig über, der an der Felswand klebt und den Blick tief in die Schlucht und auf die Spuren des Felssturzes freigibt. Über Holzstege und 187 Stufen geht es an rauschenden Wasserfällen vorbei, dazu quert man die Dornbirner Ache. Wer schwindelfrei ist und festes Schuhwerk trägt, erlebt hier die eindrücklichsten Meter der ganzen Tour. Eine ehrliche Einordnung gehört aber dazu: Seit den Felsstürzen führt der Weg nicht mehr komplett durch die Schlucht bis zum Staufensee. Vom Rappenlochstadl geht es bis zur sogenannten «Spiegelkurve», wo einst die Rappenlochbrücke stand, und von dort über eine neue Umfahrungsstrasse weiter zum See.

Die Rappenlochschlucht in Dornbirn, Österreich

Rappenlochschlucht

Oben öffnet sich die Landschaft zum Staufensee auf rund 600 Metern. Um den See führt ein schöner Rundweg, und am südlichen Ufer steht das erwähnte Kraftwerk Ebensand. Ein Wermutstropfen: der See ist zeitweise abgelassen und führt dann entsprechend wenig Wasser. Wer mehr will, hängt die Alplochschlucht an. Hinter dem Kraftwerk beginnt sie mit einem weiteren Holzsteig und führt hinauf zur Ebniter Strasse bei der Bushaltestelle Schmitte auf 695 Metern. Von dort geht es mit dem Bus bequem zurück ins Gütle.

Bei den Varianten hat man die Wahl. Die kurze Runde vom Gütle durch die Rappenlochschlucht zum Staufensee und wieder zurück dauert etwa anderthalb Stunden. Die große Runde durch beide Schluchten braucht rund 135 Minuten. Und wer es gemütlicher mag, fährt mit der Karrenseilbahn hinauf auf den Karren, geniesst den Rundblick ins Rheintal, auf die Schweizer Berge und den Bodensee und wandert dann zum rund 260 Meter tiefer gelegenen Staufensee und weiter durch die Schlucht hinab ins Gütle.

Zur Orientierung: der Weg ist gut beschildert, einfach den Hinweisen «Gütle – Rappenlochschlucht – Staufensee-Rundweg – Alplochschlucht» folgen. Weil aber immer wieder Abschnitte gesperrt sind, lohnt sich vorher ein Blick auf eine aktuelle Wanderkarte und den Status auf rappenloch.at oder in der Tourist-Info Dornbirn.

Und wie anstrengend ist das Ganze? Überwiegend leicht bis mittel, auch für geübte Familien machbar. Die vielen Stufen, die Stege und die Höhe verlangen aber Trittsicherheit, festes Schuhwerk und bei Kindern ein wachsames Auge. Bei Nässe werden die Holzstege rutschig, dafür rauschen die Wasserfälle nach Regen umso eindrucksvoller.

Die Rappenlochschlucht in Vorarlberg, Österreich

Rappenlochschlucht

Praktische Informationen

Der Ausgangspunkt liegt im Gütle an der Gütlestraße in 6850 Dornbirn, gleich beim Rolls-Royce-Museum und dem Krippenmuseum. Mit dem Auto nimmt man die A14 Rheintal-Autobahn bis zur Ausfahrt Dornbirn West (Exit 18), fährt Richtung Dornbirn-Zentrum auf der L204 und dann am Karrenseilbahn, am Campingplatz und am Waldbad Enz vorbei bis ans Ende der Strasse ins Gütle. Geparkt wird auf dem Wanderparkplatz Gütle beim Rolls-Royce-Museum, der gebührenpflichtig ist. Die genauen Tarife prüft man am besten vor Ort oder auf rappenloch.at.

Auch ohne Auto ist die Schlucht gut erreichbar. Mit der Bahn geht es bis zum Bahnhof Dornbirn und weiter mit dem Landbus der Linie 177 bis zur Haltestelle Gütle. Für die große Runde durch beide Schluchten fährt man von der Ebniter Strasse bei der Bushaltestelle Schmitte zurück, wobei sich ein Blick auf den Fahrplan lohnt, denn der Bus fährt nur alle ein bis zwei Stunden. Wer mag, kommt auch mit dem Rad oder zu Fuß von Dornbirn her.

Beim Thema Preise gibt es gute Nachrichten. Der Eintritt in die Rappenloch- und die Alplochschlucht ist kostenlos, bezahlt wird nur das Parken im Gütle. Geöffnet ist die Schlucht in etwa von Ende April bis Mitte November, und zwar ganztägig. Im Winter bleibt sie wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Ein schönes Angebot gibt es im Sommer: im Juli und August finden jeden Donnerstag um 10:30 Uhr kostenlose Führungen durch die Rappenlochschlucht statt, Treffpunkt ist der Mammutbaum im Gütle, für Gruppen ist eine Anmeldung nötig. Preise, Zeiten und den aktuellen Status prüft man am besten vor dem Besuch auf rappenloch.at.

Noch ein paar Tipps zum Schluss. Vor dem Aufbruch immer checken, ob die Strecke offen ist, denn wegen der Räumungsarbeiten kommt es häufig zu Sperrungen. Festes Schuhwerk ist Pflicht, gerade auf den Stufen und den feuchten Stegen. Nach Regen wirken die Wasserfälle am spektakulärsten, allerdings wird es dann auch rutschig. Der Ausflug lässt sich schön mit dem Rolls-Royce-Museum und dem Krippenmuseum im Gütle verbinden, dazu laden das Gasthaus Gütle und der Rappenlochstadl zur Rast und die Karrenseilbahn ein, die in weniger als fünf Minuten auf 976 Meter hinauffährt. Für die große Runde startet man besser früh, damit der Bus für die Rückfahrt passt, und Hunde gehören an die Leine.

Wer sich für ähnliche Natursehenswürdigkeiten interessiert, sollte in Österreich auch die Raggaschlucht besuchen.

Die Rappenlochschlucht - eine beeindruckende Naturschönheit

Rappenlochschlucht

Interessante Fakten

  • Eine der größten Schluchten Mitteleuropas. Die rund 500 Meter lange Rappenlochschlucht zählt zu den größten ihrer Art in ganz Mitteleuropa.
  • 187 Stufen bergauf. So viele Treppenstufen führen durch die Klamm hinauf.
  • Ein Felssturz mit Ansage der Natur. Am 10. Mai 2011 stürzten rund 15'000 Kubikmeter Fels ab und rissen die Rappenlochbrücke mit, verletzt wurde niemand.
  • Ein zweiter Absturz 2020. Neun Jahre später lösten sich noch einmal rund 10'000 Kubikmeter Gestein.
  • Überbrückt seit 1791. Schon 1791 entstand die erste Brücke über die Schlucht, die neue Rappenlochbrücke von 2023 ist bereits die fünfte.
  • Ein Mammutbaum im Gütle. Im Park von 1900 steht ein rund 41 Meter hoher Mammutbaum.
  • Kaiserlicher Besuch. Schon Kaiser Franz Joseph war zu Gast im Gasthof Gütle, der über das erste k.u.k.-Telefon verfügte.
  • Strom seit über hundert Jahren. Das Kraftwerk Ebensand am Staufensee ist seit mehr als einem Jahrhundert in Betrieb.
  • Schnell hinauf mit der Seilbahn. Die Karrenseilbahn bringt Besucher in weniger als fünf Minuten auf 976 Meter.

FAQ

Was ist die Rappenlochschlucht?

Die Rappenlochschlucht ist eine rund 500 Meter lange Klamm und eine der größten Schluchten Mitteleuropas, gelegen bei Dornbirn in Vorarlberg. Zusammen mit dem Staufensee und der Alplochschlucht bildet sie das «Naturwunder Dornbirn», das sich über Holzstege und einen Felssteig erwandern lässt.

Wie lange dauert die Wanderung durch die Rappenlochschlucht?

Die kurze Runde vom Gütle durch die Schlucht zum Staufensee und zurück dauert etwa anderthalb Stunden. Die große Runde durch die Rappenloch- und die Alplochschlucht braucht rund 135 Minuten.

Wo parkt man für die Rappenlochschlucht?

Auf dem gebührenpflichtigen Wanderparkplatz Gütle beim Rolls-Royce-Museum an der Gütlestrasse in 6850 Dornbirn. Von dort sind es rund zehn Minuten zu Fuß bis zum Einstieg.

Was kostet der Eintritt in die Rappenlochschlucht?

Der Eintritt in die Rappenloch- und die Alplochschlucht ist kostenlos. Bezahlt wird nur das Parken im Gütle.

Wann ist die Rappenlochschlucht geöffnet?

In der Regel von Ende April bis Mitte November, und zwar ganztägig. Im Winter ist die Schlucht wegen Steinschlaggefahr gesperrt.

Ist die Rappenlochschlucht wegen des Felssturzes gesperrt?

Nach den Felsstürzen von 2011 und 2020 ist immer wieder ein Teil der Strecke gesperrt, weil Räumungs- und Sanierungsarbeiten laufen. Der aktuelle Zustand sollte vor dem Besuch auf rappenloch.at geprüft werden.

Ist die Wanderung für Kinder geeignet?

Grundsätzlich ja, die Tour ist überwiegend leicht bis mittel. Wegen der vielen Stufen, der Stege und der Höhe sind aber Trittsicherheit, festes Schuhwerk und bei Kindern ein wachsames Auge nötig.

Gibt es geführte Wanderungen?

Ja. Im Juli und August finden jeden Donnerstag um 10:30 Uhr kostenlose Führungen durch die Rappenlochschlucht statt, Treffpunkt ist der Mammutbaum im Gütle. Für Gruppen ist eine Anmeldung nötig.