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Eurovision Song Contest 2026

von Anna-Maria Leitner

Inhaltsverzeichnis
Eurovision Song Contest

Der Eurovision Song Contest kehrt nach Wien zurück. Zum dritten Mal, nach 1967 und 2015. Und diesmal ist der Anlass ein besonderer: die 70. Ausgabe des grössten Musikwettbewerbs der Welt findet in einer Stadt statt, die weiss, wie das geht. JJ gewann im Mai 2025 in Basel mit «Wasted Love» – und damit war klar, wohin das Spektakel als nächstes zieht. Am 16. Mai 2026 entscheidet die Wiener Stadthalle, wer die Trophäe mit nach Hause nimmt. Für Wien ist das kein Neuland. Für den ESC ist es trotzdem ein Jubiläum, das man nicht oft erlebt.

Offizielle Bezeichnung

Eurovision Song Contest 2026

Gastgeberland

Österreich

Austragungsstadt

Wien

Hauptarena

Wiener Stadthalle, Roland-Rainer-Platz 1, 1150 Wien

Vorjahressieger

JJ (Österreich) – «Wasted Love» (Basel 2025)

1. Halbfinale

12. Mai 2026, 21:00 Uhr

2. Halbfinale

14. Mai 2026, 21:00 Uhr

Finale

16. Mai 2026, 21:00 Uhr

Teilnehmende Länder

35

Moderatoren

Victoria Swarovski & Michael Ostrowski

Österreichs Beitrag

COSMÓ – «Tanzschein»

Offizielle Website

eurovision.com

ESC (Eurovision Song Contest)

Eurovision

Geschichte des Wettbewerbs

1956, Lugano, Schweiz. Sieben Länder sitzen zusammen, um ein gemeinsames europäisches Rundfunkprojekt auszuprobieren. Die European Broadcasting Union hatte die Idee, die Idee hatte Charme, und so entstand der Eurovision Song Contest – als Antwort auf die Frage, wie ein Europa nach dem Zweiten Weltkrieg klingen soll. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz waren dabei. Österreich verpasste die Anmeldefrist und kam erst 1957 dazu – gehört aber bis heute zu den ältesten Teilnehmerländern des Wettbewerbs überhaupt.

Was als kleines Rundfunktreffen begann, ist heute das meistgesehene Live-Unterhaltungsevent der Welt mit über 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern pro Jahr. Die Entwicklung war nicht linear, sondern voller Kurven – politischer, musikalischer und organisatorischer Art.

1974 gewannen ABBA mit «Waterloo» und machten den ESC international bekannt. Vorher war er hauptsächlich europäisches Binnenprogramm; danach wusste man auch in Übersee, was das hier ist. 1997 kam das Televoting dazu – das Publikum durfte endlich mitentscheiden, was die Dynamik des Wettbewerbs grundlegend veränderte. Vorher entschieden ausschliesslich nationale Jurys, danach wurde es deutlich unvorhersehbarer. 2004 führte die EBU Halbfinals ein, weil schlicht zu viele Länder teilnehmen wollten und das Finale sonst unspielbar geworden wäre. 2006 gewann Lordi mit Heavy Metal für Finnland und bewies, dass beim ESC buchstäblich alles möglich ist. 2012 holte Loreen für Schweden mit «Euphoria» einen Sieg, dessen Song noch heute in jedem Rückblick läuft. 2014 gewann Conchita Wurst für Österreich – und aus einem Musikwettbewerb wurde für einen Abend eine gesamteuropäische Debatte über Identität und Toleranz. 2021 siegten Måneskin aus Italien und wurden danach internationale Rockstars. Das klingt nach einer Karriereplanung, war aber Zufall.

Historische Aufnahmen des Eurovision Song Contest

Alte Fotos vom Eurovision Song Contest

Die sogenannte «Grosse Fünf» – Frankreich, Spanien, Deutschland, Grossbritannien und Italien – stehen als grösste Beitragszahler der EBU automatisch im Finale. 2026 fehlt Spanien. Dazu später mehr.

Österreichs drei Siege

Udo Jürgens brauchte drei Anläufe. 1966 gewann er in Luxemburg mit «Merci, Chérie» – ein Mann, ein schwarzer Flügel, eine unfassbare Aura. Der Song stieg in mehr als zwanzig Ländern auf Platz eins der Charts und markierte den Beginn einer Karriere, die Jahrzehnte dauern sollte. Jürgens war der erste echte österreichische Popstar, den das Land in die Welt exportierte.

Udo Jürgens - Merci, Chérie

Conchita Wurst trat 2014 in Kopenhagen mit «Rise Like a Phoenix» an. Was folgte, war weit mehr als ein Sieg bei einem Musikwettbewerb. Die Reaktionen reichten von stehenden Ovationen bis zu diplomatischen Protesten mehrerer Regierungen. Österreich stand plötzlich im Mittelpunkt einer europaweiten Debatte – und Conchita Wurst war über Nacht zur Ikone geworden, die Popkultur und politische Diskussion gleichzeitig bediente.

Conchita Wurst - Rise Like a Phoenix

Johannes Pietsch gewann 2025 in Basel mit «Wasted Love» und holte 436 Punkte. Ein Countertenor, ein Song zwischen klassischer Oper und modernem Club-Sound. Kein typisches ESC-Gewinnerprofil – und genau das machte es überzeugend.

JJ – Wasted Love

Regeln und Organisation

Die EBU organisiert den Wettbewerb, und wer mitmachen will, muss Mitglied sein. Das erklärt, warum Länder wie Israel oder Australien dabei sind – der sogenannte «Eurovisiongeographic Area» ist deutlich grösser als Europa im politischen Sinn. Es geht um EBU-Mitgliedschaft, nicht um geografische Lage.

2026 nehmen 35 Länder teil. Zwei Halbfinals entscheiden, wer ins Finale kommt. In jedem Halbfinale qualifizieren sich die zehn bestplatzierten Acts, ermittelt je zur Hälfte durch Fachjurys und Publikumsvoting. Die «Grosse Vier» – ohne Spanien, das boykottiert – und Österreich als Gastgeberland stehen automatisch im Finale. Deutschland und Italien stimmen im ersten Halbfinale ab, Österreich, Frankreich und Grossbritannien im zweiten – alle ohne selbst zu singen.

Im Finale gibt jedes Land zwei Wertungen ab. Zehn Fachjuror-innen pro Land – Musikerinnen, Journalisten, Medienleute – verteilen ihre Punkte live im Fernsehen: 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1. Danach kommt das Televoting-Ergebnis aller Länder en bloc. Wer am Ende am meisten Punkte zusammen hat, gewinnt. Das System läuft seit 2016 in dieser Form und hat seitdem die Bandbreite der möglichen Gewinner deutlich vergrössert.

Die Songs müssen kürzer als drei Minuten sein, dürfen seit 1999 in beliebiger Sprache gesungen werden und müssen neu sein – keine Veröffentlichung vor dem 1. September des Vorjahres.

Fünf Länder nehmen 2026 nicht teil: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien. Der spanische Boykott ist historisch – erstmals seit Italiens Rückkehr 2011 ist die «Grosse Fünf» keine Fünf mehr. Was genau dahintersteckt, hat mehrere Erklärungen, die politisch und organisatorisch begründet sind.

ESC-Bühne in Österreich 2026

ESC-Bühne 2026

ESC 2026 in Wien

Der 70. Eurovision Song Contest 2026 in Wien ist Geschichte. Sechs österreichische Städte hatten sich um die Ausrichtung beworben – Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Wels und Oberwart. Am 20. August 2025 fiel die Entscheidung: Wien. Die Begründung von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann war klar – mehr als 80.000 Hotelbetten, internationale Erreichbarkeit, Erfahrung aus 2015. Niemand war wirklich überrascht. Die Kosten lagen bei über 36 Millionen Euro – eine Zahl, die in österreichischen Medien schon vor dem Beschluss für Gesprächsstoff gesorgt hatte. Für eine Stadt, die sich damit 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern weltweit als Kulisse präsentiert, lässt sich das Argument auch anders lesen.

Die Moderation übernahmen Victoria Swarovski – in Innsbruck geboren, bekannt als Let's Dance-Moderatorin – und Michael Ostrowski, Schauspieler und Komödiant aus Leoben, Romy-Gewinner, mit seinem charakteristischen Timing auf jeder Bühne. Emily Busvine, Morgenshow-Moderatorin bei FM4, führte durch den Green Room. Eine österreichische Besetzung, die gut zusammengepasst hat.

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski - Moderatoren des Eurovision Song Contest 2026 in Wien

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski

Das Bühnenbild von Florian Wieder stellte eine LED-Fläche in Form eines Blatt-Bogens ins Zentrum. Der Green Room war im Stil der Wiener Kaffeehauskultur gestaltet. Ob das international als Kulturbotschaft ankam oder einfach gut aussah – als Tourismuswerbung für Wien hat es in jedem Fall funktioniert.

Die Wiener Stadthalle am Roland-Rainer-Platz 1 im 15. Bezirk fasste 16.152 Personen. Sie hatte den ESC bereits 2015 ausgerichtet und wusste, was auf sie zukommt. Das 1. Halbfinale fand am 12. Mai statt, das 2. Halbfinale am 14. Mai, das Finale am 16. Mai. Alles wie geplant, alles vor ausverkauftem Haus.

Alle 35 Songs des Eurovision Song Contest 2026

Das Eurovision Village am Rathausplatz war täglich vom 10. bis 17. Mai bei freiem Eintritt geöffnet – mit Live-Auftritten, DJ-Sets und öffentlichen Übertragungen der Halbfinals und des Finals. Der EuroClub im Prater Dome bot offizielle Afterpartys und private Auftritte der Teilnehmenden. Den Auftakt machte am 10. Mai der Turquoise Carpet beim Burgtheater, danach folgte die offizielle Eröffnung im Wiener Rathaus.

Den Abend gewann DARA aus Bulgarien mit dem Song «Bangaranga» – mit 516 Punkten, sowohl im Juryvoting als auch im Televoting. Bulgarien gewann damit erstmals den Eurovision Song Contest. Hinter DARA landeten Israel auf Platz 2 und Rumänien auf Platz 3. Die eigentlich als grosse Favoriten gehandelten Länder Finnland und Australien schnitten deutlich hinter den Erwartungen ab – beim ESC kein ungewöhnliches Phänomen.

Winner's Performance | DARA - Bangaranga (Reprise) | Bulgaria 🇧🇬 | #Eurovision2026

Österreichs Beitrag: COSMÓ mit «Tanzschein»

Österreichs Vertreter war COSMÓ – 19 Jahre alt, ungarische Wurzeln, aufgewachsen im Burgenland, lebt in Wien. Sein Song «Tanzschein» war das erste Mal seit Trackshittaz 2012, dass Österreich beim ESC überwiegend auf Deutsch antrat. Die Buchmacher hatten ihn schon im Vorfeld ins hintere Feld eingeordnet – und leider behielten sie recht. Im Finale landete COSMÓ auf dem vorletzten Platz 24 von 25, mit insgesamt sechs Punkten: einen von der Jury aus Luxemburg, fünf vom Publikum aus Deutschland. Ein bitteres Ergebnis auf heimischer Bühne. Doch der Saal in der Wiener Stadthalle tanzte mit, alle anderen Acts tanzten «Tanzschein» während seines Auftritts mit, und als das Ergebnis feststand, hallten lautstarke «Cosmó, Cosmó»-Rufe durch die Halle. Er ballte die Faust. Das hat man im Fernsehen nicht überall gesehen.

COSMÓ - Tanzschein (LIVE) | Austria 🇦🇹 | Grand Final | Eurovision 2026

Interessante Fakten

  • Beim ersten ESC 1956 in Lugano durfte jedes Land zwei Songs einreichen – heute undenkbar. Die Abstimmung lief hinter verschlossenen Türen, nur der Sieger wurde bekannt gegeben, die Einzelergebnisse nie veröffentlicht. Alle Abstimmungsunterlagen wurden vernichtet. Transparenz war damals kein Thema.
  • Das Green-Room-Design als Wiener Kaffeehaus wird 2026 vor über 160 Millionen Menschen weltweit zu sehen sein. Als unbezahlte Tourismuswerbung ist das kaum zu überbieten – und kostet keinen eigenen Etat.
  • Jüngste Gewinnerin in der ESC-Geschichte war Sandra Kim aus Belgien, die 1986 mit 13 Jahren siegte. Daraufhin wurde eine Mindestaltersgrenze von 16 Jahren eingeführt. Auch solche Regeln entstehen eben durch Erfahrung.

Soziale Medien

FAQ

Wie oft hat Österreich beim ESC gewonnen?

Dreimal. Udo Jürgens 1966 mit «Merci, Chérie» in Luxemburg. Conchita Wurst 2014 mit «Rise Like a Phoenix» in Kopenhagen. JJ 2025 mit «Wasted Love» in Basel.

Was ist der Unterschied zwischen Evening Preview und Live Broadcast?

Beim Live Broadcast wird die Sendung live im Fernsehen übertragen, das Publikum stimmt ab und das Ergebnis zählt. Beim Evening Preview gibt es dieselbe Show – ohne Abstimmung, ohne TV-Übertragung. Ein Probedurchlauf vor vollem Haus. Für alle, die das Programm ohne Ergebnisdruck und zu günstigeren Konditionen erleben wollen, ist das Preview oft die bessere Wahl.

Wer hat den Eurovision Song Contest 2026 gewonnen?

Den Eurovision Song Contest 2026 in Wien gewann DARA aus Bulgarien mit dem Song «Bangaranga» – mit insgesamt 516 Punkten. Es war der erste ESC-Sieg in der Geschichte Bulgariens. DARA gewann dabei sowohl die Jurywertung als auch das Televoting und setzte sich damit klar durch.

Welchen Platz belegte COSMÓ beim ESC 2026?

COSMÓ landete im Finale des Eurovision Song Contest 2026 in Wien auf dem vorletzten Platz 24 von 25 teilnehmenden Ländern. Mit seinem Song «Tanzschein» holte der 19-Jährige insgesamt sechs Punkte – einen einzigen Punkt gab es von der Jury aus Luxemburg, die restlichen fünf Punkte kamen vom Televoting aus Deutschland.

Wo kann man die ESC-Auftritte 2026 nachschauen?

Alle Auftritte des Eurovision Song Contest 2026 sind auf dem offiziellen YouTube-Kanal des ESC verfügbar – zu finden unter youtube.com/@Eurovision. Dort stehen sowohl die vollständigen Show-Aufzeichnungen der beiden Halbfinale und des Finals als auch einzelne Länder-Performances als separate Videos zur Verfügung.