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Schloss Chillon – das schönste Schlossmuseum der Schweiz

von Markus Schneider

Inhaltsverzeichnis
Schloss Chillon

Es gibt Orte, bei denen man kurz anhält und denkt: Das kann nicht echt sein. Schloss Chillon ist so ein Ort. Es thront auf einem kleinen Felsen direkt am Ufer des Genfersees, 5 Kilometer südöstlich von Montreux, mit den Alpen im Rücken und dem tiefblauen Wasser zu drei Seiten. Seit fast tausend Jahren steht diese Burg genau hier. Und sie sieht heute noch so aus, als hätte man sie gestern gebaut. Mit rund 400'000 Besuchenden pro Jahr ist Schloss Chillon das meistbesuchte historische Monument der Schweiz. Wer noch nicht da war, hat etwas verpasst.

Name

Schloss Chillon (Château de Chillon)

Adresse

Avenue de Chillon 21, 1820 Veytaux

Kanton

Waadt (Vaud)

Erste schriftliche Erwähnung

1150

Anlage

25 Gebäude, 3 Höfe, unterirdische Gewölbe

Ausstellungsräume

36 Räume (Dauerausstellung)

Exponate

ca. 300 Objekte

Eigentümer

Kanton Waadt

Verwaltung

Fondation du Château de Chillon (seit 2002)

Öffnungszeiten

Ganzjährig; April–Sept: 9–19 Uhr; Nov–Feb: 10–17 Uhr; März/Okt: 9:30–18 Uhr

Offizielle Website

chillon.ch

Schloss Chillon - Inselschloss am Genfersee – Schweiz

Geschichte

Der Felsvorsprung, auf dem Schloss Chillon steht, war schon in der Bronzezeit besiedelt. Die Römer erkannten seine Bedeutung früh: hier verlief die Via Francigena, der wichtigste Pilger- und Handelsweg aus Nordeuropa über die Alpen nach Rom. Wer diesen Punkt hielt, hielt den gesamten Transitverkehr durch die Region. Das machte Chillon über Jahrhunderte zu einem der begehrtesten Orte am Genfersee.

Die ersten Bauarbeiten begannen im 11. Jahrhundert, unter den Bischöfen von Sitten im Burgunderreich. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1150. Den Namen «Chillon» – «Felsenplatte» in der damals hier gesprochenen Sprache – trägt die Burg seither.

Den grössten Schub bekam die Anlage unter den Grafen von Savoyen. Graf Thomas I. liess die Burg im frühen 13. Jahrhundert erheblich ausbauen. Sein Nachfolger Peter II., den man auch den «Kleinen Karl den Grossen» nannte, trieb ab den 1240er-Jahren die Umgestaltung zur Fürstenresidenz voran. Mit dem Architekten Pierre Mainier entstanden Wehrtürme auf der landseitigen Flanke und elegante Repräsentationssäle mit Seeblick. Der Bergfried und die Kapelle gelten als die ältesten noch erhaltenen Bauteile aus dem späten 11. Jahrhundert. Wer das Schloss heute begeht, läuft über Böden, auf denen schon vor neun Jahrhunderten Menschen gelebt und regiert haben.

1536 nahmen bernische Truppen Chillon ein. Über 260 Jahre lang diente es als Verwaltungszentrum, Zeughaus und Gefängnis. Der bekannteste Insasse war François Bonivard, Prior des Stifts Saint-Victor in Genf – ein Verfechter der Unabhängigkeit Genfs gegenüber den Savoyern. Der Herzog von Savoyen liess ihn 1530 einkerkern. Sechs Jahre lang war Bonivard an eine Säule gekettet. 1536 befreiten ihn die Berner. Seine Geschichte inspirtierte Lord Byron 1816 zu seiner Ballade «The Prisoner of Chillon». Byrons eigenhändige Unterschrift, eingeritzt in die dritte Säule des Verlieses, ist bis heute zu sehen.

1803 übernahm der Kanton Waadt die Burg. Mitte des 19. Jahrhunderts diskutierte man ernsthaft, das Gemäuer abzureissen und das Steinmaterial für den Eisenbahnbau zu verwenden. Öffentlicher Widerstand verhinderte das – zum Glück, muss man im Nachhinein sagen. 1888 begann Konservator Albert Naef mit einer jahrzehntelangen, peniblen Restaurierung. Sein erklärtes Ziel: den mittelalterlichen Zustand möglichst genau wiederherstellen. Seit 2002 verwaltet die Fondation du Château de Chillon das Gebäude.

Schloss Chillon – historische Illustrationen

Schloss Chillon – historische Zeichnungen

Architektur

Chillon ist keine Burg im Sinne einer einfachen Trutzfeste. Von aussen wirkt die Anlage wie aus einem Guss – Türme, Mauern, Zinnenkranz auf einem Felsen, der kaum grösser ist als das Schloss selbst. Dieser Eindruck täuscht: das Gebäude wuchs über mehrere Jahrhunderte und trägt die Handschrift ganz verschiedener Epochen.

Die Anlage zeigt zwei grundlegend verschiedene Gesichter. Die Nordfassade zum Ufer hin ist Wehrbau: drei massive halbrunde Türme, Schiessscharten, Maschikulis. Alles darauf ausgelegt, Angreifer von der Strasse abzuwehren. Die Südfassade zum See ist das genaue Gegenteil – pure Residenz: grosse gotische Fenster, prunkvolle Empfangssäle, Privatgemächer mit Blick auf den Genfersee und die Dents du Midi.

Zwischen diesen beiden Welten liegen die drei asymmetrischen gepflasterten Innenhöfe. Der erste diente Wachen und Dienern, der zweite dem Kastellan, der dritte dem Grafen und seinem Hofstaat. Sie liegen auf leicht verschiedenen Niveaus und folgen keiner strengen Achse. Das ergibt keinen symmetrischen Palast, sondern etwas Organischeres – ein Ort, der sich über Jahrhunderte seiner Topografie angepasst hat.

Den besten Gesamtblick auf die Anlage bietet das Seeufer. Für alle, die fotografieren wollen: direkt bei der Schiffsanlegestelle lässt sich die Burg mit ankernden Schiffen ablichten. Das ist das Bild, das man von Chillon kennt. Und es sieht in echt noch besser aus.

Schloss Chillon – Architektur und Aussenansicht (Schweiz)

Schloss Chillon – Architektur und Aussenansicht

Innenräume

36 Räume, rund 300 Exponate, ein Rundgang über mehrere Etagen und Bauepochen. Den Selbstbesuch unterstützt eine Broschüre in bis zu 17 Sprachen; Audioguides sind gegen Aufpreis erhältlich. An 13 Touchscreens laufen 8 Kurzfilme zur Geschichte.

Die Untergeschosse sind das Herzstück für alle, die Geschichte nicht nur lesen, sondern spüren wollen. Das gotische Rippengewölbe der unterirdischen Kammern, getragen von schlanken Säulen, erinnert an eine kleine Kathedrale. Einige Bauelemente sind über tausend Jahre alt. Ursprünglich dienten die Räume als Vorratskammer für Lebensmittel und Waffen; ab 1290 wurden sie als Gefängnis genutzt. An der dritten Säule: Byrons Unterschrift. Wer kommt, sucht sie zuerst.

Ein Hinweis, den man im Juli genauso braucht wie im Januar: im Untergeschoss ist es kalt und zugig. Eine Jacke einzupacken ist keine Übertreibung.

Die vier Rittersäle im Obergeschoss sind ein anderes Erlebnis. Hier empfingen die Grafen von Savoyen ihre Gäste, hier fanden Bankette statt, hier lag die politische Macht. Die Säle öffnen sich mit hohen Fenstern zum See – der Blick auf den Genfersee und die schneebedeckten Gipfel dahinter macht verständlich, warum diese Residenz über Jahrhunderte so begehrt war.

Die Georgskapelle ist einer der ältesten Räume des gesamten Komplexes. Die romanischen Wandmalereien gehören zu den seltensten mittelalterlichen Bildprogrammen in der ganzen Schweiz.

Die Aula Magna, der Hauptfestsaal, zeigt Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Farbig, detailreich, überraschend gut erhalten. Diese Malereien entstanden von waadtländischen und savoyischen Hofmalern jener Zeit und gelten als bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst.

Der Raum für Waffen und Rüstungen ist bei Kindern und Erwachsenen gleichermassen beliebt. Die Sammlung ist gross genug, um mehr als einen Durchgang zu verdienen.

Der Bergfried, die älteste Substanz des Schlosses aus dem 11. Jahrhundert, bietet nach dem Aufstieg ein Panorama, das an klaren Tagen bis zu den Berggipfeln jenseits des Sees reicht. Die Schatzkammer nebenan verwahrt archäologische Funde aus den Grabungen von 1896 bis 1903.

Schloss Chillon – historisches Interieur

Schloss Chillon – Innenräume und Interieur

Praktische Informationen

Schloss Chillon öffnet ganzjährig. Von April bis September täglich von 9 bis 19 Uhr. Von November bis Februar täglich von 10 bis 17 Uhr. März und Oktober täglich von 9:30 bis 18 Uhr. Der letzte Einlass ist eine Stunde vor Schliessung. Aktuelle Zeiten, besonders rund um Feiertage und Sonderveranstaltungen, immer auf chillon.ch prüfen.

Erwachsene zahlen CHF 15, Kinder von 6 bis 15 Jahren CHF 7. Kinder bis 5 Jahre kommen gratis rein. Mit dem Swiss Travel Pass ist der Eintritt kostenlos.

Das RailAway-Kombiangebot der SBB bringt 20 Prozent Rabatt auf Zug- oder Schifffahrt und reduzierten Eintritt. Inhaber der Carte Culture erhalten von November bis März 30 Prozent Ermässigung. Mit dem CGN-Schiffticket gibt es 15 Prozent Rabatt auf den Eintritt. Für Gruppen ab 15 Personen gelten Gruppenpreise, Buchung mindestens 72 Stunden im Voraus erforderlich.

Tickets kauft man online auf chillon.ch oder an der Kasse vor Ort. Voranmeldung ist für Einzelbesucher nicht nötig – nur für Gruppen und Führungen.

Das Schloss liegt in der Gemeinde Veytaux, Kanton Waadt, direkt am Ufer des Genfersees, etwa 5 Kilometer südöstlich von Montreux. Adresse: Avenue de Chillon 21, 1820 Veytaux.

Mit dem Zug ist die Anreise am bequemsten. Die Regionalbahn S5 hält stündlich am Bahnhof Veytaux-Chillon, von dort sind es 6 Gehminuten. Aus Montreux dauert die Fahrt 4 Minuten, aus Villeneuve 3 Minuten. Mit dem Bus hält man an der Haltestelle «Veytaux, château de Chillon», die liegt 2 Gehminuten vom Eingang entfernt. Von Montreux braucht man rund 9 Minuten. Mit dem Schiff legt die CGN-Linie direkt beim Schloss an, Haltestelle «Château-de-Chillon (lac)». Von Montreux 10 bis 20 Minuten, von Villeneuve rund 10 Minuten. Das Schiff-Eintritts-Kombiticket gibt es mit 15 Prozent Rabatt direkt bei der CGN.

Zu Fuss vom Zentrum Montreux aus dauert der Uferspaziergang rund 40 Minuten. Mit ständigem Blick auf den See und die Alpen. Das ist eigentlich kein Weg zum Schloss, sondern schon ein Ausflug für sich.

Mit dem Auto: beim Schloss gibt es einen grossen Parkplatz. An belebten Sommertagen kann er voll sein. In diesem Fall empfiehlt sich der Parkplatz Tronchenaz in Villeneuve, von wo aus Bus, Schiff oder Zug weiterfahren.

Die Reaktionen auf das Schloss sind konsistent: das Erlebnis geht weit über das Erwartete hinaus. Besonders die Kombination aus echter historischer Substanz, freier Aussicht und musealer Dichte überrascht viele. Wer ein oder zwei Stunden eingeplant hat, bleibt häufig länger. Das klingt nach einem Klischee, stimmt aber.

Schloss Chillon – das schönste Schlossmuseum der Schweiz

Schloss Chillon

Café und Restaurant

Das Café Byron liegt direkt neben dem Schloss – nicht drinnen, sondern unmittelbar davor, mit freiem Blick auf die Burg und den See. Saisonale und regionale Küche, und es ist auch bei kühlerem Wetter geöffnet. Ein guter Ort für eine Pause vor oder nach dem Rundgang.

Die Buvette im Savoyer Garten ist ein kleiner Bar-Kiosk mitten im Schlossgelände, offen bei gutem Wetter. Getränke, kleine Snacks, Seeblick. Ideal für eine kurze Pause, ohne das Gelände zu verlassen.

La Verrée Vaudoise ist der neueste Zusatz: ein Degustation-Winkel für die Weine des Clos de Chillon und regionale Waadtländer Produkte. Die Trauben wachsen auf den Rebbergen rund um das Schloss selbst. Ein Glas Waadtländer Wein mit Blick auf das Schloss hat seinen eigenen Reiz – und ist ein angenehmer Abschluss des Besuchs.

Wer lieber draussen isst: der Uferweg zwischen Montreux und Villeneuve bietet genug Platz für eine Picknickdecke. Der kleine Strand beim Schloss lädt nach dem Besuch zum Verweilen ein – bei warmem Wetter sogar zum Schwimmen.

Schloss Chillon – märchenhafte Schlossansicht

Schloss Chillon

Interessante Fakten

  • Jean-Jacques Rousseau setzte Chillon literarisch vor Byron in Szene. In seinem Roman «Julie ou la Nouvelle Héloïse» (1761) beschrieb er die Gegend um das Schloss so eindringlich, dass es zur Pflichtstation für Bildungsreisende wurde. Byron kam erst 55 Jahre später. Auch Victor Hugo beschrieb das Schloss, Gustave Courbet malte es. Das Schloss hat eine lange Tradition, Menschen zum Schreiben zu veranlassen.
  • Schloss Chillon ist eines der wenigen mittelalterlichen Schlösser Europas, das nie durch eine Belagerung eingenommen wurde. Die Berner öffneten 1536 die Tore kampflos – die Besatzung ergab sich.
  • Jedes Jahr finden rund 40 Veranstaltungen im Schloss statt, von Kinderworkshops in mittelalterlichen Kostümen bis zu Sonderausstellungen, die immer in direktem Bezug zur Burggeschichte stehen.
  • Direkt gegenüber liegt das Fort de Chillon – ein militärisches Festungswerk, das bis 2001 als geheim eingestuft war. Heute ist es ein interaktives Museum. Die Kombination beider Orte an einem Tag lohnt sich.
  • Kinderwagen dürfen nicht auf den Besucherrundgang mitgenommen werden. Das gehört zu den wenigen Dingen, die man vorab wissen sollte.

FAQ

Wie lange sollte man für den Besuch einplanen?

Der Rundgang durch alle 36 Räume dauert etwa zwei Stunden. Wer die Ausstellungen in Ruhe auf sich wirken lässt oder den Audioguide nutzt, plant besser drei Stunden ein.

Darf man im Schloss fotografieren?

Ja, fotografieren für den persönlichen Gebrauch ist erlaubt. Stative und Blitzlicht sind drinnen nicht gestattet.

Wann ist die beste Jahreszeit für einen Besuch?

Für Aussenaufnahmen und Seepanorama eignen sich April bis Oktober am besten. Im Winter ist es ruhiger und deutlich weniger überlaufen; da die meisten Räume überdacht sind, lässt sich das Schloss problemlos auch bei Regen erkunden.

In welchen Sprachen sind Führungen verfügbar?

Broschüren gibt es in bis zu 17 Sprachen, darunter Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Japanisch und viele weitere. Audioguides sind in 9 Sprachen erhältlich, gegen Aufpreis. Geführte Touren sind nach Voranmeldung buchbar.

Gibt es beim Schloss einen Strand – und kann man darin schwimmen?

Ja. Direkt beim Schloss befindet sich ein kleiner Strand am Genfersee. Bei warmem Wetter ist das Schwimmen möglich – ein schöner Abschluss nach einem Besuchstag.