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Tierpark Lange Erlen - Naturschutzpark in Basel

von Markus Schneider

Inhaltsverzeichnis
Tierpark Lange Erlen

Mitten in der Stadt, täglich geöffnet, kein Eintritt – seit über 150 Jahren. Der Tierpark Lange Erlen ist weit mehr als ein Ort, an dem Kinder Tiere anschauen. Hier spazieren Rothirsche durch den Auenwald, Luchse beobachten neugierig die vorbeilaufenden Familien, und Kinder stehen verzückt vor dem Streichelgehege. Kein Kassenbereich, keine Warteschlange, kein Ticket. Einfach hinkommen und geniessen.

Adresse

Erlenparkweg 110, 4058 Basel

Stadtteil

Kleinbasel, Ufer der Wiese

Gründungsjahr

1871

Fläche

ca. 20 Hektaren

Öffnungszeiten

März–Oktober: 8–18 Uhr / November–Februar: 8–17 Uhr, täglich

Eintritt

Gratis

Träger

Erlen-Verein Basel

Telefon

+41 61 681 43 44

Website

www.erlen-verein.ch

Tierpark Lange Erlen - Basel

Geschichte und Konzept

Das Waldgebiet an den Ufern der Wiese war schon immer ein Lieblingsort der Basler. Das veranlasste 1871 den Basler Ratsherrn Albert Lotz-Holzach, gemeinsam mit Gleichgesinnten den Tierpark Lange Erlen zu gründen – und gleichzeitig den Erlen-Verein als Träger ins Leben zu rufen. Die ersten Bewohner des neuen Parks? Ein Paar schwarze Schwäne aus Australien, gespendet von Fürst Carl Egon von Fürstenberg. Im Jahr darauf kamen weisse Höckerschwäne als Geschenk der Stadt Genf. Danach Rehe, Hirsche, Ziegen – und für kurze Zeit auch wärmebedürftige Exoten, auf die der Park dann doch bald wieder verzichtete.

Der Name «Lange Erlen» kommt von den Erlen, den typischen Uferbäumen, die das Auenwaldgebiet entlang der Wiese seit Jahrhunderten prägen. Der Park liegt auf Basler Stadtgebiet, auf der südlichen Uferseite des Flusses.

Ruhig verlief die Geschichte nicht immer. 1877 und 1882 richteten Hochwasser schwere Schäden an. Um die Jahrhundertwende musste der ursprüngliche Standort dem Neubau der Bahnstrecke zum Badischen Bahnhof weichen. Der Park baute sich jedes Mal wieder auf. Seit 2006 läuft ein Umbau nach einem 2003 erarbeiteten Masterplan, 2007 eröffnete der Erlebnishof mit seltenen Nutztierrassen. 2021 feierte der Park sein 150-jähriges Bestehen.

Tierpark Lange Erlen – Fotos aus dem 20. Jahrhundert

Tierpark Lange Erlen – Historische Aufnahmen

Hinter dem Tierpark steht keine Behörde, sondern der gemeinnützige Erlen-Verein Basel mit über 9'500 Mitgliedern. Der Verein trägt die laufenden Kosten: Tierpflege, Futter, Unterhalt, Administration. Die 2005 gegründete Stiftung Tierpark Lange Erlen verwaltet Erbschaften und Legate und stellt jährlich rund eine halbe Million Franken bereit. Der Kanton Basel-Stadt trägt zusätzlich rund 590'000 Franken bei. Dass der Park gratis zugänglich bleibt, ist keine Selbstverständlichkeit – es ist ein Entscheid, den der Erlen-Verein bewusst trifft und jedes Jahr neu finanzieren muss.

Das Logo zeigt einen stilisierten Rothirsch. Das Wappentier passt: der Rothirsch steht im Zentrum der Anlage, er ist schwer zu übersehen – und manchmal auch schwer zu finden, weil er sich lieber im Gebüsch versteckt.

Tiere, Spielplätze und was sonst noch wartet

Der Park setzt auf einheimische Tierarten. Das klingt erst unspektakulär, ist aber eigentlich das Klügste: wer möchte, kann hier Wildtiere beobachten, die sonst nur auf Distanz zu sehen sind. Wisente, Rothirsche, Damhirsche und Gämsen leben in weitläufigen Gehegen. Eurasischer Luchs, Europäische Wildkatze und Rotfuchs sind die einheimischen Raubtiere. Den Luchs beim Beobachten zu beobachten – er schaut zurück, oft sehr lange – gehört zu den stillen Höhepunkten des Besuchs.

Pfauen, Störche und Reiher laufen frei durch den Park. Die Weiher im Zentrum der Anlage beleben Schwäne, Enten und Blässhühner. In den Volieren finden sich Eulen, Fasane, Rebhühner und Singvögel, dazu Reptilien und Amphibien.

Der 2007 eröffnete Erlebnishof zeigt Tiere, die man meist nicht kennt: sardinische Zwergesel, Poitou-Esel, Bündner Strahlenziegen, Wollschweine, Walliser Landschafe, Diepholzer Gänse. Alles seltene Rassen, die der Park in Zusammenarbeit mit ProSpecieRara hält. Ohne solche Programme wären viele davon kaum noch irgendwo zu sehen. Der angrenzende Bauerngarten zeigt alte Gemüse- und Beerensorten, das ehemalige Försterhaus erklärt, was Ratten, Mäuse und Zecken in unserem Alltag anrichten. Das Bienenhaus macht neugierig – man schaut einfach rein und ist sofort dabei.

Tierpark Lange Erlen – Tierwelt

Tiere im Tierpark Lange Erlen

Zwei Spielplätze gibt es im Park. Die «Spielaue» beim Restaurant ist grosszügig angelegt, barrierefrei und hat ein Wassersystem, das Kinder verlässlich in Begeisterung versetzt. Der zweite Spielplatz liegt ruhiger im Wald, näher am Eingang Fasanenstrasse – kleiner, aber genau das Richtige nach einem langen Rundgang.

Beim Eingang Fasanenstrasse dreht sich seit 1882 die Resslirytti. Ein Pferd trieb das Karussell an, bis 1911 ein Benzinmotor übernahm und die Musik über Lochkarten spielte. Heute laufen die 22 bemalten Rössli, Schwäne und Kutschen noch genauso wie früher. Wer mit der Resslirytti fährt, sitzt buchstäblich auf einem Stück Basler Geschichte – älter als der Eiffelturm, falls das ein Massstab sein soll.

Rund um das Tierparkgelände wartet ausserdem eine kleine Kinderautobahn. Jeden Sonntag von 14:45 bis 16:00 Uhr findet Ponyreiten statt, eine Runde für CHF 2.50.

Im Sommer gehören die Ufer der Wiese zu den beliebtesten Treffpunkten der Region. Grillstellen, Picknickplätze, Waldwege und Velowege fügen sich zu einem Naherholungsgebiet zusammen, das man kaum schöner hinbekommen könnte.

Tierpark Lange Erlen, Basel

Tierpark Lange Erlen

Praktisches für den Besuch

Von März bis September hat der Park ab 7 Uhr geöffnet, im Oktober ab 8 Uhr bis 18 Uhr, November bis Februar von 8 bis 17 Uhr. Täglich, auch an Feiertagen. Ein Spendenkasten steht am Eingang – kein Muss, aber ein nettes Zeichen.

Unter der Woche morgens zwischen 8 und 10 Uhr ist der Park am ruhigsten, und viele Tiere dann am aktivsten. An warmen Sommerwochenenden wird es rund um Spielplatz und Restaurant belebter. Regentage lohnen sich trotzdem: der Auenwald bei Regen hat seinen eigenen Reiz, und die Menschenmassen bleiben aus.

Ab Basel SBB fährt die Tramlinie 2 Richtung Riehen Dorf bis zum Badischen Bahnhof, von dort weiter mit dem Bus 36 oder 46 bis zur Haltestelle Lange Erlen – der Bus hält direkt vor dem Eingang. Achtung: die Linie 36 fährt nur jeden zweiten Kurs via Lange Erlen, also vorher prüfen.

Wer mit dem Auto kommt: beim Haupteingang gibt es einen Parkplatz, der in der Hochsaison schnell voll ist. Eine ruhigere Alternative ist der Parkplatz beim Gartenbad Eglisee – von dort sind es zehn Minuten durch den Wald, was als Einleitung zum Besuch taugt.

Auf dem Tierparkgelände gibt es einen Kiosk, täglich ab 14 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet, samstags bereits ab 11 Uhr. Das Restaurant PARK Lange Erlen liegt direkt neben dem Tierpark, ist aber ein eigenständiges Lokal mit eigenen Zeiten und eigener Küche – gut für eine Pause mit Terrasse. Picknick geht natürlich auch: Grillstellen und Picknickplätze sind vorhanden, einfach Decke und Proviant mitbringen.

Wer das erste Mal kommt: beim Haupteingang starten, direkt zum Erlebnishof, dann weiter zu den Wildtiergehegen, dem Weiher und zurück zum Spielplatz. Bequeme Schuhe, wetterfeste Kleidung und im Sommer Sonnenschutz – das reicht. Hunde dürfen an der Leine mit.

Tierpark Lange Erlen (Basel, Schweiz)

Tierpark Lange Erlen

Interessante Fakten

  • Ein Park überlebt zwei Überschwemmungen. 1877 und 1882 zerstörten Hochwasser der Wiese den damals noch jungen Park. Die Gründer bauten ihn jedes Mal wieder auf.
  • Ursprünglich hätte der Zoo hier entstehen sollen. Nach der Vereinsgründung 1871 setzte eine Diskussion ein, ob der von Privaten geplante Zoo in den Langen Erlen oder beim Nachtigallenwäldchen gebaut werden solle. Der Basler Zoo wurde 1874 beim Nachtigallenwäldchen eröffnet – und der Tierpark Lange Erlen blieb bestehen. Ein glücklicher Zufall für alle, die heute gratis durch die Erlen spazieren.
  • Der Jahresbeitrag bei Gründung: 3 Franken. Der Jahresbeitrag wurde bei der Gründungsversammlung auf 3 Franken festgelegt. Der Verein hat sich seitdem von einer Handvoll Gründungsmitglieder auf über 9'500 Mitglieder vergrössert.
  • Das Karussell ist älter als der Eiffelturm. Die Resslirytti existiert seit 1882 – sieben Jahre, bevor in Paris der berühmte Turm eingeweiht wurde. Sie dreht sich noch immer.
  • Seit der Gründung 1871 hat der Tierpark nie Eintritt verlangt. Das ist in der Welt der Tierparks tatsächlich aussergewöhnlich.
  • 10 Mitarbeitende für 20 Hektaren. Zehn Mitarbeiter in der Tierpflege und im Grünunterhalt besorgen die laufenden Arbeiten und den Unterhalt des Parks, der jährlich auf rund 1,5 Mio. Franken zu stehen kommt.

Erkundung des Tierpark Lange Erlen in Basel, Schweiz

Häufige Fragen

Wie viel Zeit sollte man für den Tierpark einplanen?

Für eine entspannte Runde durch den Park mit allen Gehegen und einem Stopp beim Spielplatz empfehlen sich mindestens zwei Stunden. Mit kleineren Kindern, die alles genau anschauen, können es gut drei Stunden werden. Wer danach noch durch den Auenwald entlang der Wiese spaziert, sollte einen halben Tag einplanen.

Gibt es exotische Tiere oder nur einheimische Arten?

Der Schwerpunkt liegt klar auf einheimischen Tierarten – das ist die ausgewiesene Philosophie des Parks. Wildtiere wie Luchs, Wildkatze, Wisent, Rothirsch, Gämse und Fuchs bilden den Kern. Daneben gibt es seltene Nutztierrassen wie das Wollschwein oder die Bündner Strahlenziege. Eine historische Besonderheit: Aus früheren Zeiten stammt noch ein kleines Affenhaus mit Kapuzineräffchen – ein Rest aus einer Zeit, in der der Park auch Exoten zeigte.

Sind Hunde erlaubt?

Ja. Hunde dürfen an der Leine mitgebracht werden. Der Park ist bei Hundebesitzern aus der Region entsprechend beliebt.

Lohnt es sich, Tierpark Lange Erlen und den Basler Zoo am selben Tag zu besuchen?

Grundsätzlich möglich, aber nicht unbedingt nötig. Beide Parks ergänzen sich thematisch ideal – hier einheimische Natur, dort die Tierwelt der weiten Welt –, aber jeder für sich füllt problemlos einen halben Tag. Wer mit Kindern unterwegs ist und auch den Spielplatz und das Flussufer geniessen möchte, ist mit dem Tierpark Lange Erlen allein gut bedient. Den Basler Zoo an einem anderen Tag zu besuchen, ist entspannter und tut beiden Erlebnissen gut.