Persönlichkeiten

Otto von Bismarck

Otto von Bismarck, die treibende Kraft hinter der deutschen Einigung im 19. Jahrhundert, orchestrierte die GrĂŒndung des Deutschen Reiches durch eine Reihe entscheidender Kriege, die als Einigungskriege bekannt sind, in den Jahren 1864, 1866 und 1870–1871. Dieser Artikel ist dem Leben des ersten Reichskanzlers von Deutschland gewidmet.

von  Samuel Schweiz

Inhaltsverzeichnis
Alter Otto von Bismarck

PortrÀt von Otto von Bismarck aus einer Privatsammlung

Jeder Deutsche kennt Otto von Bismarck. Er ist eine jener Persönlichkeiten, ohne die Deutschland, wie wir es kennen, nicht existieren wĂŒrde. Als Meister des politischen Spieles sowohl auf diplomatischer als auch auf militĂ€rischer Ebene war er die Person, die am meisten zur Einigung Deutschlands 1871 beitrug. Ich, Samuel Schweiz, bin hier, um Ihnen ein wenig mehr ĂŒber diesen immer noch vergötterten Politiker – einen der grĂ¶ĂŸten Politiker aller Zeiten – zu erzĂ€hlen.

Steckbrief ĂŒber Otto von Bismarck

Voller Name

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen

Geburtsdatum und -ort

1. April 1815 in Schönhausen bei Stendal

Familie und Herkunft

Eltern: Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck (Rittmeister und Landedelmann) und Luise Wilhelmine von Bismarck (geb. Mencken; bĂŒrgerlicher Herkunft)

Geschwister: Bernhard von Bismarck und Malwine von Arnim

Ehefrau

Johanna von Bismarck (geb. von Puttkamer)

Kinder

Marie, Herbert und Wilhelm von Bismarck

Bildung

1827–1830 Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, Berlin

1830–1832 Gymnasium zum Grauen Kloster, Berlin

1832–1833 Rechts- und Staatswissenschaften an der UniversitĂ€t Göttingen

1833–1835 Berliner Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t

Ämter

1847–1859 Abgeordneter 

1859–1862 Diplomat

1862–1867 Außenminister und preußischer MinisterprĂ€sident

1867–1871 Kanzler des norddeutschen Bundes

1871–1890 Reichskanzler

Parteizugehörigkeit

außerparteilich

Adelstitel

Graf von Bismarck-Schönhausen (ab 1865);

FĂŒrst von Bismarck (ab 1871);

Herzog zu Lauenburg (ab 1890)

Wichtige Leistungen und Einfluss auf die deutsche Geschichte

Er half bei der Einigung Deutschlands und wurde dessen erster Kanzler; er legte den Grundstein fĂŒr den heutigen Sozialstaat

Die wichtigsten BĂŒcher

„Gedanken und Erinnerungen“

Sterbedatum und -ort

30. Juli 1898 in Friedrichsruh

GrabstÀtte

Bismarck-Mausoleum in Friedrichsruh

Lebenslauf Bismarcks

Bismarck musste einen langen und schwierigen Weg zurĂŒcklegen, bevor er der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches wurde. Werfen wir einen genaueren Blick auf die wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg.

Kindheit, Jugend und Bildung

Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 auf Schloss Schönhausen im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Seine Familie hatte eine angesehene Stellung. Sein Vater, Karl Wilhelm Ferdinand, war Mitglied des altpreußischen Adels, was großen Grundbesitz, großen Reichtum und Einfluss bedeutete. Die Mutter des Jungen, Luise Wilhelmine, war keine Adelige, aber die Familie Mencken brachte viele Gelehrte und Beamte hervor.

Die ersten Lebensjahre Ottos verliefen recht unbeschwert auf dem Gut Kniephof, wohin die Familie 1816 zog. Der Hintergrund der beiden Eltern prĂ€gte den zukĂŒnftigen Politiker. Von seinem Vater erbte er die Verbundenheit mit der Tradition und den Stolz auf seine Herkunft, wĂ€hrend seine Mutter viel dafĂŒr tat, dass ihr Sohn eine Ausbildung erhielt, die fĂŒr eine Karriere als zukĂŒnftiger Beamter oder Diplomat geeignet war – nichts anderes wollte sie.

Bismarck als Kind

Bismarck begann im Alter von 6 Jahren mit dem Lernen, und im Laufe von 17 Jahren besuchte er mehrere renommierte Bildungseinrichtungen. 

1821

Otto wurde auf Wunsch seiner Mutter auf die Plamannsche Erziehungsanstalt in Berlin geschickt.

1827

Wechsel auf das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, ebenfalls in der Hauptstadt.

1830

Wechsel auf das Gymnasium zum Grauen Kloster, das Àlteste Gymnasium Berlins.

1832

Bismarck bestand das Abitur und begann ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der UniversitĂ€t Göttingen. Er trat dem Corps Hannovera Göttingen bei und war als geschickter Fechter und DraufgĂ€nger bekannt. Er hatte wenig Interesse an Jura und interessierte sich mehr fĂŒr Geschichte (insbesondere fĂŒr die Entwicklung des europĂ€ischen Staatensystems) und Literatur.

1833

Wechsel an die Berliner Friedrich-Wilhelms-UniversitÀt.

1835

Otto von Bismarck legte erfolgreich das erste juristische Staatsexamen ab.

Bismarck als Student

Der Beginn des Werdegangs von Otto von Bismarck

1835

Nach erfolgreichem UniversitÀtsabschluss wurde Bismarck Referendar am Königlichen Stadtgericht in Berlin.

1836

Er wechselte vom Justiz- in den Verwaltungsdienst. Er bewarb sich erfolgreich beim RegierungsprÀsidium Aachen und setzte dort sein Referendariat fort. 

1837

Die BĂŒrokratie langweilte und ermĂŒdete den jungen Mann. Er setzte das wilde Leben, fĂŒr das er an der UniversitĂ€t bekannt war, fort: Er spielte in Kasinos und gab Geld fĂŒr Frauen aus. Bismarck nahm einen zweiwöchigen Krankheitsurlaub und reiste mehrere Monate lang mit einer jungen EnglĂ€nderin, Isabella Loraine-Smith, durch Deutschland. Nach seiner RĂŒckkehr wird er aus dem Staatsdienst in Aachen entlassen, konnte aber eine Stelle in Potsdam finden.

1838

Otto von Bismarck brach schließlich mit dem Referendariat und meldete sich als Freiwilliger zu einem Jahr MilitĂ€rdienst. 

1839

Nach dem Tod ihrer Mutter am 1. Januar kehrten Otto und sein Ă€lterer Bruder Bernhard nach Hause zurĂŒck, um die Verwaltung der elterlichen GĂŒter in Pommern zu ĂŒbernehmen. Es gelang ihnen, die LĂ€ndereien rentabel zu machen, und der kĂŒnftige Eiserne Kanzler tilgte seine Schulden und wurde ein bekannter und gern gesehener Gast in der Gegend. Er bildete sich auch selbst weiter, wenn auch nicht sehr systematisch.

1844

Bismarck unternahm einen weiteren erfolglosen Versuch, das Referendariat in Potsdam erneut aufzunehmen.

Der preußische Beamte gleicht dem Einzelnen im Orchester; mag er die erste Violine oder den Triangel spielen: ohne Übersicht und Einfluß auf das Ganze, muß er sein BruchstĂŒck abspielen, wie es ihm gesetzt ist, er mag es fĂŒr gut oder schlecht halten. Ich will aber Musik machen, wie ich sie fĂŒr gut erkenne, oder gar keine.

So Ă€ußerte Otto seine Gedanken zum öffentlichen Dienst in einem Brief an seinen Vater (29. September 1838).

Einstieg in die Politik. Diplomatische Arbeit

Im Jahr 1845 wandte sich Bismarck der Politik zu. Er wurde Abgeordneter in den Provinziallandtag von Pommern mit Sitz in Stettin (Szczecin). Im selben Jahr starb sein Vater, und er ĂŒbernahm die Leitung von Schönhausen, was ebenfalls ein wichtiger Schritt auf seinem Weg war. WĂ€hrend seiner Jahre in Kniephof verkehrte Otto mit den Pietisten wie Adolf von Thadden, die ihn mit den BrĂŒdern Gerlach, wichtigen konservativen Politikern, in Kontakt brachten, und in Schönhausen war er nĂ€her zu ihnen.

1846

Otto von Bismarck erhielt sein erstes öffentliches Amt – er wurde zum Deichgrafen in Jerichow.

1847

Als NachrĂŒcker im sĂ€chsischen Provinziallandtag wurde Bismarck Mitglied des Vereinigten Preußischen Landtags. Dort erwies er sich als konservativ und gewann die UnterstĂŒtzung anderer Konservativer und Monarchisten.

1849

Nach der gescheiterten MĂ€rzrevolution und der EinfĂŒhrung der Verfassung wurde ein Landtag eingerichtet, der aus dem Herrenhaus und dem Abgeordnetenhaus bestand. Bismarck stellte sich zur Wahl und gewann einen Sitz in der Zweiten Kammer, woraufhin er nach Berlin zog.

1851

Auf Vorschlag von Leopold von Gerlach wurde Bismarck von Friedrich Wilhelm IV. zum preußischen Bundestagsgesandten in Frankfurt am Main ernannt. 

1852 

Otto von Bismarck rÀumte sein Landtagsmandat, das er im Oktober 1851 wieder gewann, nach einem Pistolenduell mit dem liberalen Abgeordneten Georg von Vincke, aus dem beide Gegner unbeschadet hervorgingen.

1854

Bismarck wurde auf Vorschlag der Grundbesitzer Pommerns in die Erste Kammer berufen.

1859

Otto wurde zum preußischen Gesandten in St. Petersburg. Diese Zeit nutzte er, um enge Beziehungen mit russischen Beamten zu schaffen.

1862

Von Mai bis September war Bismarck preußischer Gesandter in Paris. Dann wurde er dringend nach Berlin berufen und am 23. September zum vorlĂ€ufigen MinisterprĂ€sidenten von Preußen ernannt. Am 8. Oktober wurde er zum Außenminister und MinisterprĂ€sidenten von Preußen.

Bismarck in St. Petersburg

Bismarck-Gedenktafel in St. Petersburg

Foto aus dem Internet

Preußischer MinisterprĂ€sident (1862–1867). Einigungskriege

Die Ernennung Bismarcks zum preußischen MinisterprĂ€sidenten erfolgte vor dem Hintergrund des seit 1860 schwelenden Konflikts um die Heeresreform. Die Reform wurde von der Zweiten Kammer des Landtags entschieden abgelehnt, und Wilhelm I. erwog sogar, auf den Thron zu verzichten. Bismarck erklĂ€rte sich bereit, das Heer zu reformieren, auch wenn die Mehrheit dagegen war, und da es keinen anderen Kandidaten gab, wurde er schnell ernannt.

Bismarck 1862

Am 30. September 1862 sagte Otto von Bismarck in seiner Rede vor der Budgetkommission des Landtages seine vielleicht berĂŒhmtesten Worte: 

Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht. [
] Nicht durch Reden und MajoritĂ€tsbeschlĂŒsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden [
] – sondern durch Eisen und Blut.

Nachdem alle Kompromissversuche gescheitert waren, regierte er das Land in der Folge ohne einen vom Parlament genehmigten Haushalt und versuchte, die liberale Opposition mit allen Mitteln zu unterdrĂŒcken – auch durch den Versuch, sich mit den Sozialdemokraten zu vereinigen. Dennoch machte Otto von Bismarck ZugestĂ€ndnisse in wirtschaftlichen Fragen.

Auch die Außenpolitik und die nationale Frage ignorierte er nicht: Sie waren fĂŒr ihn eng miteinander verbunden. In erster Linie ging es ihm jedoch darum, den Einfluss Österreichs zurĂŒckzudrĂ€ngen und Preußens Position in Norddeutschland zu stĂ€rken.

In seiner Rolle als Architekt der deutschen Einheit orchestrierte Bismarck geschickt die militĂ€rischen Aktionen und diplomatischen Manöver wĂ€hrend drei bedeutenden Kriegen – Einigungskriegen.

Name und Jahre des Krieges

GrĂŒnde

Folgen

Deutsch-DĂ€nischer Krieg (1864)

Der dĂ€nische König versuchte, die HerzogtĂŒmer Schleswig und Holstein einzuverleiben, was nach Londoner Protokoll 1851 verboten war.

Der Sieg von Preußen und Österreich fĂŒhrte zur Teilung der HerzogtĂŒmer zwischen den beiden MĂ€chten. 

Deutscher Krieg (1866)

Die Teilung von verstĂ€rkte jedoch die Spannungen zwischen Preußen und Österreich, was letztendlich zum Deutschen Krieg von 1866 fĂŒhrte.

Der Sieg von Preußen im Deutschen Krieg schwĂ€chte die Macht Österreichs und fĂŒhrte zur GrĂŒndung des Norddeutschen Bundes unter preußischer FĂŒhrung.

Deutsch-Französischer Krieg (1870–1871)

Nach diplomatischen Streitigkeiten ĂŒber die spanische Thronfolge erklĂ€rte Frankreich Preußen den Krieg, da es sich als europĂ€ische Macht bedroht fĂŒhlte.

Am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles wurde das Deutsche Kaiserreich proklamiert, wodurch Deutschland als dominierende Macht in Europa aufstieg. Französisches Kaiserreich brach zusammen.

Otto von Bismarck – Reichskanzler des vereinigten Deutschlands (1871–1890). Seine Reformen

Der Kaiser ernannte Otto von Bismarck zu seinem Reichskanzler und erhob ihn in den erblichen FĂŒrstentitel. Außerdem beschenkte er ihn reich mit dem Schwarzenbeck, Sachsenwald und Friedrichsruh. In den folgenden Jahren ĂŒberließ er ihm auch weitgehend die Leitung der StaatsgeschĂ€fte.

Obwohl Bismarck das scheinbar Unmögliche erreichte und Deutschland als neue Weltmacht etablierte, konnte er die angespannte Weltlage nicht ignorieren. In einem GesprÀch mit dem Diplomaten Robert von Keudell im Jahr 1872 sagte er:

Nach Gottes Willen ist ja fĂŒr Deutschland das Notwendige erreicht worden. Aber es treten immer neue Gefahren und SchĂ€den hervor, SchĂ€den, die zu heilen man versuchen muß, wenn man auch nicht wissen kann, ob die Heilung gelingen wird. Ich sehne mich oft nach Ruhe; aber fĂŒr mich kann es keine Ruhe geben.

Im selben Jahr klagte er auch:

Mein Schlaf ist keine Erholung mehr, ich trĂ€ume weiter, was ich wachend denke, wenn ich ĂŒberhaupt einschlafe. Neulich sah ich die Karte von Deutschland vor mir, darin tauchte ein fauler Fleck nach dem anderen auf und blĂ€tterte sich ab.

Dies sind nur einige Zitate Bismarck ĂŒber Deutschland und derzeitige politische Situation.

Der erste Reichskanzler unternahm eine Reihe von politischen Maßnahmen und Reformen, die er als notwendig betrachte.

  • ZunĂ€chst bekĂ€mpfte er die katholische Kirche, die er (wahrscheinlich aufgrund des pietistischen Einflusses) als Bedrohung fĂŒr die Staatsmacht ansah. Dieser Feldzug, der von 1871 bis 1878 andauerte, wurde Kulturkampf genannt. Im seiner Rahmen unternahm Bismarck vor allem die folgenden Maßnahmen:

    • 1871 erließ er den „Kanzelparagraf“, der es den Klerikern verbot, sich kritisch ĂŒber politische Angelegenheiten des Kaiserreichs zu Ă€ußern;
    • 1872 verbat er den Jesuitenorden und veranlasste den Übergang den von der Kirche geleiteten Bildungseinrichtungen unter die staatliche Kontrolle;
    • Im Jahr 1873 wurden die sogenannten Maigesetze erlassen, nach denen alle Mitglieder des Klerus eine angemessene Ausbildung erhalten, PrĂŒfungen ablegen und von staatlichen Vertretern zugelassen werden mussten.
    • Im Mai 1875 wurde die TĂ€tigkeit aller religiösen Orden verboten, mit Ausnahme derjenigen, die sich der Krankenpflege widmeten (sie waren fĂŒr das preußische Gesundheitssystem zu bedeutsam). In diesem Jahr wurde auch die Zivilehe eingefĂŒhrt und der Staat stellte seine finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr die Kirche ein.
    • Die Diskriminierung der katholischen Bevölkerung und massive Eingriffe in die bĂŒrgerlichen Freiheiten fĂŒhrten schließlich zu politischen Spannungen im Reichstag. Um seine Mehrheit im Parlament nicht zu gefĂ€hrden, sah sich Bismarck gezwungen, seinen Kulturkampf „abzubrechen“.
  • Bismarck fĂŒhrte in Deutschland wegweisende Sozialreformen ein, um die Arbeiterklasse zu besĂ€nftigen und die StabilitĂ€t des Staates zu stĂ€rken. Darunter waren:

    • die EinfĂŒhrung der Krankenversicherung (1883);
    • der Unfallversicherung (1884);
    • der Alters- und InvaliditĂ€tsversicherung (1889).
    • Auch das Bildungssystem wurde ausgebaut, obwohl keine wesentlichen Reformen durchgefĂŒhrt wurden.
  • Auch Wirtschaft ließ Bismarck nicht außer Acht. Er fĂŒhrte Schutzzölle ein, um die heimische Industrie zu schĂŒtzen und den Wettbewerb auslĂ€ndischer Produkte einzudĂ€mmen. Er unterstĂŒtzte aktiv die Industrialisierung Deutschlands durch staatliche Investitionen in die Infrastruktur, insbesondere den Ausbau des Eisenbahnnetzes.
  • DarĂŒber hinaus versuchte der Kanzler, Bevölkerung den von Preußen kontrollierten polnischen Gebieten zu germanisieren, was auch zu Unzufriedenheit fĂŒhrte.

Was die Außenpolitik angeht, war Bismarck ein Meister der Diplomatie. Er schuf ein komplexes Netz von BĂŒndnissen und Allianzen (man nennt es auch „Bismarcks BĂŒndnissystem“), um die Machtbalance in Europa zu erhalten. Dazu gehörte das Dreikaiserabkommen mit Russland und Österreich-Ungarn sowie der Zweibund mit Österreich-Ungarn.

Generell war die Politik des ersten deutschen Bundeskanzlers ein komplexes Manöver zwischen HÀrte und staatlicher Kontrolle auf der einen Seite und Kompromissbereitschaft und Sachlichkeit auf der anderen. 

Als Otto von Bismarck 1871 Reichskanzler wurde, war der Kaiser Wilhelm I., der ihn respektierte und als vertrauten Berater ansah. Als Wilhelm II. 1888 den Thron bestieg, hatte er eine andere Meinung. Er war ein junger und impulsiver Monarch, der seine eigene Macht festigen und eine aktivere Rolle in der FĂŒhrung des Staates spielen wollte.

Bismarck hingegen hielt Wilhelm II. fĂŒr unreif und sagte, er sei ein „Brausekopf, könne nicht schweigen, sei Schmeichlern zugĂ€nglich und könne Deutschland in einen Krieg stĂŒrzen, ohne es zu ahnen und zu wollen.“ Die Spannungen zwischen den beiden wurden durch politische Differenzen, insbesondere ĂŒber die Kolonialpolitik, denen Bismarck zuerst wenig Beachtung schenkte, weiter verschĂ€rft. 

Wilhelm II. sah in dem bereits alten Kanzler ein Hindernis fĂŒr seine eigenen Ambitionen und beschloss, ihn aus dem Amt zu entfernen. Bismarck versuchte, politische UnterstĂŒtzung zu finden, aber seine Entscheidungen im Amt entfremdeten die meisten Fraktionen, und im MĂ€rz 1890 wurde er zum RĂŒcktritt gezwungen.

Dropping The Pilot

Letzte Lebensjahre und Tod

In seinen letzten Jahren widmete sich Otto von Bismarck hauptsĂ€chlich seinem Landgut in Friedrichsruh bei Hamburg und verfasste seine Memoiren. Gleichzeitig blieb er politisch aktiv, wenn auch hinter den Kulissen und bescheiden, und bemĂŒhte sich, sein positives Image ĂŒber KanĂ€le wie die Zeitungen zu verbreiten.

Erst der Tod seiner Frau im Jahr 1894 erschĂŒtterte Bismarck so sehr, dass er Friedrichsruh nicht mehr verließ und sein Gesundheitszustand sich endgĂŒltig verschlechterte. Die letzten Jahre verbrachte der Mann im Rollstuhl, und wĂ€hrend seines langen Lebens litt er unter vielen Krankheiten, von Schlaflosigkeit bis Rheumatismus. Außerdem liebte er es, sich zu ĂŒberfressen, was sich ebenfalls auf seine Gesundheit auswirkte. Am 30. Juli 1898 starb der FĂŒrst jedoch nicht an einem dieser Probleme, sondern an einer rasch fortschreitenden LungenlĂ€hmung. 

Die Familie von Bismarck lehnte den Wunsch Wilhelms II. ab, den Verstorbenen in der Hohenzollerngruft im Berliner Dom zu bestatten, und so wurde fĂŒr Otto und seine Frau Johanna ein Mausoleum in Friedrichsruh errichtet. Dort wurden sie am 16. MĂ€rz 1899 beigesetzt. Zuvor lagen die beiden in Varzin begraben, wo das Sommerhaus in eine Kapelle fĂŒr die Ehefrau des Politikers umgebaut worden war.

Bismarcks Grab

Hier liegen die Bismarcks begraben

Foto aus dem Internet

Otto von Bismarcks Familie und Nachfahren 

Bismarck hat viele Liebesgeschichten hinter sich, und alle, mit Ausnahme seiner ersten und einzigen Ehe, waren erfolglos. Besondere Aufmerksamkeit gilt seiner Beziehung zu Marie von Thadden, der Verlobten und spĂ€teren Ehefrau seines Schulkameraden Moritz von Blanckenburg. Von den Pietisten, denen sich Otto in Kniephof anschloss, war sie diejenige, die ihn beeinflusste, und ihre GefĂŒhle fĂŒreinander waren stark, aber am Ende wagte keiner von beiden, Moritz zu betrĂŒgen.

Marie von Thadden-Trieglaff

Es waren Marie und Moritz, die Bismarck seine zukĂŒnftige Frau Johanna von Puttkamer 1844 vorstellten. Es vergingen zwei Jahre, bis Otto bei den Puttkamers um die Hand seiner Tochter anhielt, und mehr als eine Woche, bis sie zustimmten. 

Otto und Johanna von Bismarck

Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer heirateten 1847 und lebten bis zum Tod der Frau im Jahr 1894 zusammen. Die Ehefrau unterstĂŒtzte ihren bedeutenden Mann in all seinen Unternehmungen, war eine ausgezeichnete Gastgeberin, und ihre Korrespondenz (die sehr umfangreich war, da Bismarck viel Zeit außer Haus verbrachte) ist voller ZĂ€rtlichkeit. Der Eiserne Kanzler betrachtete seine Frau als seine wichtigste StĂŒtze, so aus seinem Brief an Johanna (3. Mai 1851):

Was sprichst du von langer Trennung, mein Engel? Mach dich mit dem Gedanken vertraut, dass du mit mir musst in den Winter der großen Welt. Woran soll ich sonst mich wĂ€rmen?

Johanna verzieh ihrem Mann sogar, dass er eine AffÀre mit der Russin Katharina Orlowa in 1862 in Frankreich hatte.

Das Paar hatte drei Kinder: Marie, Herbert und Wilhelm. Marie heiratete einen Diplomaten, Kuno zu Rantzau, aber das Paar hatte keine Kinder. Der jĂŒngste Sohn des Reichskanzlers, Wilhelm, hatte drei Töchter (Herta, Irene und Dorothee) und einen Sohn, Nikolaus. Irene und Nikolaus hatten Kinder, doch ist ĂŒber diesen Zweig der Familie nicht viel bekannt.

Bismarcks Kinder

Der berĂŒhmteste Zweig von Bismarcks Nachkommenschaft stammt heute von seinem Sohn Herbert. Er hatte fĂŒnf Kinder, von denen seine Tochter Hannah von Bredow wegen ihrer Opposition gegen das nationalsozialistische Regime und seine Söhne Otto und Gottfried, die im Gegensatz dazu Mitglieder der NSDAP waren, am bekanntesten sind.

Herbert von Bismarcks Kinder

Otto selbst hatte sechs Kinder, von denen Gunilla, die fĂŒr ihre Vorliebe fĂŒr Partys berĂŒhmt ist, und Ferdinand, ein Rechtsanwalt und Chef des Hauses Bismarck-Schönhausen, die bekanntesten sind.

Otto von Bismarcks Urenkelkinder

Ferdinand und Gunilla von Bismarck-Schönhausen

Foto von Franziska Krug

Gottfrieds Enkelin Stephanie zu Guttenberg ist ebenfalls auf dem Rechtsgebiet bekannt – sie engagiert sich fĂŒr den Schutz von Kindern im Internet, insbesondere fĂŒr die Verhinderung der Verbreitung von Kinderpornografie.

Interessante Fakten ĂŒber den Eisernen Kanzler

  • Zeit seines Lebens blieb Otto von Bismarck ein Konservativer und AnhĂ€nger der Monarchie. Er Ă€ußerte sich sogar in seinen Memoiren: „Deutscher Patriotismus bedarf in der Regel, um tĂ€tig und wirksam zu werden, der Vermittlung dynastischer AnhĂ€nglichkeit“.
  • Bismarck liebte seine Frau zĂ€rtlich, und auf dem Sterbebett sagte er: „Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe“.
  • Otto von Bismarck schĂ€tzte die pommersche KĂŒche und liebte es, sich mit Essen zu verwöhnen. Er aß 12 Eier zum FrĂŒhstĂŒck bis ins hohe Alter.
  • Bismarck hat mehr als einmal gesagt, dass die Deutschen ein Volk sind, das zur Unzufriedenheit neigt.

Die einzige verfĂŒgbare Tonaufnahme von Otto von Bismarck aus 1889

  • Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder verkleidete sich als Otto von Bismarck fĂŒr die Fastnacht in Franken 2024.

    Markus Söder

    Dies ist eine Hommage des bayerischen MinisterprÀsidenten an Bismarck

    Foto von Heicko Becker

Otto von Bismarcks BĂŒcher

Obwohl Bismarck kein Schriftsteller war, hinterließ er ein beachtliches literarisches Erbe, das aus seinen Briefen, Reden und AktenstĂŒcke besteht. Die bisher umfassendste Sammlung seiner Werke ist die neunbĂ€ndige „Neue Friedrichsruher Ausgabe“ der Otto-von-Bismarck-Stiftung, die zwischen 2004 und 2021 erschien. Sie enthĂ€lt alle möglichen Schriften Otto von Bismarcks aus seiner Zeit als Reichskanzler bis zu seinem Tod. Es handelt sich zwar um Sachliteratur, aber es ist dennoch faszinierend, diese Texte zu lesen.

Von besonderem Interesse sind die „FĂŒrst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin“, die ein besseres VerstĂ€ndnis dieser monumentalen Figur von der menschlichen Seite her ermöglichen. 

Der Reichskanzler schrieb auch eine Autobiografie mit dem Titel „Gedanken und Erinnerungen“, die er nach seinem RĂŒcktritt vom Amt verfasste. Das Werk ist auf drei BĂ€nde angelegt: 

  • Der erste Band behandelt die Ereignisse von seiner Geburt bis zu seinen Jahren als Diplomat;
  • Der zweite Band befasst sich mit seiner Zeit als preußischer MinisterprĂ€sident und Reichskanzler;
  • Der dritte Band ist der Kritik an Wilhelm II. gewidmet.

Bedeutung Bismarcks fĂŒr Deutschland

Otto von Bismarck gilt als eine der grĂ¶ĂŸten Figuren der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts und seine Bedeutung fĂŒr die Schaffung des heutigen Deutschlands ist kaum zu ĂŒberschĂ€tzen. Seine Methoden und Ideen haben die politische Landschaft Europas nachhaltig geprĂ€gt. 

Einige von Bismarcks Maßnahmen haben noch immer einen großen Einfluss auf das tĂ€gliche Leben in Deutschland. Die EinfĂŒhrung der Sozialgesetzgebung zum Beispiel hatte erhebliche Auswirkungen auf das deutsche Sozialversicherungssystem, und diese Gesetze bleiben immer noch sein wesentlicher Bestandteil. Auch das föderale System der modernen Bundesrepublik hat seinen Ursprung in seiner Regierungszeit.

Bismarcks politisches Erbe ist jedoch komplex und umstritten. Obwohl er fĂŒr seine Rolle bei der Schaffung des deutschen Kaiserreichs gefeiert wird, wird er auch fĂŒr seine autoritĂ€re Herrschaft und die UnterdrĂŒckung von Oppositionen kritisiert. Seine Sozialpolitik, wie die EinfĂŒhrung der Sozialversicherung, war zwar wegweisend, diente aber auch dazu, die UnterstĂŒtzung fĂŒr die aufstrebende Sozialdemokratie zu untergraben.

Insgesamt bleibt Bismarck eine faszinierende historische Figur, deren Einfluss auf BR Deutschland und Europa noch lange nach seinem Tod zu spĂŒren ist. Mit Bismarck wird oft zum Beispiel Angela Merkel verglichen, die nach ihm am lĂ€ngsten im Amt war und ebenfalls versuchte, komplexe außenpolitische Manöver durchzufĂŒhren.

Gedenken an den Eisernen Kanzler

Trotz aller ZwiespĂ€ltigkeit der Figur bildete sich um den ersten Reichskanzler Deutschlands ein regelrechter Personenkult – ohne jegliche Förderung durch die Behörden. Schon zu seinen Lebzeiten wurde er in GemĂ€lden und Skulpturen verewigt.

Personenkult Bismarcks

NatĂŒrlich scheuten Bismarcks politische Gegner keine Gelegenheit, sich ĂŒber ihn lustig zu machen oder sein Bild zu verteufeln, und so sind bis heute zahlreiche Karikaturen erhalten geblieben.

Bismarcks Karikatur

Karikatur aus dem Jahr 1863

Bismarck mit der Peitsche

Karikatur aus dem Jahr 1870

Deutschlands Zukunft

Österreichische Karikatur aus dem Jahr 1870

Frankreich

Französische Karikatur aus dem Jahr 1870

Reichskanzler und Kaiser

Tschechische Karikatur aus dem Jahr 1892

Eiserne Kanzler

Französische Karikatur aus dem Jahr 1895

Die Erinnerung an Bismarck ist bis heute sehr lebendig. Es ist schwer zu zĂ€hlen, wie viele DenkmĂ€ler ihm zu Ehren errichtet wurden, wie viele Straßen und andere Objekte nach ihm benannt wurden. Und das nicht nur in Bundesrepublik Deutschland: Überall auf der Welt gibt es kleine Erinnerungszeichen an diese Figur. Das Projekt Bismarckierung der Otto-von-Bismarck-Stiftung katalogisiert all diese Orte und stellt sie auf einer interaktiven Karte dar.

Wir werden uns jedoch auf die bekannten Bismarck-DenkmĂ€ler in den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten Deutschlands konzentrieren:

  1. Bismarck-Nationaldenkmal im Großen Tiergarten von Berlin

    Dieses Denkmal in Berlin zeigt Bismarck in seinem feierlichen Gewand als Kanzler, der ĂŒber den Statuen von Atlas, Siegfried, Germania und einer Sibylle steht, die verschiedene Aspekte der deutschen Macht symbolisieren.

    Berliner Denkmal an Otto von Bismarck

    Die Statue wurde von Wilhelm II. in Auftrag gegeben

    Foto aus dem Internet
  2. Bismarck-Denkmal in Hamburg, das grĂ¶ĂŸte in Deutschland

    In den letzten Jahren wird eine rege Debatte darĂŒber gefĂŒhrt, ob das Hamburger Bismarck-Denkmal rekonstruiert oder neu-kontextualisiert werden soll. Dies angesichts der Mehrdeutigkeit seiner Figur und der Tatsache, dass dieses Denkmal die Dankbarkeit der Hamburger Kaufleute fĂŒr die deutsche Kolonialpolitik, den Ausbau des Hamburger Hafens und der Speicherstadt, die als Lager fĂŒr Kolonialwaren und Rohstoffe diente, zum Ausdruck bringt. Diese Kritik gilt auch fĂŒr andere Bismarck-DenkmĂ€ler, die jedoch kleiner sind, und daher nicht so rege diskutiert werden.

    Bismarckmonument in Hamburg
  3. Bismarck-Denkmal in MĂŒnchen

    Seltsamerweise ist dieses Denkmal seit seiner Eröffnung nicht sehr beliebt. Einst war die Statue fĂŒr das neu eröffnete Deutsche Museum vorgesehen, doch drei Jahre spĂ€ter wurde sie aufgrund von Kritik auf die andere Seite der Isar versetzt.

    Bismarck-Statue in MĂŒnchen

    Das Denkmal wurde 1931 angefertigt

    Foto von Lina Achhammer
  4. Bismarckturm in Köln

    Dies ist einer der Vertreter einer besonderen Kategorie von Bismarck-DenkmĂ€lern: die BismarcktĂŒrme. TĂŒrme zu seinen Ehren wurden bereits zu Lebzeiten des Kanzlers errichtet (und heute gibt es noch 173 TĂŒrme weltweit), die meisten jedoch nach einem von der Deutschen Studentenschaft 1899 veranstalteten Wettbewerb.

    Die Studenten wollten Bismarck auf solche Weise ehren, und bis heute ist dies eine der eindrucksvollsten Manifestationen seines Personenkults. Jeder Bismarckturm sollte ein Leuchtturm sein, der an bestimmten Tagen zu Ehren des Reichskanzlers und zum Gedenken an die deutsche Einigung von 1871 befeuert wird. Obwohl die meisten TĂŒrme mit Schießanlagen ausgestattet waren, scheiterten die PlĂ€ne fĂŒr eine landesweite Befeuerung, und viele lokale Initiativen wĂ€hlten abweichende EntwĂŒrfe.

    Kölner BismarcksÀule
  5. Bismarck-Denkmal in Frankfurt am Main

    Das Denkmal ist nicht so groß wie die anderen auf unserer kurzen Liste, aber Ende 2020 haben Unbekannte es immer noch mit roter Farbe ĂŒbergossen, um gegen die Verherrlichung der Kolonialisierung zu protestieren.

    Bismarck-Denkmal in Frankfurt-Höchst