Spittelau in Wien
Stellen Sie sich eine Industriezone vor, die plötzlich in bunten Farben und goldenen Kugeln erblüht. Die Müllverbrennungsanlage Spittelau Hundertwasser in Wien ist ein funktionierendes Müllverbrennungswerk, das vom österreichischen Genie Friedensreich Hundertwasser in eine Touristenattraktion verwandelt wurde.
Es lohnt sich, dieses Objekt zu besuchen, um zu sehen, wie die Philosophie des „Haus-Gemäldes" auf einen industriellen Giganten angewandt werden kann und mit welcher Großzügigkeit und Pracht Wien sein Müllproblem löst. Außerdem kann man hier originelle Fotos vor dem Kontrast zwischen der strengen Industrieumgebung und der skurrilen Kunst machen.
Offizielle Bezeichnung | Müllverbrennungsanlage Spittelau |
|---|---|
Objekttyp | Müllverbrennungswerk / Fernwärmekraftwerk |
Standort | Wien, Österreich |
Adresse | Spittelauer Lände 45, 1090 Wien |
Baujahr | 1969–1971, Umbau: 1988–1992 |
Architekt | 1969–1971 – Franz Josef Becvar; 1988–1992 – Friedensreich Hundertwasser |

Spittelau: Wo Kunst auf Müllverbrennung trifft
Geschichte der Spittelau
Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Bauwerks begann lange bevor die ersten bunten Farben auf seiner Fassade erschienen. Die ursprüngliche Anlage wurde Ende der 1960er-Jahre, von 1969 bis 1971, im Rahmen eines Programms zur Modernisierung der städtischen Infrastruktur errichtet. Die Hauptinitiatoren des Projekts waren die Wiener Stadtbehörden, die das Problem der Abfallentsorgung lösen und die wachsende Stadt mit Wärme versorgen mußten.
Das Projekt wurde vom Architekten Franz Josef Becvar und dem Bauingenieur Adolf Lukele entwickelt. Die Eröffnung fand 1971 statt, und die Müllverbrennungsanlage Spittelau Wien nahm ihren Betrieb auf.
Das Jahr 1987 änderte jedoch alles. Ein schwerer Brand zerstörte das Gebäude nahezu vollständig. Laut offiziellen Berichten war die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt im Rauchgasreinigungssystem.
In der Stadt entbrannten hitzige Debatten. Umweltschützer forderten die Schließung der gefährlichen Anlage und ihre Verlegung weit außerhalb der Stadt. Wirtschaftsexperten bestanden auf dem Wiederaufbau, da es zu teuer und zeitaufwendig wäre, etwas Neues von Grund auf zu errichten. Letztlich wurde als Kompromiß beschlossen, die Müllverbrennungsanlage Spittelau wieder aufzubauen, dies aber mit Rücksicht auf die Ökologie und die Ästhetik der Stadt zu tun.
Der Umbauprozeß 1988–1992
1988 begannen die umfangreichen Bauarbeiten. Vor den Architekten und Ingenieuren stand eine gewaltige Aufgabe – die neuesten Technologien zur Emissionsreinigung mit dem künstlerischen Konzept zu vereinen. Dafür wurde der berühmte österreichische Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser eingeladen, bekannt für seine liebevolle Beziehung zur Natur und seine Abneigung gegen gerade Linien.
Interessanterweise lehnte Friedensreich Hundertwasser das Projekt zunächst aus ökologischen Gründen rundweg ab. Er wollte nicht etwas verschönern, das der Natur schadet. Letztendlich stimmte er jedoch nur unter zwei Bedingungen zu:
- Erstens wird das Werk mit den modernsten Filtern ausgestattet.
- Zweitens wird er unentgeltlich an dem Projekt arbeiten, damit niemand ihn beschuldigen kann, an einem „schmutzigen" Thema zu verdienen.
So entstand das Konzept des „Denkmals für eine abfallfreie Gesellschaft" – eine Art Manifest, als Architektur getarnt.
Der Umbau umfaßte die Modernisierung der Rauchgasreinigungssysteme. So ist die Müllverbrennungsanlage Spittelau Wien eine der umweltfreundlichsten in Europa, trotz der Müllverbrennung. Es wurde ein damals hochmodernes mehrstufiges Filtersystem installiert. Es umfaßte Naßwäscher zur Reinigung von sauren Gasen und Anlagen zur Entstickung und Entfernung von Stickoxiden. Auch das Kraft-Wärme-Kopplungssystem zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme wurde optimiert. Die thermische Energie wurde in das städtische Fernwärmenetz eingespeist.
Die feierliche Eröffnung der erneuerten Müllverbrennungsanlage Spittelau fand am 2. Dezember 1992 statt. Hundertwasser war es gelungen, die ideale Balance zu finden, und die äußere Schönheit wurde zur Hülle für makellose innere Funktionalität.
Spittelau in Wien
Architektonisches Konzept und Fassadengestaltung
Die Fassade der Müllverbrennungsanlage Spittelau Hundertwasser ist die Leinwand eines Künstlers. Hier ist kein Platz für Langeweile und Eintönigkeit. Die Handschrift von Friedensreich Hundertwasser ist auf den ersten Blick erkennbar:
- Leuchtende Farben. Blau, Rot, Gelb – das Werk schimmert in allen Farben des Regenbogens, wie ein Kinderspielzeug.
- Verzicht auf gerade Linien. Fenster unterschiedlicher Größe, unregelmäßige Mauerstreifen, wellige Linien an den Wänden – der berühmte Protest des Architekten gegen die „gerade Linie als Werkzeug des Teufels".
- Kuppeln und Kugeln. Einige Schornsteine und technische Anbauten sind mit leuchtenden goldenen und zwiebelförmigen Kuppeln bekrönt, die an orientalische Paläste oder Märchentürme erinnern.
- Begrünung. Auf den Dächern und Terrassen sind Bäume und Sträucher gepflanzt, die nicht nur das Gebäude schmücken, sondern auch Teil des städtischen Ökosystems werden.
- Goldene Kugeln. An den Ecken des Gebäudes und oben auf dem Hauptschornstein prangen goldene Kugeln. Das ist das Markenzeichen des Meisters, das einen Hauch von kaiserlichem Prunk in die Industrielandschaft bringt.
Die Müllverbrennungsanlage Spittelau Hundertwasser dient den Bewohnern Wiens als ständige Erinnerung daran, daß Abfälle das Ergebnis ihrer Lebenstätigkeit sind. Dieser Müll muß schön und umweltfreundlich entsorgt werden.
Spittelau in Wien – architektonische Details
Technische Daten und Funktionsweise
Trotz seiner märchenhaften Hülle bleibt die Müllverbrennungsanlage Spittelau im Inneren ein hochtechnologisches Objekt des Wiener Energiesystems:
- 250.000 Tonnen Haushaltsabfälle werden jährlich verarbeitet.
- 60 GWh elektrische Energie werden jährlich ins Netz eingespeist.
- 500 GWh thermische Energie werden jährlich erzeugt.
- Das Volumen des Bunkers zur Annahme und Lagerung von Abfällen beträgt etwa 7.000 m³.
Das Funktionsprinzip ist klassisch für Heizkraftwerke: der Müll wird verbrannt, die freigesetzte Wärme erhitzt Wasser, der Dampf treibt Turbinen an und erzeugt Strom, und die Restwärme geht in das Wiener Fernwärmesystem. So erhalten über 60.000 Haushalte in der Stadt Wärme.
Aber das Hauptwunder ist den Blicken verborgen – das Emissionsreinigungssystem. Nach dem Umbau 2012–2015 wurde das Werk mit mehrstufigen Filtern ausgestattet, die Staub, Schwermetalle, Säuren und Dioxine auffangen. Seit 2024–2025 werden im Werk große Wärmepumpen eingesetzt. Sie nutzen die Energie aus dem Rauchgaskondensat, erhöhen die Wassertemperatur für das Fernwärmenetz auf 90 °C und steigern die Wärmeleistung um weitere 16 MW. Heute ist dies eines der umweltfreundlichsten und effizientesten Objekte dieser Art in Europa, das nicht nur Müll verbrennt, sondern auch einen enormen Beitrag zur Umweltpolitik der Stadt leistet.
Was ist drinnen?
Die Fassade des Gebäudes ist das Ergebnis überbordender künstlerischer und architektonischer Phantasie. Dabei ist die Müllverbrennungsanlage Spittelau innen ein Reich der Technologie. Der Kontrast zwischen der farbenfrohen Fassade und dem Interieur ist gewaltig. Besucher gelangen in eine Welt aus Stahl, Glas und komplexen Mechanismen. In der Leitwarte überwachen Operatoren rund um die Uhr Hunderte von Verbrennungsparametern.
Übrigens ist einer der spannendsten Teile der Führung die Möglichkeit, in den riesigen Müllbunker zu blicken. Durch dickes Glas kann man beobachten, wie gigantische Greiferkräne, wie Spielzeuge, Tonnen von Abfällen mischen und bewegen und sie in die Öfen laden. Weiter auf der Route folgen die Kessel, in denen bei Temperaturen über 1.000 °C der Müll brennt, und der Turbinensaal, wo Dampf zu Energie wird. Im Inneren der Müllverbrennungsanlage Spittelau gibt es zahlreiche moderne Kontrollsysteme, die diesen „schmutzigen" Prozeß kristallrein machen.
Spittelau in Wien bei Nacht
Führungen durch die Spittelau
Der beste Weg, das Werk kennenzulernen, ist die Teilnahme an einer Müllverbrennungsanlage Spittelau Führung. Die Führungen sind kostenlos, was sie noch attraktiver macht. Auf der Website werden mehrere Arten von Führungen angeboten:
- Vienna Energy Experience World. Besucher erwarten 20 interaktive Stationen mit Unterhaltung für die ganze Familie – erzeugen Sie Strom, tanzen Sie, fahren Sie Rad auf der „Tour de Watt", werfen Sie echte Photonenkugeln und vieles mehr. Die Führung mit Guide dauert 2 Stunden. Allerdings finden seit dem 18. Juli 2025 Renovierungsarbeiten im Park statt, daher ist diese Führung derzeit nicht verfügbar.
- Spittelau waste incineration plant. Das Programm umfaßt die Besichtigung der Fassade mit Erläuterungen zur Architektur und Philosophie Hundertwassers sowie den Besuch der Produktionshallen. Die Guides erzählen ausführlich über die Bedeutung der Mülltrennung, Recyclingkreisläufe und darüber, wie Wien zu seiner Zero-Waste-Philosophie gelangt ist. Sie erfahren auch, wie bis 2040 die Fernwärmeversorgung in Wien klimaneutral wird und die Stadt vollständig auf Erdgas verzichten wird.
- Simmering Power Plant. Während dieser lehrreichen Führung lernen Sie den inneren Aufbau des Kraftwerks kennen. Sie erfahren, wie hier auf umweltfreundliche Weise Strom erzeugt wird.
- Spittelau district cooling plant. Die Müllverbrennungsanlage Spittelau erzeugt nicht nur Fernwärme, sondern liefert auch umweltfreundliche Kühlung. Wien Energie wurde sogar mit dem Umweltpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Erfahren Sie, wie im Werk Wärme in umweltfreundliche Kühlung umgewandelt wird.
Die Führungen werden auf Deutsch und Englisch durchgeführt. Die Gruppen umfassen in der Regel 8 bis 25 Personen. Es gibt Programme für Schüler, die ihrem Alter angepaßt sind, für Erwachsene und für Familien.
Im selben Gebäude befindet sich die Wien Energie-Erlebniswelt – ein interaktives Energiemuseum, in dem man alles über die Wärme- und Stromerzeugung in Wien erfahren kann. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Anmeldung über die Website von Wien Energie möglich. Man muß sich mindestens einige Wochen im voraus anmelden, da die Gruppen klein sind und es sehr viele Interessenten gibt.

Willkommen in der Wien Energie-Erlebniswelt
Praktische Informationen für den Besuch
Auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage Spittelau gelten strenge Regeln:
- Alle Anweisungen des Führers müssen ausnahmslos befolgt werden. Den Gästen ist es nicht gestattet, die Gruppe zu verlassen.
- Es ist strengstens verboten, Maschinen und andere Werksausrüstung zu berühren.
- Gäste mit eingeschränkter Mobilität, Besucher mit Herzschrittmachern und Schwangere sind zu Führungen durch die Produktionshallen nicht zugelassen.
- Für Innenführungen sind geschlossene Schuhe und langärmelige Kleidung erforderlich. Regenschirme, Gehstöcke und Gepäck, einschließlich Rucksäcke und Taschen, sind verboten.
- Fotografieren im Inneren ist erlaubt, aber die Verwendung von Blitz ist aus Sicherheitsgründen untersagt.
- Rauchen ist verboten.
- Das Wegwerfen jeglichen Mülls ist verboten.
Beachten Sie, daß Gäste persönlich für jeden von ihnen verursachten Schaden an Werksanlagen haften. Vor Beginn der Führung müssen Sie ein Dokument unterschreiben, daß Sie die Regeln aufmerksam gelesen haben und ihnen zustimmen.
Die Müllverbrennungsanlage Spittelau befindet sich an der Adresse Spittelauer Lände 45, 1090 Wien. Am bequemsten erreicht man sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie benötigen die U-Bahn-Station U4 oder U6 „Spittelau". Das bunte Hundertwasser-Gebäude befindet sich direkt neben der U-Bahn. Auch Straßenbahnen und Busse halten hier.
Für eine bessere Aussicht und Fotos kann man auf die Fußgängerbrücken und -stege steigen, die die Station umgeben. Am besten umrundet man das Gebäude, denn von jeder Seite eröffnet es neue Blickwinkel und Farbkombinationen.
Interessante Fakten
Hier sind einige interessante Fakten über die Müllverbrennungsanlage Spittelau:
- Hundertwasser mochte gerade Linien so wenig, daß er während des Umbaus eigens über die Baustelle ging und persönlich überprüfte, ob es irgendwo einen perfekt geraden Winkel gab. Wenn er einen ideal verlegten Ziegelstein fand, mußte dieser umgelegt werden.
- Der „goldene" Schornstein des Werks ist nicht nur Dekoration. Er ersetzte den alten Betonschornstein, und der Künstler bestand darauf, daß er mit Edelstahl verkleidet und mit einer goldenen Kugel gekrönt wird, um ihn in einen Leuchtturm zu verwandeln, nicht in einen Industriepfeiler.
- Alle Fenster am Gebäude sind von unterschiedlicher Größe und Form. Hundertwasser war der Meinung, daß jedes Fenster, wie ein Mensch, seinen eigenen „Charakter" und ein Recht auf Individualität haben sollte.
- Der Erfolg des Wiener Projekts inspirierte Japan, das Maishima Incineration Plant in Osaka zu errichten, das stilistisch die Ideen Hundertwassers wiederholt.
FAQ
Kann man die Spittelau mit Kindern besuchen und ab welchem Alter sind Führungen erlaubt?
Ja, ein Besuch mit Kindern ist möglich und sogar erwünscht. Die Führungen sind für verschiedene Altersgruppen angepaßt. Normalerweise beträgt das Mindestalter für Innenführungen aus Sicherheitsgründen 6–7 Jahre, mit einer Körpergröße über 120 cm, aber es ist besser, dies bei der Buchung zu erfragen.
Wie lange dauert eine vollständige Führung durch die Müllverbrennungsanlage?
Eine vollständige Führung, die sowohl die Besichtigung des Äußeren mit Erläuterungen zur Architektur als auch die Innenführung durch das Werk umfaßt, dauert etwa 1,5–2 Stunden.
Welche Bäume und Pflanzen werden bei der Fassadenbegrünung verwendet?
Für die Begrünung wurden anspruchslose einheimische Arten ausgewählt, die in der Höhe überleben können. Das sind Ahorne, Hainbuchen, verschiedene Straucharten wie Hartriegel und Pfaffenhütchen sowie Kletterpflanzen, die in der warmen Jahreszeit grüne Wände bilden.
Gibt es einen Souvenirladen bei der Wien Energie-Erlebniswelt?
Einen separaten Souvenirladen gibt es nicht, aber in der Lobby des Informationszentrums kann man kleine Souvenirs, Broschüren über die Architektur Hundertwassers und Postkarten mit Ansichten der Müllverbrennungsanlage Spittelau erwerben.







