Karl-Marx-Hof in Wien
Der Karl-Marx-Hof in Wien ist nicht einfach ein Wohnhaus, sondern ein wahres Symbol des Roten Wien und ein Architekturdenkmal von Weltrang. Außerdem ist der Karl-Marx-Hof einer der berühmtesten Gemeindebauten der Stadt und das längste Wohngebäude der Welt. Seine monumentale Fassade beeindruckt die Vorstellungskraft auch heute noch, fast ein Jahrhundert nach dem Bau.
Der Karl-Marx-Hof Wien ist nicht nur wegen seiner Ausmaße interessant, sondern auch wegen des mutigen sozialen und architektonischen Konzepts, das die Ideen von erschwinglichem und würdigem Wohnraum für die Arbeiterklasse verkörperte. Man sollte ihn unbedingt besuchen, um zu sehen, wie Geschichte, Politik und Architektur zu einem einzigen Monument verflochten wurden, das letztlich zu einem gemütlichen Zuhause für Tausende von Menschen wurde.
Offizielle Bezeichnung | Karl-Marx-Hof |
|---|---|
Adresse | Heiligenstädter Straße 82-92, 1190 Wien |
Architekt | Karl Ehn |
Baujahre | 1927–1930 |
Eröffnungsjahr | 1930 |
Gesamtfläche | 156.000 m² |
Karl-Marx-Hof Länge | 1.100 Meter |
Karl-Marx-Hof Wohnungen | 1.382 |
Karl-Marx-Hof in Wien
Geschichte
Die Geschichte des Karl-Marx-Hof begann noch im Österreich der Nachkriegszeit der 1920er-Jahre. Nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie brauchte Wien dringend Wohnraum, denn ein Großteil der Bevölkerung hauste in engen und unhygienischen Zinshäusern. Die Sozialdemokratische Partei, die die Mehrheit im Stadtparlament erlangt hatte, initiierte ein großangelegtes Programm zum Bau von erschwinglichem Gemeindewohnbau. Die Grundidee bestand nicht einfach darin, ein Dach über dem Kopf zu bieten, sondern eine „Stadt in der Stadt" für Arbeiter mit eigener entwickelter Infrastruktur zu schaffen.
Die Finanzierung des Baus erfolgte durch die Einführung einer speziellen Wohnbausteuer, die von den wohlhabenden Bevölkerungsschichten erhoben wurde. Hauptarchitekt des Projekts wurde Karl Ehn, ein Schüler des berühmten Otto Wagner. Sein Konzept und seine Philosophie des Gebäudes bestanden in der Schaffung eines „Wohnviertels unter einem Dach". Der Bau dauerte von 1927 bis 1930. Er war groß angelegt, verlief aber ohne ernsthafte Probleme, denn alles war bis ins Detail durchdacht. Die offizielle Eröffnung fand 1930 statt und wurde zu einem großen Fest.
Im Februar 1934, während des Bürgerkriegs in Österreich, wurde der Karl-Marx-Hof als Hochburg der Sozialdemokraten von der Artillerie der Regierungstruppen beschossen. Das Gebäude wurde schwer beschädigt. Nach diesen Ereignissen wurde es 1938 umbenannt – in Heiligenstädter Hof. 1945 jedoch, nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde ihm der ursprüngliche Name zurückgegeben.
In den 1980er-Jahren wurde eine umfassende Restaurierung durchgeführt, die die Fassaden und die technische Infrastruktur betraf. Von 1989 bis 1992 wurde das Gebäude zusätzlich restauriert. Heute ist der Karl-Marx-Hof ein gewöhnlicher Wohnkomplex, hat aber zugleich den Status eines Architekturdenkmals. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und zieht weiterhin Touristen aus aller Welt an.
Historische Fotos des Karl-Marx-Hof
Architektur
Äußerlich beeindruckt der Karl-Marx-Hof durch seine Dimension. Die Fassade des Gebäudes ist im Stil der monumentalen Moderne mit Elementen des Neuen Konstruktivismus und sogar des Expressionismus gestaltet. Charakteristische Elemente sind die massiven Bögen, hohen Türme mit Fahnenmasten auf den Spitzen sowie die satte terrakottarote Farbe der Wände. Wegen seiner gigantischen Ausmaße und festungsartigen Konturen wird er oft mit einer mittelalterlichen Festung verglichen oder auch „Festung der Arbeiterklasse" genannt.
Den Hauptehrenhof, der zur Heiligenstädter Straße hinausgeht, schmückt die Bronzeskulptur Der Sämann. Sie symbolisiert die Idee des Aussäens der Zukunft, der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens, wofür dieses Gebäude errichtet wurde. Laut Karl-Marx-Hof Grundriß besteht der Komplex aus mehreren großen Innenhöfen, Grünzonen und durchgehenden Bogenpassagen. Die Innenaufteilung der Wohnungen war ursprünglich bescheiden, aber durchdacht – fast alle Zimmer hatten Fenster und Belüftung.
Das Hauptunterscheidungsmerkmal des Karl-Marx-Hof wurde seine Infrastruktur. Hier wurden riesige Waschküchen, Kindergärten, eine Bibliothek, eine Apotheke, Arztpraxen und sogar Räumlichkeiten für Jugendclubs errichtet. Das war ein echtes soziales Experiment – ein Konzept des kollektiven Lebens, das den Karl-Marx-Hof Einwohnern die Alltagsaufgaben erleichtern und eine Nachbarschaftsgemeinschaft schaffen sollte.
Mit der Zeit wurde das Karl-Marx-Hof Interior restauriert und modernisiert. Die Gemeinschaftsbereiche und das Karl-Marx-Hof Exterior haben jedoch ihr historisches Erscheinungsbild bewahrt. Mit einer Länge von über einem Kilometer und einer Fläche von 156.000 m² ist die Karl-Marx-Hof Größe wirklich beeindruckend. Stellen Sie sich vor: Das Gebäude ist länger als der Wolkenkratzer Burj Khalifa, wenn man ihn auf die Seite legt. Oder zum Beispiel ist seine Länge vergleichbar mit 4 Titanic-Schiffen, die in einer Linie aufgestellt sind.
Karl-Marx-Hof – Blick aus der Vogelperspektive
Praktische Informationen
Heute ist der Karl-Marx-Hof ein funktionierender Gemeindebau, in dem etwa 5.000 Bewohner leben. Karl-Marx-Hof Wohnungen mieten ist nur im Rahmen des sozialen Wohnbaus möglich. Für Touristen gibt es hier die ständige Karl-Marx-Hof Ausstellung – Das Rote Wien. Sie befindet sich in der ehemaligen Waschküche. Öffnungszeiten für die Selbstbesichtigung (Eintritt €7):
- Donnerstag von 13:00 bis 18:00 Uhr.
- Sonntag von 12:00 bis 16:00 Uhr.
- Für Gruppen ist eine vorherige Vereinbarung erforderlich.
Außerdem beginnt jeden Sonntag um 13:00 Uhr hier eine Führung mit Fremdenführer. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Preis beträgt €12 pro Person. Es ist zu beachten, daß Sie bei Tageslicht die Höfe kostenlos betreten können.
Das Gebäude ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Nehmen Sie die U-Bahn U4 bis zur Station Heiligenstadt und gehen Sie dann einige Minuten zu Fuß. Sie können auch mit der Straßenbahnlinie D bis zur Haltestelle Halteraugasse fahren. Mit dem Auto sollten Sie bedenken, daß das Parken in diesem Wiener Bezirk kostenpflichtig ist und Plätze schwer zu finden sind; es ist besser, das Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz bei der U-Bahn-Station zu lassen.
Um das Gebäude besser zu betrachten und seine Atmosphäre zu spüren, spazieren Sie außen und durch die Höfe. Machen Sie unbedingt einige Aufnahmen von der gegenüberliegenden Straßenseite, um das Ausmaß der Fassade zu erfassen, sowie innerhalb der Bögen, die eine großartige Perspektive schaffen.
Karl-Marx-Hof Ausstellung – Das Rote Wien
Interessante Fakten
- Im Sommer funktioniert in einem der Innenhöfe des Karl-Marx-Hof ein Freiluftkino. Bewohner und Gäste können Filme schauen, während sie auf dem Rasen sitzen, direkt an den Mauern dieses historischen Gebäudes.
- Die terrakottarote Farbe wurde nicht zufällig gewählt. Sie symbolisierte die Revolution und die Zugehörigkeit zur Arbeiterbewegung. Sie harmonierte auch gut mit den roten Fahnen, die an den Fahnenmasten der Türme während der Feiertage gehißt wurden.
- Das Bild des Karl-Marx-Hof wurde auf einer österreichischen Briefmarke abgebildet. Das unterstreicht seine kulturelle und historische Bedeutung für das Land.
- Der Karl-Marx-Hof erscheint in Szenen von The Night Porter, 1974. Das ist ein kultiges Drama von Liliana Cavani mit Dirk Bogarde und Charlotte Rampling, und der Karl-Marx-Hof unterstreicht hier die düstere Atmosphäre des Nachkriegs-Wien.
FAQ
Was symbolisiert die Bronzeskulptur im zentralen Hof?
Die Skulptur heißt Der Sämann. Sie symbolisiert die Idee des sozialistischen Aufbaus, das „Aussäen" der Samen eines neuen, gerechten Lebens, der Bildung und Kultur unter der Arbeiterklasse. Außerdem ist Der Sämann ein Symbol der Fürsorge für die künftige Generation, die unter den gesunden Bedingungen der neuen Wohnungen aufwachsen wird.
Wie hat der Karl-Marx-Hof die moderne Architektur des sozialen Wohnbaus beeinflußt?
Der Karl-Marx-Hof wurde zum Maßstab für den Ansatz zum sozialen Wohnbau. Er bewies, daß erschwinglicher Wohnraum nicht unbedingt trist und ärmlich sein muß. Mit dem Karl-Marx-Hof wurde die wichtige Idee des Baus einer „Stadt in der Stadt" mit eigener Infrastruktur, gepflegten Höfen, Waschküchen und Bibliotheken verwirklicht, um den Arbeitern und ihren Familien die Routinepflichten zu erleichtern. Viele moderne europäische Wohnkomplexe schöpfen bis heute Inspiration aus diesem Projekt.
Kann man als Tourist in die Innenhöfe des Karl-Marx-Hof gelangen?
Ja, das ist möglich. Die Innenhöfe des Karl-Marx-Hof sind ein öffentlich zugänglicher Bereich. Touristen können frei unter die Bögen gehen, durch die Höfe spazieren und die Fassaden bei Tageslicht fotografieren. Die einzige Regel ist, Ruhe zu bewahren und die Ruhe der Bewohner zu respektieren, da es ihr Zuhause ist. Der Zugang zu den Stiegenhäusern und Privatwohnungen ist selbstverständlich nicht gestattet.







