Almabtrieb in Österreich
Wenn es auf den alpinen Hochalmen kühler wird, beginnt die Zeit eines der farbenprächtigsten Feste Österreichs – der Almabtrieb, der Viehtrieb ins Tal. Das ist ein echtes Folklorefestival, das jährlich von Mitte September bis Anfang Oktober stattfindet.
2023 wurde die Tradition des saisonalen Viehtriebs (Transhumanz), zu der auch der Almabtrieb Österreich gehört, in die Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity aufgenommen und erhielt den Status eines UNESCO-Kulturerbes. In diesen Tagen füllen sich die österreichischen Dörfer mit Musik, dem Duft traditioneller Köstlichkeiten und Glockengeläut sowie einer einzigartigen Atmosphäre der Verbundenheit von Mensch und Natur.
Name der Tradition | Almabtrieb / Viehscheid / Galtausfahrt |
|---|---|
Verbreitungsregion | Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Tirol, Salzburg, Vorarlberg |
Zeitraum | Mitte September bis Anfang Oktober |
Dauer | Etwa 3–4 Wochen, je nach Wetter und Region |
Tierarten | Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen |
Der Almabtrieb
Geschichte und Bedeutung der Tradition
Die Tradition entstand vor vielen Jahrhunderten. Die ersten dokumentierten Berichte über mit Bändern und Blumen geschmückte Kühe in Tirol stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Almabtrieb Österreich ist von den klimatischen Besonderheiten der Alpen bestimmt. Die Almwiesen wurden für die Sommerbeweidung des Viehs genutzt, um die Futtervorräte in den Tälern für den Winter zu schonen. Daher weideten im Sommer Kühe, Schafe und Ziegen auf den saftigen Bergwiesen, und mit dem Einsetzen der Kälte wurden sie in die warmen Ställe in den Tälern getrieben.
Mit der Zeit entwickelte der Almabtrieb symbolische Rituale. Das wichtigste davon ist das Schmücken der Tiere mit Bändern, Kränzen, Glocken usw. Dies geschieht als Dank an Gott dafür, daß der Sommer gut verlaufen ist, das Vieh nicht zu Schaden gekommen und nicht in den Bergen verlorengegangen ist. Es ist eine lebendige Verbindung des Menschen mit der Natur, eine Anerkennung ihrer Großzügigkeit und Rauheit.
Interessanterweise sind die Arten der Schmückung je nach Bundesland unterschiedlich, obwohl das Wesen der Tradition dasselbe ist. Mancherorts liegt der Schwerpunkt auf der Größe der Glocken, anderswo auf der Farbenpracht der Blumenkränze, und in manchen Gemeinden werden bis heute alte Bräuche eingehalten, die mit der Segnung der Tiere verbunden sind. Man sollte nicht vergessen, daß der Almabtrieb Österreich eine große ökologische Bedeutung hat. Der Viehtrieb besteht seit Jahrhunderten und erhält die Biodiversität der alpinen Landschaften, indem er ihre Bewaldung verhindert.
Der Almabtrieb
Wie der Almabtrieb abläuft
Die Vorbereitungen für den Almabtrieb beginnen lange vor dem Abtrieb. Die Hirten wählen die besten Kühe aus, die den größten Schmuck tragen werden. Das Anfertigen der Kränze ist eine wahre Kunst. Sie werden aus frischen Blumen und Fichtenzweigen geflochten, mit Bändern und kleinen Spiegeln verziert. Es gibt jedoch einen wichtigen Aspekt. Prächtige Kopfbedeckungen und massive Glocken werden nur jenen Tieren angelegt, die den Sommer ohne Zwischenfälle verbracht haben, also etwa nicht krank waren. Wenn das Jahr schwierig war, kann die Herde ohne Schmuck oder mit minimalem Dekor hinabsteigen.
Der eigentliche Abtrieb beginnt am frühen Morgen. Die Almabtrieb-Termine werden von den örtlichen Hirtenzünften erst wenige Wochen vorher bekanntgegeben, da die Daten vom Wetter abhängen. Wenn in den Bergen früh Schnee gefallen ist, kann der Abtrieb als Notmaßnahme erfolgen. Almabtrieb – wann ist er? Aktuelle Informationen mit genauer Zeit und Route sind auf Almabtriebe.de verfügbar.
Den Festzug führen die besten Kühe mit den schönsten Kranln an. Das Glockengeläut hallt durchs Tal und kündigt das Nahen des Zuges an. Hinter den Tieren gehen die Hirten, Bauern in Trachten, Musikanten und festlich gekleidete Dorfbewohner. Im Dorf erwartet sie ein fröhlicher Jahrmarkt mit Köstlichkeiten, Musik und Tanz. Meist fallen die Feierlichkeiten auf einen Samstag oder Sonntag, damit alle Interessierten teilnehmen können.
Regionale Besonderheiten
Jede Region Österreichs bringt ihr eigenes unverwechselbares Kolorit in das Fest ein:
Almabtrieb Tirol. Tirol gilt zu Recht als Zentrum der Almabtrieb-Feierlichkeiten. Hier kann man die eindrucksvollsten Prozessionen sehen. Besonders berühmt sind die Festzüge in der Region der Kitzbüheler Alpen, etwa in St. Johann oder Fieberbrunn. Die Tiroler Kühe sind besonders prächtig geschmückt, und das Fest dauert oft mehrere Tage, mit Umzügen, Blasmusikkonzerten und Käseverkostungen.

Almabtrieb Zillertal Tirol | Österreich
- Almabtrieb Salzburger Land. In Salzburg ist die Tradition eng mit der reichen Geschichte der Region verflochten. Im Lungau und Pongau wird der Viehtrieb oft mit großen landwirtschaftlichen Märkten verbunden. Hier kann man lokale Delikatessen probieren – geräuchertes Fleisch Bauernspeck und Alpenkäse. Die Atmosphäre ist hier intimer, aber nicht weniger herzlich.
- Almabtrieb Vorarlberg. Vorarlberg, die westlichste Region, ist für seine besonderen kulinarischen Traditionen bekannt. Nach dem Festzug erwarten die Gäste Köstlichkeiten wie das berühmte Käsefondue und die traditionelle Speise Riebel. Die hiesigen Almen sind nicht so hoch wie in Tirol, aber die Traditionen werden hier mit besonderem schwäbisch-österreichischem Kolorit gepflegt.
In anderen Regionen, wie etwa Kärnten, gibt es nicht weniger interessante Volkstraditionen. Das Kufenstechen zum Beispiel ist ein alter Reiterwettkampf, der im Gailtal verbreitet ist.
Beim Wettkampf versuchen die Reiter im vollen Galopp, mit einer Lanze ein aufgehängtes Holzfaß (Kufe) zu zerschlagen. Nach einem erfolgreichen Treffer zerspringt das Faß, und der Teilnehmer setzt seinen Ritt im Kreis fort. Historisch ist das Kufenstechen mit Dorffesten und Kirchweihfesten verbunden, doch in manchen Gemeinden Kärntens können solche Wettkämpfe zeitlich mit dem Almabtrieb zusammenfallen.
Praktische Informationen
Bei der Planung einer Reise zum Almabtrieb Österreich sollte man an die Verkehrsanbindung denken. Viele Dörfer liegen in Tälern, die leicht mit dem Auto über Schnellstraßen zu erreichen sind. Der öffentliche Verkehr (Züge und Regionalbusse) ist ebenfalls gut ausgebaut, kann aber am Festtag überfüllt sein. An manchen Orten kann man mit der Seilbahn hinauffahren, die am Festtag spezielle Ermäßigungen anbietet.
Ein großes Problem ist das Parken. An Spitzentagen sind alle nahegelegenen Parkplätze überfüllt. Es empfiehlt sich, 1–2 Stunden vor Beginn des Festzugs anzukommen. Für größere Veranstaltungen werden meist spezielle Parkplätze am Ortsrand eingerichtet, von wo Shuttlebusse fahren. Seien Sie auf Verkehrsbeschränkungen vorbereitet. Während des Durchzugs der Prozession sind die zentralen Straßen gesperrt.
Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos, aber Essen und Getränke am Jahrmarkt sind selbstverständlich kostenpflichtig. Kleiden Sie sich wetterfest und wählen Sie bequeme Schuhe, da Sie viel stehen und gehen werden. Was die Etikette betrifft, sind die Österreicher sehr freundlich, aber man sollte die Bewegung des Viehs nicht behindern. Probieren Sie unbedingt die traditionellen Gerichte – gebratene Würstel Bratwurst, geschmortes Rindfleisch Tafelspitz und natürlich frische Käse und Strudel.
Tradition des Almabtriebs
Interessante Fakten
Hier sind einige wichtige Fakten über die Veranstaltung:
- Das Gewicht großer Kranln kann in manchen Regionen 20–30 Kilogramm erreichen. Die Tiere werden von klein auf speziell auf diese Last vorbereitet.
- In alter Zeit glaubte man, daß laute Glocken böse Geister vertreiben, die dem Vieh auf den engen Bergpfaden schaden könnten.
- Wenn eine Kuh ohne das Kalb, das sie im Sommer geboren hat, von der Alm zurückkehrt, wird an ihren Schmuck manchmal eine kleine Holzwiege gehängt. Das ist ein Zeichen der Hoffnung auf künftigen Nachwuchs.
- In manchen Gemeinden wird bis heute der Scheid praktiziert. Das ist die Trennung der Herden verschiedener Besitzer nach dem Abtrieb ins Tal, was sich in einen eigenen Geschicklichkeitswettbewerb der Hirten verwandelt.
- Nicht alle Kühe nehmen am Umzug teil. Ein Teil der Herde kehrt ohne Schmuck auf die Höfe zurück.
FAQ
Kann man sich dem Almabtrieb-Festzug als Teilnehmer anschließen?
Nein. Das ist ein organisierter Festzug mit Teilnahme von Hirten, Bauern und deren Familien. Touristen beobachten die Prozession von Gehsteigen oder speziell ausgewiesenen Bereichen aus, um die Tiere nicht zu stören und kein Gedränge zu verursachen.
Ist es sicher, Kinder zum Almabtrieb mitzubringen?
Ja, das ist eine ausgezeichnete Familienveranstaltung. Man muß jedoch Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Es ist wichtig, Kinder an der Hand oder im Kinderwagen zu halten und den Tieren nicht nahezukommen, besonders nicht von hinten. Außerdem sollte man dem Kind im vorhinein erklären, daß Kühe durch laute Geräusche oder abrupte Bewegungen erschreckt werden können.
Kann man traditionellen Kuhschmuck als Souvenir kaufen?
Ja, auf Jahrmärkten und in Souvenirläden werden oft verkleinerte Kopien von Glocken, Wandschmuck mit Blumen und Bändern sowie verschiedene Basteleien zum Thema Almabtrieb verkauft.
Welche anderen Tiere außer Kühen nehmen am Almabtrieb teil?
In der Prozession kann man oft Pferde sehen, die beim Lenken der Herde helfen. Ebenso Schafe, Ziegen und sogar Sennenhunde, die den Hirten helfen.
Wieviel Zeit sollte man für den Besuch eines Almabtriebs einplanen?
Man sollte mindestens einen halben Tag einplanen. Der Festzug selbst dauert 1 bis 2 Stunden, aber danach beginnt der Jahrmarkt, wo man noch einige Stunden verbringen kann, um Essen, Musik und die Festatmosphäre zu genießen.







